Weise Analyse von Alan Greenspan

20. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Jüngst trafen wir ja in Baltimore den ehemaligen Chef der Fed, Alan Greenspan. Dabei warf der schlaue alte Fuchs ganz nebenbei eine echte Granate aus. Bei der finanzwirtschaftlichen Diskussion mit ihm drehte sich fast alles um die eine Frage: WWDD? Was wird Donald Trump wohl tun?

Dann ließ Greenspan die Bombe platzen:

„Steuersenkung? Eine Steuererhöhung ist eher wahrscheinlich… „

Mr. Greenspan erklärte, warum das Programm von Präsident Trump nicht funktionieren wird. Keine Steuersenkung, kein Main Street Boom. Die Leser fragen, warum wir plötzlich hier im Tagebuch so viel über Politik im Allgemeinen schreiben; und Donald J. Trump im Besonderen.

Wir schreiben das Tagebuch ja seit den Clinton-Jahren. Aber selten haben wir uns so auf die Regierung konzentriert. Und nur zweimal haben wir so viel negatives Feedback von unseren Lesern bekommen.

Das erste Mal war Ende der 90er Jahre, als die Leser unsere Sicht auf den Dotcom-Boom nicht teilten. „Es ist reine Phantasie“, sagten wir damals.

Das zweite Mal war es, nachdem Präsident George W. Bush in den Irak eingedrungen war. Damals erachteten uns viele Leser als unpatriotisch. Wir wagten die Prognose, dass das Ganze höchstwahrscheinlich in einer Katastrophe enden würde. Es ist dann eine noch größere Katastrophe geworden, als wir es uns damals vorstellen konnten. Jetzt hat Präsident Trump die Leserschaft gespalten – untereinander und auch uns von vielen Lesern.

„Jetzt müssen Sie auf die Politik achten“, sagt Ray Dalio, der Manager des weltweit größten Hedgefonds. Das Verständnis der Politik ist entscheidend für Investmententscheidungen. Noch nie hatten wir einen Präsidenten mit so viel Macht. Und noch nie hatten wir einen Präsidenten, der so wild entschlossen war, diese Macht zu nutzen.

Präsident Trump`s Wirtschaftsplan konzentriert sich im wesentlichen auf folgende Maßnahmen: Steuersenkung, weniger Regulierung und mehr Staatsausgaben für die Infrastruktur. Diese Kombination soll die BIP-Wachstumsraten verdoppeln und sie auf das Niveau zurückbringen, als Amerika tatsächlich groß war. Nämlich in den 1950er bzw. 1960er-Jahren.

Boom oder Ende der Hausse?

Wenn Sie dieses Boom-Szenario als nicht unwahrscheinlich erachten, können Sie Ihr Geld ruhig weiter in Dollar-basierten Vermögenswerten halten und von dem kommenden Boom, den Sie ja erwarten, profitieren. Wenn Sie daran nicht glauben, verkaufen Sie JETZT Ihre Aktien und Anleihen. Sie hatten eine wunderbare 35-jährige-Hausse! Es ist jetzt Zeit zum Aussteigen.

Was die Regulierung betrifft, so haben wir keinen Zweifel, dass unser neuer Präsident auf dem richtigen Weg ist. Verordnungen, Gesetze und Vorschriften sind Win-Lose-Deals. Sie bringen Einschränkungen, Kosten und Hürden mit. Sie be- und verhindern freiwillige Win-Win-Deals. Denken Sie daran, es gibt keine Magie oder Geheimnis für unsere Formel:

S = rv (w-w – w-l).

Die Nettozufriedenheit in einer Gesellschaft entspricht dem realen Wert der Win-Win-Deals abzüglich der Kosten der Win-Lose-Deals. Einfacher formuliert: Je weniger Deals, bei denen jemand gezwungen wird, etwas zu tun, was er nicht tun möchte (win-lose), umso besser sind WIR alle dran.

Drei Sieger

Die größten Win-Lose-Deals in Amerika passen in drei große Kategorien. Und es gibt bei den Deals drei große Gewinner – allesamt Sumpf Lebewesen:

1. Der militärisch-industrielle Sicherheitskomplex bekommt etwa eine Billion US-Dollar pro Jahr. Dazu kommen noch schätzungsweise 7 Billionen Dollar für das Irak-Debakel.

