Was Sie immer schon über Geld und Gold wissen wollten (Teil 3)

7. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Prof. Thorsten Polleit) Geld ist das allgemeine, universell akzeptierte Tauschmittel. Man kann es überall zu Käufen verwenden: Geld hat Kaufkraft. Die Kaufkraft des Geldes ist zu verstehen als die Menge der Güter, die man gegen Hingabe einer Geldeinheit erhält…

Beträgt zum Beispiel der Preis eines Apfels ein Euro, so ist die Kaufkraft eines Euro ein Apfel (ein Euro dividiert durch den Preis (hier ein Euro pro Apfel)). Steigt der Preis des Apfels auf zum Beispiel zwei Euro, so ist die Kaufkraft des Euro nur noch ein halber Apfel.

Wie aber bestimmt sich die Kaufkraft? Sie bestimmt sich durch das Angebot von Geld und die Nachfrage nach Geld – also durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, wie in jedem anderen Markt auch.

In einer Geldwirtschaft werden bekanntlich Güter gegen Geld getauscht. Wer ein Gut gegen Hingabe von Geld nachfragt, ist ein Geldanbieter. Wer in einer Geldwirtschaft ein Gut anbietet, ist ein Geldnachfrager.

Die Graphik zeigt beispielhaft, wie sich die Kaufkraft einer Geldeinheit verändert, wenn die Güterpreise steigen. Klar erkennbar ist: Nehmen die Güterpreise zu, nimmt die Kaufkraft des Geldes ab. Eine Verdopplung der Preise (von zum Beispiel 100 Euro auf 200 Euro pro Gut) senkt die Kaufkraft des Geldes um 50 Prozent. Würden die Güterpreise sich vervierfachen (also von 100 auf 400 steigen), so fällt die Kaufkraft des Geldes um 75 Prozent.

Mit anderen Worten: Das Geldangebot entspricht der Güternachfrage, und die Geldnachfrage entspricht dem Güterangebot. Die Güterpreise bilden sich aus Angebot und Nachfrage – also aus dem Zusammenspiel von Güternachfrage und Güterangebot, oder, was in einer Geldwirtschaft das gleiche ist, aus dem Zusammenspiel von Geldangebot und Geldnachfrage. Die Güterpreise, die aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage resultieren, bestimmen folglich die Kaufkraft des Geldes.

Die besondere Rolle der Geldmengenvermehrung

Eine Marktwirtschaft zeichnet sich durch beständige Veränderung aus: Konsumenten ändern fortwährend ihre Neigungen und Kaufgewohnheiten, Produzenten bringen immer neue Produkte auf den Markt. Mit anderen Worten: Die Güternachfrage und das Güterangebot ändern sich fortlaufend – und damit natürlich auch das Geldangebot und die Geldnachfrage und damit auch die Kaufkraft des Geldes. Die Idee von der konstanten Kaufkraft des Geldes ist irreführend.

Besondere Bedeutung für die Veränderung der Kaufkraft des Geldes kommt jedoch der Vermehrung der Geldmenge zu.

Um die Bedeutung der Geldvermehrung für die Kaufkraft des Geldes zu verstehen, ist es zunächst wichtig zu erkennen, dass Geld weder ein Produktionsgut noch ein Konsumgut ist.

Ein Produktionsgut wird eingesetzt, um andere Güter (letztlich Konsumgüter) zu erstellen. So ist zum Beispiel Mehl ein Produktionsgut, wenn es gilt, Brot und Kuchen zu produzieren. Konsumgüter sind solche Güter, die verbraucht und wahrsten Sinne des Wortes verzehrt werden.

Geld ist weder ein Produktions- noch ein Konsumgut. Es ist ein Tauschgut. Die einzige Funktion des Geldes ist die Tauschfunktion; Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion sind lediglich Unterfunktionen der Tauschfunktion des Geldes… (—> Seite 2)

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23 Kommentare auf "Was Sie immer schon über Geld und Gold wissen wollten (Teil 3)"

  1. stephan sagt:

    Ein weiteres Beispiel: Obwohl die Reallöhne seit Jahren stagnieren, steigen die Immobilienpreise weiter. Dafür gibt es genaue einen Grund: Geldmengenausweitung durch Kreditvergabe der Banken mit immer größerem Hebel (= ausgeteilter Kredit im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen). Nicht die Immobilie wird immer mehr wert (ihr Nutzen bleibt gleich), sondern das Geld immer weniger.

