Weidmann: Instrumente erschöpft. Wunderdinge nicht zu erwarten

21. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Es war am vergangenen Montag zu fortgeschrittener Abendstunde vor internationalen Medien im Gästehaus der Bundesbank, als deren Chef Jens Weidmann zugeben musste: „Unsere konventionellen Instrumente sind erschöpft.“

Er meinte die Instrumente der EZB, deren Ratsmitglied er qua Bundesbank-Chefsessel ist, und legte nach: „Wunderdinge sind nicht zu erwarten“, nämlich wenn die EZB im nächsten Jahr noch mehr Anleihen kaufen werde. Wie denn?

Alle Welt rechnet doch schon heute fest damit, dass EZB-Chef Mario Draghi die Geldschleusen weit öffnen wird. Eine Abkehr von dieser Politik würde zwangsläufig einen Crash auslösen, dessen Wucht alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen dürfte.

Wie sieht die Alternative zum Crash aus? Auch nicht gerade toll. Das heißt, neben den erschöpften Instrumenten der EZB-Geldpolitik bleibt nur noch die Hoffnung, die Finanzmärkte mögen sich von selbst aufrappeln. Und das bei einer Inflationsrate, die in Deutschland auf null zustrebt, während sie in anderen Euroländern einen Schnaps darüber liegt. Das wäre an sich halb so schlimm, gäbe es da nicht Divergenzen, die Weidmann in einem seiner stets wiederholten Lieblingssätze wie folgt zum Ausdruck bringt: „Die Geldpolitik kann keine Strukturprobleme lösen.“

Womit wir einmal mehr bei dem vorwiegend von Politikern angerichteten Unfug namens Euro angelangt sind. Oder auf den Punkt gebracht: beim längst gescheiterten Versuch, einer heterogenen Staatengemeinschaft die Einheitswährung überzustülpen und dann darauf zu hoffen, die Strukturprobleme Frankreichs und Italiens, Spaniens und Portugals, Irlands und Griechenlands könnten sich durch den Euro in Luft auflösen. Bisher ist eher das Gegenteil eingetreten: Die Volkswirtschaften der Euroländer driften auseinander, und je mehr die Eurozone auf eine Transferunion zusteuert, desto weniger Anlass sehen Franzosen, Italiener usw., ihre Probleme selbst in Angriff zu nehmen.

Warum auch? Es gibt ja noch Draghi, und der lässt keinen Zweifel daran, dass er alles in Bewegung setzen wird, um während der nächsten Monate „eine noch breiter angelegte geldpolitische Lockerung“ zu inszenieren, wie er zuletzt am 4. Dezember betonte. Damals sagte er wörtlich – gemäß der offiziellen Übersetzung seiner Rede – geradezu Unglaubliches voraus: „Sollte es erforderlich werden, den Risiken einer zu lang anhaltenden Phase niedriger Inflation weiter entgegenzuwirken, so vertritt der EZB-Rat nach wie vor einstimmig die Absicht, innerhalb seines Mandats zusätzliche unkonventionelle Instrumente einzusetzen. Dies würde bedeuten, dass zu Beginn des kommenden Jahres Umfang, Tempo und Zusammensetzung unserer Maßnahmen geändert würden.“

Nach dieser psychologisch angereicherten Prognose kam an jenem 4. Dezember wieder der Technokrat in Draghi zum Vorschein. Mit einem Generalstabsplan, der nur ein Ziel verfolgt: mehr Inflation. Hier ist die entscheidende Aussage: „Unsere geldpolitischen Maßnahmen sind allesamt darauf ausgerichtet, die feste Verankerung der mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen zu unterstützen – im Einklang mit unserem Ziel, Inflationsraten von unter, aber nahe 2 Prozent zu erreichen und dazu beizutragen, dass die Teuerungsraten sich diesem Niveau wieder annähern.“

Falls Ihnen diese Sätze bekannt vorkommen, bitteschön, hier folgt ein Draghi-Zitat vom 6. November:

