Was 2009 besser wird als 2008 (von Manfred Gburek)

3. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Der Deutsche Aktienindex Dax, sein amerikanisches Pendant Dow Jones und eine ganze Reihe anderer Indizes sind am Freitag fulminant ins Jahr 2009 gestartet. Was steckt dahinter, wird es dabei bleiben, oder gibt es woanders bald mehr Geld zu verdienen? Hier folgt ein Ausblick mit einigen Überraschungen.

Gesamtwirtschaftlich betrachtet, wird 2009 eine Frage ganz besonders im Vordergrund stehen: Wann und wie kann das verlorene Vertrauen der am wirtschaftlichen Geschehen Beteiligten wiedergewonnen werden? Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: nicht in einem Jahr, auch nicht in zwei oder drei, sondern bestenfalls in fünf bis zehn Jahren. Und weder durch Staatsgarantien noch durch die Überflutung der ganzen Welt mit Notenbankgeld, schon gar nicht durch theoretisierende Volkswirte oder herumpalavernde Bischöfe. Das ist nicht Pessimismus, sondern Realismus. Denn Vertrauen als wichtige Ausgangsbasis für ökonomisches Handeln lässt sich nicht mit Staatsgarantien oder Notenbankgeld gewinnen, man kann es weder quantifizieren noch befehlen, sondern es ist da oder nicht da. Und weil es an ihm zurzeit in weiten, entscheidenden Teilen der Wirtschaft mangelt, muss es im Zuge eines langwierigen psychologischen Prozesses hergestellt werden.

Langwierig deshalb, weil ein solcher Prozess erfahrungsgemäß mit Zweierbeziehungen beginnt (zwei Banken betreiben wieder Geldgeschäfte untereinander, eine Bank vergibt wieder Kredite an ausgesuchte Unternehmen usw.) und weil das Knüpfen solcher Beziehungen, zumal weltweit, sehr viel Zeit erfordert, bis daraus auch nur annähernd ein Beziehungsnetz entstanden ist, wie es noch vor 2007 vorhanden war. Psychologisch ist das Ganze, weil es überwiegend vom Verhalten der Wirtschaftssubjekte und von ihren Erwartungen abhängt, weniger dagegen von Umsätzen, Gewinnen, Geldströmen, Steuern oder sonstigen quantifizierbaren Faktoren.

Welches Fazit ziehen wir daraus? Ganz einfach, nach IKB und BayernLB, Hypo Real Estate und Lehman Brothers, Fannie Mae und Freddie Mac, Island, Madoff und vielen anderen dürften die Milliarden-Skandale weitgehend hinter uns liegen. Und weil die Staatsgarantien, flankiert von üppigem Notenbankgeld, inzwischen überall greifen, weil die Zinsen in den wichtigsten Ländern extrem niedrig sind und die Aktienkurse den größten Teil der internationalen Finanzkrise schon vorweggenommen haben, verspricht 2009 – zumindest an den Börsen, nicht dagegen in der Realwirtschaft – ein weniger dramatisches Übergangsjahr zu werden als das Katastrophenjahr 2008.

Im Jahresverlauf dürfte es indes zu mehr reichen als nur zum Übergang. Denn das nun weltweit vagabundierende Geld wird sich seinen Weg bahnen und dort landen, wo spekulative Großanleger den fettesten Braten riechen. Das wird auch ohne Vertrauen möglich sein, sozusagen als neues Spiel, neues Glück, ohne Netz und doppelten Boden. Dazu bedarf es nur einer Initialzündung, sei es als geheime Absprache beim kommenden Weltwirtschaftsgipfel in Davos, wo sich die Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik treffen, sei es als konzertiertes internationales oder auch nur als nationales Konjunkturprogramm, sei es als zum x-ten Mal – und dann entscheidend – wiederholte Absichtserklärung führender Notenbanken, alles zu unternehmen, um eine Deflation bereits im Keim zu ersticken.

