Weltspartag? Wenn Sparer einen KNAX bekommen…

30. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Und schon wieder ist Weltspartag. Manche Mütter und Väter rennen mit ihrem Nachwuchs und dessen Sparschwein zur Bank. Das bringt zwar nix, wirkt aber erzieherisch. Das feiern wir immer am 30. Oktober eines Jahres! Womit? Mit Zinsgewinnen! Was? Keine Zinsen? Pech gehabt!

Jahrestage haben eine komische Angewohnheit. Manchmal wird deren Sinn einfach durch Geschichte und Realität überholt. Der Weltspartag ist so ein Fall. Inzwischen ist dieser Anlass zu einem Witz verkommen in einer Zeit, in der Zinsen weltweit als ausgerottet gelten wie Anstand und Moral der Finanzindustrie. Für Sparer gibt es nichts mehr zu feiern, jedenfalls nicht auf herkömmliche Art.

Pünktlich zum Weltspartag überfällt die Skatbank ihre Sparer mit mehr als 500.000 Euro auf der hohen Kante mit einem Strafzins, wenn sie dort ihre Spargroschen hinterlegen. Sie werden sozusagen Schachmatt gesetzt in einem Spiel mit einem schwarzen Peter, pardon, schwarzem Mario. Die Skatbank ist die Erste, die Strafzinsen verlangt dafür, dass man ihr einen Kredit gibt. Das kostet künftig nur 0,2 Prozent Gebühr und ist eine Steilvorlage für die gesamte Bankenbranche. Danke, liebe EZB!

Sparen. Wozu?

Sparen bedeutet so etwas wie Überschüsse aus der eigenen Bilanz zu erzeugen und diese in einer Form zur Seite zu legen, auf die man später, in Kaufkraft gerechnet, verlustfrei zugreifen kann… wenn das Sparen überhaupt noch möglich ist. Schließlich sind 13 Millionen Leute nach Berechnung des Statistikamtes arm bzw. von Armut bedroht. Das sind 16,1 Prozent der Bevölkerung bei einer Arbeitslosenquote nach offizieller Lesart von hervorragenden 6,5 Prozent. Die Bildungsindustrie sorgt dafür, dass man trotzdem feiert, wenn früher ein Achtel der Leute von Armut bedroht waren, aber heute nur noch ein Sechstel davon betroffen ist. Ist doch weniger! Nein?

13 Millionen Leute werden heute enttäuscht sein, wenn sie hören, dass sie nicht zu denen gehören, um die sich die Finanzindustrie kümmern muss. Doch selbst vor dem einfachen Sparen kapitulieren inzwischen die meiste Sparer. Die Bildungsindustrie hat ganze Arbeit geleistet – und die Faulheit der Leute half kräftig mit.

Wozu soll man heute noch etwas zur Seite legen, wenn es keine Zinsen darauf gibt? Wahrscheinlich deshalb, dass wenigstens die Bank mit dem Geld der Sparer „arbeiten“ kann. „Arbeiten“ meint hier, dass Ersparnisse auf der Bank nicht nur eine Forderung gegenüber dieser sind, sondern die Bank den Betrag als Grundlange nimmt für ein Vielfaches an Krediten dient, die sie vergibt. Aus einem Euro werden so bis zu 99 Euro – und zwar aus dem Nichts.

Gebe ich der Bank 100 Euro, kann sie die 99-fache Summe als Kredit vergeben. Aber an wen? Sparer bekommen für ihre Einlage nichts mehr, jedoch lässt sich die Bank ihre Bemühungen bei einem Zinssatz von acht Prozent auf einen Kredit mit 9990 Euro mit 799 Euro vergüten. Tolles Geschäft! Dabei erzählen Ihnen die Experten und Bankangestellten, dass die Bank die 100 Euro nur weiterverleiht, für einen Zinsgewinn von 8 Euro pro Jahr.

Bei der Sparkasse ist übrigens heute KNAX-Tag. Vielleicht ist eine Investition von 4 Euro in einen Kürbis, den man den Kleinen über den Kopf stülpt witziger, als das Sparschwein unter Aufsicht der Experten sinnlos zu zertrümmern. Man kann ihnen auch Lachgummi kaufen. Das ist witziger. Trotzdem sollte man den Kleinen erklären, was Sparen bedeutet, dass die Einlagen der Kleinen, das Protzauto der Nachbarn finanziert. Oder so. Geben Sie nicht auf. Die Kleinen sollten lernen, was Sparen ist, aber nicht so, wie es die Finanzindustrie möchte.

