Was steckt hinter Aktien und Edelmetallen?

3. Oktober 2009 | Kategorie: Kommentare

von Manfred Gburek

Die folgenden Beobachtungen dürften für alle, die irgendwie an den Börsen engagiert sind oder es noch vorhaben, von größtem Interesse sein: Dax, Dow Jones, der Goldpreis, zeitweise auch der Silberpreis sowie die Edelmetallaktien-Indizes XAU und HUI entwickelten sich während der vergangenen Wochen manchmal bemerkenswert parallel. Doch in den letzten Tagen drehten die traditionellen Aktienindizes Dax, Dow Jones und andere nach unten. Für beide Phänomene gibt es eine Erklärung, die auch Konsequenzen für Ihre Anlageentscheidungen in den kommenden Wochen und Monaten haben dürfte…

Um es salopp auszudrücken: An Aktienbörsen und an Edelmetallmärkten wird die Zukunft der Wirtschaft gehandelt, mal mit denselben, mal mit umgekehrten Vorzeichen. Im ersten – selteneren – Fall herrscht rundum Optimismus oder Pessimismus, das heißt, alles steigt oder fällt. Im zweiten Fall konzentriert man sich bei der Optimismus-Variante entweder auf die gängigen Aktien, weil die Anleger eine positive Entwicklung der Unternehmensgewinne erwarten, sodass Edelmetalle vernachlässigt werden; oder der Optimismus gilt allein diesen, weil die gängigen Aktien wegen bald fallender Unternehmensgewinne uninteressant werden. Man kann auch sagen: Bei Aktien gibt es eine klare Trennung zwischen Optimismus und Pessimismus, wohingegen die Preise der Edelmetalle auch steigen können, wenn an den Aktienbörsen Pessimismus vorherrscht.

Letzteres galt um Beispiel für die Jahre 2001 bis 2003, wohingegen es danach immer wieder auch zu parallelen Bewegungen kam, von denen die letzte – abwärts – gerade mal ein Jahr zurückliegt. Damals – im Zuge der Lehman-Pleite – wurde fast alles verkauft, was Liquidität brachte, mit Ausnahme von Staatsanleihen, die neben Konten und Geldscheinen Liquidität verkörpern. Aber warum fielen damals auch die Preise von Gold und Silber und warum krachten die Kurse der Edelmetallaktien zusammen? Vor allem Gold gilt doch schließlich nicht nur unter Anlegern, sondern gerade auch unter Zentralbanken als die internationale Liquidität schlechthin; hat sich daran vielleicht etwas geändert?

Wer die seitherige Entwicklung genau verfolgt hat, dürfte allerdings gar nicht so überrascht sein. Denn vor allem Gold wurde seiner Funktion als internationale Liquidität im Herbst 2008 voll gerecht; sein Preis drehte schon kurz darauf wieder nach oben und übersprang vor einiger Zeit die 1000-Dollar-Marke. Etwas später kam es wieder zur mehr oder weniger parallelen Entwicklung des Edelmetalls, der Gold- und Silberaktien sowie der gängigen Aktien aus Dax, Dow Jones usw., dann allerdings parallel nach oben. Diese Phase geht jetzt zu Ende, weil zum einen die Gewinne der Unternehmen und damit die Kurse ihrer Aktien insgesamt kein Aufwärtspotenzial mehr versprechen und weil zum anderen an den Börsen das Thema Sicherheit wieder in den Vordergrund rückt, was sich beispielsweise im zuletzt steil nach oben gerichteten Bund Future zeigt: Er signalisiert dadurch einen weiteren Kursanstieg der Bundesanleihen, der mit sinkenden Renditen (sprich: Zinsen) einher geht. Man nimmt also aus Sicherheitsgründen wieder Minirenditen in Kauf

