Welche Geldanlage ist schon sicher?

6. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Was formulierte der EZB-Rat nach seiner letzten Sitzung so eindeutig? Die Leitzinsen sollen „für längere Zeit ……. auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben“! Daraus folgt: Mager- und Minuszinsen verharren bis auf Weiteres dort, wo sie den Schuldnern nützen und den Gläubigern (Sparern) schaden. Das wäre halb so schlimm, wenn es nur um Kleinkram ginge.

Doch ganz im Gegenteil, es geht um annähernd 5,6 Billionen Euro brutto und – nach Abzug von Schulden – immerhin noch um gut 3,5 Billionen Euro netto, die Bundesbürger aktuell im Geldvermögen (ohne Immobilien) angelegt haben. Um die Inflation bereinigt, sinkt dieses Vermögen immer mehr ins Minus; und die Leute von der EZB denken derzeit nicht im Traum daran, das zu ändern.

Diese Bestandsaufnahme ist wieder mal fällig, damit wir uns klar machen, dass es hier nicht um sprichwörtliche Peanuts geht, sondern um irrsinnig hohe Beträge, die einer – leider falsch verstandenen – Sicherheit dienen: Deutsche Sparer sind risikoavers und halten etwas für sicher, wie zum Beispiel Tagesgeld und Ansprüche gegen Lebensversicherungen, was keine Schwankungen verursacht. Diese Anlagen dienen entweder primär als Geldparkplätze und werden dieser Funktion in der Regel auch voll gerecht (Tagesgeld). Oder sie sind in Ansprüche verpackt, deren Inhalt sich erst nach umfangreiche Recherchen erschließt (Lebensversicherungen).

In Euro gemessene Schwankungen von Anlageklassen – außer den genannten beispielsweise auch Anleihen, Aktien oder Immobilien – bezeichnet man als Volatilität. Sie ist ein recht vages Hilfsmittel – allein schon deshalb, weil der Wert des Euro schwankt, etwa gemessen an seiner realen Kaufkraft oder gegenüber anderen Währungen. Wir haben uns zwar daran gewöhnt, den Euro als Gradmesser für alles Mögliche zu nutzen, sollten aber immer im Hinterkopf behalten, dass es sich dabei um ein Hilfsmittel handelt.

Welche Geldanlage ist sicher? Für sich genommen und ohne Berücksichtigung des Zeithorizonts: keine. Wir erleben das derzeit beim Vergleich von Gold und Aktien: Das Edelmetall kann auf Sicht von mehreren Jahren und womöglich auch schon von ein paar Monaten als sicher, weil auf Dauer Kaufkraft erhaltend, angesehen werden; doch aktuell ist es nicht gerade populär. Ganz anders Aktien: Ihre Kurse hält es trotz erkennbarer Überbewertung in luftiger Höhe, und das sogar bei geringer Volatilität, weil die Geldpolitik der Zentralbanken locker zu bleiben verspricht.

Ein besonderes Augenmerk sollte aktuell den Wohnimmobilien als Anlageklasse dienen. Sie gelten in weiten Anlegerkreisen als besonders sicher. Das hat mehrere Ursachen, angefangen bei den exorbitanten Preissteigerungen während der 50er, 60er und 70er Jahre bis zum derzeitigen Hype in Metropolen und Universitätsstädten.

So etwas als sicher zu bezeichnen, dazu gehört allerdings ein Schuss Ignoranz. Denn die Mietrenditen sind mittlerweile, bedingt durch spekulative Preissteigerungen, recht bescheiden; und Politiker, egal welcher Couleur, werden alles unternehmen, um das Mietrecht zugunsten ihrer wichtigsten Klientel, der Mieter ohne Immobilieneigentum, und zulasten der Eigentümer zu verändern. Dennoch wiegen sich die meisten Immobilienanleger in Sicherheit – anders als die Kurse der Aktien und anderen liquiden Anlagen schwanken ihre Preise ja nicht täglich, sondern nur in langen Zyklen.

