Weitere Schwierigkeiten im Anmarsch

19. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Dank eines Tricks hat der US-Bankenindex in der letzten Woche von Dienstag bis Freitag 37 Prozent zulegen können. Heute läuft die Möglichkeit aus, bestimmte Bankaktien leerzuverkaufen und damit auf ihren möglichen Bankrott zu spekulieren. Längst bankrott sind viele Banken. Davon geht Mark Faber in einem Interview mit der FTD aus. Sie werden künstlich am Leben gehalten und ihre Hochs nicht wiedersehen, solange er lebt, fügt er an.

Heute dürfte auch der Short Squeeze, der Bankaktien trotz aller schlechten Nachrichten nach oben katapultiert hat, sein vorläufiges Ende finden. Ob die Aktienmärkte dann weiter steigen? Niemand weiß es, und auch nicht, welches Murmeltier in den kommenden Tagen wieder grüßt. Robert Rethfeld vom Wellenreiter lag in den letzten Monaten sehr gut in seinen Börsenprognosen:

Wir gehen weiterhin von einer Bärenmarktrallye aus. Diese sind hart, aber in der Regel zeitlich sehr kurz. Bis dato liegt das Manko der Aufwärtsbewegung in der fehlenden Marktbreite, da es nicht einmal ansatzweise einen Handelstag mit einem Aufwärtsvolumen von 90 Prozent gab. Selbiges geschah auch in der Januarerholung, im März hingegen gab es unmittelbar an den Preistiefs am 11.03. und 18.03. zwei solcher Handelstage, die massiven Kaufdruck im breiten Markt angezeigt hatten.

Bedenklich stimmt, dass sich die wirtschaftlichen Datenkränze nun auch in Europa verschlechtern. Das Konsumentenvertrauen in Euroland und Großbritannien ist binnen eines Jahres regelrecht abgestürzt. Die Immobilienpreise fallen. Schauen Sie mal nach Spanien, dort steppt der Bär. Das Kreditwachstum in Euroland stagniert. Es fiele noch wesentlich stärker, wenn nicht die Banken seit Beginn der Kreditkrise ihre Schulden um 780 Mrd. EUR aufgepolstert hätten.

Die Zuwachsrate der privaten Verschuldung lag im Mai nur noch bei knapp fünf Prozent. Da stellt sich die Frage nach der Verschuldungsbereitschaft und der Verschuldungsfähigkeit der Konsumenten. Könnte es sein, dass die Deflation als nächstes Problem auftaucht, nachdem die Zeitungen mit Inflation schon voll sind? In Deutschland hat die Verschuldung der privaten Haushalte von 73% des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2000 auf 63% im letzten Jahr abgenommen. Eine Rezession, wie sie die FAZ in ihrer Ausgabe vom 16. Juli für Spanien, Dänemark und Irland schon jetzt ausmacht, würde Deutschland hart treffen. Schließlich sind 48 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung vom Export getrieben. Im Jahr 1993 waren es noch 23 Prozent. Wenn es in Amerika weiter bergab geht, und die Dinge sehen ganz danach aus, riecht es nach Schwierigkeiten. Selbst Asien scheint der „Aufschwung“ den Zenit überschritten zu haben.

Hört und sieht man sich im unmittelbaren Umfeld um, scheinen die Schwierigkeiten schon hinter der Tür zu lauern. Einige davon sind längst mit einem lauten Hallo aufgetaucht. Aus Baumärkten hört man von scharfen Umsatzrückgängen. Von einer Kaffeekette, die sich im Nonfood-Bereich eine Scheibe des Kuchens abschneiden wollte, vernimmt man nichts anderes. Vielleicht haben die Leute nicht nur weniger Geld, sondern auch ihre Gärten und Wohnung mit allem käuflichen Krempel längst vollgestellt? Frankfurter Einzelhändler sprechen von Flaute, die Taxifahrer kneifen zudem die enormen Kraftstoffkosten. Der Media–Markt lässt seit einer Woche sogar „anschreiben“.

Den Leuten fehlt offenbar das Geld, um die Dinge zu kaufen, die früher selbstverständlich waren, sagen sogar Volkswirte hinter vorgehaltener Hand. Für viele ist in diesem Jahr Urlaub nur auf Balkonien drin, nicht mehr im Ausland.

Nicht nur Aufschwünge haben ihr Gutes, auch Abschwünge, denn dann bereinigt sich der ganze Unsinn, der sich während eines Aufschwungs etabliert hat. Da aber Abschwünge mit immer mehr Kredit bekämpft wurden, konnte der Wildwuchs prächtig gedeihen. Diese Art Wildwuchsteppich hat nicht nur sichtbare Folgen für die Banken. Auch die Realwirtschaft hat sich verändert, vom gesellschaftlichem Wildwuchs ganz zu schweigen. Und schon jetzt ruft man nach dem Gärtner, dass er mit weiterem Dung diesen Teppich am Blühen hält. Und da kommen die Zweifel.

Auf der einen Seite steigen die Preise wie Luftballons auf Hochzeitsfeiern, auf der anderen Seite trüben sich die wirtschaftlichen Aussichten ein. Wer am Morgen nicht weiß, was der Abend noch bringt, agiert vorsichtig, auch an der Börse.

Es würde nicht verwundern, wenn das Wort „Sparen“ in Zukunft häufiger seine Runden dreht. Der letzte Armuts – und Reichtumsbericht belegt, dass Sparen für ein Fünftel der Deutschen schon gar nicht mehr möglich ist. 18 Prozent der deutschen Bevölkerung sieht sich gezwungen, das Vorhandene so effektiv wie möglich einzusetzen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Von acht Millionen Überschuldete berichten die Verbraucherzentralen. Selbst in Frankfurts Bankenviertel sieht man immer mehr Leute, die kein Anlagenotstand plagt und denen die Abgeltungssteuer somit getrost am Allerwertesten vorbeigehen kann.

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