Kampflosung des Tages: Weg mit der Schwerkraft!

27. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Die Zuversicht steigt. Seit sechs Wochen zieht der DAX aufwärts, vor allem aber die Bankaktien. Sie werden von der EZB gesund gespritzt und man versucht, den Zombies neues Leben einzuhauchen, indem man sie an Steckdosen anschließt. Doch auch das schafft weitere Probleme…

Was machen sie nur mit den 489 Milliarden Euro? Zumidest wirkt die Druckbetankung. Die im Dezember aufgezogene Spritze verschafft den Banken jetzt bösen Anlagenotstand, befeuert aber ihre Kurse, auch die der ungeliebten Süd-Anleihen. Der Komet wurde erfolgreich umgelenkt, heißt es aus der Zentrale für Verbreitung von Optimismus (ZVO) – übrigens eine Vorabmeldung für den 1. April 2013. Woher ich das weiß? Glaube Sie mir! Ich komme aus der Zukunft – aus der DDR.

Ein Blick in die Zukunft

Sehen Sie sich das hier an: Hier die 10-Jahres-Renditen der italienischen Anleihen in den nächsten Jahren. Wenn das kein Grund zur Freude ist…

Diese werden wegen des “Drucks“ aus einer Mischung von Anlagenotstand und Spendierfreudigkeit der EZB wieder mit den besseren Anleihen konvergiert haben. Europa-Annäherung 2.0. Darauf wird es bald Anlageprodukte geben. Wetten? Die Schlagzeilen füllen sich mit einem „Sparanstrengungen lohnen sich!“ Die Kurse sind spiegelverkehrt, aber der Wille zählt.

Das erträgliche Maß für Kosten der Staatsfinanzierung wurde bis dahin so eingestellt und die EZB lenkt die Renditen der Staatspapiere wie Betrunkene die Gondeln in der Geisterbahn. Die Schweizer halten es mit ihrem Franken ja ähnlich und zurren ihn gegenüber dem Euro fest, indem sie die Welt mit so vielen Franken verschmutzen, dass er nicht mehr selten ist. Sollte die alternativlose Verteidigung ewiger Glücksseligkeit Schwierigkeiten bereiten, dreht man die Charts einfach um und spielt etwas auf der Zeitachse. Wissenschaftliche Erklärungen und Begriffe wie „Negativ-Wachstum“ und andere vertrauenssteigernde Maßnahmen werden pünktlich nachgereicht.

Meine Glaskugel hat einen Defekt? Na warten Sie ab! Gerade sehe ich eine Schlagzeile aus Bayern. Der Freistaat wird 2030 schuldenfrei sein. Hat Bayern etwa vor, aus der Eurozone auszutreten? Bedeutet es vielleicht das Ende des Länderfinanzausgleichs? Mehr möchte ich nicht verraten. Zum einen will ich keinen erschrecken, zum anderen bin ich in Eile, wegen des „Zeitalters der schiefen Bilder“ (ZdsB), das gerade angebrochen ist… Was? Sie baden gerade drin…

Zuerst muss ich entsprechend alle Bilder zu Hause schief hängen. Bitte tun Sie das auch, denn das wird modern. Die schiefen Bilder zum Arbeitsmarkt und Inflation waren nur ein Vorgeschmack. Wir lieben Statistik! Die Daten wirken zudem wie eine Blitz-Diät. Oben rein und schnell wieder raus. Es macht schlank und alle ver-rückten Bilder zusammen die Wohnung und das Leben behaglicher. Zudem gibt es die Meisten davon kostenlos, wenn der Zeitgeist seltsame Blüten treibt. Die Zentrale zur Erhöhung des Wohlstandsgefühls (ZEW) rät: Werden Sie Marketingexperte für schiefe Bilder! Dort werden immer Leute gebraucht. Glauben Sie mir. Ich komme aus der Zukunft!



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11 Kommentare auf "Kampflosung des Tages: Weg mit der Schwerkraft!"

  1. wolfswurt sagt:

    Die Verhältnisse in der DDR erlebt zu haben, wird für jene ein unschlagbarer Vorteil für die Zukunft sein.

    „Genossen, wer uns verlassen will wird erschossen“ – ist dieses dann wieder zu hören, ist die Endphase erreicht.

    Bis dahin: Seid bereit – immer bereit!

  2. wolfswurt sagt:

    Wie kam es eigentlich zu der Werbung auf rottmeyer für ein „Schuldenfreies Bayern“?

    Sind da Nachtigallen am trapsen?

