Watt am Kopp? Nachruf auf einen Turbo-Staubsauger

30. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Unsere geliebte EU-Regierung setzt gnadenlos ihre „Ökodesign“-Richtlinie fort. Eurokraten haben neben unendlich viel anderem Unsinn auch das Aus für meinen Turbo-Staubsauger beschlossen. Es ist das letzte Wochenende für diese Spezies. Ein Nachruf…

Da steht er nun in der Ecke, mein Staubsauger, der schmutzige Teufel. Er fraß alles: Socken, Unterwäsche, Euromünzen und auch Staub. Mit der Lautstärke eines Düsenjets konnte er es durchaus aufzunehmen und verbrauchte dabei so viel Strom wie eine ganze Kleinstadt. Wir gehören seit Jahren zusammen wie der Pfusch und die EU. Vieles haben wir gemeinsam erlebt: Stromausfälle, Beutelrisse und Verpuffungen. Als ich ihn neulich ein letztes Mal hinter dem Sofa spazieren führte, hat er vor Freude noch einmal geseufzt. Damit ist es nun vorbei.

Ab kommenden Montag gehören die wattstarken Staubsauger zur Klasse der politisch unkorrekten Haushaltsgeräte. Wie die Glühbirnen, werden Saug-Geräte mit mehr als 1.600 Watt auf die Liste der geächteten Klimakiller gesetzt. Unsere geliebten Führer in Brüssel wollen es so. Die alternativlos Einzug haltende Öko-Diktatur als Vorstufe des Öko-Wahnsinns soll bis 2020 den Stromverbrauch des Kontinents um 20 Prozent senken und bis 2030 um 30 Prozent. Geht es in dieser Geschwindigkeit weiter, werden unsere Nachkommen ab dem Jahr 2100 per Gesetz überhaupt keinen Strom mehr benötigen. Dafür bekommen die Energieerzeuger dann üppige Subventionen fürs Nichtstun und werden dann Büro-Kraken genannt. Oder handelt es sich bei allem Irrsinn um ein durch Lobbyarbeit entstandenes Sonderkonjunkturprogramm für die Haushaltsgeräte-Industrie? Apropos Verschwörung…

Gerüchten zufolge handelt es sich beim Staubsauger-Verbot eigentlich um eine Verschwörung der Pharma-Industrie. Während leistungsstarke Turbo-Sauger den Hausstaubmilben in Sekundenschnelle den Garaus machen, findet dieses Getier in künftigen Niedrig-Watt-Geräten eine Art Sanatorium vor, frischluftumblasen, um beim Leeren des Beutels sofort über den Staubsauger-Wirt herzufallen. Dieser wird damit geradewegs in die Fänge der Asthma-Industrie getrieben. Habe ich gehört.

Offiziell hingegen ist, dass es sich bei der Gängelung im Gebrauch von allerlei Geräten um eine neue Öko-Richtlinie handelt, auch bekannt als Öko-Design. Würden Modemacher so designen, wir würden gerne nackt herumlaufen: Allerdings arbeitet diese moderne Spezies beim Design neuer Richtlinien zum an den Kopf-Fassen für den Schutz der Eisbären durchaus straffrei. Nach ihrem Dienst zum Wohl des Weltklimas fahren oder fliegen sie abends mit großen Autos und Flugzeugen nach Hause.

Die haben bestimmt Watt am Kopp!“, sagte meine Nachbarin, als ich sie auf ihre künftigen Vergehen aufmerksam machte. Ich möchte ihr nicht widersprechen. Wir wissen nicht, welche Luft die zuständigen Damen und Herren in Brüssel atmen, aber sie sollten dringend ihre Fenster öffnen, statt sich ständig gefährliche Hirnkeime über ihre Öko-Klimaanlagen zuzuziehen…

Auf in den Widerstand!

Vor wenigen Jahren hat unsere Nachbarschaft gemeinsam Abschied von der Glühbirne genommen. Damals haben wir alle Leuchtmittel aus ihren Fassungen genommen und sie festlich durch 70-Watt-Glühbirnen ersetzt. Uns war schließlich klar, dass Glühbirnen nur verkannte Heizbälle sind. Wir waren glücklich so wie ich bislang mit meinem schmutzigen Teufel. Und er mit mir. Schließlich gab es am Wochenende eine Extra große Portion Flusen aus dem Bücherregal und ein paar heruntergefallene Blüten für einen etwas anderen Geschmack. Nun schmollt er mich aus seiner Ecke an. Aber kampflos geben wir nicht auf und haben Pläne entwickelt, ohne den Ökokraten vorgreifen zu wollen. Was halten Sie hiervon…?


