Weg mit den Zwischenhändlern!

5. Dezember 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Neue Technologien kommen nicht über Nacht. Ebenso wie das Internet nicht plötzlich vom Himmel gefallen ist kommt auch die Blockchain nicht so überraschend wie viele tun. Es ist allerdings bequemer erst einmal zu warten, wie die anderen darauf reagieren. Rumsitzen und warten haben einige perfektioniert.

Erinnern Sie sich noch an den peinlichen Versuch der Deutschen Bank, sich ein Scheibchen vom Glanz des Internets abzuschneiden, in dem man die Firma in „Deutsche Bank 24“ umbenannte. Das wirkte ungefähr so verlockend und edel wie „Back-Factory“ und setzte sich wenig überraschend nicht durch. Das Grundproblem, mit den neuen technischen Möglichkeiten nichts anfangen zu können, lässt sich nicht durch einen Marketingkniff beheben. Wie man seine Geschäftsprozesse umstellt und die neue Technik nutzt zeigten damals schnell die Direktbanken. Wenig überraschend ließen sich viele nur außerhalb der festgefahrenen Denkweisen alter Strukturen aufbauen. Innerhalb eines bestehenden Unternehmens werden Neuerungen in den meisten Fällen ignoriert oder aktiv unterbunden.

Viele Banken dürfen sich daher in den kommenden Jahren nicht wundern, wenn Ihnen eine jetzt noch zahlungskräftige und am Online-Banking desinteressierte Generation von Kunden den finanziellen Hintern rettet. Spätestens die Erbengeneration wird sich zum großen Teil von solchen Strukturen abwenden. Für manchen Bankvorsitzenden mag das egal sein, die Rente lockt ja in vielen Fällen bereits und die paar Jahre wird es sicher noch gutgehen. Ein bisschen sparen hier, ein bisschen sparen dort, dann läuft einem das Boot auch ohne Innovation noch nicht voll. Dummerweise ist es dann in ein paar Jahren zu spät um sich anzupassen, so dass der nächste Chef vor allem Abwicklungsqualitäten mitbringen sollte. Davon gibt es freilich in der Finanzbranche genug.

Die Möglichkeiten über dezentrale Handelsplätze die aktuellen Finanzintermediäre langfristig zu ersetzen ist real. Diese Möglichkeit wird von vielen vorangetrieben, etwa von Firmen die sich im digitalen Asset Management versuchen. Dabei handelt es sich um dezentrale Plattformen die nicht zu verwechseln sind mit so genannten Robo-Advisors, die de facto nichts anderes sind als alter Wein in neuen Schläuchen.

Derzeit schütteln viele der oft in den 80er Jahren hängen gebliebenen Strategen den Kopf angesichts neuer Entwicklungen. Beim Thema Digitalisierung denkt man, man sei vorne dabei, weil man weiß was ein pdf-Dokument ist. Ansonsten liest man fleißig das Handelsblatt. Warum das sinnvoll sein soll hat man allerdings schon vor Jahren vergessen, aber was ist der Mensch ohne seine Gewohnheiten. Viele Institute sitzen auf einer IT-Infrastruktur die bei einer Fluglinie vermutlich zur sofortigen Stilllegung führen würde. Hier ein paar gekaufte Systeme, dort ein paar Bloomberg-Terminals, hier noch 100 Schnittstellen für den Austausch des System-Sammelsuriums und dazu noch rund eine Million Excel-Sheets, gerne auch garniert mit ein paar Bröseln undokumentierten VBA-Codes, von dem man denkt, das sei Programmierung. Falls Sie jetzt Angst bekommen, ist das eine ganz normale Reaktion. Auf die Prüfer von Bundesbank und Bafin sollten sie sich übrigens nicht verlassen. Wer ein paar Mal die Prüfungen der Damen und Herren erlebt hat, den wundern die Debakel der letzten 20 Jahre und manche Pleite und Fast-Pleite nicht mehr.

Angesichts dieser technischen Wuhling sollte man annehmen, die Digitalisierung würde auf fruchtbaren Boden und offene Ohren stoßen. Das ist abseits von Reden, in denen sich manche mit Begriffen schmücken, die sich nicht im Ansatz verstehen, nicht der Fall. Beim Thema blockchain ist das besonders putzig. Mancher Vortragende meint, es mache einen schlauen Eindruck diesen Begriff zu erwähnen. Mancher Zuhörer glaubt, weil jemand darüber spricht, würde sich der Vortragende und seine Mitarbeiter auch mit dem Thema beschäftigen, was in den meisten Fällen ein Irrglaube ist.

Die alten Strukturen in der Finanzbranche erinnern an den Wandel in der Musikbranche. Die CD hatte die Schallplatte und die Musikkassetten verdrängt, hatte aber in der digitalen Version zunächst als mp3 Datei und mittlerweile über das Musikstreaming ihren Meister gefunden.

(billboard.com) It’s the worst year (so far) for music sales since the 1991 debut of SoundScan (now Nielsen Music). Album sales, including track-equivalent albums (TEA, whereby 10 track sales equal one album unit) are down 16.9 percent in the first half of this year. But sales figures no longer tell the whole story of the record business.

Keiner kauft mehr CDs, aber alle hören mehr Musik.

First, let’s bottom-line those disappearing sales. Album units overall fell 13.6 percent, with 100.3 million total sales. The compact disc continued to crumble, losing 11.6 percent and moving 50 million. Digital album sales fell to 43.8 million, from 53.7 million in the first half of last year. Vinyl sales continued to move up and to the right, growing 11.4 percent, to 6.2 million. New album releases have been most affected by the continued contraction, falling 20.2 percent overall, to 44.1 million units. Catalog albums fell „just“ 7.7 percent, to 56.2 million.

Weite Teile der Finanzbranche betreiben derzeit munter weiter ihre Plattenläden und schreibt hier und da ein Papier zum Thema Digitalisierung mit der Betonung darauf, dass es sich eher um eine Ergänzung handelt. Übertragen auf die Musikbranche lautet die Antwort der Branche auf die Veränderungen: Dann stellen wir halt die mp3-Dateien in die Regale. Na dann viel Erfolg!

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Ein Kommentar auf "Weg mit den Zwischenhändlern!"

  1. Frank Frei sagt:

    Es muss wohl eine senile Erbkrankheit sein, das Alte zu bewahren. Oder um eine politische. Wenn es vor Millionen Jahren schon die GRÜNEN gegäben hätte, dann hätten die den Tyrannosaurus Rex vor’m Aussterben gerettet. Und wenn es da schon Politiker gegeben hätte würden die wohl auch gerne das subtropische Sumpfklima vor Ort gerettet haben.
    Oder wir taumelten heute immer noch durch’s BTX der Post 😀
    Es ist die Gnade der Jugend alles anders machen zu wollen als „DIE ALTEN“. Denn es ist ihre Zukunft. Gut so. 🙂

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