    • 4fairconomy sagt:

      @ stephan 7. September 2012 at 10:09

      Warum ausgerechnet die Immobilienpreise als Beispiel und nicht die Zahnbürstenpreise, die Autopreise usw.?

      Das hat eben nicht den Grund, den Du aufführst, nämlich die Geldmengenausweitung! Diese ist sicher mit ein Grund, der wirkliche Grund ist aber die Knappheit des Bodens insbesondere an besonderer Lage. Also mitten im Nirgendwo steigen die Immobilienpreise nicht so stark an wie im Zentrum von München, obwohl die Differenz der Preissteigerung nicht mit dem Geldmengenwachstum zu erklären ist sondern mit dem Standort und der Knappheit des Bodens an eben diesem Standort. Ein Auto, eine Zahnbürste usw. sind im Supermarkt in etwa überall gleich teuer, ob auf dem Lande oder im Zentrum.

      Boden, als ein lebensnotwendiges Gut wie Wasser und Licht, welches von Menschenhand nicht beliebig vermehrt werden kann, welcher standortsabhängige, nicht konkurrenzierbare Knappheitsrenten ermöglicht darf niemals als Geldanlage dienen! Damit sind Blasenbildungen garantiert. Welcher Schaden solche anrichten können, dafür sollten nun wahrlich genügend Beispiele vorhanden sein.

      Boden gehört im Bietsverfahren im Nutzungsrecht abgegeben. Die Grundrenten sollen der Allgemeinheit zufliessen und den Hauptbestandteil der Staatseinnahmen ausmachen, d.h. andere Steuern sollen gesenkt oder gar abgeschafft werden.

      Die von Menschenhand errichteten und erschaffenen Güter auf dem Boden gehören den Gesetzen der freien Marktwirtschaft unterstellt.

      Natürlich ist die Verbindung eines aus den Fugen geratenen Geld- und Finanzsystem mit der Möglichkeit der Geldanlage in den Boden besonders verheerend.

      • samy sagt:

        Moin,

        „Diese ist sicher mit ein Grund, der wirkliche Grund ist aber die Knappheit des Bodens insbesondere an besonderer Lage. Also mitten im Nirgendwo steigen die Immobilienpreise nicht so stark an wie im Zentrum von München, obwohl die Differenz der Preissteigerung nicht mit dem Geldmengenwachstum zu erklären ist sondern mit dem Standort und der Knappheit des Bodens an eben diesem Standort.“…

        Ist das so? Deine Erklärung macht nur dann Sinn, wenn der Boden knapper wird, also das Angebot an Grund pro Einwohner. Deutschland hat aber kein signifikantes Bevölkerungswachstum. Anders ausgedrückt, die Mietpreise in Städten sollten in besten Wohngegenden nicht (!) weit schneller ansteigen als die Anzahl der Stadtbewohner. Die Mietpreise in schrumpfenden Städten sollten fallen, stagnieren bzw. weniger nur ganz moderat steigen. Somit gefällt mir die Theorie besser, dass Geld in beste Wohngegenden fliesst, weil man eine sein Geld in Sachvermögen wandeln will.

        Das ist ja auch genau das, was viele Vermögensberater derzeit propagieren, sogar in Sachen Ackerland. Auch hier sollten die Bodenpreise bald steigen, obwohl die Einwohneranzahl nicht steigt.

        Fazit: Nicht der Boden pro Einwohner wird knapper, sondern das Geld das den qm kaufen will wird mehr.

        • 4fairconomy sagt:

          „Fazit: Nicht der Boden pro Einwohner wird knapper, sondern das Geld das den qm kaufen will wird mehr.“

          Natürlich ist es ein gekoppeltes Problem: die steigende Geldmenge, welche nach Anlagen sucht wobei der Boden von seiner Knappheit her eben interessant ist im Vergleich zu anderen Güter oder eben, wie es sein sollte, im Vergleich zu Krediten an Unternehmer. Dahin sollten wenn schon denn schon die Gelder fliessen. Geldanlage in den Boden ist volkswirtschaftlich ein Unsinn.

