Weimar reloaded – die neue Zersplitterung

18. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Robert Rethfeld) In den 1950er Jahren repräsentierte die CDU das Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre. 30 Jahre später – um 1980 herum – schlug die Stunde der grünen Partei. Und wiederum 30 Jahre später schickt sich erneut Partei an, die Wähler zu erobern: Die Piraten…

Zahlen für 2013 gemäß aktuellem Umfrageergebnis des ZDF-Politbarometers

Blickt man auf den obigen Chartverlauf der Bundestagswahlergebnisse, so taucht dort auch die Linke als „neue Partei“ auf (im Jahr 1990). Doch es ist klar, dass die Linke/PDS als Nachfolgeorganisation der SED keine neue Partei war, sondern sich aus den Trümmern des Sozialismus – getragen durch Altkader – in die Gesamtrepublik hinüberretten konnte.

Man kann in diesem Generationenzyklus bleiben, wenn man hinzufügt, dass die NSDAP im Jahr 1921 gegründet wurde. Und 30 Jahre zuvor – im Herbst 1890 – änderte die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) ihren Namen in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD). Seit dem Jahr 1890 entsteht etwa alle 30 Jahre eine wichtige Veränderung/ Ergänzung der Parteienlandschaft in Deutschland.

Das Emporkommen dieser Parteien wurde durch Kriege/ Krisen forciert. Der Gründung der NSDAP ging der 1. Weltkrieg voraus. Die Weltwirtschaftkrise ab 1929 war ein entscheidender Faktor im weiteren Aufstieg der NSDAP. Die CDU entstand aus dem katholischen Zentrum nach dem 2. Weltkrieg. Die Parteienlandschaft der der Weimarer Republik lag weitgehend in Trümmern. Ölkrise, Rezession, Smog-Alarme (Autos fuhren ohne Kat, Schwefel wurde aus den Kraftwerken ungefiltert ausgestoßen) und die Angst um die angeblich zur Neige gehenden Ressourcen der Erde begünstigten die Wählbarkeit der Grünen Ende der 1970er/ Anfang der 1980er Jahre. Es war die Zeit des „Club of Rome“ und der Bevölkerung- und Umwelt-Studie „Global 2000“.

Die Piraten schließlich segeln auf dem Rücken der Finanz- und Verschuldungskrise. Die Art und Weise, wie die Politik in dieser Krise agiert, löst ein großes Misstrauen in der Bevölkerung aus. Wer bemängelt, dass die Piraten kein Programm haben, der übersieht, dass sich die Legitimation einer Partei nicht an einem Programm bemisst. Gegen etwas sein und seine Stimme gegen das Establishment erheben kann eine Partei sehr wohl deutlich nach vorn bringen. Man schaue auf die französische Revolution, die sicher mehr aus einer Anti-Establishment-Stimmung heraus entstand als dass sie auf einem „Partei-programm“ basierte. „Wir haben die Schnauze voll“ reicht schon, um zum Wähler zu werden, wenn sich eine Partei als Alternative darstellt. Die Piraten machen das nicht ungeschickt…(Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , ,

2 Kommentare auf "Weimar reloaded – die neue Zersplitterung"

  1. wolfswurt sagt:

    Zitat:
    „Die Deutschen drängt es offenbar in Richtung einer politischen Zersplitterung.“

    Eine Zersplitterung von Macht ist bedeutend besser für das Volk als die ungehemmte Macht zweier einiger Gruppen ala USA.

    Die Zersplitterung in Friedenszeiten verhindert größeren Schaden für ein Volk – bei Annahme eines unterdurchschnittlichem Inteligenzquotienten der Regierungsbeteiligten.
    In Zeiten der Gefahr schließt sich eine Masse sowieso dem größten anzunehmendem Schreihals an ohne zu kapieren, welche Konsequenzen daraus erwachsen.

  2. Hans Kolpak sagt:

    Nehmen wir an, 95 Prozent aller Einwohner haben kein Interesse, die Entwicklung der Gesellschaft zu steuern. Doch 5 Prozent aller Einwohner möchten gestalten und mitwirken. Aber die meisten werden ignoriert und sogar bekämpft, wenn sie keiner elitären Linie folgen. Da liegt der Hase im Pfeffer. Die 95 Prozent träge Masse per Manipulation in die politische Willensbildung zu drängen, ist fatal. Genau dieser Punkt ist nämlich die Achillesferse von Demokratie. Politische Parteien sind schlimmer als jede andere Lobby-Organisation. Deshalb plädiere ich für eine Monarchie, die den 5 Prozent Raum und Schutz gibt, sich einzubringen.

    Die Prozentzahlen sind von mir willkürlich gesetzt, um Größenordnungen aufzuzeigen.

    Ein Weg, Bewegung in die verkrusteten Strukturen zu bringen, ist die NEIN!-Idee, erreichbar über http://www.NEIN-Idee .de .

    Hans Kolpak
    Deutsche ZivilGesellschaft

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.