Weg mit der Jammerharfe: Die oder wir?

18. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Ich habe jetzt das Vierteljahrhundert als Börsianer voll. Sehr viele haben in den letzten Jahren eine weit kürzere „Karriere“ beendet – ein Aspekt, über den ich heute laut nachdenken möchte. Seit 1989 hat sich viel verändert, das kann man nicht abstreiten…

Und ja, das können einige Anleger der alten Schule nicht mögen, weil sie sich anpassen, umstellen müssen. Aber was ich in den letzten Jahren beobachte, ist kein Generationenwechsel unter den Anlegern, sondern eine Flucht. Die Zahl der Anleger schrumpft zügig. Die der wirklich aktiven erst recht. Ich frage mich:

Wollen diejenigen, die glauben, mit all dem neumodischen Zeugs da an der Börse nicht zurechtzukommen, die sich in Plattitüden flüchten wie „da verdienen ja eh immer nur die Banken“, die ihre meist selbst verschuldeten Wunden lecken und „der Börse“ an sich die Schuld geben, wirklich auf diese Weise den Beweis erbringen, dass im Zuge einer evolutionären Entwicklung diejenigen auf der Strecke bleiben, die sich nicht anpassen können? Wollen wirklich so viele in die Jammerharfe greifen, statt neue Herausforderungen anzugehen? Wollen so viele wirklich den Daytradern, den Großbanken, den computergesteuerten Handelsprogrammen die Börse kampflos überlassen?

Ist diese Entwicklung vielleicht ein weiteres Beispiel für die in den letzten Jahren mehrfach in Marktkommentaren hervorgehobene Tendenz, sich als Couch Potato zum Biedermeier machen zu lassen, weil das alles, ob Politik, Wirtschaft, Technologie, so kompliziert ist, dass man sich lieber auf einen Bereich fokussiert, den man dann umso besser beherrscht … und Spezialist in Fernbedienungen wird? Ich habe zuletzt oft dazu aufgerufen, endlich wieder sehenden Auges auf das zu blicken, was um einen herum vorgeht, um sich aus der von vielen Strippenziehern erwünschten Rolle als dumpfe, alles kritiklos durchwinkende Melkkuh zu befreien und andere mit wachzurütteln. Ich weiß nicht, inwieweit das etwas gebracht hat, denn wer diese Kolumnen liest, gehört ja bereits zu der aussterbenden Sorte Mensch, die sich interessiert und andere Meinungen hören will. Und die, die ich erreichen will, sind die, die zu faul zum Lesen sind oder bei Texten, die eine Viertelseite überschreiten, aufgrund Konzentrationsproblemen kapitulieren. Aber …

… würde ich nun einfach aufgeben, so würde ich mich einreihen in die wachsende Gruppe der Lemminge, die ihr Leben und Denken innerhalb des eigenen Dunstkreises fristen und für die all das, was in den meist ungesehenen Nachrichten kommt, grundsätzlich ein Problem anderer Leute ist. Kommt nicht in die Tüte.

Diesmal geht es mir alleine um die Börse. Ein wenig auch aus Eigeninteresse – aber andererseits auch wieder nicht. Kurz: Ich stelle vor allem mir selbst eine Art Ultimatum. Entweder, es hat sich bis zum meinem 50. Geburtstag im November nächsten Jahres etwas verändert, oder ich werde meinen Börsendienst New Opportunities, der sich den aktuellen Herausforderungen angepasst hat, einstellen. Denn ich betreibe einen immensen Aufwand dafür, dass die Leser ziemlich wenig tun müssen. Und wenn das Interesse an einem solchen Dienst, der auf die heutigen Notwendigkeiten zugeschnitten ist, weiterhin so seltsam strukturiert ist, dass zwar kaum jemand das Abonnement kündigt, Testleser aber mitteilen, dass ihnen das alles zu aufwändig ist, dann lasse ich es einfach bleiben. Denn es gibt jemanden, der dann mit extrem weniger Aufwand mit diesen Handelssystemen hinreichend Gewinn erzielt, um da nicht die ganzen Texte und Signale punktgenau weitergeben und den begleitenden Blog betreiben zu müssen: ich.

Die meisten von Ihnen wissen, dass dieser Dienst New Opportunities nur eine von mehreren Aktivitäten meinerseits ist. Er ist eigentlich nur da, damit ich noch einen eigenen Börsendienst betreibe, ein wenig als drittes bzw. viertes Standbein, vor allem aber, weil ich meiner Ansicht nach einen eigenen Dienst haben muss. Aber ihn für ein Drittel der Leserzahl zu betreiben wie vor vier, fünf Jahren: Da ist die Relation Aufwand zu Ertrag albern.

