Was man nicht hat muss man kaufen

23. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Japan verbraucht 5% der weltweiten Ölförderung und damit rund ein Fünftel mehr als ganz Afrika, das nebenbei noch Nettoexporteur ist. Die japanische Förderung liegt nahe null. Obwohl sich die Importabhängigkeit der japanischen Energieversorgung der 100%-Marke nähert hält man in Tokio munter am Experiment der Abenomics fest...

Solange man liquide ist und die Energiepreise sich nicht dramatisch erhöhen funktioniert das jahrzehntealte Modell der japanischen Energieversorgung. Schief gehen sollte dabei allerdings besser nichts, denn viel größer kann die Abhängkeit von den Exporteuren nicht mehr werden. Per Ende 2012 erreichten die japanischen Nettoenergieimporte einen neuen Höchststand.

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An der Situation wird sich sobald nichts ändern, denn die Reserven an Gas, Kohle und Erdöl sind marginal. So lässt sich auch mit der japanischen Kohleförderung wohl nicht einmal Osaka dauerhaft erhellen, liegt sie doch bei nur etwas mehr als einem Prozent der deutschen Förderung. Letztere hat ihren Zenit bekanntlich schon seit ein paar Dekaden hinter sich. Immerhin kann man sich später den „Strukturwandel“ ersparen.

Was auch immer man sich von einer Schwächung der heimischen Währung langfristig an wundervollen Effekten auf die wirtschaftliche Stärke erhoffen mag, die Kehrseite der Medaille sollte man besser nicht außer Acht lassen. Zwar kann man die Preise für exportierte Waren im Ausland senken, wenn man jedoch alles für die Produktion notwendige mit einem schwächeren Yen im Ausland kaufen muss, wird die Idee schnell zum Bumerang.

Der langfristige Verlauf des Ölpreises zeigt, wie sehr der relativ starke Yen der japanischen Wirtschaft in der Vergangenheit geholfen hat. Gerade in Zeiten, in denen man den Menschen die segensreiche Wirkung der Geldentwertung schmackhaft machen will und es nicht mehr lange dauern kann, bis die Freude über steigende Spritpreise nur noch vom Jubel über den steigenden DAX übertroffen wird, hilft es manchmal zweimal über einen Sachverhalt nachzudenken.

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Möglicherweise plant man ja die negativen Effekte steigender Energiepreise später über schuldenfinanzierte Subventionen an Großverbraucher und Endkunden zu mindern. Eine Idee, die auch aus Europa stammen könnte, man denke an die per Schulden subventionierten Strompreise in Spanien.

Sollte man auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen, darf man sich schon einmal mit den unterschiedlichen Energieanbietern einigen. Vor allem die Importe von Gas und Kohle stiegen in den vergangenen Jahren weiter an und erreichten neue Rekordwerte… (Seite 2)


 

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16 Kommentare auf "Was man nicht hat muss man kaufen"

  1. FDominicus sagt:

    Verstehe ich nicht. Wurden die AKWs nicht wieder an’s Netz gelassen? Wurde die Energieversorgung vor Fukushima irgendwo um 40 – 50 % durch AKWs geleistet?

  2. Skyjumper sagt:

    Den Hinweis von @FDominicus würde ich auch aufgreifen. Je nachdem auf welche Grafiken man zurückgreift liegt der Anteil an Kernernergie an der jap. Energieerzeugung bei sehr hohen Werten. Gem. einer Schautafel bei N24 bei 50,9% vor Fukushima, und 10,3 % nach Fukushima. Das erscheint mir jedoch unglaubwürdig.
    Ein Wert der mir (bauchgefühlt) glaubwürdiger erscheint sind 23,9 % vor Fukushima. Die gleiche Tabelle weißt übrigens auch einen Anteil von 10,4 % für regenerative Energien in Japan aus.

    Und richtig: Letzte Woche haben die ersten beiden AKW´s in Japan die Genehmigung erhalten wieder an´s Netz zu gehen. Die letzte Spitze im Anstieg der Nettoenergieimporte sollte sich demnach mittelfristig wieder abbauen.

