Was passiert bei den Edelmetall ETFs?

14. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

Bankhaus Rott

Während die Edelmetalle vor sich hin konsolidieren, kann man die Zeit nutzen, um einen Blick auf die Bestände der Gold- und Silber ETFs zu werfen. Die letzten Quartale waren von weiterhin starken Abflüssen aus börsengehandelten Goldfonds geprägt. Beim Silber hingegen sieht die Sache noch immer ganz anders aus…

Im Verlauf der seit 2011 anhaltenden Korrektur ist der Goldpreis in US Dollar um mehr als 35% zurückgegangen. Silber verlor im gleichen Zeitraum mehr als 60% zum Dollar. Bemerkenswert ist das vollkommen unterschiedliche Verhalten der ETF-Anleger. Während die Anzahl der in den börsengehandelten Goldfonds gehaltenen Unzen sich mehr als halbierte, liegen die Bestände Silberfonds nicht einmal 5% unter dem Maximum.

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Die Veränderung der verwalteten Bestände ist beeindruckend und zeigt beim Gold den Einfluss größerer Anleger wie etwa das Anlagevehikel von Paulson & Co. Der folgende Chart zeigt den Verlauf der von Paulson gehaltenen Bestände im GLD ETF seit 2011.

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Wie am Aktienmarkt so schießen auch beim Abbau großer Bestände der Gold-ETFs durch mehr oder weniger bekannte Anleger gerne die Gerüchte ins Kraut. Paulson habe die ETF Holdings gegen wirklich physische Bestände getauscht, hieß es an einigen Stellen. Das ist zwar möglich, und es lassen sich problemlos Gründe finden, warum dies sogar vernünftig sein mag. Ebenso wahrscheinlich ist aber eine schlichte Reduktion der Assetklasse, die bei den von Paulson gehaltenen Volumina eine ganze Menge Zeit in Anspruch nimmt. Kaum jemand mit ein wenig Erfahrung, gesundem Menschenverstand oder einfach einem Restbestand an Vernunft wird größere Verkäufe von Beständen mit Aussagen über einen Wechsel der generellen Einschätzung begleiten.

Wer dies nicht nachvollziehen mag, kann das völlig unkompliziert beim Verkauf eines Gebrauchtwagens ausprobieren. Sagen Sie einfach einem potentiellen Kunden (a) Sie verkaufen den Wagen, weil Sie lieber einen Kombi kaufen wollen oder (b) Sie verkauften den Wagen, weil Sie denken, er würde es nicht mehr so lange machen. Viel Vergnügen!

Die Diskrepanz zwischen Beständen und Kursverlauf bei Gold und Silber sind deutlich.

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Auf Grund des deutlich stärkeren Preisrückgangs beim Silber sieht die Situation beim Verhältnis der gehaltenen Dollar-Beträge naturgemäß anders aus. So ist das entsprechende Verhältnis wieder auf dem Niveau des Jahres 2008 angelangt. Angesichts der Preisschwankungen ist die Aussagekraft dieser Zeitreihe allerdings wenig aufschlussreich, da der Rückgang rein preisgetrieben und nicht wie beim Gold durch Preis- und Mengenrückgang gleichermaßen bestimmt wird.

Insgesamt werden derzeit in Exchange Traded Funds rund 55,8 Millionen Unzen Gold und 621 Millionen Unzen Silber gehalten. Deutlich geringer sind die Holdings bei Platin (2,4 Mio) Palladium (2,1 Mio). Die Unzen, die von den Gold ETF ausgewiesen sind entsprechen in etwa den gemeldeten Goldreserven von Schweiz und Niederlanden zusammen. Für größere Akteure am Markt ist nur der Goldmarkt interessant. Die kleineren und illiquideren Edelmetallmärkte sind mit größeren Summen nicht bespielbar. Das ist vergleichbar mit kleineren Anleiheemissionen, für die sich Privatanleger oder bestenfalls kleinere institutionelle Investoren interessieren, die mit vergleichsweise wenig Mitteln agieren.

Es wird spannend sich die Mittelbewegungen in und aus den Fonds anzuschauen, sobald sich die Edelmetalle wieder einige Zeit dynamisch in die eine oder andere Richtung bewegt haben.


 

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3 Kommentare auf "Was passiert bei den Edelmetall ETFs?"

  1. Michael sagt:

    621 Mio Unzen Silber gehalten. Allein der Form halber.

    Ist vorstellbar, dass die Gold ETFs quasi verschwinden im Sinne von ‚aussteigen‘ aus einer je nach Einstellung ‚fragwürdigen‘ Idee oder ist es einfach ganz normal der Wechsel der Assetklasse nach 10 Jahren.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Michael,

      danke, klar es sind natürlich Millionen 🙂

      Die Zahen sind in vielerlei Art und Weise interpretierbar. Ein Wechsel der Assetklasse ist natürlich eine der zahlreichen Möglichkeiten.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Michael sagt:

        Zumal ich selbst in den Kommentaren, ob meiner Kurzsichtigkeit insbesondere des Abends mit Grammatikfehlern und Tippfehlern glänze, die auch der parallel laufenden Kommunikation in allen Varianten von Englisch geschuldet ist – halte ich mich eher zurück. Nichts für ungut.

        Ist auch nicht so tragisch. Den Herrn Polleit plagt auch die Gendentwertung. Seit dem die Männer nichts mehr zu sagen haben in der Wirtschaft wird das Geld mit beiden Händen rausgeschmissen. Es kann auch sein, es war der Freud im Spiel und er hat wirklich die Österreichische Schule um eine maßgebliche Erkenntnis bereichert.

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