Die USA im Zugzwang

13. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Robert Rethfeld) 313 Millionen Menschen bevölkern die Vereinigten Staaten von Amerika. Gemäß offizieller Prognosen der US-Behörden und den UNO-Schätzungen soll die US-Bevölkerung bis zum Jahr 2030 auf 365 Mio. anwachsen. Im Jahr 2050 sollen 422 Mio. Menschen das weite Land bevölkern…

Der folgende Chart zeigt die voraussichtliche Entwicklung. Der Pfeil weist auf die heutige Einwohnerzahl hin.


Quelle: US-Census

Das bedeutet: Die Amerikaner brauchen Wirtschaftswachstum, um den Lebensstandard pro Kopf aufrecht zu erhalten. Und sie benötigen Arbeitsplätze. Während Deutschland und Japan mit ihren sinkenden Bevölkerungszahlen netto kaum Arbeitsplätze schaffen müssen, sind die US-Amerikaner auf einen monatlichen Zuwachs von etwa 100.000 Arbeitsplätzen angewiesen, nur um das Bevölkerungswachstum auszugleichen.

Seit dem Jahr 2000 fand dieser Ausgleich nicht mehr statt. Aktuell werden in den USA 132 Mio. Beschäftigte (ohne Staatsbedienstete und Landwirte) gezählt. Die gleiche Anzahl wurde bereit im Jahr 2000 erreicht (nächster Chart).

Wie der obige Chart zeigt, ist der Nachkriegs-Aufwärtstrend gebrochen. Selbst im Bärenmarkt der 1970er Jahre wurden Arbeitsplätze aufgebaut. Seit dem Jahr 2000 geschieht dies nicht mehr.

Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die offizielle US-Arbeitslosenquote im Oktober 2009. Seither ist sie von 10,0% auf 8,3% gefallen.

Im Jahr 2000 arbeiteten 65% der US-Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter (15 bis 64). Aktuell sind es 58,5%. Viele Arbeitnehmer haben zwischenzeitlich aufgegeben und werden von den US-Arbeitsmarktstatistiken nicht mehr erfasst. Bei positiven Wirtschaftsdaten erhalten Menschen, die sich in dieser „Reserve“ aufhalten, neue Hoffnung und strömen auf den Arbeitsmarkt, so dass der Fall der Arbeitslosenquote durch diesen Effekt gebremst wird… (Seite 2)

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8 Kommentare auf "Die USA im Zugzwang"

  1. Austrian sagt:

    Da die USA mehr importieren als exportieren (Handelsbilanzdefizit), benötigen sie das Gegenteil: einen starken Dollar.

    Naja, Wellenleser…

    • Dagobert sagt:

      Die USA brauchen bloss 2 Dinge:
      1) Die „Technologie namens Druckerpresse“ die jederzeit die erforderliche Menge an grünen Scheinchen bereitstellt.
      2) Den unerschütterlichen Glauben der übrigen 95 Prozent der Bewohner des blauen Planeten an den „Wert“ dieser bedruckten Baumwoll-Fetzen…

    • purity sagt:

      Wenn die USA einen stärkeren Dollar hätten, würden sich die US-Produkte für den Rest der Welt verteuern und die USA würde noch weniger exportieren. Nur für die Importe wäre es von Vorteil, der Export würde aber leiden, Importe würden für die USA billiger und daher weiter steigen. So habe ich es jedenfalls in VWL gelernt. Aber vielleicht können Sie Ihre Theorie genauer erläutern?

  2. Wollen sagt:

    Gestern kam auf ARD (Weltspiegel)man höre und staune ,ein Bericht zum Niedergang der Autostadt Detroit als Beispiel wie ganze Industrieflächen demzufolge auch wie ganze Wohnsiedlungen verwaist sind(Outscoring,Hypothekenkrise)der Stundenlohn einer Schichtarbeiterin in einer Autofabrik beträgt 14 Dollar von ehemals dem doppelten,es ist ein zwei Klassen Schichtsystem sie ist in der zweiten Klasse.Ihre Kinder sieht sie 15 min in der Früh nach 1,5 Std. Autofahrt ,ihr Mann ist jetzt Altmetallsammler schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten über die Runden, hatte auch einen ehemals guten Arbeitsplatz.ER sagte schön das 3 Millionen neue Stellen geschaffen werden in den USA,aber zu welchen Konditionen? Genau 4 Dollar Jobs wurden geschaffen sagte er..,dann fragte der Korrespondent eine Studentin ob sie an einen neuen Aufschwung in Detroit glaube sie antwortete patriotisch mit einem Ja ,selbst der Korrespondent glaubte nicht wirklich an nennenswerten Besserungen..
    Ne schöne wirtschaftliche Konsolidierungsphase der Amerikaner, die noch lang nicht beendet ist,einige amerikanische Firmen kommen wohl doch schon wieder zurück in ihr Ländle.
    Und keiner spricht im amerikanischen Wahlkampf offensiv über das Thema Staatsverschuldung?

    • GuldenerMistkaefer sagt:

      „… Bericht zum Niedergang der Autostadt Detroit …“

      Man höre und staune. Die staatlich finanzierten Qualitätsjournalisten der ARD brauchen nur 30 Jahre um diese ausgelutschte Story aufzugreifen.

      Ist das jetzt ein Kontraindikator?

  3. purity sagt:

    Kann jemand etwas zur Ursache des Bevölkerungswachstums in den USA sagen? Ist das die gesteuerte Zuwanderung oder bekommen die Amerikaner mehr Kinder als die Europäer? Oder was ist der Grund?
    (Den neueren Bericht zum Inflationsschutz kann man wohl nicht kommentieren, wenn auch im Text steht, dass sich die Autoren über eine Diskussion freuen würden.)

    • beccon sagt:

      beides. Sie bekommen mehr Kinder – das ist schon der Augenschein in einer durchschnittlichen US-Stadt (nicht SF, nicht NY). Sie schaffen es aber auch, Einwanderer anzuziehen, die sie auch integriert bekommen.

      Somit werden die USA durch ein paar schwere Jahre gehen aber das Ganze dann schließlich überwinden können. Dazu müssen sie freilich auch ihren Staat ein wenig abspecken, der in Verfettung an vielen Stellen uns nur wenig nachsteht.

      Aber wenigstens gibt es in den Staaten mit der Teeparty und der JBS Bürgerbewegungen, die sich gegen den ausufernden Staat wenden. Was haben wir?

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