Was ist denn eigentlich an dieser heutigen Börse so schrecklich? Hat es denn nicht seit jeher Veränderungen gegeben? Natürlich hat es das. Und es hat auch immer Menschen gegeben, die jede Veränderung doof fanden und der Börse wie allem, das sich wandelt, maulend den Rücken gekehrt haben. Aber …

… waren das wirklich so goldene Zeiten, damals, vor 20 Jahren, als man, noch ohne Internet, auf die halbstündige Telebörse warten musste, wollte man auch nur eine Ahnung bekommen, wo der DAX gerade stehen könnte? Waren das wirklich so wunderbare Verhältnisse, als man ewig drauf warten musste, bis sich in der Wertpapierabteilung jemand ans Telefon bemühte und man froh sein konnte, am nächsten Tag Nachricht zu haben, ob der Kauf- oder Verkaufsauftrag überhaupt durchging? Als man das entweder telefonisch im Schneckentempo oder gar mit Auftragsformularen vor Ort bewerkstelligen musste? Als es nahezu unmöglich war, US-Aktien, Währungen, Rohstoffe zu handeln – erst recht auf der Short-Seite? Als es keine Kurstransparenz gab und man zudem nie sicher sein konnte, aus Positionen auch wirklich herauszukommen? Na, ich danke. Diese „gute alte Zeit“ kann mir gestohlen bleiben.


Ist das allenthalben von den Jammerharfen triefende Argument, die Börse sei für normale Anleger viel zu schnell und unberechenbar geworden, wahr? Als die Aktienmärkte 2000 bis 2003 den zahllosen Möchtegern-Millionären mit ihrem sicheren Riecher auf neue, goldene Zeiten um die Ohren flog, gab es kaum Online-Broker, alles ging langsamer, die Zahl der Derivate war gering. Aber die Kursschwankungen waren der Wahnsinn in Tüten, da kommen die eher gemächlichen Bewegungen von heute nicht ran. Und auf die kann man heute sekundenschnell reagieren, transparent, sicher, übersichtlich. Man bekommt im Internet blitzschnell alle Informationen, die man braucht. Man hat die Möglichkeit, alles egal wo zu handeln.

Und trotzdem: Damals holte man sich blutige Nasen und war trotzdem fröhlich wieder mit dabei, als 2007 mal wieder die ewige Hausse ausgerufen wurde und es komischerweise irgendwie ganz anders kam. Und heute mag keiner mehr … trotz fehlender blutiger Nase?

Viele werden das nicht gerne lesen, aber mich beschleicht der Verdacht, dass dieser Exodus der Privatanleger vor allem daran liegt, dass sie die Hausse seit 2009 nicht mitnehmen konnten. Ein entgangener Gewinn ist viel, viel ekliger zu ertragen als Verluste. Da bin ich Experte drin … in beidem. Aber warum waren so wenige dabei? Weil diese Hausse Blödsinn war, wenn man rational denkt. Und weil die Banken sich daran gesundstoßen konnten, weil man ihnen das Geld quasi in den Rachen gestopft hat, damit die Aktien- und Anleihemärkte stabil bleiben und immer weiter steigen, um die Schimäre angeblich soliden Wachstums zu nähren, auf die die meisten, die sich nun angewidert von der Börse abwenden, eben diesmal nicht hereingefallen sind … und ausgerechnet diesmal stiegen die Kurse dann doch und jahrelang!

Es ist weit weniger der Unwille, sich den neuen Möglichkeiten der heutigen Börsen anzupassen, die diesen Exodus verursacht, denke ich. Es ist das Gefühl, dass hier alles irgendwie künstlich gesteuert wird, man mit dem Verstand nicht weiterkommt … und deswegen auch nicht selbst von dieser „falschen“ Hausse profitieren konnte. Ich gebe zu, dass das auch mich verdrießt. Denn der große Reiz der Börsen war, dass man dereinst verdienen konnte, weil man erkannte, was andere noch nicht erkannten. Weil man als erster auf eine Entwicklung setzte und die Horde erst später kam und mit ihren Käufen oder Verkäufen die eigene, längst etablierte Position in die Gewinnzone hob. Aber!