    Trotzdem bleibt natürlich eine enorme Abhängigkeit Japans von Energieimporten, Und damit hängt das Wohl und Wehe Japans an einer stabilen Währung um diese Importe verkraftbar bezahlen zu können.

  3. Avantgarde sagt:

    Lt. der World Nuclear Association (dürfte wohl stimmen)

    Vor der Nuklearkatastrophe waren es 30% ELEKTRISCHE Energie aus Atomstrom.

    „Early in 2011, nuclear energy accounted for almost 30% of the country’s total electricity production (29% in 2009), from 47.5 GWe of capacity (net) to March 2011, and 44.6 GWe (net) from then. There were plans to increase this to 41% by 2017, and 50% by 2030.“
    Quelle:
    http://www.world-nuclear.org/info/Country-Profiles/Countries-G-N/Japan/

  4. FDominicus sagt:

    @Avantgarde Danke für diese Zahlen, war mir dann aber noch aufgefallen ist: Wir sind doch genauso Importeure, somit verstehe ich nicht was der Unterschied ist. Selbstverständlich muß man das was man nicht hat kaufen. Wir brauchen, jede Menge Energie (auch in Ölform) wir brauchen jede Menge andere „Grundstoffe“ um damit herzustellen was wir wiederum verkaufen. Wie gesagt ich verstehe den Punkt in dem Eintrag nicht…

    • Skyjumper sagt:

      Korrekt. Wir stehen zwar ein bißchen besser da als Japan, haben eine nicht ganz so große Abhängigkeit, aber grundlegend ähnliche Strukturen. Das ist bei einem funktionierenden Markt auch nicht so kritisch solange man über eine akzeptierte und kaufkräftige Heim-Währung verfügt.

      Was wir jedoch NOCH nicht haben, ist eine Abenomics-Geldpolitik. Und eben in diesem Zusammenspiel liegt die Idiotie in Japan. Man kann ja jahrelang mit seiner Porzellanschüssel zur Suppenküche gehen und sich Verpflegung abholen. Wenn man aber weiß dass man das muss ist es ziemlich schwachsinning die Schüssel aus 10 m Höhe auf den Steinboden fallen zu lassen.

      Ich vermute, darauf wollte Bankhaus Rott hinaus. Denn unsere EZB vermittelt durchaus den Eindruck als wenn sie auch mit unseren Suppenschalen werfen wollte.

    • Avantgarde sagt:

      Ich kapier den Punkt auch nicht so ganz.
      Ja auch wir sind Importeure und ebenso zu fast 100% abhängig von den Einfuhren.
      Atomsrotm wird auch immer überschätzt denn die Betonung liegt auch immer lediglich auf dem Anteil der ELEKTRISCHEN Energie – ohne fossile Brennstoffe geht gar nix – auch nicht präfukushima in Japan oder in Frankreich.
      Ganz nebenbei sieht man auch wie schnell die ach so billige Atomenergie ein Land in den Abgrund stürzen kann – und bisher hatte Japan sogar noch Glück.
      Und OT glaube ich sogar, daß Chernobyl damals ganz erheblich(entscheidend?) zum Zusammenbruch der UdSSR beigetragen hat.

      D hätte ein bißchen mehr potentzielle Kohle zum Abbau aber……
      Ich hab mal ein paar Dokus über die Kohleverstromung in der damaligen DDR gesehen.
      Oh mein Gott – die haben das halbe Land umgegraben eine gigantische Umweltverschmutzung und dennoch nicht sehr effizient.
      Nein ich glaube das wollen wir hier ganz bestimmt nicht…..

      Was man nicht hat muß man kaufen – ja stimmt.
      Na Und??
      Japan ist soweit ich weiß noch immer unter den ersten 4 der Exportweltrangliste – auch wenn man grad keine weiteren Überschüsse aufbaut.
      Wie D wird es seine Forderungen ohnehin irgendwann in den Wind schreiben können falls man weiter darauf beharrt alle nieder konkurieren zu wollen um noch mehr faule Forderungen aufzubauen.
      Mit Energieimporten bekommt man wenigstens noch was dafür.
      🙂

      Und mal abgesehen davon gäbe es rein physisch auch gar keine andere Möglichkeit für D und Japan – wir haben nun mal einfach keine großartigen Rohstofflager die man zu vernünftigen Preisen abbauen kann – sie existieren nicht.
      Und mit unserem hohen Export exportieren wir die zuvor importierte Energie.

