Wellenreiter: QE3: Favorit “Muni Bonds”

15. Januar 2011 | Kategorie: Aufgelesen

Von Robert Rtehfeld. Sie würden in den kommenden vier Jahren um 40 Prozent anziehen. Kurz drauf kürzte New Jersey die Platzierung einer geplanten 250 Millionen-Dollar-Anleihe um die Hälfte. Grund: Der Zinssatz für eine vergleichbare Anleihe stieg innerhalb kurzer Zeit auf 4,17 Prozent…

, nachdem er noch zwei Tage zuvor bei 3,68 Prozent notierte. Ein zweiter Punkt. Die Zahl der neuen 52-Wochen-Tiefs an der NYSE ist gestern auf 153 anstiegen. Eigentlich unmöglich, denn die Aktienmärkte steigen weiter an. Noch vor vier Tagen wurden lediglich acht neue 52-Wochen-Tiefs notiert. An der NYSE sind nicht nur Aktien operierender Unternehmen, sondern auch eine Reihe von Fonds notiert, darunter Short-Fonds und Kommunalanleihen-Fonds. In einem Scan haben wir 17 neue Tiefs von Short-Fonds und 60 neue Tiefs von Kommunalanleihen-Fonds gezählt. Ein Benchmark-Fonds ist der „IShares S&P National Municipal Bond Funds“.

Dieser ist gestern ebenfalls ein neues 52-Wochen-Tief gefallen. Der amerikanische Markt für Kommunalanleihen hat einen Umfang von etwa zwei Billionen US-Dollar. Das ent-spricht einem Viertel der Größenordnung des US-Staatsanleihenmarktes.

Investoren zogen in den letzten neun Wochen 22,7 Milliarden Dollar als US-Kommunalanleihen-Fonds ab (nächster Chart).

Den Großteil der Belastungen aus den Unterstützungszahlungen für Arbeitslose tragen in den USA die Bundesstaaten. Diese hatten sich während der Finanzkrise Darlehen aus Washington für die Finanzierung der Arbeitslosenunterstützung besorgt. Für diese fallen ab 2011 Zinsen an. Washington ist bisher nicht bereit, auf die Zinszahlungen zu verzichten. Die Belastungen der US-Bundesstaaten steigen weiter. Neben New Jersey haben insbesondere Kalifornien und Illinois derartige Refinanzierungsprobleme, dass auch dort Bundesstaatenbankrotte absehbar sind.

Wie immer geben die Märkte die Signale. So war es auch in Europa, als die Renditen für griechische Staatsanleihen Ende 2009 zu steigen begannen. Wenn Washington kein Zeichen setzt und frühzeitig durch einen Rettungsschirm finanzielle Verantwortung übernimmt, werden die Kommunalanleihen weiter abgestoßen werden. Deren Renditen werden dadurch weiter anziehen. Das frühzeitige Aufspannen eines Rettungsschirms scheint durch die republikanische Führung nicht wahrscheinlich zu sein, zumal die Gouverneure aus Kalifornien und Illinois der demokratischen Partei angehören. Und schließlich gilt: Seit wann agieren Politiker proaktiv? Erst der Markt erzwingt Reaktionen.

Können wir uns in Europa darauf freuen, dass die mediale Aufmerksamkeit der Verschuldungssituation von Europa weg zurück über den großen Teich schwappt? Möglicherweise ist dies zunächst der Fall. Jedoch sollte man nicht vergessen, dass große europäische Städte wie Berlin oder Madrid Schulden in einer Größenordnung haben, die denen amerikanischer Städte durchaus ebenbürtig ist. In Europa könnten ebenfalls Zinsanstiege bevorstehen, die die Refinanzierung europäischer Kommunen und von Bundesländern bzw. Regionen ins Wanken bringt. Doch zunächst dürfte sich das Interesse der Medien auf die USA konzentrieren.

Wer haftet schlussendlich? Keine Frage, der letzte Kreditgeber für US-Länder und Kommunen ist Washington bzw. die amerikanische Fed. Nachdem in der Geldpolitik zumindest verbal versucht wird, den Fokus der Marktteilnehmer auf die Bekämpfung der Inflation zu lenken, erscheint mittelfristig ein finanzielles Engagement Washingtons in Staaten wie Kalifornien oder Illinois unvermeidlich. Diese sind „to big too fail“. Dies wiederum würde die Notwendigkeit der Auflage eines Programms nahelegen, das den Direktkauf von Kommunalanleihen durch die Fed zum Inhalt hat. QE1 bedeutete den überwiegenden Ankauf von Hypothekenanleihen, QE2 läuft mit dem Ankauf von Staatsanleihen bis Ende Juni 2011. QE3 dürfte den Kauf von Kommunalanleihen beinhalten.

Quelle: Wellenreiter


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