Erstens könnte es gut sein, dass diese Zeit zurückkehrt, ein Comeback hat wie Schlaghosen, Plateauschuhe und Schmetterlingskragen, nur nachhaltiger. Denn das, was diese jahrelang künstliche Börse förderte, verliert an Wirkung: Das billige Geld. Im Gegenteil, wenn sich die aktuelle Abkühlung der Weltwirtschaft nur ein paar Monate länger hinzieht, kann es sein, dass sich dieses Spielchen seit 2009 auf brutalste Weise rächt und das Kartenhaus zusammenklappt. Aber selbst, wenn nicht, so gibt es noch „zweitens“:

Zweitens geht es doch eigentlich an Der Börse eher um das Erzielen von Gewinnen und nicht ums recht bekommen. Und das geht durchaus, wenn man bereit ist, sich den heutigen Gegebenheiten einfach ein bisschen anzupassen. Und wenn wir nun mal eine Börse haben, an der die Ratio sich die Zähne ausbeißt, muss man halt in den Vordergrund stellen, was ohnehin nie außer Acht zu lassen ist: Konsequent systematisches Handeln mit all den „Tugenden“, ohne die man in Wahrheit ja auch früher nicht auskam:

Systematisches Handeln mit einem konsequenten, nicht zu komplexen System, besonnenes Money-Management, konsequente Absicherung durch Stoppkurse. Einziger Unterschied: Das Zeitraster. Ich habe, um Leser nicht zu verprellen, weil ich diese Abwanderungstendenzen wegen akuter Neophobie durchaus sah, lange, zu lange versucht, meine Handelssysteme auf Wochenbasis zu halten. Aber in einem Umfeld, das von kurzfristigem Trading und blitzschnell einlaufenden, nicht vorhersehbaren, aber kursrelevanten Nachrichten geprägt ist, kann man halt nicht am Montag eine Position eingehen und darauf bauen, dass die da vorherrschenden Rahmenbedingungen einfach die gesamte Woche über bleiben, wie sie sind.

Eine Hälfte meines Börsendienstes arbeitet noch auf Wochenbasis, aber die Ergebnisse sind schlecht. Ich stelle zwar die Basiswerte für dieses Depot auf Indizes und Währungen um, aber wirklich beeindruckend kann man dort nicht abschneiden. Der Bereich, der ein Handelssystem umsetzt, das Signale auf Stundenbasis misst, funktioniert hingegen gut. Doch offenbar sind gute Gewinne kein Argument, um es „ertragen“ zu können, die Dispositionen im Tagesverlauf zur vollen Stunde vorzunehmen statt am Abend oder morgens. Nur … warum?

Wer imstande ist, ein Smartphone zu bedienen, muss angesichts der Möglichkeit, die Trades vorzubereiten, nur kurz auf zwei, drei Knöpfe drücken, um ein Signal umzusetzen. Das kann man dann von überall aus. Und wenn es hochkommt, laufen in den beiden hier gehandelten Basiswerten DAX und Gold zusammen sechs, sieben Trades pro Woche. Klar, man muss regelmäßig die Stoppkurse anpassen. Aber auch das geht schnell – und mal ehrlich: Kam man vor zehn Jahren denn auf einen grünen Zweig, wenn man seine Positionen nicht regelmäßig und konsequent mit Stop-Loss abgesichert hat? Eben.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass sich die normalen Anleger zwar aus der Börse gedrängt fühlen, es aber in Wahrheit selbst tun. Und ich mag den Gedanken nicht, dass wir die Börse immer mehr und mehr den großen Adressen überlassen und kampflos das Feld räumen, das eigentlich für uns, den „normalen“ Anleger, gedacht war. Doch bislang kämpfe ich hier wie Don Quichote gegen Windmühlen. Wenn die Mehrheit der Anleger wirklich lieber in die Jammerharfe greift statt sich umzutun um sich den Veränderungen der Börse gewachsen zu zeigen, ist das eine höchst ernüchternde Entwicklung. Dabei zeigt sich doch:

Außer ein wenig mehr zeitlicher Flexibilität ist nichts vonnöten, das man nicht auch vor zehn oder zwanzig Jahren gebraucht hätte. Und man braucht meinen Börsendienst auch nicht, wenn man imstande ist, konsequent und nach klarem System zu agieren, sich immer sauber abzusichern, nur dann zu handeln, wenn man eine taugliche Chance sieht und sich ein wenig mit chart- und markttechnischer Analyse beschäftigt hat. Wem dieser Aufwand zu viel ist, um der Börse einen Gewinn abzutrotzen, der ist früher genauso gegen die Wand gefahren wie heute. Also:

Die oder wir? Soll man wirklich die Börse den „Großen“ überlassen, und das ohne Not? Soll man sich wirklich, wie so viele, bei der geringsten Herausforderung jammernd zurückziehen, statt Initiative zu zeigen? Ich werde sehen was passiert … aber eines habe ich nun wirklich entschieden: Als Don Quichote gehe ich nicht in die Rückrunde des Lebens.

