„Weak again?“

18. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Augenfällig ist aktuell die Schwäche des US-Dollar, der sogar gegenüber dem Euro an Wert verlor. Was als kraftstrotzender Trump-Dollar begann, lässt nun sichtbar Luft ab. Es scheinen weniger Ungleichgewichte in der Konjunktur oder der Geldpolitik zu sein, an die sich die US-Devise derzeit anpasst, sondern die Person Trump selbst…

Die Entlassung von FBI-Chef James Comey durch den US-Präsidenten dürfte eine erhebliche Rolle bei der dynamischen Abwärtsbewegung des USD während der vergangenen Tage gespielt haben. Der Posten des FBI-Direktors ist nicht nur eine der Schlüsselstellungen im Staat, Trump und Comey sind einander – wie es auf tagesschau.de so treffend hieß – „in herzlicher Abneigung“ verbunden.

Mit der Entlassung holen Trump nun erneut die Russland-Ermittlungen ein, begleitet von einer Welle medialer Entrüstung – vorzugsweise von jenen Meinungsbildnern, die ihren Anti-Trump-Kurs auch nach der US-Präsidentschaftswahl unverdrossen fortgesetzt hatten. Die innenpolitische Entlastung, die Trump mit dem Marschflugkörperangriff auf Syrien erreichen konnte, währte damit nur kurz. Es liegt ein Hauch von Watergate in der Luft, also die Möglichkeit, dass Trump über die Russland-Affäre letztlich ins Straucheln gerät und stürzt. Zwar haben politische Börsen kurze Beine und der Euro ist vom Grundsatz her die problematischere Währung, die Abwärtsdynamik aber ist Fakt. Man sollte sie nicht ignorieren, zumal der Kampf des Establishments gegen den US-Präsidenten mit unverminderter Härte fortgesetzt wird.

Politik hoch zwei

Auch charttechnisch sieht es für den US-Dollar derzeit nicht gut aus. Über das Wochenende vom 22./23. April öffnete sich ein Abwärts-Gap, das bislang nicht einmal angekratzt, geschweige denn geschlossen werden konnte. An diesem Wochenende fand der erste Wahlgang zur Präsidentschaftswahl in Frankreich statt und am Abend war den Märkten klar, dass die potentielle „Euro-Mörderin“ Le Pen nur noch als Zählkandidatin in die Stichwahl geht. Somit ist zwar auch dieses Gap politisch motiviert, hat aber ausnahmsweise einmal nichts mit „The Donald“ zu tun.

Dass die Bewegung aus dem Euro kam, sieht man auch an der Relation USD/JPY, die sich von der Frankreich-Wahl vollkommen unbeeindruckt zeigte. Seit einigen Tagen bröckelt der USD allerdings nun auch gegenüber der japanischen Währung – ein Indiz dafür, dass wir es mit einer originären Schwäche der US-Devise zu tun haben.

Gegenüber dem Euro wurden zuletzt sogar Mehr-Monats-Tiefs ausgelotet. Auf der politischen Ebene hat der Euro seine Probleme zwar erst einmal gelöst – genauer gesagt: vertagt –, der US-Machtkampf könnte jedoch demnächst in eine heiße Phase münden. Beides war bzw. ist schlecht für das USD/EUR-Verhältnis. Zoomen wir aus dieser kurzfristigen Betrachtung etwas heraus, dann ist nun auch das große Bild angekratzt.

Konnte man bislang im US-Dollar während der Jahre 2014/15 eine impulshafte Aufwärtsbewegung sehen, der sich in der Folge eine ausgedehnte Konsolidierung anschloss, mit der positiven Implikation eines Ausbruchs nach oben, könnte dieses Szenario nun hinfällig werden. Die US-Währung verließ den kurzfristigen Aufwärtstrend innerhalb des Konsolidierungsbereich erst einmal nach unten (vgl. Abb.).

Auf einem ganz anderen Blatt steht, dass die USD-Schwäche positive Impulse für den US-Außenhandel setzt, weil sie Importwaren verteuert und damit relativ unattraktiver werden lässt. Zumindest in der Theorie sollte dann die Nachfrage danach zurückgehen.

Eine Verbesserung des Außenhandels könnte damit sogar der Regierung in die Hände spielen. Tatsächlich hat heute ja kaum ein Land Interesse an einer Stärkung der eigenen Währung. Sollte jedoch an den Vorwürfen gegen Trump etwas dran sind, nützen ihm solche Effekte persönlich natürlich nichts mehr. Versucht man dann auch noch um die nächste Ecke zu schauen, dann könnte ein Ende der Amtszeit auch ein Ende der Abwärtsbewegung im USD bedeuten.

Zu den Märkten

Etwas Morgenluft wittern derzeit die Edelmetallmärkte. Gold und Silber steigen, zumindest in USD. Und da wir uns eingangs etwas genauer mit den Ursachen hinter sichtbaren Bewegungen auseinandergesetzt haben, müssen wir hier feststellen, echte Dynamik ist das nicht und schon gar nicht kommt diese aus dem Gold selbst.

In der Abbildung sehen wir den Goldpreis in USD (schwarz) und in EUR (rot). In der Regel waren die Bewegungen in beiden Währungen ähnlich. Diesmal jedoch ist die Goldpreiserholung im Euro fast vollständig ausgefallen. Ein echter Edelmetalltrend sollte sich jedoch in beiden Währungsräumen zeigen. Die aktuelle Stärke der Goldnotiz in USD reflektiert bislang also lediglich die Abschwächung der amerikanischen Währung. Erst wenn Gold auch in Euro anfangen sollte zu steigen – und zwar nicht aufgrund einer Erholungsbewegung des USD – erst dann könnte sich hier ein echter Aufwärtstrend herausbilden.

Wie der gestrige Tag gezeigt hat, macht sich nun auch beim DAX zunehmend Verunsicherung breit. Auslöser dürfte der zunehmende Druck auf US-Präsident Trump sein, der ist auch hier der Grund der Turbulenzen. Ein Rücktritt oder Impeachment ist in den aktuellen Kursen noch nicht enthalten – weder in den USA, noch in Deutschland.

Fazit

Die Situation für US-Präsident Trump spitzt sich im Stundentakt zu. Die Medien mögen Trump hassen, die Märkte dagegen hassen vor allem Unsicherheit. Unvorhersehbarkeit bleibt das Leitwort für das Jahr 2017.
© Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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