Was noch sicher ist: Tod und Steuern

28. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Großer Jubel im Berliner Finanzministerium! Wer dort arbeitet, verdient nicht nur gut, sondern erlebt auch die schönsten aller Welten. Jubel auch bei den Steuerzahlern, der die Steuertöpfe zum Überquellen bringen. Dennoch werden 620 Milliarden Euro aus ihren Taschen 2014 wieder nicht ausreichen…

Seltsam… Die Löcher im Steuertopf wollen und wollen nicht verschwinden, trotz dieser gigantischen Raubzüge des Staates. Manche nennen ihn sogar „Vater“, obwohl Mutti regiert. Die Bundesrepublik wird in diesem Jahr voraussichtlich 6,5 Milliarden Euro neue Schulden machen, womit der Schuldenberg die Zwei-Billionen-Grenze weiter hinter sich lassen wird. Verdeckte Schulden nicht eingerechnet. 2015 soll es gar keine neuen Schulden geben, wenn nichts dazwischen kommt. Ich höre die Götter heute schon lachen, spätestens aber 2016.

Nur einer der Geldgötter warnt die ganze Zeit und schreibt sogar Kommentare in der Süddeutschen Zeitung. Das ist einer, der im letzten Jahr Goethes Faust zum Thema „Geld und Zins“ auf einem Vortrag zitierte und auf den Namen „Jens Weidmann“ hört. Er kann sich das Warnen leisten, seit die Bundesbank im EZB-Rat nicht mehr so viel zu sagen und bald auch noch alle fünf Monate für einen Monat aussetzen muss. Warnen, das tun die Amseln im Garten auch, wenn sich eine Katze ihrem Nest nähert. Natürlich haben die kleinen Amseln keine Chance. Aber sie wurden gewarnt.

Das Buch der Grausamkeiten

Auf meinem Schreibtisch liegt immer noch die Steuerschätzung des Arbeitskreises vom Mai 2014. Normalerweise liest das ja niemand, aber die 14 Seiten zeigen schon mal, wohin die staatlich geplante Reise gehen soll und mit welchen Einnahmen Berlin kalkuliert… (Quelle)

Steuerschaetzung

Wir erinnern uns, 2013 zahlten die Deutschen lustige 620 Milliarden Euro Steuern. 2018 werden es 738 Milliarden sein. Ein Plus von 19 Prozent. Bis dahin soll sich das BIP von 2.737 Billionen Euro um 17 Prozent auf 3.223 Billionen Euro erhöht haben. Wenn nichts dazwischen kommt…

Bedenken Sie bitte, dass das BIP auf wundersame Weise im Herbst 2014 um die Leistungen aus Kriminalität, Prostitution und Drogen ergänzt wird und plötzlich einen großen Sprung nach vorn machen wird. Es bleibt zu vermuten, dass die reale Wirtschaftsleistung um weniger als 17 Prozent wächst, aber bekanntlich ist nichts zuverlässiger als die Steuer und der Tod.

Man könnte diese Spreizung auch kalte Progression nennen, die in der Öffentlichkeit bekanntlich immer noch mit der „kalten Sophie“ verwechselt wird. Sollte diese Progression bis 2018 wirklich etwas abgebaut werden, vielleicht durch ein Versprechen vor der nächsten Bundestagswahl, dann wird von „Steuergeschenken“ gesprochen. Dabei haben die Steuerbürger dem Staat bis dahin prognostizierte 3,4 Billionen Euro „geschenkt“. Das Wort „Steuergeschenk“ müsste unter Strafe gestellt werden. Wer schenkt denn hier wem was? (Seite 2)


 

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6 Kommentare auf "Was noch sicher ist: Tod und Steuern"

  1. Avantgarde sagt:

    Da hat sich doch ein nicht unerheblicher logischer Fehler eingeschlichen….

    Eine Amsel warnt nicht ihre eigenen Jungen vor der Katze – sie versucht vielmehr die Katze mit viel Geschrei in eine andere Richtung zu locken!
    Manche Vögel beherrschen sogar das Spiel des gebrochenen Flügels auf dem Boden – so lange bis die Katze die Witterung des Nestes vergessen hat.