Mit besten Grüßen
Ronald Gehrt (www.baden-boerse.de)


 

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11 Kommentare auf "Weg mit der Jammerharfe: Die oder wir?"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    …dass sie die Hausse seit 2009 nicht mitnehmen konnten…

    Sehr geehrter Herr Gehrt,
    Aktien?

    Mitte
    2000 stand der Dax auf etwa 8000 Punkte;
    2007 stand der Dax auf etwa 7000 Punkte
    2013 stand der Dax auf etwa 8000 Punkte
    2014 9??? Punkte

    Kann mir vielleicht jemand erklären, wie man dabei seine Altersversorgung aufbauen kann?
    13 Jahre (über den Daumen) keine Kursgewinne, aber dafür etwa 100 % Preissteigerung in dieser Zeit und für die Gewinne auch noch Steuern zahlen.
    Alles was 2000 in DM kostete, muss heute mit gleich viel Euro bezahlt werden.
    Gut- für Insider und Zocker, mag das alles gut ausgehen mit Aktien , aber für langfristige Anleger, die das Geld im Alter sicher anlegen wollen?
    Wer im Jahre 2000 ein Häuschen für 150 TSD gekauft hat und heute für 300 TSD verkaufen kann/könnte, hat lediglich die Inflation ausgeglichen.
    Gut- er hatte die ganzen Jahre mietfreies wohnen, aber ein Häuschen kostet auch einiges an Unterhalt.
    Wer im Jahre 2000 für die 150 TSD Gold und kein Häuschen gekauft hat, und bis heute für ein angemietetes Haus bis heute etwa 150,000 Euro Miete gezahlt hat, hat sich eine goldene Nase verdient und dass alles vollkommen steuerfrei.
    Über 500% Kursgewinne.
    Da kann man die 100% Preissteigerungen noch gut verschmerzen.
    Gut-ich muss zugeben, ich bin blutiger Laie in dem Umgang mit Aktien oder Edelmetallen, ich hatte wohl einfach nur Glück, und zwar dadurch, dass ich die Finger von Aktien gelassen habe.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

    • stonefights sagt:

      Hallo Hr. Weber,
      ich freue mich für sie, dass sie überzeugt ihre richtigen Massnahmen getroffen haben.
      Iterierende c&p Aufzählungen machen sie jedoch nicht richtiger oder falscher,
      Kurz, neue Erkenntnisse wirkten nicht so ermüdend 😉
      Nur ein paar Aufzählungen des world wide web 🙂
      http://www.rottmeyer.de/der-dax-einmal-anders-betrachtet/comment-page-1/#comment-18222
      http://www.rottmeyer.de/vorzeichenwechsel/comment-page-1/#comment-18548
      http://www.goldreporter.de/chinas-groesste-goldboerse-erlaubt-goldleasing/gold/41003/#comment-69679
      http://www.goldreporter.de/negativ-zins-ezb-verschaerft-enteignung-der-sparer/gold/42634/#comment-87768

      Nix für ungut,
      LG, stonefights

    • Michael sagt:

      So nett der Artikel ist und der Aufruf zu engagieren, so werden die Worte verhallen wie ein paar gestrandete Sandkörner in der Wüste. Erinnert etwas an … Chart Analyse;)
      https://www.youtube.com/watch?v=2hRZDFhn0XA

      Aktien waren sein Leben nicht so ruhig wie Metall. Aktien sind die Unternehmensanteile. Wertpapiere sind Rechteaggregate. Aktien verbriefen Rechte. Das ist kein Anteil an der Physis. des Betriebs respektive der Betriebsstätten. Aus dem Titel heraus ist ein Derivat nichts anderes als ein anderes Recht basierend auf einen Rechteaggregat genannt Aktie – bleiben wir mal in dem Umfeld. Derivat ist ein derivatives Recht – abgeleitetes Recht.

      Die Betrachtung ist ähnlich wie die Erde vs. die Welt. Aktien sind ein fiktionaler Überbau über Betriebe und wird in einer Welt gehandelt in der man teilnimmt oder nicht. Der Herr Gehrt spricht aber von dieser Welt.

      Warum sagt das keiner so genau? In der Softwareentwicklung ist es ähnlich. Der Konsument bekommt ja keine Software. Sie bekommen je nach Vertragsdefinition ein begrenztes, gängig im max. perpetual (solange sie Leben) ein Nutzungsrechtung. Der Trivialfall ist die Anwendung die sie am Rechner installieren beim Konsumenten. Der war gewohnt irgendwelche Schachteln zu kaufen, damit er etwas in der Hand hält. Es reichte dann die Abbildung einer Box im Webstore. Backport in die Materialistische Weltsicht – Geist der Elster. Alles was glitzert wird eingesackelt und sonst nichts. Ein Produkt, ein Ding, eine Schachtel löst ein Problem.

