Was zahlt die Bank?

24. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Diese Frage mag sich der eine oder andere in den vergangenen Jahren gestellt haben. Ob der Begriff verdienen oder das Wort bekommen angemessener ist, lässt sich nach einem Blick auf die durchschnittlichen Gehälter einiger Banken besser beurteilen. Daher werfen wir heute einmal einen Blick in die Vergütungen im Hause Loch Bless und eines im Prozess der Zerschlagung befindliches öffentlich-rechtliches Institut im Rheinland. In den Gehaltstabellen ist von Krise keine Spur…

Passanten, die auf der Straße ihren Unmut über die Finanzbranche äußern, zeigen oft ein großes Unverständnis ob der schon sprichwörtlich guten Bezahlung im Sektor. Wie sehr die Gehaltsstrukturen sich verselbständigt haben, lässt sich anhand der Vergütungsberichte einiger staatlich gestützter oder von jeher öffentlich-rechtlicher Institute erkunden. Heute schauen wir zwischen die Buchdeckel der Vergütungsberichte der Commerzbank und der WestLB. Diese Auswahl soll bitte nicht als Ausdruck der Bösartigkeit verstanden werden, es gibt natürlich noch andere Banken.

Die folgende Tabelle enthält die von der Commerzbank bereitgestellten Zahlen zum Jahr 2010. Alle Werte sind nach Geschäftsfeldern aufgeteilt, die Zahlen pro Mitarbeiter haben wir hinzugefügt. Wie Sie sehen reicht die Spanne der Fixgehälter in der Coba von gut €20.765 bis zu €200.000 pro Jahr (Vorstände sind in den Daten nicht enthalten). Die Vergütungen inklusive Boni reichten im Mittel von €24.771 bis zu €377.778.

Die niedrigen Gehälter beziehen sich auf die Division Central & Eastern Europe. Alle anderen Bereiche zahlten deutlich mehr. So gelangte man 2010 zu einem mittleren Jahresgehalt in Höhe von €80.054 – das sind in der höchsten Steuerklasse immerhin knapp €3.800 netto. Ohne die Damen und Herren im Osteuropageschäft liegt der Mittelwert übrigens bei mehr als €91.000 pro Jahr. Das liegt nicht an den riesigen Boni. Die variable Vergütung macht insgesamt etwa 11% der Gesamtgehälter aus.

Nicht schlecht für ein Unternehmen, dass ohne staatliche Stützung vermutlich seit Jahren insolvent wäre. Wer aus der Branche kommt, kann mit der gewissen Prise Humor, die das Ganze erträglich macht, vor allem über die Gehälter in den so genannten Abwicklungseinheiten nur schmunzeln. Diese heißen bei der einen Bank „Exit Group“, bei der anderen „Nichtstrategisches Geschäft“.

Bei der Coba trägt der Bereich den hübschen Namen „Portfolio Restructuring Unit“. In solchen Bereichen liegen in der Regel die Assets, die in den ersten Krisenjahren entweder implodiert sind oder schlichtweg so illiquide wurden, dass sich keine Käufer finden ließen. Es findet sich in diesen Beständen gerne ein Potpourri bunter Finanzprodukte. ABS in allen Varianten (RMBS, CMBS, CLO, ABS CDO) tummeln sich gemeinsam mit synthetischen Restanten (Credit CSOs, CDO squared) im Pool. Vielleicht lagern auch noch ein paar rechtliche Claims auf kollabierte isländische Banken in den Büchern, nichts ist unmöglich… (—> Seite 2)

 

Seiten: 1 2 3

Schlagworte: , , , ,

6 Kommentare auf "Was zahlt die Bank?"

  1. Takuto sagt:

    Wie wahr! Wieder mal ein perfekter Artikel. Die kommende Depression könnte da sehr reinigend wirken.

  2. crunchy sagt:

    Marktgerechte Gehälter:

    Der Markt wird´s schon richten!

    Die zunehmende Personalfreisetzung (weltweit)
    beschleunigt sich gerade.

  3. sachse sagt:

    Suuper!

    2008 hatte ich das Vergnügen zur Vierteljahrhundertfeier unserer Promotion ein Direktoriumsmitglied einer europäischen Nationalbank und einen CSFB-Direktoriumsmitglied am Tisch zu haben: es wurde erwartet (nach Lehmann), daß 160.000-200.000 Jobs in der Finanzindustrie sowohl in NYC als auch in London wegfallen werden. Das bei einer deutlichen Rückführung von industriefernen Geschäften. Nix (fast nix) ist passiert.

    Das billige Geld aus Ben’s Helikopter und aus der gesamten Flugstaffel ist fast zu 100% im Banksektor verblieben und hat die nächsten Blasen erzeugt. Ich dachte immer, die billigen Kredite sollten an Konsumenten und industrielle Investoren weitergegeben werden, um die Realwirtschaft
    zum dampfen zu bringen?? War das nicht die erklärte Absicht? Statt dessen steigen nun die Blasen der Fäulnis an die Oberfläche!

    • auroria sagt:

      „Ich dachte immer, die billigen Kredite sollten an Konsumenten und industrielle Investoren weitergegeben werden, um die Realwirtschaft
      zum dampfen zu bringen?? War das nicht die erklärte Absicht? “

      Ja, mit der Betonung auf _erklärter_ Absicht.
      Die wirkliche Absicht war, mit dem Geld den angeschlagenen Finanzsektor über Wasser zu halten. Aber hätte man das öffentlich gesagt, wäre das Volk wohl auf die Barrikaden gegangen. Daher hat man dem Volk _erklärt_, dass man diese Maßnahmen macht um die Realwirtschaft anzukurbeln. Vermutlich verbunden mit der Hoffnung, dass vlt. tatsächlich ein Teil des Geldes auch tatsächlich dort ankommt.

  4. FDominicus sagt:

    @auroria. Nun ich begrüsste es auch wenn es mehr Wettbewerb unter Banken gäbe und das diejenigen die den ganzen Schlamassel mit auslösten, verschwänden aber es gibt das ein kleines gemeines Wort was diesen Weg ausschließt: „systemrelevant“ und damit haben wir ein beliebig starken Hebel um alle Maßnahmen kaputt zu machen. Und der Staat ist da willig drauf eingegangen. Man mag schon schreiben. von terroristen „kuscht“ man nicht aber systemrelevante Banken sind absolut „unantastbar“. Wie blöd muß man sein nicht zu erkennen was „Moral hazard“ meint. Und wo bleibt der ach so starke Staat?

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.