Es bleibt dabei: Spare, wenn Du kannst, dann hast Du in der Not. Und immer schön flüssig bleiben, auch wenn es keine Zinsen mehr gibt. Dann hat man immer mal wieder die Möglichkeit, seine ersparten Euronen aus sinnloser Baumwolle in etwas zu tauschen, was dauerhafter ist als diese. Etwas hier, etwas da… am besten Eigentum, bzw. echten Besitz… und zwar, bevor die Ersparnisse auf den zinslosen Konten nur anderen nutzen und diese am Ende einen Knax bekommen. Viel Glück!



 

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15 Kommentare auf "Weltspartag? Wenn Sparer einen KNAX bekommen…"

  1. bluestar sagt:

    Das ist vielleicht gar kein Strafzins sondern ein smarter Weckruf ?
    Immerhin ist es doch mit Blick auf Zypern extrem gefährlich 500.000.- Euronen auf einer Bank zu lagern. Da die deutschen DSDM-Massen und Schlafschafe in der Regel keine 500.000.- auf dem Konto haben dürften, juckt das in diesem Land sowieso keinen. Richtig im Staatsfernsehen vermarktet, erwarte ich sogar Beifall der besitzlosen Masse bei größeren finanziellen Repressionen und Maßnahmen gegen Eigentum sogenannter „Reiche“, was in diesem verarmten Entwicklungsland und Exportweltmeister bereits Leute mit einem Jahres-Einkommen über 100.000.- sind.

  2. Skyjumper sagt:

    Es ist zugegebener Weise schon mal einen Artikel wert, wenn die erste Bank in Deutschland einen Strafzins für die „sichere“ Aufbewahrung von Geld verlangt. Das es ausgerechnet eine Genossenschaftsbank, und nicht etwa die DB oder die CoBa ist, macht es noch etwas erstaunlicher. Andererseits sind die Grenzbeträge von 500 T€ (Privatkonten) bzw. 2,0 Mio.€ (Geschäftskonten) für die meisten Bürger in Deutschland nicht gerade praxisrelevant.

    Ich glaube allerdings schon, dass man später im Rückblick mal sagen können wird, das gestern eine Ära zu Ende ging. Denn zusammen mit der Einkassierung des Bankgeheimnisses (der eh nur noch kläglichen Reste besser gesagt) könnten klassische Banken gestern vielleicht tatsächlich ihren Zenit überschritten haben.

    Sparen bei der Bank? Werte aufbewahren bei der Bank? Wozu denn das? Damit mir jeder Beamtenlaffel in mein Portemonaie gucken kann? Damit die Bank an mir verdient? Nein, da gibt es andere Möglichkeiten. Ich kann mir vorstellen, dass sich dieser Geschäftsbereich der Banken gestern selbst erhängt hat. Damit wird er beileibe nicht Morgen gestorben sein. Oh nein. Das Sterben wird sich noch Jahre hinziehen, aber gestern hat es begonnen.

    Und nach dem 2. Mal darüber nachdenken finde ich das gar nicht so schlecht.

    • FDominicus sagt:

      Ob praxisrelevant oder nicht ist doch völlig nebensächlich. Grundsätzlich halte ich es für richtig wenn eine Bank Gebühren für die Aufbewahrung erheben würde. Was hier aber passiert ist: die Guthaben sind ein Kredit an die Bank die dann beliebig weiterverliehen werden wie Herr Meyer hier noch mal klar darlegt. Nun kann die Bank das Geld nehmen und sagen wir mal Anleiehen von Staaten auch nur mit Minizinsen kaufen. Geht es schief hat halt der Kunde oder Steuerzahler Pech gehabt, aber bis dahin kassiert die Bank die 0,2 % von dem Guthabenhalter und den Zins von den „risikolosen“ Anleihen von Staaten und Sie behauptet glatt weg, das Geld könnte man täglich „haben“. Es ist so verlogen, daß man nur noch fluchen kann.

  3. Ropeka sagt:

    Ist dieser Kommentar förderlich? Geld kommt durch Kredit in die Welt. Voraussetzung dafür ist pfändbares Eigentum. Es muss also eine Leistung/Eigentum vorher bestehen. Damit ist die Schaffung solchen Geldes gedeckt und für unsere Volkswirtschaften absolut gefahrenfrei – bis, ja bis das von den Finanzeliten entwickelte Zentralbankenkartell ihre Art Geldschaffung durchführt: Ankauf von Staatsanleihen ist leistungsloses, und somit grds. inflationäres Geld.
    Sie verwässert Vermögen und ist eine künftige Steuererhöhung.
    Zum Thema Inflation: Wie wärs mit dem Begriff Kaufkrafterhalt, dies würde dann endlich klar werden lassen, dass alle Gebührenerhöhungen, Strompreiserhöhungen und sozialvers.mindernde Leistungen jeweils verdeckte Steuererhöhungen sind. Was interessiert den Arbeiter die Inflationsrate. Er muss seine Familie ernähren, sie gesund halten und seine Kinder die beste Bildung zukommen lassen.
    Das immer erwähnte Problem der Geldschöfpung von Geschäftsbanken wird leider auch in ihrem Artikel wieder angeführt ohne das wichtigste zu nennen: Jedes leistungslos geschaffene Geld (Ankauf der Staatsanleihen) verarmt die Bürger.