      Bsp. für Boxen –
      http://www.sqlmanager.net/en/products/mssql/sqlbackup

      Was sie im konkreten und zurecht kritisieren war die Idee ein Anwendungsgebiet für Aktien zu finden. Wie bei Technologie und Anwendung. Exakt das selbe Spiel. Zu suggerieren, dass Aktie in der Breite für den Kleinanleger eine Altervorsorge sind, ist nicht inkorrekt,

      Die korrekte Abbildung für Aktienhaltung an sich wäre, wenn die Verwahrstelle (Central Security Depository – CSD – direkt die Aktien hielte). Sie hätten ein Konto bei der OEKB – Österreichischen Kontrollbank. Die Realität schaut aber so aus. Im besten Fall ihre Hausbank hat dort ein Konto und das was sie am Auszug sehen ist eine Art Mascherl um einen Teil von Aktien die Banken verwahren lassen.

      Wie will man Aktien unter die Leut bringen? In dem man sagt, ‚Sie erwerben ein Recht das sich darauf begründet, dass irgendwann jemand, bei der Erstbegebung mit ihrem Geld, Kapital wurde bereitgestellt für das der Inhaber des verbrieften Rechts im Gegenzug am Gewinn beteiligt ist. ‚ Da wird schnell der – Geist der Elster den Anleger befallen und suggerieren, ‚Dort steht ein Glitzerding namens Auto … ‚. Eine Finanzindustrie wurde verkauft die Heger und Pfleger der Spareinlagen der Menschen mit höherer Rendite. Das sind die alle nicht. Die Märkte handeln bewertete Rechte. Ausdruck dieser Illusion ist die oft kritisierte Darstellung – Brummt der DAX brummt die Wirtschaft. In Wahrheit ist der sog. Wert der Ausdruck einer Meinung über Preise die für just dieses Recht im Kontext sämtlicher gehandelter Rechte jemand bereit ist zu zahlen. Geht es um den Moment – aktuelle Preis. Geht um die Zukunft, dann sind das die Derivate.

      Wertpapiere sind einfach verbriefte Rechte. Aktien beteiligen ja keinen am Betrieb, Zins aus der Arbeit praktisch den Gütern, sondern an der weltlichen Sicht auf ein Unternehmen, das Rechtsgebilde rund um den Betrieb, dessen bewerteten Transaktionen und insbesondere dem Ausweis der Differenz zwischen eingehenden und ausgehenden Transaktionen – Gewinnermittlung.

      Aus Sicht von Baumwollgeld ist eine Aktie ein realeres Gut aber nicht auf der Erde sondern in der Welt. Das ist die Ebene zwischen Betrieb und Bullen Mythen und Bärengeistern.

      Einer dieser Mythen war eben, der kleine Mann wird reich durch den beliebigen Kauf von Aktien. Das sitzen die Wölfe und locken die Leut mit dem Geist der Elster. Das Glitzern der Aktien sind die nach oben zeigenden Charts.

      Aber Rechte können fallen auch – Das Recht Word zu nutzen hat in den 80ern 12k Schilling gekostet das war vor Windows… beim damals noch Herlango.

      Sie sind ein Erdnaher Mensch – bodenständig vermutlich. Der kauft ein Haus an der Sonne. Das ist klar. Das fragt ein Anlageberater auch. Wenn er das nicht tut, dann verkauft er Papiere für die er Provision bekommt. So einfach ist die Welt. Hausbanken nutzen das Vertrauen in ihre Fähigkeit Realwirtschaftstransaktion durchaus ansprechend zu realisieren im Kontext der Parizipation am Rechtehandel eher ’schamlos‘ aus. Es ist noch kein Betrug aber eher vorgetäuschte Mütterlichkeit respektive Väterlichkeit. Eine Bank kann ja nicht sagen, unser Baumwollgeld ist das manifestierte Elend, deswegen tun sie etwas dagegen.

      Deswegen ist ja die Empfehlung – Sparguthaben – Metalle – Anleihen (Vertrauen in das Bankensystem oder bestehende Unternehmen direkt – Aktien als Investitionen in neue Industrien – Derivate als Ausdruck von Sportgeist bei der Meinungsbildung über Märkte).

  2. Michael sagt:

    Die anderen haben die Zeichen der Zeit erkannt;)

    Schauen sie mal relaxed auf das Gesamtbild. Der nette Herr der vor einiger Zeit die Performance seines Depots hat vorgestellt hat mal in einem Video erläutert wie die ‚Märkte‘ in dem von ihnen genannten Umfeld funktionieren.

