Weihnachtsgans-Ökonomie

3. Dezember 2008 | Kategorie: Kommentare

Die Aktienmärkte haben sich in der vergangenen Woche aufgeplustert wie Weihnachtsgänse. Viele Akteure glaubten einfach nicht, dass nach Milliarden nun Billionen ins Fegefeuer der Wirtschaft geworfen werden. Doch sie werden eines Besseren belehrt. Und so folgte in dieser Woche eine Korrektur der Korrektur mit einer Reaktion auf eine Reaktion. Mathematisch ergibt das ein Pluszeichen. Bingo!

Der DAX bäumte sich auf und legte 700 Punkte zu. Das ist die vorläufig gute Nachricht. Der Rest der Nachrichten war weniger gut. Doch was spielt das für eine Rolle, wenn man sich am Ende der Woche reicher fühlt? Schließlich ist ja Weihnachten. Doch wo kommt das ganze Geld her?

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat die FED verklagt, weil sie nicht nennen will, wer wieviel Geld bislang erhalten hat. Schweigen im Walde. Addiert man die Einzelposten, kommen 8,5 Billionen Dollar an Munition zusammen, die in Kanonen gestopft und die Zündschnüre verlegt wurden. Die ersten Böller sind kaum verklungen. Die Munitionsfabrik läuft auf Hochtouren. Gerade wird angebaut. Gold hat in dieser Woche 70 Dollar zugelegt. Es weiß, was gespielt wird – der Versuch der Reflation.

Gib mir Mist, ich gebe Dir Futter. Es funktioniert wie bei einer Weihnachtsgans. Oben rein und unten weggeputzt. Die Hauptsache, das Ding wächst und wird fett. Dabei entweicht als Nebenprodukt ein Gas, das Feuer fängt. Entzündet hat es sich für einen Moment an der Citigroup, die aus staatlicher Hand neues Futter erhielt und mit einem Schutzschirm gegen Blitz und Donner versehen wurde. Und dies ist nicht die einzige Hilfe, um die dicken Gänse am Leben zu halten, die eher eine Diät gebraucht hätten. Zu spät. Die Retter aus Regierungen und Notenbanken schieben Überstunden und schnüren an weiteren Futterpaketen. Ausgemergelte Gänse werden mit künftig zu zahlenden Futterrechnungen nicht nur aufgepeppelt, sie werden überfüttert. Pups!

Eine Weihnachtsgans braucht vom Schlüpfen bis zur Schlachtbank 230 Tage. So wäre es normal. Irgendwie ist es auch mit Finanzmärkten vergleichbar. Doch die Zeichen sind trügerisch. Mister Market wetzt schon seit Jahren das Messer, doch er liegt in Ketten. Und so wachsen die Gänse weiter und haben inzwischen eine monsterartige Größe erreicht. Unter den Federn wachsen Krebsgeschwüre, die jetzt offen zu Tage treten. Unsere Weihnachtsgans-Ökonomie besagt, dass es wie bisher weitergehen muss. Also ordert man neue und größere Futtertransporte. Sie biegen um die Ecke, um alsbald verschlugen zu werden. Pups!

Diese Pupserei hat einen kleinen, aber nicht ganz unwichtigen Nebeneffekt. Das Gas schleicht lautlos am Boden entlang, verzückt und vernebelt die Gedanken der Leute. Sie meinen, es hätte eine anregende Wirkung und beginnen Dinge zu tun, die sie lieber bleiben lassen sollten. Zum Beispiel Dinge auf Pump zu kaufen oder in Sachen zu investieren, die sie nicht verstehen. Fängt das Gas an zu brennen, werden die Leute verrückt, so wie vor wenigen Jahren, als Alan Greenspan die Mästung der Gänse übernahm und die Preise für Häuser, Bonds und Aktien aus pupstechnischen Gründen gestiegen sind. Bekommt die Gans aber Magenprobleme, so wie jetzt, gibt es Schwierigkeiten, denn die Synapsen vertragen keine klare Luft mehr. Und so holt man den Gänsearzt, der Medizin verteilt und die Fressfähigkeit der Gans sicherstellt. Pups!

Gänse sind neugierige, aber auch boshafte Tiere. Ihnen sich heute in den Weg zu stellen, wäre gefährlich. Ihnen das Futter zu rationieren, tödlich. Und so haben unsere heutigen Gänse das Schlachtgewicht längst überschritten. Die Monster werden wohl die nächsten Wochen und Monate überleben und erst später dem Metzger vorgeführt. Wenn sie es bis dahin gesundheitlich durchgehalten haben. Pups!

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