Wegen Überhitzung abgeschaltet?

10. März 2014 | Kategorie: Gäste

von Ronald Gehrt

Wenn ein Gehirn zu heiß läuft, sollte man es zügig herunterfahren. Das kühlt schön, schützt vor Schäden und zudem vor unangenehmen Wahrheiten aus der seltsamen, so komplizierten Welt außerhalb der Börsensäle…Wenn ein Gehirn zu heiß läuft, sollte man es zügig herunterfahren. Das kühlt schön, schützt vor Schäden und zudem vor unangenehmen Wahrheiten aus der seltsamen, so komplizierten Welt außerhalb der Börsensäle…

Momentan wissen die Investoren nicht, wohin sie zuerst schauen sollen. Irgendwie ist alles gleichzeitig in Bewegung. Und wiederum irgendwie wundert es mich da nicht, dass man sich einfach in ein mentales Schneckenhaus flüchtet und stur nach charttechnischen Aspekten tradet.

Nichtsdestotrotz haben die externen Faktoren dennoch Einfluss auf die Kurse. Nur sehr mittelfristig und meist zeitverzögert. Auch die großen Adressen sind keine homogene Gruppe. Und je trüber die Gemengelage wird, desto eher neigen dort einige dazu, ihre taktischen Aktivitäten auch mal in Richtung Short zu verlagern, indem sie die Kurse eben nach unten „anschubsen“. Noch gibt es erste Indizien in diese Richtung nur in Europa. Aber das muss nicht so bleiben.

Denn was haben wir denn momentan an externen Einflüssen? Wir haben immer mehr und mehr die Anleger und Analysten enttäuschende Ausblicke für das laufende Jahr seitens der Unternehmen. Wir haben Konjunkturdaten, die recht deutlich aufzeigen, warum dem so ist. Wir haben immer noch keine Bereinigung der Lage hinsichtlich der Emerging Markets-Währungen, da die Notenbanken das Problem herunterspielen, zuletzt die EZB am Donnerstag. Und wir haben den Ärger mit Russland.

Dass man seitens der Politik zwar außerstande ist, die grundlegenden Probleme des fehlenden Wachstums und der Überschuldung zu lösen, dafür aber höchst angelegentlich die Sache der Wirtschaft vertritt, lässt sich dabei daran erkennen, dass man nach anfänglichem Aufschrei nun eine Reihe völlig belangloser „Wischiwaschi“-Sanktionen verhängt hat, die zwar symbolisch wirken, aber keinen Schaden für die Wirtschaft nach sich ziehen sollen.

Hätte man das Wohl der Ukraine im Fokus gehabt statt die Wahrung des eigenen Gesichts, hätte man riskiert, dass Russland den Hahn der Energielieferungen zugedreht hätte … und sich selbst ins Knie geschossen. So kann sich Präsident Putin ins Fäustchen lachen, denn die Politik des „Westens“ ist in dieser Hinsicht einfach zu berechenbar, als dass er sich nicht genau dieses Szenario gedacht hätte. Wenn jetzt nicht noch etwas Überraschendes passiert, wird das Thema wohl erfolgreich von den Börsen ferngehalten.

Natürlich bleibt die Lage insgesamt problematisch. Die Notenbanken können einem erneuten Abstieg in die Rezession nichts mehr entgegensetzen. Und dieser Abstieg kann allemal unmittelbar vor der Tür stehen. Und genau das wissen die großen Adressen natürlich auch, besser noch als Politiker und Notenbanker.

So betrachtet darf man gespannt sein, ob der Sturmlauf insbesondere der Wall Street, wo die Kurse nach der ersten Reaktion auf das Eskalationsrisiko in der Ukraine plötzlich wenige Tage später höher notierten als zuvor, nicht womöglich zu einer Distributionsphase wird. Um die gigantischen, eigenen Positionen zu Höchstkursen loswerden zu können, braucht es jemanden, der einem das ganze Zeug abkauft.

Und wenn die anderen Marktteilnehmer durch diese schnelle „Bereinigung“ des Streits mit Russland und die sofort wieder steigenden Kurse das Gefühl bekommen, dass nun der eindeutige Beleg erfolgt ist, dass insbesondere den Aktienmärkten nichts, aber auch gar nichts auf dem ewigen Weg nach oben etwas anhaben kann, ist genau das Außenbild erschaffen worden, um eben dieses nötige Kaufinteresse zu erzeugen… (Seite 2)

 

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