    Er hat in ein ähnliches Horn gestoßen wie sie, aber einen wesentlich Punkt gebracht. Sagen wir mal Aktienmärkte und im Prinzip alle anderen größeren auch verhalten sich ähnlich. Ein eigene Wirklichkeit – virtuelle Natur – Änderung der Welt.

    Der einzelne bewegt nichts. Er sammelt Baumwollkneuel ein. Sie verbleiben in einer Defensivposition. Ein kleines Kind mit einem Holzschwert kommt sich schon ein Zeit sehr aktiv vor wenn es mit einem echten Ritter die Schwerter kreuzt. Einem Erwachsen ist schon klar, dass der Ritter wenn ihm das Spiel zu lästig ist den Morgenstern aus dem Rückenhalfter holt und mal ordentlich durchzieht. Dann liegt das kleine Kind im Eck, mit verbeultem Schild auf einem Heuhaufen und schreit nach der ‚Mama‘. Wenn der Ritter der große Bruder, dann schimpft die Mama. Aber ein echter anglikanischer Ritter ‚wascht‘ der Mama ein paar um die Rübe und der Käse ist gebissen. Das ist ihre Optionenlage heutzutage. Glauben sie den Ritter beeindrucken eine Rudel Kinder und deren Mütter? Nicht wirklich. Sie bleiben solange im Spiel solange sie gebraucht werden und die Mama ein attraktives Burgfräulein ist … und es war nie anders. Die Wahrnehmung war eine andere.

    Sie mahnen zurecht an, man soll die Schutzbehauptungen lassen und sagen, ‚Die Welt will ich nicht mehr verstehen – sie wurde mir zu fremd‘. Weltfremdheit ist durchaus natürlich.

    Es geht um Derivate uns sonst nichts, aber auch gar nichts. Sobald ein Derivat im Spiel ist kann man das Underlying vergessen. Ob sie jetzt zum Underlying zusätzlich müssen eine Meinung abgeben (Absichern) oder gleich allein die Meinung angeben ist egal, die Arbeit haben sie mit letztgenannten Teil. Glauben sie wieviele Menschen für das etwas übrig haben oder die Zeit.

    Der Anleger macht heute etwas anders. Unser Nachbar hat den Kindern ein vierstöckiges Mietshaus gebaut. Die holen sich das Geld woanders … glauben sie die Masse der Biberjäger bringt die Pelze zu einem Indianerhäuptling der allein hoch in der Bergen in einer Höhle sitzt und den großen Bullen beschwört? In der verfehlten Hoffnung die verbrannte Erde werde sich wie durch Zauberhand in fruchtbaren Boden wandeln. Es ist eher wie die Geis sich in der Wüste am kargen Buschen Gras zu laben, denn auf der satten Wiese nicht zu wissen welchen immer schneller wachsenden Busch soll nachjagen.

    Der Anlager setzt sich gemütlich in der Keller töpfert und verkauft seine Produkte möglw. sogar als ‚Kunst‘ über E-Bay. Der Anleger braucht die Illusion von Kontrolle.

    Richtig erkannt haben sie, das Frustrationspotential liegt in den entgangen Gewinnen. Ob das allein der verpasste Wiedereinstieg in 2009 war? Das ist eine davon. Aber Derivate haben etwas den Charme von verpassten Einstiegen. In der 90er Jahren ist ein Bild von Aktienmärkten aufgebaut worden an das viele geglaubt haben und in den Umfeld war die Fahrtrichtung eher klar und da ein oder andere Hoppala hat die glorreiche Zukunft schnell vergessen lassen.

    Vor 10 Jahren hat sich das Spiel schon geändert gehabt der Anstieg nach 2004. Das ist die Regentschaft der Investmentbanken die plündernd durch die Reservate ziehen. Also geht es den letzten Indianer an den Kragen … worum glauben sie geht es sonst.

    https://www.youtube.com/watch?v=3vI_7os2V_o
    Wenn sie das Video nicht verstanden haben, sehe ich es ihnen nach… Aber für ein normalen Menschen hört sich Börse heute so an.

    Wovon sie träumen ist eher die Hoffnung auf die Wiederkehr des König Arthus, der seinerseits als Mythos eher in der Zurückgezogenheit und unter dem Eindruck durch die Belagerung der Angelsachsen in der in sich geschlossenen Welt der verbliebenen englischen Grafschaften wurde geboren.

    Die Professionalisierung führt zu Produkten die Profis zu verstehen und Spezialisierung zu Produkten, will man die Breite der Instrumente einsetzten, diese Art von Verständnis und puren Glauben wandelt und am Ende man am Irrglauben verzweifelt.

