Was? Sie haben Ihr Gold noch nicht weggeworfen?

18. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Ohhhhhh…. Das gibt aber jetzt Mecker und böse e-mails! Mindestens hundert davon. Eigentlich ist Gold doch gar nichts wert. Wollen Sie das wirklich nicht begreifen? Das hat doch neulich auch der Fernsehpfarrer von der Stiftung Finanztest erzählt. Gold ist sehr sehr böse, sehr spekulativ und sehr sehr gefährlich! Festgeld und Anleihen sind gut. Sehr gut! Die Riester-Rente ist sicher. Ach nee, das war wieder ein anderer, der das sagte.

An den Börsen wurde gerade alles rasiert, nur die Anleihen hat es noch nicht erwischt. Nun mal langsam! Wir haben doch erst November 2008. Ach ja! Gold kann man auch nicht essen und es bringt keine Zinsen. Deshalb sollte man es einfach zum Fenster hinauswerfen, einfach weg damit auf die Straße, so wie es die Notenbanken tun. Und die haben doch immer recht. Oder?

Die Goldbugs sind verwirrt. Der Herbst brachte wieder Verluste. Es herrscht Verwirrung allerorten, auch unter den sogenannten „Flationen“. Haben wir nun eine deflationäre Inflation? Oder eine depressive Deflation? Oder gar eine rezessive deflationäre Depression? Ich weiß es nicht, sehe nur, dass die Aktienkurse gefallen sind und auch die Unternehmensgewinne. Im Oktober wurden an den Börsen sechs Billionen Dollar ausgelöscht. Wenn das keine Deflation ist, dann ist mein Nachbar eine singende Tanzelfe oder eine gregorianische Presswurst.

Schon seit Monaten fallen die Anlagepreise. Fragen Sie die mal die Hausbesitzer rund um den Globus und alle anderen Investoren an den Aktien – und Rohstoffmärkten. Die Märchenonkels und Märchentanten aus den Aufschwungbüchern sind inzwischen ruhig geworden. Sogar Autos sind billiger geworden und auch die Milch im Supermarkt. Es sind mit großer Sicherheit deflationäre Tendenzen mit der Kraft, einen größeren Schock auszulösen. Andere nennen es Korrektur des Blödsinns oder auch die Rückkehr der Welt auf den Hosenboden. Das sollen die Götter entscheiden. Sie lassen sich aber gerade Zeit damit.

Auch die Rohstoffpreise hat es zerrissen. Gold und Silber wurden gestaucht. So wird es weitergehen, meinen die einen. Nein, der Trend geht wieder zur Inflation hin, schreiben die anderen. Die Notenbanken tun das, was sie können oder wollen. Ben Bernankes Waffen waren bislang stumpf, auch wenn der Dow heute mal wieder gestiegen ist. Vielleicht hat Bernanke auch zuviel über Deflationen gelesen, dass er die Schwierigkeiten gar nicht um die Ecke schleichen sah. Eigentlich dachte ich ja, dass die Herren da oben weit mehr drauf hätten, als ein paar Billionen dieser grünen Scheine zu drucken und abzuwarten. Doch Moment! Vielleicht ist das ja alles Absicht. Schließlich können ihre Kumpels jetzt Anteile an was auch immer preiswerter einkaufen. Und Kumpels haben sie viele und Bernanke ist nicht dumm.

„Wenn das so weitergeht, fliegt uns die Bude um die Ohren“ stand neulich in einem Börsenbrief. Wenn man die Blicke über die Autobauer streifen lässt, könnte man auf diese Idee kommen. Wer wird in den kommenden Monaten überhaupt noch ein Autos kaufen und wer wird es finanzieren? Zwei Jahre Steuerfreiheit für Neuwagen, die da unser Wirtschaftsminister im Sinn hat, reißen die meisten nicht vom Hocker. In Deflationen ist das Geld knapp wie man sieht. Wenn man nicht weiß, ob der Job sicher ist, fährt man doch lieber seine alte Kutsche weiter oder steigt auf ein Fahrrad um. Heute hat BMW auch die Prognose 2008 kassiert. Die Zeitungen sind voll von Meldungen über Entlassungen, Kurzarbeit und Produktionskürzungen. Wenn uns die Bude tatsächlich um die Ohren fliegen sollte, was würde ich dann wohl gerne neben Bargeld haben wollen?