2. Der Wall Street-Fed-Komplex übt die Kontrolle über das Fake-Money-System aus.

3. Der medizinisch-pharmazeutische Zombie-Komplex

Um den Sumpf trockenzulegen, muss Mr. Trump sich gegen diese Komplexe stellen. Nicht nur symbolisch, nicht einzeln gegen einzelne Firmen und Personen und nicht nur mit Tweets. Stattdessen muss er ihre Budgets verkleinern, ihre Crony-Deals begrenzen und ihre Macht einschränken. Er muss ihre „Gewinne“ limitieren, und zwar so, dass sich der durchschnittliche Amerikaner entlastet fühlt. Und er kann das ganze auch nicht mehr mit den Fed-Tricksereien machen.

Es ist nicht sinnvoll, Steuern zu senken und nicht gleichzeitig auch die Staatsausgaben zusammenzustreichen. Und es ist auch sinnlos, Wachstum durch das Senken der Kreditkosten zu „stimulieren.“ Das wird nicht funktionieren.

Zentralbanken in den USA, Japan und Europa haben in den letzten sieben Jahren eine Nullzinspolitik betrieben. Wir haben gesehen, was passiert: Die Reichen werden reicher; die Armen und die Mittelschicht verlieren. Ultraniedrige Zinssätze täuschen die Menschen. Dies führt zu Fehlallokationen von Kapital und Fehlinvestitionen.

Die Verlierer in der Realwirtschaft der Main Street leiden unter der Last. Die Gewinner, die „lustigen Fonds“ der Wall Street, das Imperium und der Wohlfahrtsstaat feiern.

Das Schuldenimperium: Vom Niedergang des amerikanischen Weltreichs und der Entstehung einer globalen Finanzkrise

Weise Analyse von Alan Greenspan
von Bill Bonner

„Der CQ ging sicherlich runter, als Du ins Hotel kamst“, sagte einer unserer beiden Söhne zu uns. „Was ist der CQ?“ Der „Cool-Quotient.“ Das Edition Hotel in Miami’s South Beach hat so viel „cooles“. Wenn da ihr altmodischer Redakteur reinkommt, geht es mit der Coolness gleich nach unten.

Es wäre ein tolles Hotel für eine Familie aus São Paulo. Oder aus Paris.

Es schien fast übertrieben „cool“ zu sein, wenn man aus Baltimore zu einem Geschäftstreffen kommt. Dennoch bemühte sich das Hotel redlich, bei uns einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Kühne Prognose

Wir nehmen an einem ungewöhnlichen Treffen teil. Analysten, Redakteure, Ökonomen – wir erraten, was als nächstes passieren wird und wie wir davon profitieren können.

„Das Privateigentum wird aus meinem Leben verschwinden“, wagte einer eine kühne Prognose.

Das war eine solch explosive Vorhersage, dass deren Fragmente erst in unserem Gehirn eindringen mussten. Das umgebende Gewebe ist immer noch irritiert. Wir haben darüber nachgedacht. Zuerst klang es verrückt. Jetzt sind wir nicht so sicher.

Aber darauf kommen wir demnächst hier im Tagebuch wieder zurück …

Absolute Tabu-Bereiche

Gestern hatten wir ja die drei Zombie-Crony-Bereiche im Fokus, an die sich kein Politiker herantraut(e): Anwartschaften im Sozialsystem, Wall Street und das Pentagon. Die Anwartschaftsinhaber liefern die Stimmen. Wall Street versorgt uns mit „Fake-Money“. Das Pentagon liefert Fake-Feinde und offeriert die Illusion der Sicherheit.

Ein Freund meldete sich per e-mail und schlug uns einen vierten Kandidaten insofern vor:

„Ich würde einen vierten großen Komplex in der Win-Lose-Kategorie nominieren: den K-12 / Universitäts-Industrie-Komplex…der macht mehr als zehn Prozent des BIP aus.“

Billionen-Industrien

Alles zusammengefasst kosten all diese öffentlich-privaten Komplexe mit ihren gewinnträchtigen Geschäften der Realwirtschaft der Main Street Billionen Dollar pro Jahr. Das wird der Realwirtschaft schlicht aufgezwungen. Wie wissen wir, dass das Win-Lose-Deals sind? Weil Sie für sie zahlen müssen, ob Sie sie wollen oder nicht.

Also, wenn Donald Trump seine Versprechungen halten will, muss er diese Programme unter Kontrolle bringen. Da stößt er dann zwangsläufig mit den größten Deep State-Spielern zusammen.

Gestern haben wir im Tagebuch zwei dieser „Spieler“ erwähnt: die Militär- /Sicherheitsindustrie und die Wall Street. Wir merkten an, dass es sehr schwer sein würde, deren Finanzbasis ernsthaft zu unterminieren.

Ohne Ausgabenkürzungen sind Steuersenkungen sinnlos und zwecklos. Sie würden zu größeren Defiziten führen, die mit noch mehr Fake-Money zugeschüttet werden müssten. Das würde zu noch mehr Verzerrungen führen, mehr Fehlerallokationen und am Ende steht der durchschnittliche Amerikaner noch schlechter da.