  3. Helmut Josef Weber sagt:

    Ja- aber mir hat immer noch Niemand erklärt, wie ich bei Aktien eine Altersversorgung aufbauen kann, wenn seit 14 Jahren der Wert der Aktien nicht gestiegen ist, das Kapital in der Zeit aber nur noch halb so viel Wert ist. Von den ganzen Kosten des Depot will ich hier erst gar nichts schreiben.
    Wer mit 50 Jahren von Mutter und Vater im Jahre 2000, 100 TS Euro/DM geerbt hat und sich dafür Dax-Aktien gekauft hat, hat heute immer noch 100 TSD, die aber nur noch die halbe Kaufkraft haben.
    Er hat nur Geld verbrannt; etwa die Hälfte.
    Oder erwartet Jemand, dass Otto Normalverbraucher, oder der Bäckermeister um die Ecke, jeden Tag Stunden im Internet recherchieren kann, warum bei der Aktie X , aus welchen Gründen mit Kurssteigerungen zu rechnen ist, oder die gehaltenen Aktie Y den Bach abgehen könnte.
    Es haben sich schon genug Menschen aufgehängt, weil sie mit Aktien Haus und Hof verloren haben; das habe ich von einem physischen Goldanleger noch nie gehört.
    Auf die 100 TS Euro Investition im Jahre 2000 würde heute ein Goldkäufer nur zurückfallen, wenn der Goldpreis etwa 80% zurückgeht; dann kostet die Unze etwa 260 Euro.
    Aber er hat dann immer noch die 100 TSD, die der Aktienkäufer heute auch nur hat.
    Und wie viel könnte der DAX abrutschen???

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  4. FDominicus sagt:

    @H.J. Weber
    Sie müssen bei Aktien auch die Dividenden mitrechnen. Ich persönlich halte mich bei Aktien jetzt hauptsächlich an den langfristigen Ausschüttungen fest. Sollt man darauf gebaut haben, dürfte man profitiert haben.

    Ihre Frage:
    „Und wie viel könnte der DAX abrutschen“ ist einfach zu beantworten nur nicht zu quantifizieren. Maximal könnte er auf 0 zurückgehen. Betrachtet man die Entwicklung nach 1929, waren es locker mehr als 90 %.

    Neben Aktien und Anleihen gibt es aber auch andere Konstrukte und für den Fall des Fallens haben Sie auch die Möglichkeit Optionen und/oder Futures zu handeln.

    Physisches Gold nimmt eine wirklich herausragende Stellung bei der Entkoppelung von Zahlungsversprechen ein. Gold hat kein Ausfallrisiko und Gold steht keinerlei Schuld gegenüber. Und vor allem gibt es keinen Handelspartner der Pleite gehen kann.

    Insgesamt kann man m.E. sagen ein Spekulant ist wer kein Gold hält 😉

    Zu Ihre Verfolgung. Es ist absolut nicht notwendig alle Aufs und Ab zu verfolgen wenn man nicht verkaufen/kaufen muß. Fangen Sie an bei dem ganzen hektisch zu werden, sind Sie genau auf Heilsversprechungen vom schnellen Geld eingefallen.

    Ich persönlich schaue mir meine Aktien teilweise monatelang gar nicht an. Warum auch? Ich kaufe Aktien wegen der Ausschüttung und nicht wegen der Kursgewinne. Ich möchte einen Ausgleich zu den Anleihen habe und vor allem sind Aktien eine Beteiligung am Produktivkapital – das zählt…

    • Helmut Josef Weber sagt:

      Hallo FDominicus,
      ich lese immer wieder, dass der Dax ein Performanceindex ist und die Dividenden schon mit in dem Kurs eingerechnet sind.

      Viele Grüße
      H. J. Weber

      • FDominicus sagt:

        Wenn es es so wäre, kenne ich trotzdem kein Papier das die Dividende der im DAX enthaltenen Anteile ausschüttet. Sie können selbstredend den Dax kaufen aber Sie können ihn auch verkaufen. Der Dax ist eben eine „Mischung“ während einzelne Aktien das nicht sind. Selbst wenn Sie sich irgendwie am Dax beteiligen bekommen Sie nicht wirklich Anteile, sondern EUR Verrechnungseinheiten.

        Vielleicht sollten Sie einfach mal schauen welche Möglichkeiten es so gibt. Ich persönlich fand „Österreichische Schule für Anleger: Austrian Investing zwischen Inflation und Deflation “ sehr gut. Was sicherlich daran liegt, daß ich dieser Schule traue. Aber dort gibt es ein „ewiges“ Portfolio. Und das soll sich ganz gut entwickelt haben. Die Autoren schreiben eben auch. Sie werden nicht zu den Topleuten gehören aber mal ganz ehrlich. Wie lange halten sich die diversen Gurus wirklich an der Spitze. Es gibt sicherlich Ausnahmen, ich werde mich hüten Ihnen Wissen abzusprechen, nur ist mir auch bewußt. Wenn soviele Pleite gehen, müssen eben auch ein paar (rein statistisch) extrem reich werden.