          Würden alle von der steigenden Geldmenge etwa gleichviel profitieren, ja, dann wäre die Inflationsgefahr sehr gross. Aber dazu wird ja mit Sparprogrammen, Lohnkürzungen usw. geschaut. Die Geldmengenausweitung kommt vor allem ganz Wenigen zugute. Und dass diese dann ausgerechnet in den Boden investieren, macht die Sache für die Mehrheit nur noch schlimmer. Aber das Problem ist hier primär (!) nicht die Geldmenge sondern der Boden. Würde dieser als Geldanlage wegfallen, wären auch die Preissteigerungen weg, trotz steigender Geldmenge. Die Bewegung der Grundrentenpreise würde dann nur die Nachfrage nach selbst genutztem Boden wiedergeben.

  2. Stuelpner sagt:

    @stephan
    Nachdem 20zigsten mal lesen habe ich nun Deinen Schlusssatz verstanden, es geht nicht um die Geldmengen mengenmäßig sondern wert mäßig.
    „…, sondern das Geld immer weniger wert.“
    Deswegen legt Frank seinen alten Vogel (Kooka) jede Woche auf die Waage, weil ja die „Verrechnungseinheiten“ nichts über den tatsächlichen Wert aussagen.

    @P.T.P.
    „Überdies wird bei diesen Personen das Verhältnis zwischen Geldbedarf und Geldvorrat verschoben; sie haben verhältnismäßig Überfluß an Geld, verhältnismäßig Mangel an anderen wirtschaftlichen Gütern.“
    Das war in der DDR zum Großteil so, aber das mit den heutigen Geldimüberflussbesitzern gleichzustellen ist nicht ganz richtig. Die Giüb haben doch trotzdem ihre 6 Villas 8 RR, 5 Ferrari, 3 Lambos … Den wirklich damit verbunden Mangel an wirtschaftlichen Gütern haben doch die, denen das Geld gestohlen, vorenthalten, abgepresst ……….. worden ist.
    Ja gut, wenn die ihr Geld bekommen würden und sich dann auch o.g. Autos kaufen, würden die ja echt teuer, weil die Nachfrage steigt, also das Geld doch lieber in den Steueroasen lassen.

  3. 4fairconomy sagt:

    „Wie aber bestimmt sich die Kaufkraft? Sie bestimmt sich durch das Angebot von Geld und die Nachfrage nach Geld – also durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, wie in jedem anderen Markt auch.“

    Nur: das Angebot an Geld unterliegt ganz anderen Voraussetzungen als das Angebot von Gütern.

    1. sind die Lagerungskosten der Bytes im Informatiksystem der Banken wahrlich nicht sehr gross, insbesondere spielt es diesbezüglich keine Rolle, wieviele Stellen die Zahl im System hat, hingegen spielt es sehr wohl eine Rolle, wieviel der Verkäufer eines Gutes davon am Lager hat…

    2. haben die meisten welche nicht gerade Kunsthändler sind und ihre Güter gegen Geld anbieten, mit ganz anderen Verfallsdaten zu kämpfen, als diejenigen, welche ihr Geld gegen Güter anbieten. Zumindest ist dies noch der Fall.

    In diesen zwei einfach einzusehenden Tatsachen liegt begründet, warum im heutigen System eine Assymetrie der Marktmacht besteht zwischen den Geld- und Güteranbietern, in dem die Geldanbieter eindeutig am längeren Hebel sitzen. Es ist nicht von ungefähr, warum es sich mit Geld am leichtesten Geld verdienen lässt und warum die Goldmänner die Welt regieren und nicht die Gemüsebauer…

    Nun stelle man sich vor, das Geld erhielte untrennbar ebenfalls Lagerungskosten und Verfallskosten eingeprägt….

    • samy sagt:

      Hier lese ich die Theorien des Silvio Gsell raus. Rostendes Geld.

      Weisst du, solche Konzepte sind interessant, die schulen das Denken, man entdeckt Zusammenhänge. Nur machen wir uns mal nichts vor, selbst wenn du das genialste Konzept hast, das in der Praxis funktionieren könnte, aber das Konzept passt nicht zu den sozialen Bedürfnissen und/oder einfachsten psychologischen Gestzen der Menschen, was dann?

      Der Mensch will horten. Sei es in Geld oder Boden. Und ja, der Mensch will Probleme verdrängen und die Lösungen auf morgen verschieben.