    • Frank Meyer sagt:

      Google sucht sich die passenden Themen aus. Und zufälligerweise gibt es offenbar eine Aktion der Bayrischen Landesregierung, ein medialer Überzeugungsakt, ohne den es wahrscheinlich niemand glauben würde. Wenn ich einen Beitrag über Wölfe schreiben würde, käme wahrscheinlich ein Wolf im Schafspelz daher.

  3. wolfswurt sagt:

    „Wolf im Schafspelz“ war gut…

  4. Dagobert sagt:

    …der „LTRO“- countdown läuft – am 29. Februar heben wir wohl endgültig ab…

    „Gründlich durchgecheckt steht Sie da
    und wartet auf den Start. Alles klar.
    Experten streiten sich um ein paar Daten.
    Die Crew hat dann nach ein paar Fragen…

    ….Effektivität bestimmt das Handeln.
    Man verlässt sich blind auf den Andern…

    …Im Kontrollzentrum, da wird man panisch…

    …völlig losgelöst…Major Draghi, pardon Tom“

    http://www.youtube.com/watch?v=KoidJVAMAVE

  5. […] Rott & Meyer: Kampflosung des Tages: Weg mit der Schwerkraft! […]

  6. Stuelpner sagt:

    „Ich komme aus der Zukunft – aus der DDR.“
    Willst Du jetzt so nah am Abgrund Optmismus verbreiten? Glaubst Du wirklich es kommt nochmal eine Zeit ohne Existenzangst, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit usw.? Eine Zeit wo Kinder die aus der Schule kamen richtig lesen und schreiben konnten, jeder sich die Miete und vernüftiges Essen leisten konnte, keiner ausgegrenzt wurde, weil er keine Sklavenarbeit hatte.
    Na ich laß mich mal überraschen, sieht eher nach Durchhalteparole aus.
    Manche Verwirrte reden immer von Sozialismus wenn es um die Vergesellschaftung der Schulden geht? Welche Banken haben im Sozialismus soviel Schaden angerichtet und gezockt, das sie verstaatlicht werden mußten, war es nicht viel mehr so das sie es nicht konnten, weil sie staatlich waren! Bitte jetzt nicht den Spruch mit den Landesbanken, wer saß dort drin Politiker, also kann man sich diesbezüglich jeden Kommentar schenken.
    Danke Frank für diese Aufmunterung 😉

    • Avantgarde sagt:

      Zur DDR kann ich mangels Erfahrung ja nicht viel sagen.

      Aber auch hier im Westen war es bedeutend besser BEVOR die Neo-Liberalen ans Ruder gekommen sind.

      Ich kenne noch den Begriff Börsenumsatzsteuer, einen Spitzensteuersatz über 50% und eine Besteuerung von Kapitalerträgen mit dem persönlchen Steuersatz und nicht nur mit läppischen 25%.
      Man mag es mir kaum glauben – aber auch damals musste keiner der besser Verdienenden am Hungertuch nagen.

      Los ging die Sache mit dem wohlklingenden Begriff DEREGULIERUNG.
      Wahrhaft orwellsches Neusprech….

      Es ist für mich einfach unfassbar, daß manche Leute glauben NOCH MEHR Deregulierung, noch geringere Steuern für Vermögende, mehr Privatisierung…. könnte uns aus der Krise führen.

      Alles was gschehen wird sind noch größere Ungleichgewichte als bisher bereits. Das gilt für die Staaten und inzwischen auch für das Verhältnis der Staaten untereinander – auch noch im selben Währungsgebiet….

      Und um mal einen der anderen Seite als der meinen zu zitieren.

      „Keine Gesell­schaft kann gedeihen und glück­lich sein, in der der weitaus größte Teil ihrer Mit­glieder arm und elend ist.“
      (ein bekannter Oberyogi der Neo-Libs)

  7. EuroTanic sagt:

    Bayern vergisst gerne, dass es nach dem Kriege erst mit Hilfe der Zahlungen der anderen Bundesländer „auf die Beine“ gekommen ist. Es war anfangs Netto Nehmerland. Da hat sich aber scheints niemand beschwert? So sind die Menschen, „dem einen wirds gegeben, nachher will er es nicht zurückgeben.“

  8. Kampflosung des Tages: Weg mit der Schwerkraft! | Krisenvorsorge sagt:

    […] mal ein Lesetipp, der sie zum schmunzeln bringen wird. Zuerst jedenfalls, denn denkt man ernsthaft über das Geschriebene nach, macht es einen eher nachden… […]

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