Was sollen wir nur tun?

14. März 2009 | Kategorie: Kommentare

Leider, liebe Leser… Ich muss Ihnen folgende Nachricht übermitteln: Das Licht am Ende des Tunneln ist wegen Einsparmaßnahmen abgeschaltet worden. Es war eine unumgängliche Maßnahme. Ist „Maßnahme“ nicht ein schönes Wort? Wir werden uns daran gewöhnen dürfen…

Wir brauchen Maßnahmen, rufen Politiker und andere Experten und scheinen nicht zu wissen, was sie tun sollen, um die Welt vor sich selbst zu schützen. Das Wort „Maßnahme“ wurde in der ehemaligen DDR inflationär gebraucht. Heute feiert es eine Renaissance. Dass die Welt schlingert, kann als Ergebnis der früheren Eingriffe verstanden werden. Statt die Dinge zu bereinigen oder sich selbst bereinigen zu lassen, strickt man an engeren Netzen der Überwachung in der Zuversicht, diesmal erfolgreich zu sein. Die globale Finanzarchitektur soll neu aufgestellt. Aber wie?

Auf dem G20-Gipfel in London soll im April darüber beraten werden. Erwarten Sie einen großen Wurf? Der könnte eigentlich nur Währungsreform heißen. Doch darauf würde ich besser nicht wetten. Noch fährt der Wagen, zwar arg verbeult, doch auf sein vorbestimmtes Ziel zu – in Richtung Abgrund.

Es ist nicht dumm, Fehler zu machen. Dumm ist es aber, immer die gleichen Fehler zu wiederholen. Die heutigen Probleme haben ihre Ursache in monetären Fehlern. Ein Blick in die Geschichte reicht, um zu erkennen, dass es abwärts ging, wenn das Geld krank wurde, bzw. damals die Münzen verschlechtert wurden, indem man ihren ursprünglichen Wert verdünnte. Später kam immer der Katzenjammer hinterher, eine Reform oder der Untergang eines ganzen Reiches. In London will man eine jetzt nach zwei Jahren Finanzkrise eine Reform anstreben. Doch welche Reform ist eigentlich gemeint? Wird es wieder bei guten Worten und Absichten bleiben? Haben die Entscheider der Welt überhaupt eine Chance, wenn der Markt ihnen entfesselte Klötze zwischen die Beine wirft?

Gold als Anker und Bremse

Bis 1900 waren die meisten Währungen mit mehr oder weniger Gold gedeckt. Der Dollar war so gut wie Gold. Eine Unze war immer 20 Dollar wert. Mit der Gründung der US-Notenbank in einer Nacht – und Nebelaktion im Jahr 1913 wurde das grobe Fundament für eine Orgie der Verschuldung mit biblischen Ausmaß und Betruges gelegt, die hundert Jahre später sogar diese Einrichtung zur Disposition stellen wird. In anderen Ländern sah es nicht anders aus. Das Tauschverhältnis Gold-Geld wurde immer weiter verschlechtert, bis 1973 das damalige Geldsystem zusammenbrach. Seitdem versuchen die Notenbanken die Geldmengen zu managen wie Fahrdienstleiter den Bahnverkehr. Oft geht es jahrelang gut, bis die Schienen verschleißen, dem Getriebe das Öl fehlt und der Fahrdienstleiter ein Verhältnis mit seiner Sekretärin eingeht. Und dann bricht eine Achse. Es hat Jahre gedauert, bis die Wirkungen sichtbar wurden. Und in London will man jetzt die Welt retten, ohne zu wissen wie.

In God we trust

Die Maßeinheiten für das heutige Geld liegen im Bereich der Billionen. Simbabwe gilt als sichtbares Beispiel für eine Misswirtschaft mit Kredit (Geld). Die weltweit gelegten Grundlagen werden zum gleichen Ergebnis wie in den letzten Jahrhunderten führen. Es passiert das, was Voltaire treffend ausgedrückt hat: Der innere Wert einer Papierwährung sinkt früher oder später auf Null. Alle Währungen der Welt sind mit Vertrauen hinterlegtes Papier. So schnell wie die Geldmengen steigen, kann Vertrauen gar nicht wachsen. Geld war früher wie Gold, denn es war ein Hinterlegungsschein für eine bestimme Menge des gelben Metalls. Heute steht auf jeder Dollarnote „In God we trust“. Was wohl der alte Herr da oben dazu meint?

1973 endete das Bretton-Woods–System. Man ließ den Dollar und damit alle anderen Währungen frei fliegen. Sie vermehrten sich so rasch wie Taufliegen auf Obsttellern. Heute ist der Himmel davon schwarz und man versucht Schuldige zu benennen, indem man auf die Banker zeigt und über Greenspan herzieht. Doch das greift zu kurz. Die Ursache der heutigen Welt liegt nicht nur in den Fehlleistungen der Banker, sondern vor allem in der Verschlechterung der monetären Grundlagen. Der Finanzindustrie wurde damit ein Boden bereitet, auf dem Unkraut begann zu wuchern. Und niemand lässt das Jäten zu. Dem nicht genug. Mit der Verschlechterung des Geldes werden auch politische und gesellschaftliche Verrücktheiten sichtbar, die unmittelbare Folge einer Welt der monetären Freizügigkeit sind, die inzwischen an ihre Wachstumsgrenze gekommen zu sein scheint. Und dann gibt es meist Ärger.

Seit dem Zusammenbruch des Bretton-Wood-Systems explodierte die Geldmenge, doch die globale Produktion wuchs viel langsamer. Jeder Ansatz von Bereinigung wurde mit neuem Geld erstickt. Was wir heute Geld nennen, ist im eigentlichen Sinne gar kein Geld, sondern Kredit. Die Leistung dafür muss erst noch erbracht werden. Doch womit? Mit noch mehr monetärer Stimulation… Und Kontrolle…

Mit Worten gegen die Krise

Reicht es heute aus, dass Hedgefonds stärker beaufsichtigt werden, die man früher auch noch gefördert hat? Und machen die angelsächsischen Länder als Heimstadt der Hedgefonds überhaupt mit? Ist es nötig, sich in den Markt mit Maßnahmen einzumischen? Oder sollte man die Zombies nicht einfach sterben lassen? Die harte Linie gegenüber Steueroasen ist ja erklärbar, brauchen die Staaten doch jeden Heller für ihre Rettungsprogramme. Zur gleichen Zeit bricht ihnen auch noch die Steuer wegen der Rezession weg. Spielt bei Steueroasen nicht auch eine gehörige Portion politisches Kalkül eine Rolle, wenn man besonders an Liechtenstein und die Schweiz denkt? Kurz vor London liegen Liechtenstein, die Schweiz und ihr Bankgeheimnis wie umgekippte Maikäfer auf dem Rücken.

Und so strickt man an Maßnahmen, die versuchen Maß zu nehmen in einer Zeit der Maßlosigkeit und des gleichzeitigen Wahlkampfes. Die Lineale sind verbogen, die Maßbänder ohne Einheiten. Man ruft nach Regulierung ohne Regeln die des Marktes zu beachten. Er hat seine eigenen Regeln. Doch in London wird man versuchen wieder einmal schlauer zu sein. Und heimlich hinterm Busch lacht er leise, der Mister Market, denn auch er hat ein Ticket nach London gebucht…

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