Wenn man Saugschlauch und Auspuff einfach falsch anschließt, könnte man aus einem wattfressenden Turbo-Sauger auch einen „Schlauchventilator“ machen. Oder wenn man die Düsen verkehrt herum anschraubt, produziert der Staubsauger im Verständnis der Experten in Brüssel sogar noch Strom – und wird als mobile Stromerzeugungseinheit Furore machen. Von Physik haben Eurokraten ohnehin wenig Ahnung. Energieerhaltungssätze und Geld-Erhaltungssätze zeigen keinerlei Verwandtschaft. Diese Gleichungen gehen bei Weltverbesserern ohnehin nie auf.

Watt denken sich die Leute da? Da sie wahrscheinlich nie selbst saugen, außer an fremden Geldtöpfen, werden sie kaum die Auswirkungen ihres Tuns spüren. Früher saugte ich mit 1.600 Watt eine halbe Stunde. Mit 800 Watt brauche ich künftig zwar die gleiche Menge Strom, aber in der doppelten Zeit. Das wird offiziell erst dann auffallen, wenn die Nordsee an den Strand von Köln schwappt. Außer, unsere geliebten EU-Führer verstärken ihre Anstrengungen und führen unter großem Jubel und sündhaft teuren Feuerwerken auch noch Kochplatten mit einer Leistung von fünf Watt ein.

30 Produkte stehen zur Disposition, unter anderem Heizungen für Schwimmbecken, Wasserkocher, Zubehör für Aquarien, aber auch Sandstrahlreiniger und fast alle Küchengeräte. Das rettet zwar nicht die Welt, aber der Ökokraten Arbeitsplatz und Pension. Neue Regelungen sollen auch für Backöfen, Kochfelder und Dunstabzugshauben gelten. Nichts ist mehr sicher. Nichts bleibt wie es war.

Dabei ist Strom schon so teuer geworden, dass man sich wirklich überlegt, die Tiefkühlkost im Sommer zum Aufheizen in die Sonne zu stellen. Ich für meinen Teil spare Strom, indem ich auf mediale Geräte größtenteils verzichte. Wie wäre es eigentlich mit einer Stromsperre zwischen 22 und 6 Uhr? In dieser Zeit könnten die einstigen Informationskanäle wie ARD und ZDF ihre eigentlich kritischen Formate wie „Monitor“ und „Report“ senden – zwar unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber dennoch ihren Informationsauftrag statistisch erfüllen.

Ach übrigens… für die Damenwelt unter den Lesern, auch Föhne sollen gedrosselt werden. Ich frage mich, wer eigentlich die EU drosselt. Sie muss sich schon selbst erdrosseln, wobei sie damit recht erfolgreich ist. Mein schmutziger Teufel wird das Ökodesign-Desaster überleben – notfalls heimlich saugend im Untergrund.



 

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6 Kommentare auf "Watt am Kopp? Nachruf auf einen Turbo-Staubsauger"

  1. bluestar sagt:

    Genial geschrieben! Der einzige Trost bei diesen EU-Idioten: Es gibt Stoff für weitere tolle Artikel…

  2. Frank Meyer sagt:

    Danke! Kam von Herzen…
    Mein Schmutzteufel schaut mich so herzerweichend an….

  3. bluestar sagt:

    Und wenn ich mir das nicht demokratisch legitimierte EU-Politbüro betrachte dann wünsche ich mir, der Schlauch Ihres starken Schmutzteufels würde bis nach Brüssel reichen…. Kam vom ganzen Herzen … VG

  4. Haens sagt:

    Angenommen Sie sind ein Staubsaugerhersteller:
    Der Markt ist ziemlich gesättigt, der Absatz stockt. Was kann man tun, um den Absatz anzukurbeln?
    1. Möglichkeit: die Lebensdauer der Geräte verkürzen. Dass das bei fast allen „langlebigen“ Konsumgütern durchgängig von allen Herstellern gezielt betrieben wird ist unbestritten und wird zwecks „Ankurbelung des Konsums und der Wirtschaft“ von der Politik zumindest toleriert, wenn nicht gefördert. Angeblich gibt es dafür ja schon eigens entwickelte Software, die die Labansdauer aller Komponenten des jeweiligen Produktes ausweist, und somit dem Hersteller die Möglichkeit gibt, alle Komponenten auf ein mehr oder weniger gleichzeitiges Lebensende zusammenzustellen.

