Was Sie immer schon über Geld und Gold wissen wollten (Teil 4)

15. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Wie es kam, dass Sachgeld durch Papiergeld ersetzt wurde?

(von Prof. Thorsten Polleit) Heutzutage sind alle großen Währungen – ob US-Dollar, Euro, Chinesischer Renminbi, Britisches Pfund oder Schweizer Franken – nicht einlösbare Papier- oder „Fiat“-Währungen. Sie haben die Form von bedruckten Papierzetteln und Einträgen auf Computerfestplatten („Bits & Bytes“). Blickt man auf die Währungsgeschichte zurück, so ist das Papiergeldsystem eine „Ausnahmeerscheinung“…

Der „Normalfall“ war Sachgeld, meist in Form von Edelmetallen wie Gold und Silber, zuweilen aber auch Kupfer. Heute wird aber vielfach das Papiergeld als „fortschrittlich“ angesehen, Sachgeld hingegen als „veraltet“, als eine „unterentwickelte“ Form des Geldes. Wenn von Papiergeld gesprochen ist, so ist damit Geld gemeint, das nicht durch ein Sach(Gut) gedeckt ist. In der Zeit des internationalen Goldstandards (diese Phase wird meist von etwa 1821 bis 1914 datiert) liefen nicht nur Goldmünzen um, sondern es gab auch Banknoten aus Papier.

Diese Banknoten waren jedoch jederzeit zum Nennwert eintauschbar in physisches Gold (oder auch Silber). Die Banknoten waren also „gedeckt“: Sie verbrieften einen Anspruch auf ein Sachgut, ganz so wie ein Lagerhaltungsschein.

Das heutige Papiergeld kennt keine Eintauschmöglichkeit in ein „Deckungsgut“. Wer heute zum Beispiel Guthaben in Form von Euro bei einer Bank hält, kann sie sich zwar jederzeit in Euro-Banknoten auszahlen lassen (soweit die Bank zahlungsfähig ist). Die Banknoten, die allein von der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgegeben werden, werden aber von ihr in nichts eingetauscht.

Sachgeld ist die „ökonomisch natürliche“ Form des Geldes, und es ist die einzige Form des Geldes, die mit den Prinzipien einer freien Markt- und Gesellschaftsordnung vereinbar ist.
Sachgeld ist deshalb ökonomisch natürlich, weil das Geld aus dem spontanen Prozess des Marktgeschehens entstanden ist, und zwar aus einem Sachgut. Irgendwann einmal wurde ein Sachgut als das allgemein akzeptierte Tauschmittel ausgewählt.

Warum ein Sachgut?

Ein Gut muss, bevor es die Geldfunktion einnehmen kann, bereits einen Tauschwert haben, der sich aufgrund der nichtmonetären Eigenschaften des Sachgutes erklärt. Andernfalls ließe sich der Tauschwert des Geldes (also seine Kaufkraft) gar nicht bestimmen – eine Erkenntnis, die der Ökonom Ludwig von Mises (1881 – 1973) im Zuge seines „Regressionstheorems“ im Jahr 1912 darlegte.

Ein Beispiel dafür sind die Edelmetalle. Bevor sie als Geld ausgewählt wurden, hatten sie bereits einen Tauschwert, der ihnen von den Marktakteuren beigemessen wurde (etwa aufgrund einer Verwendung als Schmuck).

Das ist auch der Grund, warum sich Papiergeld niemals spontan aus dem Marktprozess herausgebildet hat, sondern es immer durch einen staatlichen Gewaltakt eingeführt worden. Papiergeld ist daher auch kein „natürliches“, also durch den Marktprozess entstandenes Geld.

Natürlich ging es auch im Sachgeldsystem (wie dem Goldstandard) nicht stets mit „rechten Dingen“ zu. So gaben Geschäftsbanken nicht selten mehr Banknoten aus oder räumten ihren Kunden Giroguthaben ein, die nicht durch Sachgeldbestände (Gold) gedeckt waren. Banken begannen also (immer wieder), mit einem „Teilreservesystem“ zu operieren Das wiederum erwies sich als ursächlich für monetär verursachte Finanz- und Wirtschaftskrisen. Dieses – im Kern betrügerische – Teilreserve-Geldsystem konnte sich nur entfalten und sogar zum „Regelfall“ werden, weil es nicht als Rechtsbruch sanktioniert wurde, sondern bald die ausdrückliche Zustimmung des Staates und seiner Rechtsprechung genoss.