      Wir haben doch eigentlich ein System das funktionieren könnte, würde man einmal die Geldmengen knapp halten, den Zins unbeeinflusst und Marktblasen platzen lassen. Einfachste volkswirtschaftliche bzw. marktwirtschaftliche Prinzipien. Wir schaffen es doch nicht einmal diese einfachen drei Dinge durchzusetzen.

      Was sind eigentlich deine Erklärungen dazu, dass selbst diese einfachsten Prinzipien bewusst verletzt werden und das Volk wegschaut? du weisst sicher auch, wieviel Hohn man sich eingefangen hat in den letzten Jahren, wenn man mahnte, genau hinzugucken.
      Und warum glaubst du, dass diese deine dann gefundenen Erklärungen nicht auch dazu führen werden, ein derart revolutionäres Wirtschaftssystem, wie von dir beschrieben, zu zerbröseln?

      VG

      • FDominicus sagt:

        „Was sind eigentlich deine Erklärungen dazu, dass selbst diese einfachsten Prinzipien bewusst verletzt werden und das Volk wegschaut? du weisst sicher auch, wieviel Hohn man sich eingefangen hat in den letzten Jahren, wenn man mahnte, genau hinzugucken.“

        Wer ein Zwangsystem durch ein anderes ersetzen will braucht keine Erklärungen.

        Auf Argumente wie beliebige Vermehrbarkeit der Verrechnungseinheiten (aka Geld) wird nicht eingegangen. Gewünscht ist ein Geld mit Verfallsdaten. Das wir das mit dem Inflationsgeld haben ist wohl „Zufall“.

        Wer auch mit Eigentum auf Kriegsfuß steht und klar fordert es darf kein Eigentum an bestimmten Dingen geben, und meint Eingriffe gegen das Eigentum sind doch gut und richtig. Braucht nicht zu erklären warum bestimmte Eingriffe gut sind und manche nicht. Das „weiß“ man eben….

        • samy sagt:

          „Wer ein Zwangsystem durch ein anderes ersetzen will braucht keine Erklärungen.“

          Wer sagt das? Wieso? Wer hat das bestimmt? Willst du dich verbessern oder verschlechtern?

          „Braucht nicht zu erklären warum bestimmte Eingriffe gut sind und manche nicht. Das “weiß” man eben….“

          Doch Amigo/Amiga. Das braucht man

          Eine Volkswirtschaft ist doch kein Experimentallabor.

          VG

          Nachtrag:

          „Ironie-Tags“ Wir diskutieren hier ja das erste mal. Da weiss ich wirklich nicht wie jemand „unterwegs ist“. Nein, jetzt merke ich mir, du bist auch mal ironisch. Aber ein smiley hier und dort … 🙂

          • FDominicus sagt:

            Muß ich um gewisse Dinge Ironie tags einfügen?

          • FDominicus sagt:

            „Eine Volkswirtschaft ist doch kein Experimentallabor. “

            Oh doch, genau das ist es. Jeder sucht sich Seinen Weg und manche können andere daran behindern, das nennt man dann „Gesetze“. Und für manche Gesetze gilt, sie gelten nicht. Und zwar genau dann wenn staatliche Institutionen in’s Spiel kommen.

            – Mappus verstößt gegen die Verfassung
            – Die EZB kauft Staatsanleihen
            – Die europäischen Regierungen verstoßen gegen den Vertrag von Lissabon.

            Aber zurück zum Experimentallabor. Wie anders soll eine Volkswirtschaft funktionieren? Man weiß eben nicht was kommen wird und man weiß schon mal gar nicht was Verbraucher morgen wünschen. Nur wenn man Ihnen gewisse Dinge verbietet wird es unpraktisch, denn Sie werden versuchen Ihr Ziel zu erreichen ob es nun den Gutmenschen paßt oder nicht.

            Wie flexibel es im Labor zugeht, kann man doch heute sehen. So „Nebensächlichkeiten“ wie Eigentum sind doch disponibel.

