Wenig Zeit zum Nachdenken…(Bill Bonner)

17. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bill Bonner

„Ich liebe die USA…aber die scheinen eine falsche Richtung genommen zu haben“, sagte mir ein Freund in Miami. „Man kann sich hier umschauen und alles sieht gut aus. Der Rasen, die Bäume, alle topp gepflegt. Die Leute sind reich. Aber wenn Sie ins Inland gehen, da sieht es anders aus. Viele Leute in Florida haben kaum zwei Münzen in der Tasche. Deshalb sieht man so viele alte Leute arbeiten. Sie sind Kartenabreißer in den Vergnügungsparks. Sie arbeiten auf Kreuzfahrtschiffen. Sie parken Autos. Sie haben kein Geld. Sie müssen dafür sorgen, dass sie über die Runden kommen.“

Und der Immobilienmarkt hier ist ein Desaster. Die Leute sagen, dass der Boden erreicht ist. Ich sehe das nicht so. Was ich sehe, sind wenige Transaktionen….der Markt ist sehr soft. Die Leute denken weiterhin, dass sie auf dem Boden kaufen können. Sie kaufen…und dann sinkt der Boden doch noch weiter.

Dies ist hier eine Konsumenten-Gesellschaft. Die Leute leben in Vororten…fast der ganze Bundesstaat hier ist ein Vorort. Sie gehen zur Arbeit. Sie kommen nach Hause. Sie gehen essen. Sie gehen einkaufen.

Jede Stunde des Tages sieht man Handwerker auf den Straßen, ungefähr die Hälfte der Autos. Einer mäht den Rasen oder repariert das Kabelfernsehen. Niemand erledigt diese Dinge selber. So leben die Leute hier. Sie rufen jemand an, wenn es ein Problem gibt. Geld einnehmen, Geld ausgeben…die ganze Zeit. Niemand hat Ersparnisse. Oder Zeit. Es ist immer los, los, los. Ab zur Arbeit. Ab zum Einkaufen.

Und das kann nicht aufhören. Wenn sich das nur etwas verlangsamt, dann befindet sich der ganze Bundesstaat im Abschwung. Jeder prüft die ganze Zeit sein Mobilfunkgerät oder sein iPhone oder seine Emails. Es ist immer los, los, los. Niemand nimmt sich die Zeit, nachzudenken oder sich sogar zu wundern. Deshalb wäre eine reale wirtschaftliche Depression jetzt erheblich schlimmer als die Weltwirtschaftskrise der 1930er.

Niemand kann ruhig sitzen. Sie können nicht abwarten, bis etwas vorübergeht. Sie können nicht aufhören zu atmen…oder zu denken, oder zu warten, bis sich die Probleme gelöst haben. Sie können sich nicht entspannen und warten, bis es einen wirtschaftlichen Aufschwung gibt. Sie müssen arbeiten.

Sie müssen Geld verdienen…und es wieder ausgeben. Eine Lektion, die ich von Ihnen gelernt habe, ist es, dass man Ersparnisse haben sollte. Dann ist man nicht gezwungen, die ganze Zeit in der Tretmühle zu bleiben. Man braucht etwas Geld und etwas Zeit. Andernfalls wird man niemals herausfinden, was vor sich geht. Und dann wird man auch nicht wissen, wie man Geld verdient. Man arbeitet sonst nur von Tag zu Tag…von Job zu Job…von einem Shop zur nächsten Mall….von einer Rechnung zur nächsten….

Wissenschaftler haben Studien dazu durchgeführt, wie das Gehirn funktioniert. Sie fanden heraus, dass das meiste, was wir tun, reaktiv ist…wie dies: Wenn jemand einen Ball auf Sie wirft…dann fangen Sie den. Schnelle Reaktion.

Aber es gibt Dinge, für die das Gehirn Zeit benötigt. Und Nachdenken, reflektieren. Und niemand hat die Zeit fürs reflektieren, wenn er am Computer sitzt oder am iPhone…und schnell noch etwas erledigen möchte…


Quelle: Kapitalschutz Akte
Wenig Zeit zum Nachdenken  (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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2 Kommentare auf "Wenig Zeit zum Nachdenken…(Bill Bonner)"

  1. Wenig Zeit zum Nachdenken | Verschwörung.net | 911 Verschwörung | Wirtschaft | Politik sagt:

    […] Wenig Zeit zum Nachdenken […]

  2. Wollen sagt:

    Dieses permanente Beschäftigen, rastloses ruheloses Leben,das stimmt,wir hatten letztens auch festgestellt, wenn man Menschen mal längere Zeit beobachtet, an bestimmten Orten ist bei einigen jede Hilfe zu spät,ein nur noch funktionieren ohne anzuhalten mal stop sagen.
    Wenn dann der Arbeitsrhythmus in die Freizeit übertragen wird, mit genau demselben Tempo seine Freizeit gestaltet sind dann die Grenzen verschwommen.Einfach mal hinsetzen ausruhen,einen Schritt langsamer gehen sie werden merken, dass wir uns viel zu schnell bewegen und permanent überfordert sind, auch im Geist,anhand der zu vielen Informationen, die wir heut kaum noch verarbeiten können.Permanenter Stress.Der Körper ist immer in Alarmbereitschaft.
    Christian Schüle hat ein Buch dazu geschrieben: „Vom ich zum Wir“,er beschreibt auch ganz gut, was hier angesprochen wurde,spricht über Auswege.

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