Was uns die „Elphi“ lehren kann…

15. Januar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Der „Prachtklotz zu Hamburg“ oder auch liebevoll „Elphi“ genannt, kostete Hamburgs Steuerzahler 789 Millionen Euro und damit zehnmal mehr als geplant. Na und?

Fotoquelle: Flickr, Kate Fotography

Ja, das sind zwar 455 Euro pro Nase, doch diesmal gab es einen Gegenwert im Gegensatz zur sinnlos teuren Milliarden- Beteiligung der Hansestadt an der HSH Nordbank. Und was sind 789 Millionen künftig noch wert? Ein Auto? Oder nur ein Brot? Und wer weiß schon heute noch, was damals in Rom das Kolloseum gekostet hat. Es steht noch immer da.

Ja, man hätte „Elphi“ billiger haben können, doch postfaktisch wird sie in hundert Jahren noch erklingen, wenn es um den Euro längst ruhig geworden ist. Im Gegensatz zu ihm steht die Elbphilharmonie auf festem Fundament. Und was ist Geld schon wert? Mit den Strafzahlungen von Volkswagen und Deutscher Bank in den USA hätte man hier viele Elphis bauen können, auch eine oder zwei in Lübeck.

Politik bezahlt immer mit Steuergeld und Schulden und lässt sich dafür wie am letzten Mittwoch feiern. Haben Sie auch die vielen Promis am Abend gesehen? Das ist immer so in der Nähe von Kameras. Aber woher hatten sie ihre Eintrittskarten? In der DDR war das ähnlich.

Vergesst die 789 Millionen Euro! Es hätten auch viele Milliarden mehr werden können wie beim Berliner Flughafen BER. Die Eröffnungsreden werden dann (wann immer das sein wird) ähnlich klingen wie in Hamburg. Außerdem haben wir es doch dicke! Berlin feiert Staatsüberschüsse, die man „erwirtschaftet“ hat, heißt es. Experten streiten noch, ob man den Leuten zu viel abgenommen oder zu wenig Geld aus dem Fenster entsorgt hat.

„Ewirtschaftet…“ Ein Staat erwirtschaftet nichts. Er nimmt, stiehlt und verteilt. Zentralbank und Finanzamt sorgen dafür, das Geld nie das Thema ist. Und jetzt hört auf zu meckern! Hamburg hat es neues, singendes und klingendes Wahrzeichen! Und noch nie hatte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz eine so schöne Stimme wie an diesem Abend. Für nur 789 Millionen Euro.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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5 Kommentare auf "Was uns die „Elphi“ lehren kann…"

  1. cubus53 sagt:

    Mir der Elbphilharmonie wurde auf Kosten des Steuerzahlers eine Begegnungsstätte für alle Schichten der Gesellschaft geschaffen. Dieses Gebäude soll dazu einladen, die Armen und Reichen der Gesellschaft für einen offenen Dialog zusammen zu führen. Folgende Maßnahmen sind vor allem diesem Aspekt geschuldet

    – günstige Übernachtungsmöglichkeiten
    – günstige Shops zum Einkaufen
    – kostenlose Kantinen
    – günstige Tickets für Konzerte, für jedermann leicht zu bekommen, also nicht etwa nur über den Schwarzmarkt. Damit sollen auch die untere Schichten in den Genuß von Kultur wie Musik und Theater kommen.

    Sarkasmus Ende.

    Das Bauwerk ist nur der Protzbau einer sich selbst beweihräuchernden Elite und ein weiteres Mahnmal der immer grösser werdenden Schere zwischen Arm und Reich. Ich hätte mit dieses Geld in die Bildung unserer Kinder investiert.

  2. Otto sagt:

    Sehr geehrter Herr Mayer,

    „….doch diesmal gab es einen Gegenwert“ sind Ihre tröstenden Worte.
    Mir scheint, dass, wenn der Bürger die Investition zwangsfinanziert hat und er fortan das hochdefizitäre Gebäude jährlich mit weiteren Zahlungen am Leben erhalten muss, dieser Wert wohl kaum realisierbar und damit nicht gegeben ist.
    Selbst wenn man als steuerzahlender Bürger freie Billets erhalten würde, wer will schon ohne die entsprechende Kleidung in diesem Palast auftauchen.
    Für die einen sicherlich ein Genuss, für die anderen ein enteignender Kostenblock, dazwischen die sozialen Demokraten.

  3. Avantgarde sagt:

    Von der Seite kann man es freilich auch mal betrachten.
    Dann ergeben auch die Chinesischen Geisterstädte und Brücken ins Nichts einen Sinn – denn die sind auch hinterher noch da. Und groß genug ist das Volk ja dass es eben doch mal noch genutzt werden kann. Dito all die aufgekauften Firmen, Technologie, Rohstoffe….

    Dass in D ständig dieser irre Gedanke vorherrscht man müsste seine Nachbarn wirtschaftlich niederringen und wie eine Firma Gewinne erzielen die man dann möglicherweise noch auf ein Konto der Kreissparkasse anlegt….
    🙂
    Das ist wirklich der blanke Irrsinn – aber mich wundert ja bei der betreuten Journalille inzwischen nix mehr.

  4. Midas sagt:

    Der neue Palast der Republik für nur 789 Millionen? Das ist ein Schnäppchen, ganz ohne Asbestverseuchung. Da wollen wir nicht meckern. Zumal die 789 Millionen zusätzlichen Schulden für den Staat sind und damit 789 Millionen Euro zusätzliche Geldersparnisse für „uns“ sind, weil hinter jeder Schuld immer eine Forderung steht. Da haben „wir“ gleich zwei Gründe zum Feiern. Über den neuen Palast der Republik und über „unsere“ gestiegenen Geldersparnisse. Das ist doch super. Da wollen „wir“ mehr davon.

    ***Rest vom Admin gelöscht. Bitte auf dem eigenen Blog ***

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