Weltspartag: Als Sparen noch (sau)einfach war…

30. Oktober 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Man sollte die Feste doch feiern wie sie fallen. Am Donnerstag noch feierte die Welt den „Weltnudeltag“. Genudelt wirkte auch der DAX – übergewichtig bei 13.200 Punkten…

Vor uns stehen jetzt aber noch Halloween, der Reformationstag und auch noch der Weltspartag, wobei man sich Letzteren sparen kann. Zum Sparen muss man erst mal Geld haben.

Früher haben die Kinder ihre Sparschweine zur Bank getragen, wo sie unter Expertenaufsicht zertrümmert wurden. Das waren noch Zeiten, als noch nicht Halloween wichtiger war. Früher gab es noch Zinsen, Kuscheltiere und Süßigkeiten. Heute gibt es Kugelschreiber in der Bank, wenn man diese von ihrer Kette abreißt.

Nein, es wird nie wieder Zinsen geben, auch wenn die EZB ab 2018 monatlich „nur“ noch 30 statt 60 Milliarden Euro druckt. Mancher Experte faselte schon von einer Zinswende. Die Vorfreude ist ja die schönste Freude, jetzt so kurz vor Weihnachten…

Weltspartage sollten die Kinder üben lassen, erst mit ihrem Taschengeld und später auch mit Einkommen auszukommen und dabei auch noch etwas zur Seite zu legen. Was man heute spart, braucht man später nicht erarbeiten.

Inzwischen aber magern Sparschweine durch Inflation und Null-Zinsen ganz von selbst ab. Trotzdem sollte man den Kleinen das Sparen beibringen. Wären die Eltern ehrlich, müssten sie dem Nachwuchs erklären, dass er vom Gesparten später real weniger wiedersehen wird. Doch woher sollen das die Eltern wissen?

Die Hälfte der Deutschen bezeichnete sich in einer neuen Studie als finanzielle Analphabeten. Gut so! So findet die Finanzindustrie willige Abnehmer für ihre teils sinnlosen und überteuerten Finanzprodukte. Früher war es nicht anders, als der Papst zum Kaiser sagte: „Ich halt sie dumm, halt Du sie arm!“ Sollte man Sparschweine nicht schlachten, bevor sie noch magerer werden? Füttern Sie die der Kleinen doch mal mit Silbermünzen statt mit schnödem Blech.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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2 Kommentare auf "Weltspartag: Als Sparen noch (sau)einfach war…"

  1. bluestar sagt:

    Artikel wie immer erste Sahne.
    Wenn sich schon die Hälfte der Deutschen selbst als finanzielle Analphabeten bezeichnet, dürfte die reale Größe wohl weit darüber liegen. Henry Ford:“ Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh“.
    Alles gut also, wir brauchen keine Revolution zu fürchten und die Minderheit der in Eigenverantwortung lebenden und in finanziellen Dingen Aufgeklärten bis Fortgeschrittenen kommt schon selbst gut klar.
    Übrigens, lustiges Schweinchen auf dem Foto, wer sucht denn immer die tollen Bilder zu den Texten aus ?

    .

  2. FDominicus sagt:

    Wer Zinsen bekommt spart nicht sondern hat investiert.

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