Wellenreiter: Die zweite Inflationswelle

23. Januar 2011 | Kategorie: Aufgelesen

Vor knapp drei Jahren, im April 2008, warnte die UN vor einer weltweiten Hungersnot. 100 Millionen Menschen seien bedroht. Zudem seien die Preise in den Entwicklungsländern um 100 Prozent gestiegen. Warnungen bezüglich gewaltsamer Unruhen ergingen. Ein Sprung in den Januar 2011. Wieder beginnen die hohen Lebensmittelpreise in den Entwicklungs- und Schwellenländern für mediale Aufmerksamkeit zu sorgen. Spiegel Online berichtet von einer „Preisexplosion bei Lebensmitteln“. In Asien fürchte man Hungersnöte. Ein Blick auf die Charts zeigt die Entwicklung. Im April 2008 hatte der Getreideindex eine einjährige Preisverdoppelungsphase hinter sich (siehe roten Pfeil folgender Chart). Diese bedeutete praktisch das Preishoch.

Aktuell nähert sich der Getreide-Index dem Preishoch aus dem Jahr 2008. Die Bewegung verläuft schneller und kräftiger als damals: In den 6 Monaten seit Juli 2010 wurden 80 Prozent des Anstiegs von 2008 vollzogen. Zudem haben Zucker, Baumwolle und Kaffee ihre 2008-Hochs deutlich hinter sich gelassen, genauso wie Gold und Silber. Der Reispreis zeigt im Vergleich zu anderen Getreidesorten relative Schwäche. Das Preishoch aus dem Jahr 2008 ist noch längst nicht erreicht.

Zöge der Reispreis an, würde sich die Inflationsproblematik in Asien verschärfen. Zwischenfazit: Die Aufwärtsdynamik der Rohstoffpreise erscheint intakt.Nichts fürchtet die Politik mehr als steigende Lebensmittelpreise. Das gilt nicht nur für Indien, sondern auch für China. Unruhen in China sind eine Vorstellung, die der chinesischen Führung schlaflose Nächte bereitet. China hat 1,2 Milliarden Einwohner. Der Parteiführung ist klar, dass sie im Falle eines koordinierten Aufstandes nur eine geringe politische Überlebenschance hätte. Aus diesem Grund wird versucht, die Preisentwicklung – und damit auch die Wirtschaftsentwicklung – mit allen Mitteln zu bremsen. Zins- und Steuererhöhungen sowie die Erhöhung der Mindestreservesätze zählen zu den gewählten Mitteln.

Warum sollte Inflation Unruhen auslösen?  Essen, Trinken und Schlafen zählen zu den Grundbedürfnissen eines Menschen. Diese und weitere Bedürfnisse hat Abraham Maslow in seiner Bedürfnispyramide dargestellt. Menschen, die am Existenzminimum leben, kommen häufig über die erste Stufe (Grundbedürfnisse) kaum hinaus.

Quelle: Wikipedia

Wie entwürdigend ist es, wenn man feststellt, dass der eigene Lohn aufgrund einer Teuerung nicht mehr reicht, um die eigene Familie zu ernähren? Menschen, die zuvor leidlich zu essen hatten, geraten ohne eigenes Verschulden in eine Notsituation.

Während Hunger physische Schmerzen bereitet, lässt ein „Downgrade“ einen Menschen aus psychologischer Sicht leiden. Vier Bedürfnisebenen höher („Anerkennung und Wertschätzung“) sieht das so aus: Es schmerzt, wenn das große Auto in ein kleines Auto eingetauscht werden muss, weil das Geld knapper wird. Wenn man seinen Arbeitsplatz verliert, muss man zwar in unserer Gesellschaft nicht hungern. Das Selbstbewusstsein leidet jedoch.

Inflation trifft zuerst diejenigen, die am Existenzminimum leben. Inflation macht diese Schicht wütend. Steigt die Inflation weiter, beginnt sich zusätzlich die Mittelschicht Sorgen zu machen. Allgemeine Unruhe kommt auf….

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