Da wir uns in einem spannenden Wahljahr mit dem Abschluss durch die Bundestagswahl befinden, sollten Sie möglichst viel Zeit in Überlegungen zur eigenen Anlagestrategie und speziell zu Ihrer Altersvorsorge investieren, bevor der Gesetzgeber Sie dazu in der nächsten Legislaturperiode mittels Umverteilung zwingt. Denn wie aus Berlin zu erfahren ist, wollen sich alle Parteien in Ihre finanziellen Angelegenheiten einmischen. Das Prinzip ist nicht neu: Angela Merkel galt lange mit großem politischem Erfolg als „Mutti“, die sich um alles kümmerte. Das kam bei den Wählern gut an. So ist zu verstehen, dass Martin Schulz mit seiner Formel von der sozialen Gerechtigkeit sich gern zum „Vati“ machen möchte und dass auch alle anderen Parteien mit unterschiedlichen Schwerpunkten mehr Umverteilung anstreben.

Das bedeutet konkret, wie an dieser Stelle wiederholt empfohlen: Legen Sie einen Schwerpunkt Ihrer Anlagen aktuell auf Tagesgeld, das zwar kaum Zinsen abwirft, aber für die spätere Jagt nach Aktienschnäppchen unabdingbar ist, und sichern Sie sich mit physischem Gold gegen kommende Unruhen an den Finanzmärkten ab. Rechnen Sie damit, dass in der nächsten Legislaturperiode – trotz des aktuellen Rückziehers von Finanzminister Wolfgang Schäuble – an der Abgeltungsteuer herumgefummelt wird, sodass Sie Ihre an Kursgewinnen, Dividenden und Zinsen ausgerichteten Anlagen entsprechend steuern sollten. Das heißt zum Beispiel: Falls der zu erwartende Einbruch der Aktienkurse noch in diesem Herbst kommt, greifen Sie zu, um sich die Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Soli (auf Kursgewinne, Dividenden und Zinsen) zu sichern, bevor die kommende Bundesregierung etwas Neues ausheckt, das der sogenannten sozialen Gerechtigkeit dienen soll. Und zu guter Letzt: Üben Sie sich weiter in Geduld!
Manfred Gburek – Homepage

Print Friendly, PDF & Email

 

2 Kommentare auf "Welche Geldanlage ist schon sicher?"

  1. Diederich Heßling sagt:

    Wer 90-95% seines Vermögens in Aurum und Argentum in Besitz hat (im wahrsten Sinne des Wortes) braucht sich um Sicherheit (die es im übrigen sowieso nicht gibt) nicht zu kümmern. Also, machen wir uns doch einen schönen Tag!!! Ihr hättet mal alle als Kind Donald Duck lesen sollen…

  2. dork sagt:

    Focus Online Artikel von heute:
    402 Städte und Kreise im Check: Das ist Ihre Immobilie 2030 wert

    Man kann echt nur mit dem Kopf schütteln. Als ob man in dem aktuellen Irrsinn ernsthaft 13 Jahre den Wert einer Immobilie oder die Entwicklung bestimmter Städte vorhersagen könnte.
    Auch bei uns auf dem Land steigen die Immopreise aktuell noch. Z.b. jüngst eine 55qm Wohnung für 85.000 EUR. Statistisch gesehen (damaliger Baupreis, heutiger Verkaufspreis) hat die Immobolie an Wert sicherlich zugelegt. Dumm nur, dass das zugehörige Haus schon deutliche Schimmelschäden hat, von denen im Expose nichts steht.
    Styroporaussendämmung mit ungedämmten innenliegenden Rolladenkästen, dadurch Kältebrücken und Schimmel von der Hauswand bis in Böden bzw. Decken.
    Das Thema Schimmel dürfte dank Dämmwahnsinn und Baupfusch noch einigen Immokäufern auf die Füße fallen; da kann die Immobilien von aussen so toll ausehen wie sie will.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.