    Könnte es bei dem guten Herrn Weidmann nicht vielleicht ähnlich sein?
    Er ist ein Mann Muttis – und auch sie steht ja angeblich seit Jahren im Kampf mit den faulen in der Sonne liegenden Schulden“sündern“ und kämpft heroisch für die bei uns gerne gehörte Tugend des Sparens.
    Und doch beging sie ganz unbemerkt eine noch viel größere Sünde mit der entgültigen und unumkehrbaren Hafung für die gesamte EU – und dabei hätte es den gemeine Leser doch verwundern sollen, daß noch nicht einmal die Linken für den ESM gestimmt hatten.
    🙂

  2. samy sagt:

    „…soll und mit welchen Einnahmen Berlin kalkuliert… “

    Hatte eben eine Freudsche Fehlleistung. Habe „kapituliert“ gelesen 🙁

    Nach dem Artikel muss ich an einen Satz des tragisch-genialen Ökonomen Irving Fisher (gest. 1947) denken:

    „Es ist das grosse Paradoxon aller Depressionen: Schulden werden abbezahlt, aber der Schuldenberg wird trotzdem grösser“.

    Das setzt aber ein deflationäres Umfeld voraus. Leben wir doch in deflationären Zeiten?

    Quelle:
    http://tablet.fuw.ch/article/der-intime-kenner-der-grossen-depression/

    VG

  3. FDominicus sagt:

    Ach ja Gold bring keine Zinsen, daher Finger weg. Geld bringt keine Zinsen oder kostet sogar, daher her damit. Völlig logisch und verständlich….

  4. kruemel sagt:

    @samy
    Wie währe es mit dieser These, es gibt mehrere Arten der Defaltion. Und eine dieser ist das RESULTAT des Bust, der in die Depression führt. In einer unnatürlichen Boom Phase wird Kapital extrem falsch allokiert, und es werden unnötige Produkte produziert, z.B. Büroflachen die keiner braucht, Autos die keiner braucht. Und all dies wird durch Schulden finanziert. Jetzt kommt der bust, und Werte müssen verkauft werden, doch es gibt keinen Markt, den niemand hat sie jemals in dem Maße gewollt oder gebraucht. Somit fallen die Preise, die induzierte DEFLATION.
    Somit ist der Versuch, die induzierte DEFLATION bekämpfen zu wollen, zum scheitern verurteilt. Ich kann die Ursache nicht bekämpfen in dem ich mich auf die RESULTATE konzentriere.
    Der erste Teil Fishers Rezeptes, einer expansiven Geldpolitik um die DEFLATION zu verhindern hat sich heute als falsch erwiesen, vielleicht ist aber der zweite Teil noch hilfreich.

    „Noch wichtiger aber sei es, spekulative Exzesse und den Aufbau übermässiger privater Schulden gar nicht erst zuzulassen, mahnte Fisher. Den Schlüssel zu dieser Kontrolle sah er im Bankensystem; Fisher riet in den Dreissigern, die Banken regulatorisch streng unter Kontrolle zu halten, um eine übermässige Kreditschöpfung zu vermeiden. 1935 publizierte er das Buch «100% Money», in dem er ein Vollreserve-Bankensystem propagierte. „

    Nur ich hege meine Zweifel, das wir das noch erleben dürfen.
    Quelle: http://tablet.fuw.ch/article/der-intime-kenner-der-grossen-depression/

  5. FDominicus sagt:

    @kruemel. Es reicht nicht 100 % Vollreserve zu haben, wenn es Zentralbanken beliebig möglich ist Geld zu schaffen. Was man braucht ist ein Geldmarkt und dazu Banken die zumindest eine 100 % iege Deckung bieten dürfen/können. Idealerweise werden aber m.E. Sichteinlagen als Anderkonten geführt. Diese sind von einer Pleite der Bank sicher (jedenfalls weitaus sicherer als unser heutiges Betrugsystem) was immer früher oder später zu Bank-Runs führt
    http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/bank-run-in-bulgarien-auch-deutsche-unter-den-opfern-a-977985.html

    Solange es keinen Zusammenhang mit Zins und Ausfall mehr gibt, werden sich die Katastropen aufschauckeln und irgendwann reicht dann weder mehr die Glaubwürdigkeit von Staaten, Zentralbanken oder Banken aus….

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