    • Skyjumper sagt:

      „…….Geld kommt durch Kredit in die Welt. Voraussetzung dafür ist pfändbares Eigentum. Es muss also eine Leistung/Eigentum vorher bestehen. Damit ist die Schaffung solchen Geldes gedeckt und für unsere Volkswirtschaften absolut gefahrenfrei……….“

      Was Sie beschreiben ist die Theorie. Und die ist, wie so oft im Leben, nicht zu beanstanden. Ihre einseitige Fokussierung (so habe ich Ihren Beitrag jedenfalls verstanden) auf die Staatsanleihen trifft das Problem aber leider nicht. Sicherlich sind Staatsanleihen ein Teil des Problems, und auch Ihren Hinweis auf: Staatsanleihe(Schuld) = künftige Steuererhöhung = Kaufkraftverlust, würde ich unterschreiben. Doch das Gros der Geldschöpfung findet eben nicht dort statt, sondern via Kredit bei den Geschäftsbanken.

      Und es ist eben in der Praxis nicht so, dass einem Kredit immer eine entsprechende Sicherheit, also eine VORHERIGE Leistung gegenübersteht.
      * Dispokredite = keine vorhergehende Leistung
      * Konsumkredite = keine vorhergehende Leistung
      * Projektfinanzierungen = keine vorhergehende Leistung (VORfinanzierung)
      Im Detail verlieren alle Beispiele natürlich die Trennschärfe, aber die Tendenz bleibt erhalten. Und ausserdem: Selbst bei einer 100% NACHfinanzierung, die alle die von Ihnen genannten Kriterien erfüllt, bliebe das Problem des Zinses und des Zinseszinses. Der ist nämlich die Last unter der Produzent und Konsument am Ende zusammenbrechen, und ohne den das System aber nicht funktionieren würde.

  4. samy sagt:

    Man kommt ins Grübbeln.

    Was geschieht denn nun? Guthaben über 500T€ werden abgezogen und gehen auf eine andere Bank. Das kürzt die Bilanz der Skatbank und die vergraulen gute Kunden.

    Und wenn alle Banken Negativzinsen nehmen würden, einmal theoretisch?
    Dann wären Sichteinlagen Schwundgeld. Gsell frohlockt im Himmel.
    Bloß, dann würden die Leute das Geld lieber unter die Matratze legen und das war dann mit den Banken.

    Komisch, komisch das Ganze …

  5. Michael sagt:

    Selbst die Besicherung eine Kredits verleiht der dem unifunktionalen Geldersatz noch nicht mal eine Idee von Wertigkeit. Es ist meiner Ansicht nach unerheblich, ob besichert oder nicht. Die Besicherung dient ja allein dazu im Falle der verspäteten Rückführung des Tauschmittels einen anderen Zufluss zu erzeugen. Spätrömische Dekadenz wäre ja noch ein Lob will man die Charkterlosigkeit solcher Geschäftspraktiken überhaupt beschreiben.

    Die von ihnen genannten Fälle sind ja besonders böse. Ein Darlehen macht nur Sinn bei Investition. Ich sehe das ganz streng. Der Zins wird ja jemand anderen übergeben von dem man sich diesen wieder holen muss. Der Zins muss ja kommen letztendlich als zusätzlicher Tauschmittelzufluss. Alles andere ist nicht grad eine Verbesserung. Wie soll ein Einkommensbeziher als Konsument überhaupt mehr Tauschmittelzufluss erwirken im Sinne von Kaufkraft – im Sinne es sei für alle möglich.

    • Skyjumper sagt:

      „……..Es ist meiner Ansicht nach unerheblich, ob besichert oder nicht…….“

      Na das ist ein ganz erheblicher Unterschied. Geld, egal ob schon da oder frisch geschaffen, hat eine genauso gute Deckung wie z.B. Gold, wenn, ja wenn dem ein Equivalent in Form von Ware (die Besicherung) gegenübersteht.

