Welt der Wirtschaftswunder

23. Oktober 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Jedes Jahr im Oktober passiert ein bedauerlicher Unfall… Rummmmms! Haben Sie das in der letzten Woche auch gehört? Es war der alte Alfred Nobel. Immer wenn Wirtschaftsnobelpreise vergeben werden, sprengt er sich mit seinem erfundenen Dynamit posthum in die Luft…

Diesen Preis hatte er in seinem Testament mit keinem einzigen Satz erwähnt. Erst 1968 stiftete die Schwedische Reichsbank den Nobelpreis für Wirtschaft. Ja, wer die Musik bestellt, der bezahlt sie auch. Seitdem kommt Nobel nicht mehr zur Ruhe, zumal wieder US-Ökonomen ausgezeichnet worden sind. Alles andere grenzt würde schon an ein Wunder grenzen…

Schade, dass wir in Deutschland so wenige Nobelpreisträger in Wirtschaft und Ökonomie vorweisen können. Vielleicht steht das Land deshalb besser da als die gute USA.

Jedoch gibt es auch hierzulande viele Anwärter auf diesen hohen nordischen Preis. Bis dahin schreiben die Experten viele der berühmten Frühjahrs – und Herbstgutachten herum, die im Nachgang immer Schlecht-achten heißen müssten. Ich habe keine Ahnung, wohin die Wirtschaft läuft. Ich mache daraus aber auch kein Gechäftsmodell zur Erheiterung oder Beruhing von Otto Normal. Und dennoch gibt es zweimal im Jahr viel Aufschlussreiches zu lesen…

Im Frühjahr 2012 meinten die Experten, natürlich mit viel Optimismus getränkt, die deutsche Wirtschaft würde in diesem Jahr um zwei Prozent wachsen. Im Herbst 2012 haben sie die Prognose auf ein Prozent gesenkt.

Als sie im Frühjahr 2013 schon wieder vor Optimismus sprühten, schraubten sie ihre Prognose auf +0,8% herab, um sie jetzt im Herbstgut(schlecht-)achten wieder zu halbieren – so kurz nach der Bundestagswahl. Ich würde bis zum Jahresende warten. Doch dem nicht genug…

Für 2014 kündigen die Forscher den Aufschwung an. Noch mehr Aufschwung? Sind wir nicht mittendrin mit so vielen Rekorden? Beschäftigung, Konsum, ifo, Hartz IV… Nein? Wenn Sie wirklich wissen wollen, was 2014 bringt, fragen Sie Ihre Windschutzscheibe oder lassen es einfach. Aber was hat das BIP mit dem DAX zu tun? Soviel wie die untergehende Sonne mit der Wasserrechnung. 

Ach ja, die USA erhöhen jetzt doch wieder ihre Schuldenobergrenze. Wer hat irgend jemand daran gezweifelt? Nicht die Börsen! Früher haben sie die Regierungen noch erpresst. Heute machen sie sich über sie lustig. Neben China und Japan ist die US-Notenbank FED der größte Gläubiger der US-Regierung. Die USA sind bei sich selbst am höchsten verschuldet. Ist das nicht auch einen Wirtschaftsnobelpreis wert?

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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6 Kommentare auf "Welt der Wirtschaftswunder"

  1. FDominicus sagt:

    „Nicht die Börsen! Früher haben sie die Regierungen noch erpresst. Heute machen sie sich über sie lustig.“

    Stimmt zitiere ich mich ausnahmsweise einmal selber:
    „Noch mal Schuldenobergrenze USA
    es soll ja „mal wieder“ einen „bösen“ Streit geben. Die Republikaner mögen Obama nicht und auch vor 2 Jahren oder so war es mal wieder „Spitz auf Kopf“ etc bla bla bla

    Als ob die Republikaner wirklich zögern werden die Schuldenobergrenze auszuweiten. Es wird bis zum Oktober dauern, die Warnungen werden immer größer die Drohungen auch. Dann wird man sich „einigen“. Wir stimmen zu aber in Zukunft wird ganz bestimmt gespart bla bla bla.

