Welt voller Spielgeld

14. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Beginnen wir aus aktuellem Anlass mit dem Thema Gold. Das Edelmetall befindet in einem Wendemanöver mit heftigen Ausschlägen nach oben. Deren Wucht reißt auch Silber, Platin und Palladium aufwärts…

Anleger, die ihr Geld in diesen drei Verwandten des Goldes anlegen, wissen natürlich, dass sie es hier mit hybriden Edelmetallen zu tun haben, die mal mehr, mal weniger als Industriemetalle fungieren.

Bleiben wir beim Gold. Sein Preis hat nicht von ungefähr nach oben gedreht, wie Sie meinen diversen Kolumnen während der vergangenen Monate entnehmen konnten. Denn in einer Welt voller Spielgeld, das sich nach der Schein-Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2010 über die Anleihen- und Aktienmärkte ergossen hat, ist Ernüchterung eingetreten.

Als Auslöser werden abwechselnd genannt: der niedrige Ölpreis, Brexit und Grexit, also die EU- bzw. Eurozone-Austrittskandidaten Großbritannien und Griechenland, dazu eine Prise Konjunktur-Pessimismus, überall marode Staatsfinanzen, der schwächelnde Dollar, China und Japan als Spielverderber, zunehmende Volatilität der Aktienkurse und die Problemkinder unter den Banken, wobei man bei der Deutschen den Eindruck gewinnt, der geplante Rausschmiss von großen Teilen der Belegschaft sei so etwas wie ein Geschäftsmodell. Dazu als Erinnerungslektüre das 1989 erschienene Buch „Wie Gott in Frankfurt“ von Hans Otto Eglau – der totale Kontrast zum aktuellen Kladderadatsch.

In Anbetracht der hier genannten ernüchternden Fakten wird von vielen Anlegern allzu leicht vergessen, dass Gold mehr ist als ein Krisenmetall, nämlich eine ideale Geldanlage in Zeiten negativer Zinsen, weil es ja null Zinsen mit sich bringt, also mehr als negative Zinsen. Aber reicht das als Anlagemotiv aus?

Klare Antwort: Es kommt darauf an, wie intensiv und wie lange die negativen Zinsen wirken werden, ob alternative Anlagen wie Aktien oder Immobilien positive Ergebnisse (laufende Rendite plus Wertsteigerung) abzuwerfen versprechen und in welchem Umfang Großanleger das Edelmetall vor alternativen Anlagen bevorzugen werden, weil sie mit einer neuen Finanzkrise rechnen.

Gehen wir diese Punkte kurz durch. Die verheerende Wirkung negativer Zinsen habe ich in der abgelaufenen Woche erst auf goldseiten.de und danach bei rolandtichy.de kommentiert; bitte lesen Sie dort nach. Hinzu kommen in jüngster Zeit Andeutungen von Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Fed, wonach es sogar in den USA zu negativen Zinsen kommen könne, also dort, wo das Zinsniveau – anders als in der Eurozone oder in Japan – noch positiv ist.

Fazit hierzu: Spätestens Yellens Andeutung spricht für eine längere Phase negativer Zinsen, und zwar in allen großen Volkswirtschaften. Von daher gesehen hat der Goldpreis noch viel Potenzial nach oben.

Nun zu Aktien und Immobilien als Alternativen zum Gold. Um es kurz zu machen: Bei Aktien kommt es im Wesentlichen auf das richtige Timing und auf die Höhe der Dividendenrendite an. Was das Timing betrifft, lädt der jetzige Abwärtstrend nicht gerade zum Aktienkauf ein. Von daher kann man sich das Thema Dividendenrendite schenken. Denn was sind schon 4 oder 5 Prozent, während die Kurse noch um 10, um 20 oder um noch mehr Prozent zu purzeln drohen? Sie sind beim aktuellen Börsenklima bis auf Weiteres zu vernachlässigende Größen.