      • 4fairconomy sagt:

        „Was sind eigentlich deine Erklärungen dazu, dass selbst diese einfachsten Prinzipien bewusst verletzt werden und das Volk wegschaut?“ –

        1. das Volk schaut nicht nur weg, sondern es wird ihm ja auch kaum gezeigt, was wirklich abläuft und wo es klemmt. Also hinschauen braucht schon viel Eigeninitiative + Standvermögen, um zu bestehen, insbesondere mit Ideen, welche dem System wirklich gefährlich werden könnten. Siehe Prof. Hörmann z.B., der hat es nicht überstanden. Ein paar fragwürdige Aussagen, und der unbequeme Zeitgenosse mit gefährlichen Ideen war weg.
        Andere, scheinbar kritische, aber ungefährliche Stimmen werden geduldet oder sogar gefördert. Es ist gibt kaum was besseres, als Kritiker zu haben, die einem im Grunde nichts anhaben können. Bei diesem Scheingefecht ist man dann immer der Gewinner. Dem Kapitalismus z.B. konnte nichts besseres geschehen, als den Kommunismus und Sozialismus als Gegensatz und Alternativen entgegengesetzt zu bekommen.

        2. Einfachste Prinzipien? Es geht um die Macht und um die Kohle. Das sind die obersten Prinzipien. Alles andere ist Beigemüse. Also ab 2008 ging es für die Finanzindustrie um sein oder nicht sein. Da sind Prinzipien dagegen relativ schwach und rasch über Bord geworfen. Das Volk wurde übrigens im weiteren Verlauf kaum gefragt. Die Regulation der Finanzmärkte weitestgehend wieder verwässert, das Prinzip des too-big-to-fail gilt heute mehr den je usw. Dagegen geniessen die Gläubiger und das Finanzsystem ganz allgemein nicht nur die Staats- sondern nun auch die Notenbankgarantie. Was will man mehr…Die meisten Bürger, Erwerbstätigen und Steuerzahler können nun, nachdem Staaten und Notenbanken fest in den Händen der Finanzindustriellen sind, nach Strich und Faden ausgenommen wie die Weihnachtsgans und haben immer weniger zu sagen.

        „Und warum glaubst du, dass diese deine dann gefundenen Erklärungen nicht auch dazu führen werden, ein derart revolutionäres Wirtschaftssystem, wie von dir beschrieben, zu zerbröseln?“

        Die Ideen eines Silvio Gesells sind alles andere als revolutionär, sondern rein evolutionär. Es sind die logischen Weiterentwicklungen des Systems. Aber das passt nicht denjenigen, welche vom heutigen so gut profitieren. Da wird schon geschaut, dass nichts zu sehr an die Oberfläche gelangt. Mit Wörgl wurde kurzen Prozess gemacht, statt den Versuch wissenschaftlich zu begleiten und Lehren daraus zu ziehen, obwohl es den Menschen dort viel besser ging als in den umliegenden Gemeinden und dort offensichtlich ein Rezept gegen die Krise gefunden worden war. Lieber lässt man die Menschen leiden.

        Die Idee einer Umlaufsicherung hat nur eine Chance, wenn die Bewegung von unten kommt und die Menschen mehrheitlich den Nutzen eines solchen Systems einsehen und einfordern. Die Widerstände werden aber sehr gross sein und wahrscheinlich werden die Menschen noch einige leidvolle Erfahrungen machen müssen, bis wahrscheinlich dann doch irgend wann evolutive Reformen des Geldsystems und Bodenrechts möglich sein werden. Und nur mit einer solchen breiten Unterstützung wird solch ein System vor den unweigerlich zu erwartenden Sabotageverbsuchen bestehen können. Denn natürlich wir es einigen nicht passen, welche mit dem heutigen so einfach Geld verdienen. Das Geldsysem, welches auch immer, muss breit akzeptiert und in der Bevölkerung gut verankert sein. Eine Aufdoktrinierung von Oben funktioniert auf Dauer nicht. Siehe Euro.

        „Der Mensch will horten. Sei es in Geld oder Boden.“ Der Mensch will noch viel, was seiner Gesundheit und einer guten Lebenshygiene abträglich ist. Er hat die Freiheit und trägt auch die Folgen.

        „Wir haben doch eigentlich ein System das funktionieren könnte, würde man einmal die Geldmengen knapp halten, den Zins unbeeinflusst und Marktblasen platzen lassen.“

        Wir haben ein System, welches nur funktioniert, wenn die Wirtschaft genügend wächst um die Zinsdifferenz zwischen Geldhorten und Investieren genügend attraktiv zu halten.