Ein Papiergeldsystem kann also – und das ist wichtig zu verstehen – nur aus einem vorher existierenden Sachgeldsystem heraus entstehen, und das auch nur durch einen Enteignungsakt. Genauer.

Papiergeld entsteht (meist) durch „Suspendierung“ der Verpflichtung der Bank, die von ihr ausgegebenen Banknoten und Giroguthaben auf Kundenwunsch in Sachgeld (Gold) einzulösen. Dem Halter von Banknoten und Bankguthaben wird damit das Recht entzogen, ihr bei Banken hinterlegtes Sachgeld wiederzuerhalten. So, und nur so, kann ein Papiergeldstandard auf den Weg gebracht werden

Ein bedeutsamer Zeitpunkt für die Entwicklung des heutigen Papiergeldes war daher auch der 15. August 1971. An diesem Tag verkündete der amerikanische Präsident Richard Nixon (1913 – 1994) in einer Fernsehansprache, dass von nun an der US-Dollar nicht mehr in Gold eintauschbar sei. Nixon hob damit das Recht der Besitzer von US-Dollar auf, ihre Greenbacks in physisches Gold eintauschen zu können.

Durch diese unilaterale Verkündung Amerikas wurden die letzten Überbleibsel des (Pseudo-)Goldstandards in Form des „Systems von Bretton Woods“ beseitigt und ein „entfesselter“ Papiergeldstandard auf den Weg gebracht. Im System von Bretton Woods war der US-Dollar noch Ausdruck einer bestimmten Feingoldmenge (und zwar entsprachen 35 US-Dollar einer Feinunze Gold).

Durch die Ablösung des US-Dollar vom Gold wurden auch alle anderen Währungen vom Gold gelöst. Von nun an hatten die nationalen Regierungen mit ihren Zentralbanken einen Freifahrtschein: Sie konnten fortan die Geldmenge nach politischem Belieben ausweiten – etwas, was in Zeiten der Goldanbindung so und in dem Ausmaß nicht möglich gewesen war.

Es ist eine Fehldeutung, wenn gesagt wird, der Goldstandard, also die Anbindung des Geldes an ein nicht beliebig vermehrbares Gut, sei gescheitert, weil er nicht funktioniert hätte.
Die Wahrheit ist: Die Regierungen und die von ihr begünstigten Gruppen sahen im Goldgeld vor allem eine Hürde auf dem Weg zur sozialistisch-kollektivistischen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitiken. Es waren ideologisch-politische Motive, nicht aber ökonomische Funktionalitäten, die das Goldgeld diskreditiert haben (bis zum heutigen Tag). Man kann daher durchaus einen staatlich verordneten und kontrollierten Goldstandard als Vorstufe zum Papiergeldsystem erblicken.

Deshalb sind auch die Vorschläge, man solle zu einem staatlich geregelten Goldstandard (mit Zentralbank) zurückkehren, mit großer Vorsicht zu genießen.

Solange der Staat (großen) Einfluss auf das Geld(wesen) hat, ist nämlich akute Gefahr für die Werthaltigkeit des Geldes gegeben. Die währungsgeschichtliche Erfahrung spricht hier eine eindeutige Sprache. Der Ökonom Friedrich August von Hayek (1899 – 1992) schrieb daher auch:

„Die Geschichte des staatlichen Umgangs mit Geld ist, mit Ausnahme einiger kurzer glücklicher Perioden, eine Geschichte von unablässigem Lug und Trug.“

Die heutigen Papiergeldwährungen sind keine „natürlichen“, also durch den Marktprozess entstandenen Währungen. Sie sind vielmehr durch eine bewusste Verletzung der Marktprinzipien (insbesondere die Achtung der Eigentumsrechte der Individuen) ins Leben gerufen worden.

