Was Sie immer schon über Geld und Gold wissen wollten (Teil 2)

26. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Thorsten Polleit) Der tägliche Umgang mit Geld ist für die meisten so selbstverständlich geworden, dass kaum jemand noch darüber nachdenkt, was Geld eigentlich ist, und wie es entstanden ist…

Und weil darüber kaum jemand mehr nachdenkt, stößt es meist auf Unverständnis, wenn Ökonomen darauf hinweisen, dass die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise im Kern eine Krise des Geldwesens ist; und dass das Gold das ultimative Zahlungsmittel ist. Was also ist Geld? 

Die Antwort ist einfach: Geld ist das allgemein akzeptierte Tauschmittel. Nichts ist so liquide, mit nichts lässt sich so einfach und überall bezahlen wie mit Geld.

Was sind die Funktionen des Geldes? Auf diese Frage werden meist drei Antworten gegeben: (1) Tauschmittelfunktion, (2) Wertaufbewahrungsfunktion und (3) Recheneinheitsfunktion. Doch bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass Geld nur eine Funktion hat, die Tauschmittelfunktion. Alle anderen Funktionen sind lediglich Unterfunktionen der Tauschmittelfunktion.

Die Tauschmittelfunktion ist die unmittelbar ersichtliche Funktion des Geldes: Ware wird gegen Geld und Geld wird gegen Ware getauscht.

Die Recheneinheitsfunktion bedeutet, dass die Güterpreise in einem anderen Gut, nämlich Geld, ausgedrückt werden. Kostet beispielsweise ein Apfel ein Euro und eine Birne zwei Euro, so bedeutet das, dass man zwei Äpfel im Tausch gegen eine Birne hinzugeben hat; oder das man für eine halbe Birne einen Apfel erhält.

Mit der Wertaufbewahrungsfunktion ist gemeint, dass Geld über die Zeit hinweg „Kaufkraft speichern“ kann. Die Wertaufbewahrung erlaubt dem Geldhalter, seinen Wünschen entsprechend das Einkommen über die Zeit zu verteilen. Die Wertaufbewahrungsfunktion ist aber auch nichts anderes als eine Form der Tauschfunktion des Geldes: Sie steht gewissermaßen für eine zeitliche Verlagerung des Tausches.

Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion sind also keine eigenständigen Funktionen des Geldes. Sie sind lediglich Ausdruck der Tauschmittelfunktion des Geldes.

Diese Erkenntnis ist von großer Bedeutung für die Beantwortung der Frage, die häufig gestellt wird: Wie viel Geld braucht eigentlich eine Volkswirtschaft?

Mainstream-Ökonomen – also die Vertreter der herrschenden Mehrheitslehrmeinung – sind sich darin einig, dass eine wachsende Wirtschaft eine wachsende Geldmenge benötigt.

So fordern beispielsweise die Monetaristen, deren bekanntester Vertreter Milton Friedman (1912 – 2006) ist, die Geldmenge solle – vereinfachend gesprochen – in Übereinstimmung mit der gesamtwirtschaftlichen Güterproduktion wachsen. Wächst die Volkswirtschaft zum Beispiel um drei Prozent pro Jahr, so wäre aus monetaristischer Sicht ein „angemessenes“ Geldmengenwachstum drei Prozent pro Jahr.

Ganz anders die Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie: Ihnen zufolge ist jede gerade vorhandene Geldmenge ausreichend, ja „optimal“.

Die Österreicher sagen, dass das Ausweiten der Geldmenge lediglich zu einer Schmälerung der Kaufkraft des Geldes und zu einer Umverteilung von Einkommen und Vermögen zwischen den Marktakteuren führt.

Wie erklärt sich diese Aussage? Sie erklärt sich aus der Erkenntnis, dass Geld eine, und nur eine Funktion hat: die Tauschmittelfunktion.  (Seite 2)


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