        Was Du forderst, ist, dass jedesmal wenn das System an seine Wachstumsgrenzen angelangt, sozusagen ein Zusammenbruch stattfindet, um von Vorne zu beginnen. Es geht, wenn Marktsättigung eintritt, nicht um das Platzen von Marktblasen, sondern um eine gründliche Zerstörung welche nötig wird, damit dann wieder kräftig aufgebaut werden kann. Ich erachte solch ein System als nicht sinnvoll, weil immer wieder viel unnötiges Leid verursachend. Dies kann verhindert werden mit einer Liquiditätsabgabe, welche die Zinsdifferenz zwischen Geldhorten und Investieren aufrecht erhält unabhängig des Wirtschaftswachstums.

        „was dann?“

        Jede Gesellschaft hat die Regierung, aber wohl noch viel mehr das Geldsystem, welche es verdient.

        • samy sagt:

          Ich muss leider gleich los, vielleicht habe ich später Zeit.

          Aber der Abschluss gefällt mir. Ja, man könnte sich darauf einigen?:

          „Jedes Volk hat das Geld, das es verdient“

          Jup!

          • 4fairconomy sagt:

            Jup!

            Wobei ich durchaus ein offenes System befürworte mit sich konkurrenzierenden Parallelwährung. Das Dogma von einer einzigen Währung als alleinig seligmachende muss in der heutigen pluralistischen Welt fallen.

            Die Notenbank soll ein umlaufgesichertes Geld in Umlauf bringen. Es sollen aber auch andere Währungssysteme geben, mit deren Geld auch Steuern, Mieten usw. bezahlt werden können soll. Macht die Notenbank einen guten Job, wird sich ihr Geld durchsetzen, wenn nicht, werden die Parallelwährungen Auftrieb erhalten.
            Oder umgekehrt, die Notenbank gibt ein Geld mit fixem Mindestzins von 0% heraus wie heute während umlaufgesicherte Parallelwährungen zugelassen werden, wie in Wörgl eben.

    • Gandalf sagt:

      Zitat 4fairconomy
      „Nun stelle man sich vor, das Geld erhielte untrennbar ebenfalls Lagerungskosten und Verfallskosten eingeprägt….“

      ..da brauch ich mir nichts „vorzustellen“, sondern nur die Wirklichkeit zu untersuchen (in welcher Welt lebst Du eigentlich? )

      Lagere ich es bekomme ich null bis sehr wenig Zinsen auf dem Sparbuch.

      Das aktuelle Betrugsgeld hat ‚genau diese‘ Eigenschaften die Du forderst, nur blos viel effizienter. Der „Verfall“ muss nicht auf dem Geldschein extra „eingeprägt“ werden, wei Du forderst und es muss auch nicht Lagerkosten_marken gekauft werden um den Wert zu erhalten. Die Abbuchungen, bzw. Wertminderungen für die Lagerhaltung werden „automatisch“ dem Geld selbst belastet. Ein genialere Schachzug.

      Mario Draghi und seine Entourage sind also viel effizienter als Gesell. (Kein Wunder, Keynes hatte ja auch viel von Gesell „gelernt“ und weiter entwickelt)

      Und was ist das Ergebnis dieses ‚Schwundgeldexperimentes‘?

      • 4fairconomy sagt:

        Wer inflationäre Geldmengenausweitung des heutigen Systems mit einer Abgabe auf Liquidität verwechselt, will oder kann nicht verstehen, worum es geht und was die Differenzen sind.

        Z.B., dass die inflationäre Geldmengenausweitung nur schwach vor einer Deflation schützt zum Preis der Gefahr einer unbeherrschbaren Inflation sowie Blasenbildungen. Eine Liquiditätsabgabe schützt effektiv vor einer Deflation ohne inflationäre Geldmengenausweitung. Sparern in Nominalwerten z.B. wird so keine Kaufkraft weggenommen. Die Kaufkraft der Löhne bleibt gewährleistet usw. Das sind vielleicht auf den ersten Blick feine Unterschiede, in der Realität aber alles andere als Peanuts.