Dieses Defizit setzt sich fort in ihrer Produktion: Sie sind staatliches Monopolgeld, das willkürlich (und ungedeckt) vermehrt wird. Daraus erwachsen auch all die schwerwiegenden Probleme, die die Gesellschaften heute plagen: wie zum Beispiel Geldwertschwund, Boom-und-Bust-Zyklen, Anwachsen des Staates zu Lasten der individuellen Freiheit und nicht zuletzt auch Verfall von Moral und Recht.

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4 Kommentare auf "Was Sie immer schon über Geld und Gold wissen wollten (Teil 4)"

  1. VickyColle sagt:

    Menger ist dort wesentlich konsequenter, auch in Bezug auf Freiheit, als die meisten seiner Schueler.

    Aber das liegt wahrscheinlich auch in der Natur des Genies ….

  2. 4fairconomy sagt:

    Bis ins 19.J. wurden Schuldverhältnisse in Form von Kerbhölzern dokumentiert. Heute ist das meiste Geld Giralgeld – also rein virtuelles Geld.

    Geld braucht nämlich kein Wert an sich zu haben. Geld ist eine Information, ein Bezugsrecht an das Sozialprodukt. Zu dessen Deckung genügt, dass die Menschen damit Steuern, Mieten, Lebensmitteln usw. kaufen können.

    Goldwährungen wurden durch Papierwährungen abgelöst, u.a. auch, weil es sich mit Zertifikate leichter handeln liess, als mit EM-Münzen. Diese wurden im Tresor gelassen und man handelte mit dem Zertifikaten. Heute handelt man nicht einmal mehr mit Papiergeld sondern mit elektronischem Geld, weil noch einfacher. Dieses Giralgeld ist ein privates, von Geschäftsbanken geschaffenes Verrechnungssystem, wobei die Privatbanken garantieren, jederzeit Giralgeld in Notenbankgeld umzutauschen. Was in relativ geringem Ausmass stattfinden. Dies ermöglicht es, im Bankensystem viel mehr Giralgeld zu schöpfen, als Notenbankgeld effektiv vorhanden ist zur Deckung der Giralgeldmenge.

    Daraus ergeben sich viele Probleme, welche mit einer Vollgeldreform abgeschafft würden.

    Die meisten Probleme gehen letztlich auf das Zinsystem zurück und nicht auf eine Papiergeldwährung. Der Geldvermehrungszwang ist die logische Folge des exponentiellen Schulden- und Vermögenswachstumszwang auf Grund des heutigen Zinssystems.

    • zweifel sagt:

      @4fairconomy: richtig. Und um es noch zu ergänzen: Geld und dessen „Wert“ ist immer eine Frage der Übereinkuft oder Festlegung. Gold ist eben kein Geld, sondern „nur“ ein Rohstoff, der aufgrund seiner Eigenschaften früher oft als Geld verwendet wurde. Sonst bräuchte die Debatte über einen möglichen Goldstandard (damit kämen wir meines Erachtens vom Regen in die Traufe – aus Gründen, die Du hier schon öfter angeführt hast) gar nicht geführt zu werden.

      Man darf auch nicht vergessen, dass z.B. Silber durch seine
      Demonetisierung (was natürlich ein reiner Willkürsakt war) soweit ich weiss ca. 50% an „Wert“ verlor. Der Nennwert des Geldes muss immer oberhalb des Wertes des „Trägermediums“ liegen, da es ansonsten eingeschmolzen wird, wie in der Geschichte ebenfalls schon mehrfach vorgekommen. Es erhält also durch die Übereinkuft, es als Geld zu verwenden zumindest einen Wert oberhalb des Warenwertes – und letztlich ist es für die Funktionsweise egal, wie stark sich der Warenwert vom Nennwert unterscheidet. Papiergeld hat einen Warenwert nahe Null, funktioniert jedoch (immer noch) hervorragend – was die Probleme macht, ist das Geld- und Zinsssystem…

  3. Gandalf sagt:

    Sehr gute Artikelreihe. Danke Prof. Polleit

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