„Wenn die da oben in den Notenbanken und Banken so weitermachen, dann fliegt uns die Bude um die Ohren“ war auch zu lesen. Die Goldbugs stürzten sich im Sommer, vor allem aber im Herbst auf die goldenen und silbernen Rettungsbote. Im Sommer explodierten die Geldmengen und auch die Preise. Nun scheint es anders auszusehen. TAF und Tender schaffen noch keine Inflation. Nur wer gibt die Garantie dafür, dass die Notenbanker nicht noch auf ganz andere Ideen kommen? Wenn sie die Druckerpressen etwas schneller laufen lassen und Helikopter-Ben samt dem neuen Präsidenten den Hubschrauber besteigen, dann Halleluja? Am Treibstoff soll es ja nicht liegen. Die Staaten weltweit aber machen gerade die Geldbörse auf um Konjunkturprogramme zu starten, die Japan eine 28 mal höhere Betondichte im Vergleich zu Europa beschert hat. Der Staat ist der einzige, der jetzt noch mehr Schulden machen kann. Und er tut es! Irgendwann wird er sich damit verhoben haben, wie so oft in der Geschichte. Für diesen Fall – irgendwann – na raten Sie mal, was ich dann gerne hätte…

Die Frage ist, ob sich die deflationäre Tendenz gnadenlos zu einer deflationären Krise entwickelt, oder ob die Spirale irgendwie gestoppt werden kann. Es sieht zur Zeit jedenfalls nicht danach aus. Jeder schießt auf die Preise. Sie ziehen sich geregelt oder auch unkontrolliert zurück. Die Schuldenlast für den Staat wird größer, wenn er diese nicht weg-inflationieren kann und der Steuerzahler steuerzahlungsunfähig wird. Raten Sie mal, was ich für den Falle eines Staatsbankrotts gerne hätte?

Gerade wo keiner mehr über Inflation spricht, werden hinterm Busch vielleicht aber die Grundlagen für die Inflationierung geschaffen. Sicher bin ich mir da aber nicht. Und wenn man das schafft? Na schätzen Sie mal, was ich in dem Falle gerne hätte?

Ja, liebe Leser, vielleicht haben wir nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Beides ist ja irgendwie tödlich. Im Grunde geht es gar nicht um eine Spekulation, sondern um eine Versicherung ohne Schulden dahinter, um den Erhalt dessen, was man sich auf hoffentlich ehrliche Art und Weise zur Seite gelegt hat. Und darauf meldet irgendwie immer und jeder Begehrlichkeiten an, ohne an der Tür anzuklopfen. Durch die Fensterläden holt Frau Inflation die Groschen ab, durch den Schornstein kommen andere Geister, wie das Finanzamt, die Gebührenonkel oder im schlimmsten Falle der Herr Staatsbankrott. Daran hat sich in den letzten Jahrhunderten nichts geändert.

Wäre unser Geldsystem gesund und würde man damit vernünftig umgehen, es wäre friedlicher und gemütlicher auf der Welt. Doch da das nicht so ist, hat man neben der harten Strecke des Verdienens auch noch den Akt des Bewahrens zu bewältigen. Und dabei stehen einem die Fehlsignale wie Nebel im November im Wege.

Gold hat seit 5000 Jahren die Angewohnheit, die Kaufkraft zu bewahren. Dabei liegt es einfach nur herum. Was es noch kann, ist zu strahlen und die Dekolletés der Frauen zu verschönern. Vielleicht kann man mit einem Kilobarren notfalls einem Dieb eins über die Rübe ziehen und ihn in die Flucht schlagen, aber so ein Barren kostet heute 20.000 Euro. Ein normaler Schrubber tut es doch auch. Silber wäre da etwas billiger. Es kostet aktuell nur ein den 70. Teil von der gleichen Einheit Gold. Zudem findet Silber auch noch in der Industrie Verwendung und verschwindet so immer wieder.

Naja, ich denke, dass es nicht schaden kann, etwas von dem Zug zu besitzen – nur für den Fall der Fälle. Die Form der Anlage ist dabei entscheidend. Wenn schon, dann echt und anfassbar. Aber nicht nur deshalb werfe ich Gold n i c h t aus dem Fenster. Ich könnte womöglich unter dem Fenster einen vorbeilaufenden Banker treffen.

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