        • Gandalf sagt:

          Zitat 4 fairconomy

          „Deflation schützt zum Preis der Gefahr einer unbeherrschbaren Inflation sowie Blasenbildungen. Eine Liquiditätsabgabe schützt effektiv vor einer Deflation ohne inflationäre Geldmengenausweitung.“

          .. ich habe Dir schon an anderer Stelle aufgezeigt, das es eine ‚Preis-Deflation‘ praktisch nicht geben kann. Menschen müssen zumindest für ihren Lebensunterhalt ‚immer nachfragen‘. Und in Folge Produktivitätsfortschritt rückläufige Preise befördern die Qualität und den Erfindergeist von Unternehmen.

          Du ahst kein einziges mal stichhaltig aufzeigen können, das eine Preisdeflation in einer gesunden Volkswirtschaft schädlich ist. – Es gibt in jeder Volkswirtscahft Einzlefällt die mit „Veränderunge des Bestehenden“ in Not kommen können. Das kann man jedoch auf volkswirtschaftlicher Ebene nich generalisieren.

          Eine Geldmengen-Deflation (also der Regelfall) hat IMMER die Ursache in einer vorhergehenden Geldmengenausweitung, einer Inflation.

          Und Inflation hat stets monetären Chrakter.

          Und was in ‚Wörgl‘ abgelaufen ist, war nichts anderes als eine zur Verfüngung Stellung von Liquidität um das auch damals bestehende Zwangsgeldsystem zu umgehen, das gerade am kollabieren (Defaltion nach Inflation) war.

          DAS muss man auseinanderhalten!

  4. 4fairconomy sagt:

    „Je größer die Geldmenge ist, über die man verfügt, desto geringer ist auch (und zwar notwendigerweise) der Nutzen, den man den verfügbaren Geldeinheiten zumisst.“

    Also wenn ich mit 10’000 auf die Bank gehe um diese anzulegen, bekomme ich ein mieses Zinsangebot. Wenn ich 1’000’000’000 anlegen will, sieht die Sache schon wesentlich besser aus. Und je grösser noch die Zahl, desto grösser wird weiter der prozentuale Nutzen – pro Geldeinheit!

    Auch schön zu sehen, wie sich die Vermögen der Reichsten vermehren… Da scheint jedenfalls der Nutzen in Form von Vermögenswachstum nicht desto geringer, je grösser das verfügbare Vermögen.

    Kenne aber viele Leute, welche lieber etwas weniger arbeiten und verdienen dafür mehr Freizeit haben. Wenn also für die Geldeinheiten selbst gearbeitet werden muss, sieht die Sache dem obigen Zitat schon viel ähnlicher, als wenn andere dafür arbeiten müssen…Alles eine Frage des Blickwinkels.

    Theorie und Praxis scheinen hier etwas weit auseinander zu divergieren.

    Im Übrigen wie die Realität und die meisten ökonomischen Theorien.

  5. samy sagt:

    „Wenn ich 1’000’000’000 anlegen will, sieht die Sache schon wesentlich besser aus. Und je grösser noch die Zahl, desto grösser wird weiter der prozentuale Nutzen – pro Geldeinheit! “

    Bleiben wir mal bei deinem Beispiel, wie sieht den der Grenznutzen des Geldhaltens jeder zusätzlichen GE aus, bei einer negativen Realverzinsung? Was ist denn, wenn der Zinssatz, den du für eine Million erhälst unter der Inflation liegt? Na? Negativer Grenznutzen? (Das Horten von Geld würde real ein Verlustgeschäft. Müsste dir als Gesellianer doch gefallen, so du einer bist. Die Inflation macht dein Großmütterchens Sparbuch rostig)

    Und das Banken noch höchste Zinsen abdrücken, wenn sie sich nahezu kostenlos Kredite beschaffen können?

    Was glaubst du eigentlich worin die Versicherungen jetzt „machen“ wenn bei Staatsanleihen der Deckel so bei 4-6% drauf ist?

    Die EZB beschreitet hier eine Mindestpreispolitik. Die Versicherer und andere Anleihehalter können risikolos („risikolos“ eine Schande in einem kapitalistischen System (!)) die Anleihen abstossen, weil sie Mindestpreise erhalten. Die EZB wird alles aufsaugen, die Bilanz verlängern. Und wohin fliesst das viele Geld dann? Aktien, Immobilien und Rohstoffe. EM sicherlich auch.
    Hat mal einer eine Berechnung dazu, wieviele Milliarden oder sogar Billionen jetzt nach neuen Anlagen suchen werden?