    So oder so ähnlich wird es laufen. Die Politiker haben doch kein Rückgrat und wollen nicht wie der König in seinen neuen Kleidern dastehen. Sie tun es zwar aber niemand „wagt“ es – wie das Kind – die Wahrheit zu sagen. Nun ja dieses Blog wird von mir betrieben und ich kann es ruhig einfach und platt so ausdrücken.
    „Die USA sind pleite“. Das ist kein Geheimnis, es ist nur eine Frage wie lange sie den Konkurs verschleppen können und was den Politikern da noch an Gemeinheiten so einfällt (Goldverbot lässt z.B. schön grüßen)“

    Irgendwann im August dieses Jahres gepostet.

  2. Burattino sagt:

    Eigentlich war Charles Ponzi dieses Jahr der Wirtschaftsnobelpreis posthum zuerkannt worden. Komisch dass daran jetzt geschraubt wurde.

    http://www.central-organ.de/2013/09/06/endlich-charles-ponzi-posthum-mit-wirtschaftsnobelpreis-geehrt/

    🙂

  3. Michael sagt:

    Dem Herrn Barosso geht auch grad das Geld aus. The E.U. Shutdown. Allerliebst.

    Oder doch Showdown …
    http://www.youtube.com/watch?v=KBdBCTvK5zM

    Möglw. gar das Ende vom Europäischen Experiment. Stellt sich halt die Frage, wenn 27 am Wagen liegen, einer fährt mit den Taschen voller Gold. Wobei es in dieser Szene handelt und wohin der schwarz gekleidete Reiter heimwärts in den Sonnenuntergang reitet. Die Forscher liegen in der Regel mit ihren Prognosen so gut wie der Monco korrekt zählt.

    Der Nobelpreis wurde ja vergeben für die Gewährung von erstaunlichen Einblicke in die Märkte und deren Funktionsweise, wenn man allein seinen Betrachtungswinkel jenen der Forscher anpasst. Dann kommt man zum selben Ergebnis. Angebot und Nachfrage, wen interessiert das heute noch. Der Nobelpreis nimmt sich ja bescheiden aus für Märkte in denen Massenvernichtungswaffen zum Einsatz kommen. Purstes Understatement.

    Klar. Es traut sich keiner zu sagen. Ich sags mal.

    Ich war mal auf der letzten Systems bevor der Neue Markt aus Sicht der IT letztendlich kollabierte … dort wurde auch geworben für große Produkte mit wenig Nutzen in großen Verkaufshows angepriesen. In der Runde eines abends wurde noch getönt – das Fernsehen der Zukunft ist das Interaktive und in einen halben Jahr ist das traditionelle TV weg vom Fenster – wer war weg vom Fenster?

    Am langen Ende hat er recht gehabt der Junge … aber 20 Jahre später wirds dann mal so weit sein. Heute habe ich so den Verdacht – Diese sog. Finanzindustrie – die politische Absegenung des Schattenbankensystem, denke ich – ist so gut drauf wie der Neue Markt, als die ‚Hütte schon leergespielt‘ war.

    Was haben die Bürger in Spanien gesehen. Jemand gibt ihnen in einem sehr positivem wirtschaftlichen Umfeld Kredite für Immobilien und die Preise stiegen. Sollte überhaupt jemand nachgedacht haben, dann dachte er vermutlich. Die Spareinlagen der anderen sind mein Kredit. Wir wissen, das funktioniert so nicht mehr. Aber dass ein Bank für eine Investmentbank den Broker spielt und damit noch nicht mal die Sicherheit der Investition als Kriterium für die Vergabe einfließt, das hat so keiner so wirklich vermutet. Dann man dann für Hedgefonds extra miese Anlagen in die Welt bringt und sich nachher wundert, dass mies einfach mies ist.

    Ein Preisdifferenz ist kein Mehrwert. Sobald sich die stimmen jener mehren, die sagen, das ist mir die Sache nicht wert …. das nennt man Markt. Es gibt aus meiner Sicht 2 Entscheidungen
    a) Ist mir das Umfeld die Investition wert
    b) und zu welchem Preis schlage ich zu.

