Weichenstellungen: OPEC-Treffen und Goldinitiative

27. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Heute beginnt in Wien das Treffen der Erdöl exportierenden Länder OPEC. Es dürfte ungemütlich werden, denn der Preisverfall setzt die Kartellbrüder erheblich unter Druck. Nicht, dass man sich ansonsten grün wäre. Die einzige echte Gemeinsamkeit besteht darin, dass man die gleiche Ware anzubieten hat und dabei einen guten Preis erzielen möchte…

Geografisch und weltanschaulich ist dagegen kaum ein gemeinsamer Nenner zu finden. Auch deckt das Kartell nicht annähernd die heute relevanten Produzenten ab. Dass die USA und China fehlen, mag sachlich noch dadurch begründet sein, dass sie zwar in der Förderstatistik vorne dabei sind, das „schwarze Gold“ aber vor allem für den Eigenbedarf benötigen. Bei Russland, dem zweitgrößten Produzent weltweit, sieht das schon anders aus, ebenso bei Kanada und Norwegen. Sie sind nicht dabei, weil sie nicht dabei sein wollen – und das ist auch gut so.

Zahnloser Tiger

Während die OPEC in früheren Krisen mit drohenden Produktionskürzungen noch Angst und Schrecken verbreiten konnte, ist sie heute zu einem ziemlich zahnlosen Tiger geworden. Auch die Welt des Rohöls ist multipolar geworden. Die Verlautbarungen des Kartells haben zwar eine psychologische Wirkung auf den Markt, entscheidender sind jedoch die Handlungen von und die Entwicklungen bei einzelnen Staaten.

Die USA etwa fördern dank „Fracking & Co.“ heute selbst wieder erhebliche Mengen an Rohöl. Allerdings sind diese modernen Verfahren auch die teuersten. Bei anhaltendem Preisverfall müsste dieses Angebot – ökonomisch betrachtet – also als erstes wieder vom Markt verschwinden. Weil die Eigenproduktion aber erklärtes Ziel der USA ist, wird es das wohl nicht tun. Rein ökonomisch ist die Situation Saudi-Arabiens spiegelbildlich. Das Fracking-Öl jagt den Saudis Marktanteile in den USA ab. Durch den auch von Saudi-Arabien aus betriebenen Preisverfall, wird der Druck entsprechend auf die US-Emporkömmlinge erhöht. Zudem wird ein haushaltsmechanisches Argument ins Feld geführt. Weil die Preise sinken, muss mehr verkauft werden, um die gleichen Erlöse zu erzielen. Schließlich will der allgemeine Müßiggang in Saudi-Arabien auch finanziert werden.

Interessantes Timing

Andererseits ist kaum vorstellbar, dass sich die Saudis mit ihrer US-Schutzmacht einen ernsthaften Wirtschaftskrieg ums Öl liefern. Dass der beschleunigte Ölpreisverfall genau jetzt stattfindet – Fracking wird schon seit etlichen Jahren im großen Stil betrieben – ist ebenfalls merkwürdig.

Durch die Timing-Frage rückt ein anderer Konfliktherd in den Fokus. Denn ausgerechnet Russland, das derzeit auf vielfältige Weise unter Druck gesetzt wird, ist stark von sprudelnden Öl- und Gaseinnahmen abhängig. Ein Preisverfall schwächt vor allem Putin, der im Gegensatz zu den Saudis oder den USA nicht auf Zeit spielen kann. Zwischen den USA und Saudi-Arabien würde es in diesem Fall wohl ein „Gentlemen-Agreement“ hinter den Kulissen geben. Das aber ist selbstverständlich nur eine – wie das heute so schön heißt – „krude Verschwörungstheorie“. Im Gegensatz zu früheren Krisenmustern würde dieser Ansatz aber den Schluss nahelegen, dass die Ölpreise erst dann wieder Potenzial hätten, wenn sich die Krise um Russland entspannt.

„Schweizer Goldinitiative“

Am Sonntag wird es zudem spannend in der Schweiz. Dann nämlich sind die Eidgenossen aufgerufen, über die „Schweizer Goldinitiative“ abzustimmen. Im Wesentlichen geht es darum, der Schweizer Notenbank SNB zumindest ein Mindestmaß an Regeln hinsichtlich des Umgangs mit ihren Goldreserven mit auf den weiteren Weg zu geben. Konkret soll kein weiteres Gold mehr verkauft werden, der Anteil der Goldreserven künftig wieder auf 20% der Reserven aufgestockt werden und das Schweizer Gold in die Schweiz zurückgeholt werden.

Das alles sind vollkommen vernünftige Forderungen, deren Sinnhaftigkeit sich erst aus der Vorgeschichte vollständig erschließt. Im vergangenen Jahrzehnt verschleuderte nämlich die Schweizerische Notenbank unter ihrer damaligen Führung in einem beispiellosen Amoklauf 1.550 Tonnen ihrer Goldreserven. Offensichtlich tun ein paar Regeln der Leitung dieser Institution also ganz gut. Mehr zur Schweizer Goldinitiative – unter anderem ein Interview mit deren Co-Initiator, dem Nationalrat Luzi Stamm – finden Sie im aktuellen Smart Investor 12/2014, der seit dem vergangenen Wochenende erhältlich ist.