Daraus folgt: Aktien haben generell gute Chancen, 2009 mit einem Plus abzuschließen. Ihre Kurse dürften unmittelbar nach der Initialzündung zu steigen beginnen. Danach wird es zum üblichen Procedere kommen: Fonds kaufen Aktien, Anleger geben ihnen Geld, mit dem die Fonds mehr Aktien kaufen und so deren Kurse in die Höhe treiben usw. – bis diese Entwicklung zum vorläufigen Stillstand kommt, weil vielleicht irgendein Politiker vor zu hohen Staatsschulden warnt oder weil ein Notenbanker öffentlich für steigende Zinsen plädiert. Das Spiel der Fonds mit den Aktien wird sich – allerdings mit geringerem Volumen, dafür mit stärkeren Schwankungen – im Edelmetallbereich wiederholen: Was hier 2008 wegen der Liquiditätsbeschaffung von Großanlegern, z.B. Hedgefonds, bei Gold- und Silberaktien zu Bruch ging, wird schon vom Januar an wieder zusammengekittet. Auch darüber gab der erste Börsentag des Jahres reichlich Aufschluss.

Womit wir an einem Punkt angekommen sind, wo es sich fragt, ob normale Anleger das Spiel mit Aktien aus Dax, Dow Jones, Nikkei u.a.) überhaupt mitmachen sollen oder ob sie nicht besser beraten sind, gleich in die hier schon mehrfach empfohlenen Edelmetallaktien – zusätzlich zu Gold und Silber in Form von Anlagemünzen und Barren – einzusteigen (auch wenn inzwischen die Abgeltungsteuer greift). Diese Frage lässt sich einfach beantworten. Dazu die folgende Überlegung: Die üblichen Aktien aus Dax usw. sind zwar reif für eine sog. Liquiditätshausse (allein von dem vielen vagabundierenden Geld getriebener Kursanstieg), sie werden aber kaum ohne Unterbrechung in eine fundamentale Hausse (aufgrund steigender Unternehmensgewinne) übergehen. Gründe: unsichere Gewinne der Unternehmen – und vor allem mangelndes Vertrauen (s.o.). Der Vertrauensmalus im Hinblick auf die fundamentalen Daten der Unternehmen wie auch ganzer Volkswirtschaften könnte dann leicht einen Wandel zum Vertrauensbonus in Bezug auf Edelmetalle und ihre Aktien durchmachen. Warum, liegt auf der Hand: Unsichere Zeiten in Verbindung mit extrem niedrigen Zinsen beschwören das Edelmetallspiel geradezu herauf.

Was danach kommen wird, ist offensichtlich: Steigende Edelmetallpreise führen zu Inflationserwartungen, diese wiederum treiben die Preise von Gold und Silber, wahrscheinlich auch Platin, in die Höhe. Inflationserwartungen in breiten Kreisen der Bevölkerung lassen die Notenbanker nicht mehr ruhig schlafen und zwingen sie zu ersten Zinserhöhungen, quasi als Warnsignal. Das treibt die Kurse der Anleihen nach unten, sodass die Staaten (die Unternehmen sowieso) sich wegen der dann gestiegenen Zinsen (das Spiegelbild der gesunkenen Anleihenkurse) nicht mehr billig verschulden können. Am Ende wird das Vertrauen, auch das in die Staaten, stark gelitten haben – was zusätzlich für Edelmetall-Engagements spricht. Der hier beschriebene Zyklus dürfte frühestens 2010 zu Ende sein.

Zugegeben, ich habe Ihnen heute schweren Stoff zugemutet. Doch Sie können sicher sein, dass meine Überlegungen auf praktischen Erfahrungen aus fünf Jahrzehnten beruhen – und dass ich Geld so anlege, wie ich hier Woche für Woche schreibe.

Manfred Gburek, 2. Januar 2009 – Webseite

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.