      Japan hat wirklich sehr große Probleme und inzwischen auch langjährige Erfahrung damit.
      Es gibt schlicht keine einfachen Lösungen in Japan – die haben alles probiert.
      Wir sollen mit Kritik an Japan vorsichtig sein – die sind uns vielleicht nur 15 Jahre voraus…..

  5. FDominicus sagt:

    @Skyjumper. Nun über eines dürften wir übereinsteimmen die EZB hat in den letzten Jahren richtig Geld gedruckt. Insgesamt darf man wohl sagen, bei uns sprudeln zumindest die Steuerquellen überreichlich (nach Zahlen die ich irgendwo im Internet fand waren es 6 (!) % mehr im Juni dieses Jahres als im Vorjahr) Trotzdem wurden auch in D die Schulden NICHT abgebaut. Somit ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis sich folgendes ergeben wird. Die Steuereinnahmen werden sinken , das Angebot an Arbeit auch und damit wird da Defizit wieder größer. Somit werden die Delebets wieder vorschlagen man müsse den „Nachfrageausfall“ ausgleichen. Also der einzige wirkliche Unterschiede ist, Japan ist in den Abeconomics und wir auf dem Weg.

    Zumindest mal haben unsere Politiker es nicht geschafft auch nur einen ¢ der Verschuldung zurückzuführen. Nein es geht munter weiter mit dem Schulden anhäufen. Inzwischen sind wir bei 100 Bio Schulden (und jetzt kommt bestimmt wieder so ein Schlauer daher und sagt, ja aber da sind doch die „Guthaben“ der anderen…)

    Dazu kann man ja wohl nur sagen: Das Geld ist ja wohl größtenteils weg und mit Sicherheit werden nicht alle Schulden zurückbezahlt. Nimmt man nur zum Beispiel an 20 % davon fallen aus reden wir über 20 000 000 000 000. Legt man das auf die USA, Europa und Japan zusammen, leben dort ungefähr 800 Mio Menschen. Also fallen auf jeden von diesen 25 000 € ausfallende Schulden an… Wir reden mal gar nicht über etwaige Dominieffekte.

    Wenn das nicht abartig ist dann weiß ich nicht was sonst….

    • Skyjumper sagt:

      „Also der einzige wirkliche Unterschiede ist, Japan ist in den Abeconomics und wir auf dem Weg.“

      Deswegen mein „NOCH“ in Grossbuchstaben. Allerdings ist das auch nicht so eindeutig wie man zunächst meint. Es gibt kein weiß oder schwarz mehr. Die Welt ist (war es immer) grau. Wenn Sie z.B. vom Gelddrucken der EZB sprechen, dann muss man schon differenzieren. Die EZB will gerne drucken, es gelingt ihr nur noch nicht so wie gewünscht. Die Bilanz der EZB hat sich deutlich verkürzt, die kumulierte Summe ausstehender Kredite im Euroraum (von Nichtbanken) hat sich ziemlich drastisch reduziert.

      Ach ja *Klugscheissermodus on* USA (~320), EU, nicht Europa (~510) und Japan (~120) bringen zusammen 950 Millionen Menschen auf die Waage 😉

      • FDominicus sagt:

        „Ach ja *Klugscheissermodus on* USA (~320), EU, nicht Europa (~510) und Japan (~120) bringen zusammen 950 Millionen Menschen auf die Waage ;-)“

        Ok bringt den ausfallenden Schuldenbestand auf: 21052.x herunter. Ist „viel“ besser….
        Nun die EZB hat es schon geschafft, da Sie ja die Anleihen aufkaufte.
        siehe z.B. http://www.querschuesse.de/ezb-bilanzsumme-im-eurosystem-bei-3029159-billionen-euro/ Ganz grob hat die EZB Ihre Bilanzsumme verfünfacht. Ich finde das geht schon ganz klar in abartiges „wirtschaften“ über…

        • Skyjumper sagt:

          „Ganz grob hat die EZB Ihre Bilanzsumme verfünfacht.“

          Vielleicht tue ich Ihnen jetzt gerade Unrecht. Aber solche Pseudowahrheiten sind das was ich bei der Mainstreampresse so negativ finde. Sachen zu verbreiten die zwar richtig sind aber trotzdem nicht die Wahrheit zum Ausdruck bringen.