    • 4fairconomy sagt:

      „Die Inflation macht dein Großmütterchens Sparbuch rostig)“

      Ja, ein Skandal, eine Enteignung von Kaufkraft.

      „Was ist denn, wenn der Zinssatz, den du für eine Million erhälst unter der Inflation liegt?“

      Eine Mio ist noch viel zu wenig, um zu den Big Playern zu gehören und um grosszügige, real positive Zinssätze zu erhalten. Mit einer Mio gehört man noch eher zu den Gerupften des oberen Mittelstandes.

      Also alles ab weit über zehn Mio wird interessant, gehört man dann wohl sicher zu den netto-Profiteure des Systems. Pro 1% Zins bzw. Kapitalertrag gibts bei 10 Mio dann immerhin 100k. Auch mit ein wenig Inflation lässt sich mit ein paar 100k gut leben. Jedenfalls besser als mit einem schlechten Lohn einer geringen Teuerungsanpassung und der allseits präsenten „Gürtel enger schnallen“-Rhetorik. Aber richtig interessant wird es wohl so ab 100Mio und natürlich 1 Mrd. Nebenbei: um 1 Mrd. zu sparen, müsste ein normaler Arbeiter um die 12’000 pro Arbeitsstunde auf die hohe Kante legen, dies 40 Jahren lang. Jahrzehnte des real existierenden Kapitalismus haben in jeder Hinsicht einige bemerkenswerte Exzesse hervorgebracht.

      • Futur sagt:

        @ 4fairconomy

        Es gibt halt immer einen Interessenkonflikt zwischen denen, die arbeiten (müssen) und denen, die „ihr“ Geld mit
        Geld erzielen. Da Geld alleine nichts produziert, müssen die „Fleißigen“ die Reichen mit finanzieren.
        Warum werden mir z.B. 42 Prozent Einkommenssteuer abgezogen, bei der Kapitalertragssteuer aber nur
        25 Prozent? Das verstehe ich beim besten Willen nicht.

        Die Inflation ist zumindest den kommenden Generationen gegenüber gerecht, denn diese werden als unschuldige
        (Billiarden?)-Schuldner in den ganzen Schlamassel geschickt.

        Dazu der Ex-Verfassungsschutz- & Bundespräsident Roman Herzog:
        http://www.youtube.com/watch?v=wMD-cToTI-c&feature=youtube_gdata_player

  6. samy sagt:

    FDominicus

    habe dich eben in der Diskussion einmal mit 4faireconomy verwechselt, sorry …

    „Oh doch, genau das ist es. Jeder sucht sich Seinen Weg und manche können andere daran behindern, das nennt man dann “Gesetze”. Und für manche Gesetze gilt, sie gelten nicht. Und zwar genau dann wenn staatliche Institutionen in’s Spiel kommen. “

    Ja, das ist doch der Skandal. Wir verlassen den bewährten, gesetzlichen bzw. marktwirtschaftlichen Rahmen, für verrückte Experimente. Und niemanden interessiert es. Ich bin mir sicher, 95% aller Menschen verdrängen, gucken weg.

    Vorgestern hat Draghi die DM zum zweiten mal beerdigt. Und?

    • FDominicus sagt:

      „Vorgestern hat Draghi die DM zum zweiten mal beerdigt. Und? “

      Nichts.

      Nur Regierungen von den diversen EU Ländern können gegen diesen Gesetzesbruch klagen und das gilt nun mal wo kein Kläger da kein Richter. Das Experimentierfeld ist ausgedeht worden nun versucht man es mit der Wiederlegung der Regel: „Man kann nur ausgeben/verbrauchen wass man produziert“ hat. Leider ist die Produktion nicht ganz so schnell und mühelos wie die Papiergeldproduktion. Darum wird ja schön Papiergeld produziert, damit kann der Staat sich ohne Problem immer mehr vom erarbeiten klauen. Und so wie es aussieht wollen Sie das weiter ausdehnen.

      Und dann käme natürlich eine „Liquditäts“abgebe wie gerufen. Erst produziert man jede Menge Geld und wenn es bei den Bürgern ankommt wird es mit der Abgabe „geklaut“. Ist doch ausnehmend unfair oder?

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