Und Immobilen? Konzentrieren wir uns auf Wohnhäuser und Eigentumswohnungen. In beiden Fälle gilt das primäre Auswahlkriterium: Lage, Lage, Lage. Dummerweise achten viele potenzielle Käufer kaum darauf – und fallen auf zwei alte Bauträger- und Maklertricks herein: Indem sie suggeriert bekommen, man könne aus der Vergangenheit auf die Zukunft schließen – die Aufwärtskurven aus den Jahren nach 2010 in deutschen Metropolen sehen einfach zu schön aus – und indem man ihnen steigende Mietrenditen einschließlich Wertsteigerungen und Inflationsschutz vorgaukelt. Tatsache ist indes, dass Immobilien für alle Anleger, die nicht gerade mehrfache Millionäre sind, ein Klumpenrisiko darstellen, ganz egal, ob selbst genutzt oder vermietet.
Manfred Gburek – Homepage

 

5 Kommentare auf "Welt voller Spielgeld"

  1. asisi1 sagt:

    hallo herr gburek,
    ich habe noch einen punkt, wohne in bremen, den man unbedingt beachten sollte.
    die ungehinderte zuwanderung hat dazu geführt, dass die städte heute überall heime und container, nebst zelten aufstellen. da man in die hirne der verantwortlichen politiker nicht hinen schauen kann, sollte man diesen aspekt, beim kauf eine immobilie berücksichtigen. durch die nähe zu so einem heim etc. verliert die immobilie sicherlich an wert.

  2. mistkaeferchen sagt:

    ASISI. NÄHE ZUM ASYLHEIM, VERLIERT IMMOBILIE AN WERT, ABER GANZ BESTMMT IST DAS SO.

    *** Bitte keine durchgängige Großschreibweise. Gruß Admin…

  3. bluestar sagt:

    „Und Immobilien?“
    Wie bei Aktien sind Ertragskraft, Zustand, Zukunftsaussichten und vor allem das richtige Timing beim Erwerb entscheidend. Im Einkauf liegt der Gewinn. Danach ist eine gute Verwaltung wichtig. Wer beim Erwerb auf das Geplapper von Maklern oder Bankberatern hört oder auf Steuervorteile scharf ist hat schon verloren. Und wer beim aktuellen Preisniveau noch Immobilien kauft mit Sicherheit auch, aber das werden die Ahnungslosen und Megaschuldner wie immer erst später begreifen. Bis dahin ist man stolz auf etwas was der Bank gehört und wählt wahrscheinlich auch Blockparteien.
    Mit sehr viel Geduld, Mühe und antizyklischem Handeln kann man aber schon ein Vermögen mit Immobilien aufbauen. Mit Gier, aggressiven Finanzierungen oder Hebeln meistens nicht.
    Nur dieser Staat mit seinen unberechenbaren Regulierungs-und Enteignungsbemühungen
    ist eine große Gefahr für Besitzer von vermieteten Immobilien. Deshalb sollte ein Teil des aktuellen Cash-flow in physisches Gold getauscht werden.
    „Tatsache ist indes, dass Immobilien für alle Anleger, die nicht gerade mehrfache Millionäre sind, ein Klumpenrisiko darstellen, ganz egal, ob selbst genutzt oder vermietet.“
    Tatsache ist, das diese Behauptung falsch ist. Ein Klumpenrisiko entsteht nicht durch die Höhe des Vermögens sondern durch den Anteil der Assetklasse am Gesamtvermögen sowie die Risikostruktur dieser Assetklasse.. Selbst bei Milliardäre kann mit Immobilien ein Klumpenrisiko bestehen, was beim nicht über Millionen verfügenden Eigentümer einer entschuldeten selbst genutzten Immobilie mit Sicherheit nicht besteht.

  4. DB sagt:

    Und ob das so ist!
    Die Preise in einer exponierten Wohnlage in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft in einer mittelgroßen Stadt im nördl. RHEINLAND PFALZ sind innerhalb von 6 Monaten um über 50 Prozent eingebrochen !!!

    • Ulrich sagt:

      Da hilft nur eins: Schauen, wer der Abgeordnete des entsprechenden Wahlkreises ist. Handelt es sich nicht um einen Hinterbänkler sondern um einen Leistungsträger der Art „Sozialsenator Czaja“, findet sich für die Flüchtlinge sicher ein bald eine „bessere“ Gegend und man macht mit dem Kauf einer Immobilie ein gutes Schäppchen. Alternativ ist aber auch der Erwerb einer als Asylunterkunft geeigneten Unterkunft möglich.
      Wie man es auch dreht, „win-win“ an allen Ecken! 😉

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