    Was wir heute in der Anlegerwelt erleben – Straßenumzug beim Karneval in dem man in Richtung Marktplatz mitgerissen wird, der Dieb klaut dir das Geld aus der Tasche (Anlageberater und die Sozialversicherungsbeiträge) und wenn man fragt, ‚Wisst ihr was ihr tut, wenn ich schon keine Wahl hab‘ – kommt die Antwort – ‚Nein, aber schauen sie auf Anzeigetafel, dort sehen sie was wir glauben das wir tun und in Zukunft uns noch zutrauen‘. Also.

    Die Marktkapitalisierung der Unternehmen ist beinahe das GDP – der Welt (das habe ich jetzt nachgeforscht) … aber solche Lapalien interessieren keinen. Woher der Wert kommen soll der den Preis noch deckt. Wenn man das mal überlegt – Aktien wären aus dem Aspekt nachhaltig zu korrigieren, da es an sich gar nicht möglich wäre allein die Mittel zu erwirtschaften.

    Bei uns in der Stadt hat der Finanzstadtrat beim Prozess um den SWAP*) ausgesagt er kennt grad mal ein Kapitalsparbuch … und die Bank sagt, ‚Das Geschäft ist schon in Ordnung – ausgekannt hat sich der Kunde er wurde aufgeklärt – der Kunde hatte zwar auch nicht die Ressourcen für das entsprechende Controlling – aber wir haben das ganze verwaltet – Jetzt ist der Kunde ein paar hundert Mio. hinten (unter Wasser), aber wir sind nicht Schuld.‘

    Eine Bank aus dem Umfeld der Gewerkschaften, die den gesamten Streikfonds hat nach anfänglichen Verlusten**) als Draufgabe noch hat versenkt‘ .

    Zuerst war der Bürgermeister mit einem zwischenzeitlichen Direktor, der auch bei der EURO Rettung aktiv war, noch gut Freund – heute sind die zerstritten. Ok.

    *) Gut ein SWAP ist an sich harmlos, das muss man dem obengenannten Direktor zugute halten – die Troubles begannen nachher – aber Politiker die auf die Stärke des EURO vertrauten träumten von Gewinnen statt Zinsen zu zahlen. Was wird der tun als an die Stärke des EURO zu glauben, wenn er Mio. über Mio. auflaufende Verluste macht. Solche Leut gibt man kein Geld in die Hand, die kennen bestenfalls ein Kapitalsparbuch oder als Bürgermeister ein Eckzinssparbuch, sonst wäre er ja der Finanzstadtrat.

    **)Das einzig wahre Worte sagte der Herr Flöttl jun. – das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderer.

    Das ist nobelpreisverdächtig. Reif für den Broadway auf jeden Fall.

    Das Elend des modernen Bankings und Wirtschaftens offenbart sich allerorts – in gewagten Prognosen die sich durch verhaltener Deckungsfreude beim Aufprall auf die Realität auszeichnen – Top Down Architektur hat ähnliche Probleme. Hat der Maurer dann irgendwann mal frei nur der Freimaurer nicht. Wenn man die Zukunft einfach nicht kennt, dann sagt man einfach nichts dazu.

    In Europa ist einfach zuviel investiert worden auf Teufel komm raus.

  4. bluestar sagt:

    Ob Wirtschaftsnobelpreis oder Friedensnobelpreis – dieses lächerliche bis peinliche Theater kann doch kein Mensch mit gesundem Verstand ernst nehmen.
    Das hat doch höchstens Unterhaltungswert.
    Den Friedensnobelpreis gibt es heutzutage für Wortschaum, Hautfarbe oder sonstige wichtige Kriterien.

  5. samy sagt:

    N’Abend,

    meines Wissens ist der Schuldendeckel nicht angehoben worden, sondern bis zu geplanten Einigung 01/02 2014 ausgesetzt. Klingt wie Haarspalterei. Aber:
    1. Ggf. noch nützlich für Boehner, wenn die Tea-Party spinnt, oder?
    2. Erst einmal außer Kraft, gesetzt bleibt er es vielleicht auch.

    VG

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