  6. Ropeka sagt:

    Nur zur Verdeutlichung:
    Auch Konsumkredite werden zum allergrößtenteil gegen ein Pfand abgesichert. Wieviel der von Banken ausgegebenen Kredite sind wohl unbesichert???
    Bei Projektfinanzierung: Die Bank nimmt sich hier ebenfalls ein Pfand, sei es eine Hypothek auf ein noch nicht erstellte Immobilie oder die Abtretung von durch den Kredit finanzierten Investitionsgüter. Lieber Skyjumper, das ist Realität!!!
    Was glauben Sie, wie hoch sind Nachfinanzierungen – und nur dadurch entsteht der Zinseszinseffekt- im Verhältnis der gesamten ausgeg. Kredite einer Geschäftsbank? Ich kann Ihnen das sagen: Verschwindend!!!!
    Nochmals: Leider hat es die Finanzelite geschafft, von dem eigentlichen Problem abzulenken.
    Der wahrliche Grund für alle Aufzinsungen, inflationiertes Geld und letztlich Verarmung der Menschen ist das Kartell der Zentralbanken, das eigens für eine elitäre Einheit geschaffen wurde -ich würde die frühere deutsche Bundesbank da mal ausnehmen.
    Noch zum Schluß: Geld ist um Gottes Willen kein Tauschmittel – es ist ein Zahlungsversprechen bzw. Zahlungsanweisung .
    Eine Banknote (Verbindlichkeit der Zentralbank) ist der Anspruch auf die Forderungen der Notenbank.

    • Skyjumper sagt:

      @Ropeka
      Es mag sein, dass das Ihre Realität ist. Das kann ich selbstverständlich nicht beurteilen. Meine Realität jedoch ist eine andere.
      Falls ich mir morgen eine Tiefkühltruhe kaufen sollte wird man von mir einen Verdienstnachweis fordern. Die Sicherheit ist also keine materielle, sondern meine Arbeitskraft. Mein zukünftige Arbeitskraft um genau zu sein. Auch die von Ihnen angesprochene Hypothek auf die noch nicht erstellte Immobilie ist eben keine Absicherung durch vorhergehende Leistung, sondern durch eine nachgelagerte Leistung. Und die Frage nach „Henne oder Ei“ ist bei der Betrachtung entscheident. Sie selbst haben die Zeitschiene berechtigter Weise in´s Rennen geworfen. Versuchen Sie doch jetzt nicht wieder es zu negieren.

      „Noch zum Schluß: Geld ist um Gottes Willen kein Tauschmittel – es ist ein Zahlungsversprechen bzw. Zahlungsanweisung .
      Eine Banknote (Verbindlichkeit der Zentralbank) ist der Anspruch auf die Forderungen der Notenbank.“

      Das lieber @Ropeka läuft jetzt in den Bereich der Haarspalterei. Ich könnte jetzt entgegenhalten, dass unser aktuelles Geld kein Zahlungsversprechen, sondern ein Zahlungsmittel ist. Es WAR früher einmal das Versprechen in Gold ausgezahlt zu werden. Ich könnte Ihne auch entgegenhalten, dass „Geld“ allgemeinverbindlich Funktionsdefiniert ist. „Geld“ wäre demnach alles was geldliche Funktionen erfüllt (Zahlungs-/Tauschmittel + Wertaufbwahrung + Recheneinheit). Das alles führt aber wenig hilfreich ins Abstrakte. Praktisch gesehen benutzen wir Geld als Tauschmittel. Niemand tauscht mir „Gottes Willen“ in ein Paket Butter ein. Aber ein 1,- € Stück tausche ich problemlos gegen 250 gr. Butter.

  7. samy sagt:

    Oh … so, so …

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/geldanlage-trotz-niedrigzinsen/geldanlage-deutsche-bank-rechnet-mit-negativzinsen-fuer-privatkunden-13243347.html

    Hieraus: “ … Strafzinsen, die bislang höchstens für Geschäftskunden gelten, träfen bald auch Privatkunden, sagte der Deutsche-Bank-Manager. „Statt sich arm zu sparen, müssen wir Deutschen wieder mehr konsumieren und gleichzeitig vernünftig investieren. …“

    Arm sparen? Ja, kenn ich doch irgendwo her? Ach stimmt, kauf dich reich. Wie beim Teleshopping. Sehen wir bald spärlich bekleidete Bankangestellte beim Teleshopping? Los, komm schon Süßer … wähl diese Nummer und beantworte mir diese Frage … dann darfst du drei Tagesgeldkonten zum Negativzins von zwei führen …

    Oder wird der Bankräuber bald ein Geschäftsmodell der Vergangenheit? Demnächst schreit uns der krawattierte Mann am Schalter gleich selbst an: “ Das ist einen Kontoeröffnung …legen Sie sich auf dem Boden und verhalten Sie sich ruhig … dann geschieht niemanden was … los … los , schneller einzahlen … warum dauert das so lange …“

    Ciao

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