Welt-(ent)Spartag

30. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Seit fast 100 Jahren wird Ende Oktober der „Weltspartag“ gefeiert. Dann wird brav das Sparschwein zur Bank geschafft und der Nachwuchs mit Luftballons und Nullzinsen beglückt. Dabei sollte dieser Tag Vorbildwirkung haben…

…die Kleinen daran zu gewöhnen, heute mit dem Taschengeld und später auch mit dem Einkommen auszukommen – und einen Teil auch noch zur Seite zu legen, für spätere Zeiten. Ja, Sparen ist wichtig. Aber wie? Auf herkömmliche Art und Weise werden heute alle ganz automatisch ent-reichert. Wären die Eltern ehrlich, müssten sie dem Nachwuchs erklären, dass er später vom Gesparten real weniger wiedersieht. Das aber wissen die Eltern meist auch nicht. Woher auch?

Bei jetzt aktuell 0,8 Prozent Inflation und Null Zinsen (Sie werden etwas anderes spüren) verbrennt Geld auf dem Konto offiziell von ganz allein. Das ist gar keine hohe Mathematik, nur etwas Prozentrechnung. Wer kann das heute noch? So gehen von den zwei Billionen Euro auf den deutschen Konten jährlich 16 Milliarden Euro automatisch in Rauch auf, ohne dass die Feuerwehr kommt. Da aber die Teuerung durch die gestiegenen Vermögenspreise weit höher ausfällt als schöngerechnet, brennt die Kaufkraft auf Konten und Sparbüchern sogar noch viel schneller ab. Sollte man das Sparschwein nicht schlachten, bevor es noch magerer wird?

Wie erklärt man das den Kleinen? Geld zu sparen, wäre der erste kluge Schritt. Dann aber tauscht man es in etwas mit Wert um, statt es zur Bank zu bringen. Die will es ohnehin nicht, zahlt sie doch auch für die Einlage der Kleinen 0,4 Prozent Strafzinsen an die EZB und drückt diese dann den Eltern als höhere Kontogebühr wieder aufs Auge.

Füttern Sie lieber das Schweinchen der Kleinen künftig auch mit kleinen Gold – oder Silbermünzen statt mit schnödem Blech. Der Lerneffekt dürfte groß sein. Die Ünzchen sind immer da, was beim Ersparten nicht garantiert ist.

Der damals gut gemeinte Weltspartag müsste eigentlich „Welt-Spekulations-Tag“ heißen, denn die EZB macht aus den Sparern früher oder später zwangsläufig Spekulanten. Auch Ihre Kinder sollten das wissen und vorbereitet sein.

Inzwischen treiben die Nullzinsen und die mickrige Bauzinsen die großen Kinder derzeit in Immobilien. Laut Sparkassenverband ist das Eigenheim inzwischen die beliebteste Form der Altersvorsorge. 2007 stand das Eigenheim mit 27 Prozent in der Und der Sparer, heute mit 59 Prozent. Klar, je teurer, desto beliebter ist diese Form der Geldanlage in Betongold – fast wie damals bei der T-Aktie.

Keine Sorge, eine Immobilienblase gibt es nicht. Das sagt die Bundesbank und warnt gleichzeitig davor. In Berlin werden angeblich Vorkehrungen für das Platzen einer Immobilienblase getroffen, die man weit und breit nicht sieht. Der Sparkassenpräsident sieht ebenso keine Immobilienblase und auch keine Notwendigkeit, einer Überhitzung entgegenzuwirken. Alles andere wäre ja auch geschäftsschädigend. Oder?

Mögen wir hier von einer Beton-Blase noch weit entfernt sein, wenn aber die anderen Blasen in anderen Ländern platzen, erwischt es uns hier auch.

Sparen ist eine wichtige Sache. Erst einige Weltspartage später werden wir merken, wie die kalte Enteignung dem Ersparten zugesetzt haben wird. Die Finanzwelt steht auf dem Kopf. Früher hieß es, spare, wenn Du kannst, dann hast Du in der Not. Heute heißt es, je mehr man kauft, desto mehr kann man sparen. Das ruft nach Bereinigung. Vielleicht heißt der Weltspartag übergangsweise auch „Weltspekulationstag“.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

 

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4 Kommentare auf "Welt-(ent)Spartag"

  1. Avantgarde sagt:

    Deutschland ist auf dem besten Weg, in diesem Jahr wieder Weltmeister beim Kapitalexport zu werden. Damit würde es China ablösen. Das haben Berechnungen des ifo Instituts ergeben. Es erwartet für das laufende Jahr 2016 310 Milliarden US-Dollar Überschuss in der Leitungsbilanz.

    Tja – da ist man doch schon froh wenn wenigstens ein kleiner Teil davon wenigstens ins deutsche Betongold fließt.
    Ansonsten werden die GIPS-Staaten das Geld sicher gut verwalten und uns in einigen Jahren als Rente zurückzahlen…..

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