          Der Beitrag von Querschüsse stellt mit rund 3,03 Bill. den Stand von März 2012 dar. Nach dem letzten konsolidierten Finanzausweis der EZB sind es noch 2,06 Bill. Das ist immer noch deutlich mehr als in den Jahren vor dem Krisenbeginn (~1,4 Bill.), aber eben auch ein Drittel weniger als von Ihnen dargestellt. Und die Tendenz ist derzeit weiter fallend. Hinsichtlich der Bewertung kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber es zu negieren ist sicher nicht hilfreich.

          • FDominicus sagt:

            Woher haben Sie Ihre Zahlen her? Ich hatte die Querschüsse Daten gefunden aber nichts „Neueres“

          • FDominicus sagt:

            Davon abgesehen wenn Ihre Zahlen stimmen finde ich das eine der wenigen erfreulichen Nachrichten…

          • Skyjumper sagt:

            Guten Morgen FDominicus,

            Sie können die Bilanz der EZB wöchentlich unter den Pressemitteilungen der EZB auf deren Homepage finden. Die von mir herangezogene ist vom 18.07.14
            Gestern wurde übrigens gerade veröffentlicht, dass die Kreditvergabe an den privaten Sektor erneut um 1,7 % (yty) zurückgegangen ist. Auch dies ein Prozess der jetzt schon sehr lange anhält und anzeigt, dass die Bemühung der EZB zwar gegeben ist, aber noch erfolglos ist.

          • Skyjumper sagt:

            Nachtrag weil ich mir grad nochmal Ihren Kommentar durchgelesen hatte.

            Die EZB hat angekündigt ggf. Anleihen aufzukaufen. Wirklich getan hat sie in der Hinsicht so gut wie nichts. Tatsächlich hat die EZB immer billigeres Geld angeboten, die Banken der Südländer haben das genommen, und DIE haben dann die Anleihen gekauft. Positiv ist das übrigens nicht, denn m.M.n. sind diese Banken dadurch immer wackeliger aufgestellt.

          • FDominicus sagt:

            Die EZB hat auch (unter anderem) griechische Anleihen gekauft und den Schuldenschnitt nicht mitmachen müssen. Wieviele Mrd. an Anleihen wirklich gekauft wurden, weiß ich nicht.

  6. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo zusammen,

    kurz ein paar Punkte:
    – Strom ist nur ein Teil der gesamten Energie, dazu gesellen sich Sprit, Heizöl und Co.
    – Japan ist durch die Insellage in einer komplizierteren Situation als sie etwa für viele Europäer vorliegt. An den Gaspreisen lässt sich das recht gut ablesen, man darf gespannt sein, ob der große „Freund“ der Japaner ihnen die Versorgung aus Russland „gestattet“. Ein heikles Thema.
    – Erzeugung von Kernenergie bedeutet zwar heimische Erzeugung, aber auch das Uran muss irgendwoher stammen. Ein hoher Anteil von Kernenergie ist daher nicht gleichbedeutend mit Unabhängigkeit von Importen.

    Ansonsten ist es natürlich völlig richtig, auch andere Länder haben ähnliche Versorgungslagen. Das macht es natürlich für Japan nicht besser. In Deutschland arbeitet man ja mit Kräften an der Verkomplizierung der Versorgung. Aber ab 2019 kann man mit den Einnahmen aus der Fahrradmaut sicherlich die Großverbraucher subventionieren.

    Ihnen allen ein schönes Wochenende
    Bankhaus Rott

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