    2. Möglichkeit: Ich produziere immer schlechtere Serien einer Ware, biete aber gleichzeitig „neue, bessere“ Serien an, die angeblich viel besser (leistungsstärker) sind, verbunden mit einem Schlagwort, auf das der Konsument geprägt ist. Im Falle der Staubsauger ist es vielleicht das Wort „Leistungsstärker“, wobei hier nur die Stromleistung (eigentlich Stromverbrauch in Watt) verstärkt wird, nicht die Saugleistung! Diese wurde wahrscheinlich durch eine deutlich verschlechterte Aerodynamik des Sauggebläses zuvor deutlich abgeschwächt.

    Aus der Praxis:
    Der uralte Mielestaubsauger meiner Oma stand bis vor kurzem bei mir in Gebrauch. Mit einer Stromaufnahme von 800 W hatte er eine zumindest ebensogute Saugleistung wie ein „neues“ Modell eines anderen Herstellers mit 1250 W. Leider hat der Motor nach 45 Jahren (!) seinen Geist aufgegeben, sonst wäre der Sauger heute noch in Verwendung!
    Anderes Beispiel: Meine Hausstaubsauganlage (Motor und Staubfangbeutel im Keller fix installiert, Rohrleitungen durchs Haus gebaut zu Steckdosen, in die ein Schlauch mit Saugdüse gesteckt wird) hat eine Leistungsaufnahme von 1250 W. Er muss die Luft durch lange Leitungen und einen langen Schlauch saugen (in Summe meist mehr als 15m), hat aber immer noch eine Saugleistung, mit der kein mir bekannter handelsüblicher Staubsauger vergleichbar ist. Zugegebenrmaßen habe ich aber auch noch keinen mit einer Leistungsaufnahme von 2000 W (boah ey!) in Verwendung gehabt…

  5. samy sagt:

    N’abend,

    ich gehe wieder dazu über Energiesparlampen durch normale Glühbirnen zu ersetzen. Damit will ch nicht die EUrokratur austricksen oder so. Ich habe schlicht in zwei verschiedenen Wohnungen erlebt, dass die Teile nicht lange halten, egal ob LED oder typische Energiesparlampe usw.. Die Technik scheint unausgereift.

    Über meinem Esstisch befindet sich z.B. eine vierstrahlige Pendellampe. Hier hatte ich 6 Energiesparbirnen ausgetauscht, bis ich wieder Glühlampen einsetzte. Die sind oft 10-15 mal billiger!

    Und unsere Umwelt? Der Witz ist doch, die Dinger halten 2-3 mal länger und damit tue ich der Natur was Gutes. Den schließlich musste für die Produktion von kurzlebigen Energiesparlampen eine Menge Energie aufegewendet werden. Die 2-3 mal häufiger aufzuwendenen Rohstoffe schürfen und verarbeiten sich ja nicht vor Vergnügen von selbst.

    Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Würde mich interessieren. Was hält länger? Energiesparlampe oder Glühbirne?

    PS: Aus so manchem Hamster wurde eine Beutelratte nachdem ein 1600W-Sauger auf Jagd ging. Gönnen wir unseren pelzigen Freunden doch die Chance zur Flucht … Willi go!

  6. Michael sagt:

    Was wurde nur aus der Welt …
    https://www.youtube.com/watch?v=O02Gnzn5JDY
    egal die E.U. wird schon eine schöne neue Welt herbeiregulieren.
    https://www.youtube.com/watch?v=RzaSH0M2wHM

    Denke beide Musikstücke rücken die E.U. ganz gut ins rechte Eck wo sie auch hingehört.

    Das fahrende Volk auch die Politiker genannt in Brüssel lacht sich derweil bei Wein, Weib und Gesang eines … etwas für sanftere Gemüter im Stile der EuroGypsys …
    https://www.youtube.com/watch?v=mlyhMMuJk6A

    Kommunikationssatelliten im falschen Orbit? Wahrlich ein Bildnis das passender nicht sein könnte. Brusells Art. Milliardenschwere Kunstwerke im Weltraum zu bewundern – leider kann deren Schönheit keiner so wirklich schauen nimmt er nicht die Lupe oder das Fernrohr. Möglw. klappt es beim nächsten Mal sonst haben wir bald eine Satellitengalerie. Da muss man sich dann doch glatt bemühen den Hersteller wieder ein Geschäft zukommen lassen zu kommen, damit sich der ‚Staat‘ in welcher Form auch immer sich wieder seine Vorstellungen besser gesagt, jene des fahrenden Volkes kann umsetzen. Man muss schon schauen damit auch morgen der Wirtschaftsraum kreditwürdig beleibt damit alle Parteien und deren Günstlinge etwas davon haben oder? Alles andere wäre ja nicht sozial sondern vernünftig.

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