Was tun mit seinen Silbermünzen?

8. Dezember 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

von Frank Meyer

Die letzten Wochen waren für diejenigen, die Silber gekauft haben, als die Kurse nach dem großen Crash um 9 USD standen und Münzen für 10,50 Euro zu haben waren, ein wahres Fest. Heute kostet Silber 17,70 USD und eine Münze knappe 15 Euro. Aussteigen? Schaut man sich in den Foren um, ist einerseits Partylaune festzustellen, andererseits Sorge, dass diese Party in den nächsten Tagen bald schon vorbei sein könnte…

Tief kaufen, hoch verkaufen ist der Traum für jeden Investor. Wer Zertifikate oder Hebelscheine besitzt, kann Stop-Kurse ziehen, um sich gegen größere Verluste zu schützen. Wer dann 100 Prozent Gewinn hat, kann verkaufen. Die Papierspielwiese ist ein wahres Tummelfeld. Warum aber haben die Leute echtes Silber gekauft und schauen jedes mal zu, wenn es wirklich mal richtig abwärts geht, ohne die Münzen rechtzeitig verkauft zu haben? Die Antworten sind meistens, dass Silber – und auch Goldmünzen als Versicherung gekauft wurden und Silber insbesondere günstiger ist als Gold. Der Markt ist schließlich nur 17 Milliarden USD groß. Sie kennen die Zahlen…

Silbermünzen bekommt man so schnell nicht los, und schon gar nicht in größeren Stückmengen, außer man geht zum Edelmetallhändler und akzeptiert dann Aufkaufspreise von 12-13 Euro pro Unze. Hat sich die Investition dann gelohnt? Mit Papierprodukten wäre man dann wesentlich besser gefahren. In welche Anlageform wechselt man, wenn man sein Silber verkauft? Klar. In Bargeld. Man geht mit dem Geld raus auf die Straße und hofft, dass Silber fällt, und man vielleicht zu 11 Euro wieder zurückkaufen kann. Super. Fällt er dorthin? Dazu müsste der weiße Zwerg auf schätzungsweise 10 USD fallen und der Euro bei 1,45 stehen bleiben. Klein so kluges Geschäft. Oder?

Echt und scheinbar echt

Echtes Silber eignet sich nicht zum Traden. Die meisten denken das. Silberbugs sind mit den gleichen menschlichen Eigenschaften ausgestattet wie Aktienbesitzer. Zählt man sein Vermögen in Euros, sieht das heute am 9.10.2009 für die frühen Käufer ganz nett aus. Viele kamen erst in de letzten Tagen auf die Idee, in die steigenden Kurse zu kaufen, weil sie sich sicherer fühlten. Edelmetallhändler machen allerdings gerade keinen sonderlich großen Boom aus. Auch bei Gold nicht. Zwar werden die Umsätze pro Trade größer, hört man, und manchmal kauft jemand auch für 100.000 Euro ein, doch Lieferschwierigkeiten wie damals im Oktober 2008, als die Weltfinanzwirtschaft am Kippen war, ist nicht derzeit nicht festzustellen.

Allerdings sind die Aufschläge auf Silbermünzen nicht mehr so hoch wie damals. In der Zwischenzeit gibt es nämlich wesentlich mehr Anbieter als damals, die mit einer deutlich geringeren Marge auskommen müssen. Preisliche Vergleichsseiten im Internet lassen den Konkurrenzkampf erahnen, unter dem viele Händler leiden. Viele haben sich wegen der Versorgungssicherheit verpflichtet, eine bestimmte Menge pro Monat abzunehmen. Ist die Nachfrage allerdings zu gering, bleiben sie auf dem Material sitzen. Zu vermuten wäre, dass einige, die mit wenig Erfahrung in diesen Markt eingestiegen sind, in den kommenden Monaten hochgehen werden, wenn die Umsätze nicht ansteigen.

Langer Atem

Das ändert allerdings kaum etwas an der „Silberstory“. Nur wie Investoren damit umgehen entscheidet letztlich nicht nur über Gewinne oder Verluste, sondern vor allem über die Mentalität. Hält man Kurssprünge von 50 Prozent wie in diesem Jahr aus, ohne schwach zu werden und dem Zug hinterher zu rennen? Oder wirft man bei einem Rückschlag die Flinte schnell ins Korn? Physisches Silber eignet sich nicht zum Traden. Das werden die Neulinge recht schnell erfahren. Eine Story von Anfang bis Ende zu spielen, ist einfach gedacht, aber schwer umzusetzen. Zwischen Spott und Neid der anderen liegen oft nur wenige Tage.

Die Stimmung für Silber ist in den letzten Tagen deutlich freundlicher geworden. Die Silberberater sind zu 66 Prozent bullisch. Das kann noch besser werden. Solche Phasen gehen oft mit gewaltigen Kurssprüngen einher. Das Hoch in diesem Jahr lag bei 76 Prozent. Im letzten Jahr, als Silber über 21 USD kletterte, waren unter den Befragten 85 Prozent auf der Seite der Bullen. Die Medienberichterstattung ist wesentlich höher als in den letzten Wochen, allerdings ist die Skepsis unter den Käufern weiterhin groß, was ein guter Nährboden für weiter steigende Kurse sein könnte.

Gewaltige Spekulation

Schaut man sich den aktuellen COT-Bericht an, der die Positionierungen der großen Gruppen an der COMEX ausweist, besteht im Moment Gefahr. Das „open interest“ ist im Silber um 3.106 Kontrakte auf jetzt 131.801 Kontrakte gestiegen. Die Commercials, und das sind wenige, vor allem aber große und mächtige Adressen, haben ihre Short-Position um 885 Kontrakte auf 91.723 Kontrakte ausgebaut und ihre bereits bestehenden Short-Kontrakte gedeckt. Aus dieser Gruppe kommen meist die Blutbäder, wenn sie mit einem kurzfristigen Aufbau ihrer Kontrakte dem Silberpreis einen Schubs geben, und damit die Longs aus dem Markt spülen, ein Vorgang, der die Preise wie eine Lawine zum Absturz bringt.

Es ist schwierig für den Besitzer von physischen Beständen, wenn die Kurse springen wie die Elche in Hessen. Einerseits kann man es aussitzen, denn an den fundamentalen Daten ändert sich so schnell nichts. Andererseits kann man sich mit Put-Optionen gegen fallende Preise absichern. Fällt der Silberpreis, steigt der Wert der Option. Mit dieser Absicherung ist man nicht mehr dabei, sollte der Silberpreis doch noch weiter steigen. Man bucht den aktuellen Preis sozusagen ein und verkauft nach einem Preisrutsch die Optionen mit Gewinn, den man zum Zukauf weiterer Münzen nutzen kann.

Alte kluge Frauen

Meine Oma sagt immer: Gebe weniger Geld aus, als Du einnimmst und spare den Rest – aber in der richtigen Form. Vielleicht hat sich die Kostolany`sche Theorie, Dinge zu kaufen und dann Schlaftablette zu nehmen, um dann später festzustellen, dass man das Richtige getan hat, von der Anlageklasse Aktien auf die echten Sachwerte verlagert. Nein. Das wird Ihnen niemand sagen, höchstens dann, wenn es zu spät gewesen ist.

P.S. Die Frage lautete ja „Was tun mit seinen Silbermünzen“…
Meine Antwort wäre: NICHTS.

—-> Rundumschlag „Investieren in Silber“<------ Die Preise sind heute höher, aber am Thema hat sich nichts geändert. Langes Stück aus dem August 2009

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