„Der akkomodierende geldpolitische Kurs wird die feste Verankerung der mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen unterstützten, im Einklang mit dem Ziel des EZB-Rats, Inflationsraten von unter, aber nahe 2 Prozent zu erzielen.“

Noch mehr gefällig? Kein Problem, wenn es um Worte geht, ist Draghi der perfekte Wiederholungstäter. Eigentlich braucht er nur wieder seinen Redezettel vom Vormonat herauszuholen, wie das folgende Zitat vom 2. Oktober belegt:

„Zusammen mit dem bereits bestehenden akkomodierenden geldpolitischen Kurs wird die entschlossene Umsetzung der neuen Maßnahmen die feste Verankerung der mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen im Einklang mit unserem Ziel, die Preissteigerung unter, aber nahe 2 Prozent zu halten, unterstützen.“

Zugegeben, ich mute Ihnen hier schweren Stoff zu. Doch es geht mir nicht so sehr um die Interpretation dessen, was Draghi – im Übrigen jeweils vor Zeugen – gesagt hat oder was er zum Ausdruck bringen wollte. Sondern darum, dass er nach so intensiver Betonung des Inflationsziels von unter, aber nahe 2 Prozent nicht mehr anders kann, als die Geldschleusen sperrangelweit zu öffnen. Und zwar so lange, bis die Inflationsentwicklung ihm recht geben wird.

Da wir es derzeit – siehe nur noch 0,3 Prozent deutsche Inflationsrate, siehe Ölpreis – eher mit deflationären Kräften zu tun haben, wird Draghi nicht umhin kommen, die Eurozone irrsinnig mit Geld zu fluten. Mit anderen Worten: Die Inflation wird spät, aber gewaltig kommen und sich dann nicht mehr stoppen lassen.

©Manfred Gburek – Homepage


 

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2 Kommentare auf "Weidmann: Instrumente erschöpft. Wunderdinge nicht zu erwarten"

  1. Beate sagt:

    Frankreich, Italien und Spanien stehen für über die Hälfte des BIPS der Eurozone.

    Sie sollten jetzt dafür Sorgen das Deutschland die Eurozone verlässt.

    Deutschland hat durch Lohndumping mittels STRUKTURREFORMEN die Währungsunion gesprengt.

    Lächerlich von Italien Strukturreformen also Lohnkürzungenbei einer Inflationsrate von NULL zu erwarten.

    Deutschland das Scheusal hat die Löhne bei einer Inflation von 2,5% gekürzt.

    • Michael sagt:

      Deutschland hat dafür gesorgt, wenn auch auf höchst ungewöhnlichem Wege, dass es nicht aus dem Rennen fliegt. Korrekt ist wohl, dass jede Volkswirtschaft sich mal ausgerichtet hat nach lokalen Erfordernissen und die werden unterstützt von verschiedenen Maßnahmen. Das wird sich nicht ändern… Die Welt besteht nicht nur aus Lohnstückkosten und dem EURO Raum.

      Deutschland geht es eben wie immer …

      Wenn sie nicht die anderen jagen, sind sie der Gejagte. Das nennt man Marktwirtschaft. Solange kein anderer Weg eingeschlagen wird, alles andere kann man sich getrost mal vergessen, müssen sie nach vorne jagen. Das Feld holt auf – machen sie sich keine Sorgen. Um andere braucht man sich keine Sorgen machen, denen ist das Schicksal der deutschen Bevölkerung aber so etwas von egal.

      Welche Alternativen bleiben
      a) Durchfüttern
      b) Wegjagen
      c) Liquidieren

      Im Kontext des EURO Raum, jetzt nicht wertend gemeint sondern eher im Kontext der Globalisierung, was auch immer man davon hält, müssen sie sich mit der Oberliga messen damit sie am Ende mithalten können.

      a) + c) sind kein gangbarer Weg. b) kann man auch anders realisieren.

      Eine Volkswirtschaft kann nicht den Weg anderer gehen … genauso wenig wie man das Leben anderer kann leben.

      https://www.youtube.com/watch?v=fUZQFsYk-BQ

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