Da die Prognosen im Moment knapp sind, dürfte der Ausgang der Abstimmung in jedem Fall für etwas Bewegung sorgen – im positiven Fall natürlich nach oben. Idealerweise hätte die Initiative im Sinne eines echten Geldwettbewerbs sogar Beispielcharakter auch für andere Währungen. Die Schweiz ist schließlich nicht ein x-beliebiges Land, sondern genießt weltweit – gerade in Gelddingen – einen exzellenten Ruf.

Wie die Sache ausgeht, wissen wir dann am Sonntagabend. In jedem Fall kann man die Schweizer aber schon heute einmal mehr zu ihrer lebendigen, direkten Demokratie mit echter Bürgerteilhabe nur beglückwünschen. Auch in dieser Hinsicht hat das Land – ebenso wie beim dezentralen föderalen Aufbau – Vorbildcharakter… (Seite 2)



 

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5 Kommentare auf "Weichenstellungen: OPEC-Treffen und Goldinitiative"

  1. bluestar sagt:

    Schöner Artikel vom Smart Investor.
    Faulende und diktatorische Systeme spülen immer mittelmäßige bis schlechte „Experten“, „Politiker“, sogenannte Journalisten und andere Kreaturen nach oben. Ihre Fähigkeit sich skrupellos den Mächtigen anzubiedern und dessen Lieder ununterbrochen zu singen ist ihr einziger Vorteil auf dem Weg nach oben. Je mieser der Charakter, desto besser die Chancen von der Macht gefördert zu werden.
    Oder anders ausgedrückt: Pack verbindet sich mit Pack.

  2. Midas sagt:

    Die Abschaffung des Bargeldes ist eines der wichtigsten Ziele der Noachidisten, die damit ihre Bibelprophetie verwirklichen. Der Weg dorthin führt mit dem Nagativzins über die Deflation, die sie angeblich bekämpfen. Wer die Deflation wirklich bekämpfen will, muß den hoch verschuldeten Unternehmen solange stets neue Kredite vergeben, wie die Geldsparer immer weiter sparen, anstatt das Geld auszugeben, damit die Unternehmen ihre Verschuldung verkürzen können. In Wirklichkeit verringern sie stetig die Kreditvergabe an die Wirtschaft, z. B. durch strengere Kreditvergaberichtlinien, siehe Basel 1, 2 und 3 und paradoxerweise durch billiges Geld der EZB, mit dem die Banken völlig risikolos höherverzinsliche Staatsanleihen kaufen, anstatt risikobehaftete Kredite an die Wirtschaft zu vergeben. Darüber hinaus verringern sie ganz gezielt die Bereitschaft der Wirtschaft, neue Kredite aufzunehmen. Banken verkaufen vertragsgemäße Kredite zusammen mit notleidenden Krediten packetweise an „Heuschrecken“, die alles durch Zwangsversteigerung zu Bargeld machen. Kein pünktlich zahlender Kreditnehmer ist vor der Willkür der Banken geschützt. Er muß jederzeit mit dem Verlust seiner Immobilie rechnen. Nahezu täglich machen sie neue Gesetze (zu ihren Gunsten), aber es gibt kein Gesetz, das den Kreditnehmer vor Weiterverkauf seiner verpfändeten Sachwerte schützt oder ihm zumindest ein Vorkaufsrecht einräumt. Wenn sie wirklich die Deflation bekämpfen wollten, hätten sie schon längst die Rechte der Kreditnehmer gestärkt.

    • Avantgarde sagt:

      Die Abschaffung des Bargeldes ist eines der wichtigsten Ziele der Noachidisten, die damit ihre Bibelprophetie verwirklichen.
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      Also diese Aussage erschliesst sich mir nicht.
      Was sollen die sieben Juedischen Gebote mit der Abschaffung des Bargeldes zu tun haben.??

      • stonefights sagt:

        Tippe auf Offenbarung(seid 😉 ) 17:
        Offb13,15 Und es wurde ihm gegeben, dem Bild des Tieres einen Geist zu verleihen, so daß das Bild des Tieres sogar redete und bewirkte, daß alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten. 16 Und es bewirkt, daß allen, den Kleinen und den Großen, den Reichen und den Armen, den Freien und den Knechten, ein Malzeichen gegeben wird auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn, 17 und daß niemand kaufen oder verkaufen kann als nur der, welcher das Malzeichen hat oder den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.
        18 Hier ist die Weisheit! Wer das Verständnis hat, der berechne die Zahl des Tieres, denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist 666.

        Die drei Ziffern sind im Gr. wiedergegeben durch drei Buchstaben (Chi, Xi und Sigma), die den Zahlenwert 666 haben.
        Im Häbräischen wiederum wäre der Zahlenwert der Buchstabe „waw“ http://de.wikipedia.org/wiki/Waw_(Hebr%C3%A4isch), der unserem lateinischen
        „W“ gleichkommt.
        Da ich meist nicht berechnend handle, entsteht bei mir „WWW“, Zufälle gibt’s, tz,tz,tz 😉
        Als Verbildlichung für alle IP-basierenden Dienste, so eben dann auch bargeldlose(s) Zahlen, äh Zahlungen von Machine2Machine (M2M) 🙂

        Nun bin ich wohl Putin- und Noa-Versteher, ups, das gibt einen neuen Eintrag in meiner NSA-Akte 🙁

        lg, stonefights

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