Wendejacke „Ben“, zeitlos modern

11. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Ronald Gehrt  

Donnerwetter! Da habe ich mich aber mal in jemandem getäuscht. Als ich am vergangenen Wochenende die Kolumne „Ben Bernanke’s Waterloo“ schrieb, stand da unter anderem…

„Dumm nur, dass Ben Bernanke eigentlich nicht der Wendehals ist, den man anfänglich in ihm sah. Bringt er es fertig, sich so zu verhalten? Er, der weiß, was dann blüht? Ich zweifle. Andererseits: Obamas kürzliche Kommentare, dass Bernanke doch schon länger im Amt sei als er eigentlich ursprünglich bleiben wollte, ist das nächste Hintertürchen. Er scheidet aus dem Amt, ein neuer (oder eine neue) kommt und der/die macht dann halt alles anders.“

Da lag ich voll daneben. Denn seit der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wissen wir, dass das Modell der Wendejacke „Ben“ wieder „in“ ist. Zeitlos, dasselbe Modell, aber innen und außen mit einem optisch wunderbaren Kontrast. Schlimm … denn was Bernanke in einer Rede nach US-Handelsende am Mittwochabend von dem „National Bureau of Economic Research“ in Boston von sich gab, erweckt den Eindruck, dass es diesmal nicht die Märkte waren, die ihn missverstanden haben. Diesmal hat er sich selbst offenbar missverstanden.

Kann ja mal vorkommen. Vor allem dann, wenn man merkt, dass die Börsen auf Aussagen „falsch“ reagieren, indem die Aktienmärkte fallen und die Zinsen steigen. Denn das war ja der entscheidende Punkt. Wenngleich da sehr viel Terminmarkt ob des bei der Notenbank-Pressekonferenz nur anderthalb Tage entfernt liegenden großen Verfalltermins an den Terminbörsen dabei war, so sauste der Dollar doch auf ein für den US-Export höchst schmerzhaftes Niveau und die Zinsen am Kapitalmarkt stiegen. Schlecht!

Da musste also etwas unternommen werden. Dabei hatte ich wirklich darauf gesetzt, dass man die Effekte des steigenden Greenback und der steigenden Zinsen abwarten würde, um dann ein zu schwaches Wachstum als Grund für ein Ausbleiben des „Tapering“, wie man in den USA das Reduzieren bzw. Einstellen der „Quantitative Easing“ nun nennt, zu verwenden. Einfach, um nicht plötzlich das Gegenteil behaupten zu müssen und so das Gesicht zu verlieren, zumal man sich dann der Peinlichkeit aussetzen würde, auf den Coup der EZB vom vergangenen Donnerstag zu reagieren, die ihrerseits unterstrich, dass eine Rückführung der aktuellen Stützungen nicht ansteht und man nicht auf andere Notenbanken zu reagieren pflege. Man würde das Gesicht verlieren … und kann sich eine Notenbank wie die Federal Reserve das leisten? Dachte ich …

Denn sie kann vielleicht nicht, glaubt aber zu müssen. Besser als dummer August dastehen als sich den Zorn der Wirtschaft zuziehen, mag sich Bernanke gesagt haben. Zumal: Das einige Stunden vor dieser „historischen“ Rede (immerhin feiert die Fed aktuell ihr 100jähriges Bestehen) veröffentlichte Protokoll der letzten Notenbanksitzung zeigte, dass man dort immer noch so lachhaft uneinig war wie sechs Wochen zuvor.

Etwa die Hälfte der 19 Mitglieder des für die Entscheidungen zuständigen Federal Open Market Committee (FOMC) war dafür, das „Quantitative Easing“ noch in 2013 einzustellen. „Viele“ der anderen waren der Ansicht, dass die Krücke auch noch in 2014 vonnöten sei. Und „wenige“ (entsprechend der Abstimmung offenbar zwei) Mitglieder verlangten die sofortige Einstellung der Maßnahmen.

Im Prinzip logisch, diese Uneinigkeit. Denn es kommt darauf an, wo man hinsieht. Während die einen steigende Aktien und niedrige Zinsen als „Manna“ für die Märkte sehen und realisieren, dass die US-Wirtschaft ohne diese Krücke sofort auf der Nase liegen würde, haben diejenigen, die dafür sind, mit diesem Spuk sofort Schluss zu machen, die langfristigen Konsequenzen im Blick und sagen sich: Lieber jetzt Rezession als irgendwann später unkontrollierbares Chaos, wenn die Blasen platzen und uns die Menschen dann für unsere Dummheit lynchen werden. Denn es ist ja so wie in der letzten Kolumne beschrieben: Die USA stehen in einer Sackgasse. Und als die EZB einen Schritt in die andere Richtung tat, kam ihnen diese noch in Form eines Lastwagens entgegen…. (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Wendejacke „Ben“, zeitlos modern"

  1. FDominicus sagt:

    Schade, ich habe es nicht bei Ihrem letzten Eintrag kommentiert sondern auf einem anderen Blog. Es war sonnenklar, daß die Druckerei noch kein Ende hat. Wie sollte es auch? Nur mit immer neuem gedrucktem Zwangszahlungsmittel kann man den Bankrott noch ein wenig länger verschleppen. Ben ist voll auf diesem Trip. Kaum verwunderlich….

  2. Lickneeson sagt:

    Da gebe ich meinem „Vorredner“ Recht.Kaum verwunderlich.

    Verwunderlich ist m.E. nur, das überhaupt noch jemand zuhört, wenn Bernanke faselt.Oder noch schlimmer, versucht die Wortklaubereien zu analysieren.Ähnlich absurd wie in alten Tagen Greenspans Taschenformat.
    Dicke Tasche – Zinsänderung/Dünne Tasche – Heisse Luft.

    Wenn die FED eine Partei wäre hätten wir einen Club mehr von Wendehälsen und Phrasenmähern, die wir NICHT wählen sollten.

    Unterm Strich gilt also weiterhin: Rot oder Schwarz im Casino der Weltbörsen.

    Rien ne va plus.

  3. crunchy sagt:

    So isses. Wird der Geldhahn zum Geldsauger, rollen irgendwo Köpfe. Dann ist die afrikanische Facebookrevolte im Rest der Welt angekommen.

    Unsere vom TV bedudelten Schnarchnasen werden es erst merken, wenn die Scheibe matt bleibt. Ob die dann revoltieren? Glaube ich auch nicht, solange der Fusel billig und der Bauch voll ist.
    Alles Palette!

    Da war doch noch die Alternative für Deutschland?
    Ach ja, die hätte man vielleicht wählen können.
    Aber dafür den A…. heben?

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