Noch eine Beobachtung: Während die Preise der Edelmetalle und zum Teil auch deren Aktien nicht mehr allzu weit von ihren im letzten Zyklus erreichten Höchstständen notieren, sind die anderen Aktien noch weit davon entfernt. Das zeigt sich zum Beispiel beim Dax in der Weise, dass er seit Tagen zwischen 5500 und 5700 Punkte immer wieder abgeschmettert wird. Ausgehend von 5500 Punkten trennen ihn vom bisherigen Hoch in der Zone um 8000 Punkte also noch gut 45%. Hier drängen sich drei spannende Fragen auf: 1. Unter welchen Bedingungen haben die Gewinne der führenden deutschen Konzerne 45% Potenzial nach oben, etwa indem sie weiter Leute entlassen oder weil die Weltwirtschaft brummt? 2. Fließen die gigantischen Geldmengen, die seit Monaten die Märkte überschwemmen, wirklich wie bisher auch weiter in Aktien, oder fliehen die Anleger in die Sicherheit? 3. Welche Anlagen, die als sicher gelten, werden von einer solchen Flucht am meisten profitieren?

Die erste Frage beantwortet sich von selbst: Wunder lassen meistens sehr lange auf sich warten. Bei der zweiten Frage ist abzuwägen, ob Aktien überhaupt – und wenn ja, wie viel – von der Geldschwemme profitieren. Falls ja, dann gewiss nur temporär; denn die Spekulation auf Wunder bringt kräftige Kursschwankungen mit sich. Die Antwort auf die dritte Frage impliziert die schwierige Definition der Sicherheit. Schwierig allein schon deshalb, weil jeder etwas anderes darunter verstehen kann, weil das Sicherheitsbedürfnis der Menschen sich im Lauf der Zeit wie auch von Land zu Land oder von Region zu Region ändert und weil speziell mit Blick auf die finanzielle Sicherheit weitere Variablen zu beachten sind, etwa ob gerade Deflation oder Inflation vorherrscht, wie die diesbezüglichen Erwartungen sind, ob die Preise bzw. Kurse – wovon auch immer – hoch oder niedrig notieren, ob die versprochene Sicherheit (beispielsweise von Garantiefonds oder -zertifikaten) mit der tatsächlichen Sicherheit übereinstimmt usw.

Inwieweit Gold und Silber diesen und weiteren Sicherheitskriterien aktuell standhalten, kann man an ihrem Preisniveau und an ihren Preisschwankungen ablesen. Das heißt, einerseits sind sie nicht unterzukriegen, andererseits lässt ein weiterer Preissprung noch auf sich warten. Anleger, die engagiert sind, können dadurch ebenso nervös werden wie die noch nicht engagierten. Kennen Sie dieses Gefühl, dabei zu sein, und es passiert wenig, oder nicht dabei zu sein, und Sie befürchten, beim nächsten Aufschwung nicht dabei zu sein? Mir ist es oft so ergangen, und das, was mich auf die richtige Fährte gebracht hat, war einfach das nochmalige Überprüfen dessen, was ich mir vor meinen Entscheidungen gedacht hatte. War daran nicht zu rütteln, bin ich stur geblieben. Kamen dagegen neuen Erkenntnisse hinzu, bin ich umgeschwenkt.

Bei den Edelmetallen bleibe ich stur. Das heißt, sie haben ihre beste Zeit noch vor sich. Das ergibt sich aus der hier beschriebenen Beobachtung der Märkte – und speziell aus der Tatsache, dass Gold und Silber mit ihrer Sicherheitsfunktion im Bewusstsein der meisten Anleger noch gar nicht angekommen sind, mit ihrer späteren – nach zwei oder drei Jahren – Funktion als Schutz vor Inflation erst recht nicht. Insofern ist das Pendeln des Goldpreises um die 1000-Dollar-Marke positiv zu werten. Oder um eine meiner früheren Thesen zu wiederholen: Je später die Preise von Gold und Silber explodieren, desto gewaltiger.

Manfred Gburek, 2. Oktober 2009

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