        Ich glaube nicht, daß man mit dem in dem Buch vorgestellten Portfolio pleite geht oder auch extrem reich wird. Ich glaube insgesamt macht man einen guten Schnitt, und das wäre ja schon mehr als fast alle Gurus zusammenbekommen ;-(

      • Michael sagt:

        Das ist der DAX Perfomance Index. Das andere ist der DAX Kursindex. Den gibt es wohl. Der DAX ist ein Indexfamilie.

        Wenn sie 50 Jahre zurückgehen dann müssen sie schon auch noch gegen die Leitwährung rechnen. KDAX in Terms of Dollars ist der Vergleich zum Gold das in Dollar wird gehandelt.

        DEM vs. USD …
        http://fxtop.com/en/historical-exchange-rates-graph-zoom.php?C1=EUR&C2=USD&A=1&DD1=01&MM1=01&YYYY1=1953&DD2=20&MM2=08&YYYY2=2014&LARGE=1&LANG=en&VAR=0&MM1M=0&MM3M=0&MM1Y=1

        Können sie einfach auch den EURO nehmen in den Chart usw…

        Der DAX hat ein paar andere gewagte Eigenschaften … aber sei es drum.

        Ein Pensionsfonds ist ja auch keine Vermögensverwaltung. Der zahlt Renten.

        Gold bringt keine Rendite insbesondere physische Metall wäre es allein noch traditionell zu erwerben. Damit wirklich Stimmung käme in die Bude bedürfte es regen Tausches d.h. Transaktionsvolumina gebildet durch breite Massen.

        Gold ist gut für defensive Anleger. Ein offensiver Anlager hätte in der Gegen EUR bei 1,30 vs. USD Teile abverkauft bei ca. so 1580 bis 1600 und würde sich langsam wieder eindecken. Der Betrag hätte im DAX schwach verdoppelt seit Mitte ca. 2012. So funktioniert die Sache. Das war jetzt ein sehr gut gewählter Zeitpunkt zugegeben. Mit Bezug auf einen Aktienmarkt drücken sie dann schon die Einstandspreise für Aktien und die liefern ‚monatlich‘ als Beigabe zur Pension Tauschmittel im Zufluss losgelöst vom Kurs sofern sich wie der Frank Meyer heute zurecht feststellt die Bepreisungsfindung sich ändert.

      • Michael sagt:

        Altersvorsoge in Aktien ist in der Regel einfach – den Einstandpreis im Mittel drücken in dem sie Teile des Bestands abverkaufen und sich bei niedrigeren Preisen mit mehr Stücken eindecken… wobei diese Teile in jede Alternative veranlagt wird die besser geht in der Zwischenzeit.

        Es geht jetzt keiner her kauft Daimler weil sein Herz an der Marke hängt möglw. Autos aber nicht Aktien. Konstante Rendite liefern die großen Schiffe allemal. Diese Aussage ist ein wenig geprägt von wie kaufe ich möglichst viele große Schiffe zum günstigen Preis die konstante Ausschüttungen liefern. Das ist der Vorteil des Aktieninvestments.

        Ein Maschine die produziert kann man zwischenzeitlich nicht verkaufen und die muss man mal ersetzen.

        Sie entkommen der Charakteristik des Transaktionsgeschäfts nicht. Diese Charkteristik ist maßgeblich für Preise verantwortlich. Gold hat das ob der Hortungstendenz eher nicht.

        Grad zum Zweck der Altersvorsorge ist auf dem Niveau einsteigen so eine Sache. Spätens wenn sich der letzte Anstieg als kleine Spitze abzeichnet als quasi letzter Buckel vor dem Abstieg müssen sie sowieso wieder raus.

        Ich glaube dem DOW keine 17500 mehr im Moment.

        • Michael sagt:

          Eine Sache ist bei der Anlage immer. Sie können nur das beste aus der Situation machen. D.h. wenn sie nach 20 Jahren zurückschauen sehen sie ein Schlachtfeld voll genutzter und ungenutzter Chancen. Ihr Gewand ist getränkt mit dem Nektar des Lebens.

          Wie in einem Ritterfilm läuft man mit dem Schwert durch ein Schlachtfeld… Sie wissen nicht wer ihnen entgegentritt. Manche Schwertstösse gehen schnell von handen und manche Gefechte dauern länger.

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