Weise Analyse von Dr. Greenspan

Alan Greenspan sagte in dem Kontext, als er unsere Gruppe im Januar in Baltimore traf, folgendes:

„Ich behaupte ja schon eine ganze Weile, daß unsere gesetzlich legitimierten Anwartschaften im Sozialsystem in Summe mit den Ersparnissen seit 1965 in etwa konstant in Relation zum BIP wachsen….

…da die Anwartschaften ja gesetzlich legimiert und die TREIBENDE Kraft sind, ist es nun mal so, dass jeder Dollar neuer Sozialanwartschaft die Bruttoinlandsersparnisse um einen Dollar absenkt.

Da wir uns gegenüber dem Ausland verschulden können bzw. konnten, haben wir gegenüber dem Ausland einen Schuldenberg von acht Billionen Dollar aufgebaut. Weil unser Leistungsbilanzsaldo weiter erodiert, sind wir nun in einer Position, wo wir die Bruttoinlandsinvestitionen nicht oder kaum mehr durch die Brutto-Ersparnisse aus dem Inland stemmen können.

Unter dem Strich kommen wir jetzt also in eine Position, wo die Bruttoinlandsinvestitionen in Relation zum BIP zurückgehen werden, da sie nicht mehr finanziert sind. Wenn das passiert, wird das Produktivitätswachstum selbst vom aktuell tiefen Niveau aus kaum mehr steigen. Das bedeutet unter dem Strich, dass das Pro-Kopf-BIP kaum oder nicht mehr steigen wird.“ Dr. Greenspan brachte es wunderbar auf den Punkt.
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Das falsche Geldsystem ist das wahre Problem (von Bill Bonner)
Wie macht man Amerika wieder groß? (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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Ein Kommentar auf "Weise Analyse von Alan Greenspan"

  1. Argonautiker sagt:

    „Jetzt hat Präsident Trump die Leserschaft gespalten “

    Wie es sich mit Ihrer Leserschaft verhält, weiß ich nicht, aber auch wenn ich den Donald für nicht sehr fähig halte, ein Land zu regieren, aber diese Aussage trifft meines Erachtens auf das gesamte Land bezogen nicht zu.

    Das Land wurde durch die vorigen Regierungen gespalten, die sich immer weiter vom Volkeswillen abgelöst hatten und sich eine elitäre Welt erschaffen haben, sodaß sich dadurch die Spaltung vollzog, die nun von einem Donald, so gespalten, übernommen wurde.

    Die Situation ist dabei in den USA, hier in Europa, und in vielen Teilen der Welt nicht groß verschieden. Das ist wie im 3.Reich, als die Nationalisten dann das Ruder übernahmen, weil die bestehenden Regierungen die Völker ausbluten ließen, um das vollends an die Wand zu fahren, was die Vorigen durch Jahrzehntelanges Missmanagement versemmelt hatten.

    Was soll denn geschehen, wenn man die Elitäre Welt durch das öffnen der Geldhähne nahezu mit Potenz flutet, während man nach Unten die schwarze Null predigt und jegliche Motivation in die finanzielle Unmöglichkeit drängt.

    Die entscheidende Frage ist doch, ist das so gewollt, daß die Nationalisten nun übernehmen, um die Schuld der Jahrelangen Sünden nach dort hin zu delegieren? Denn ohne Katastrophe geht sich das, was seit den 70er Jahren exzessiv betrieben wurde nicht aus.

    Daß sich ein Greenspan nun als Weiser Prophet outet, und sagt, daß das was Trump da vorhat nicht klappen kann, ist der Hohn schlechthin, denn das Desaster was wir nun haben, geht mit auf seine Kappe. Die Suppe einbrocken und dann daneben stehen und sagen, das schafft der nie. Das ist dreist und frech. Nein, schafft er auch nicht, weil es gar nicht gewollt ist, daß er es schafft.

    Man will doch den Zusammenbruch dieses Systems, um das nächst Perfidere zu starten. Man sucht nur gerade Händeringend überall nach Sündenböcken die den Mist übernehmen, damit man es denen anhängen kann, um dann, nachdem es zusammengebrochen ist, aus der Versenkung als Held aufzutauchen, und sagen zu können, „wir haben es ja immer gewußt, ihr hättet besser auf uns hören sollen“ Und dann hören wieder alle auf so Typen wie Greenspan, der mit einer der Urheber dieses Desasters ist.

    Linker Parasit der Greenspan, und alles Andere als ein Weiser. Ein Weiser aus dem Land der Hinterhältigen vielleicht.

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