Was kostet die Welt? Oder 100 Kilo Silber?

6. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Neulich hatten wir in privater Runde eine bescheuerte Idee bzw. viele dumme Fragen. Eine davon war: Ist jemand mit 100 Kilogramm Silber reich? Soweit wir herausfinden konnten, war das früher so. Wo müsste denn Silber notieren, dass es heute wieder so wäre?

Kurzum: Das konnten wir nicht herausbekommen, vermuteten aber zu später Stunde, dass sein Preis „etwas“ höher stehen müsste. Zuvor ließen wir den Taschenrechner glühen, denn lineares Denken ist nicht so unser Fall. Dann schon eher das Prinzip: „Lebe zynisch, habe Spaß!“ – vor allem wenn es um Finanzmärkte geht.

100 Kilogramm Silber, also 3.210 Feinunzen kosten heute rund 65.000 Euro. Diese Summe entspricht einem dicken Auto oder zwei VW-Golfs. Ist man damit reich? Manche meinen ja. Man könnte auch anders fragen: Sind die Autos zu teuer oder Silber zu billig?

100 Kilogramm von dem Zeug ist eine gewaltige Masse. Aber stimmt auch deren Preis am „Markt“? 65.000 Euro? Ein Haus kostet heute umgerechnet eine halbe Tonne Silber. Sind die Häuser zu teuer oder das Silber zu billig?

Nun haben wir ja keine Märkte mehr, sondern nur noch Interventionen, Markteingriffe, Verbiegungen und Verzerrungen. Manche Sachen sind dann viel zu teuer wie Anleihen und manche Dinge viel zu billig wie guter Rat bei der ganzen Propaganda für Unsinn. Zumindest ist gesichert, dass jemand, der früher 100 Kilo Silber hatte, ziemlich reich war. Basta! 

Hier ein paar kleine irre Rechnungen. Nehmen Sie diese bitte nicht ernst!

In den 80er Jahren kostete Silber schon mal 50 US-Dollar pro Unze. 100 Kilo waren damals ca.160.500 US-Dollar wert und damit richtig viel. Schließlich war der US-Dollar noch das Maß aller Dinge. Es war ja auch nicht lange her, da war er noch mit Gold gedeckt. Zumindest schien es damals noch so. Seitdem haben die zentralen Geldlenker deren Zahl vervielfacht, weil es ja alles so schön macht. Angeblich. Der Silberausstoß der Minen ist seitdem von 10.200 Tonnen auf 27.300 Tonnen angewachsen. Und sein Preis steht 36 Jahre später 60 Prozent noch unter dem preislichen Hoch von damals.

Moment mal: Wenn jährlich 27.300 Tonnen Silber gefördert werden, dann würde diese Menge weltweit für 273.000 Leute reichen, wenn sie sich 100 Kilo Silber zulegen wollten. Das reicht nicht mal für jeden zweiten Frankfurter. Die andere Hälfte müsste bis 2017 warten. Und das ist auch Unsinn: Angesichts der Tatsache, dass die Hälfte des geförderten Silbers in der Industrie verschwindet, und wir wollen ihr diesen Anteil nicht abspenstig machen, würde es sogar fünf oder sechs Jahre dauern, bis jeder Frankfurter 100 Kilogramm Silber zusammen hätte. Und gehen Sie mal davon aus, da gibt es einige Leute, die könnten ein Vielfaches von den 65.000 Euro auf den Tisch legen und zwar sofort.

Übrigens würde die gleiche Rechnung für die 3,5 Millionen Berliner bedeuten, es würde ein viertel Jahrhundert dauern, bis jeder Berliner 100 Kilogramm Silber im Gegenwert von heute besitzen würde. 

Wie wir wissen, druckt die EZB monatlich 80 Milliarden frische Euros. Damit könnte sie vier Milliarden Unzen Silber beim Edelmetallhändler kaufen. Jeden Monat. Auf die aktuellen Zahlen herunter gerechnet, erschaffen unsere… „Währungshüter“ in fünf Tagen so viel Geld, um die gesamte Welt-Silberproduktion aufzukaufen. Respekt!

Teilen wir doch mal die 27.300 Tonnen weltweite Silberförderung durch die 7,4 Milliarden Menschen auf dieser finanziell plattgewalzten Welt. Jeder käme rechnerisch auf einen Anteil von 2 US-Dollar pro Jahr. Stünde der Silberpreis jetzt bei 200 statt 20 US-Dollar Pro Unze, warum sollte er, blieben für jeden Erdenbürger eine Unze pro Jahr, wenn die Industrie auf ihre Hälfte verzichten würde. Klar, das sind verrückte Rechenoperationen. Aber angesichts des Wahnsinns in der Finanzwelt durchaus erlaubt.

Im letzten Jahr wurden 27.300 Tonnen gefördert: Bei einem Durchschnittskurs von 15,72 US-Dollar betrug der Gegenwert für die 876 im letzten Jahr geförderten Millionen Unzen 13,8 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Witz! Heute wären das nach einem Plus von 27 Prozent immerhin 17,4 Milliarden US-Dollar und immer noch witzig klein. 

Und was passiert gerade? Da rennt das weiße Blech seit Jahresbeginn von 13 auf 19 Euro… Man liest gar nichts davon in den Qualitätsmedien. Still ruht der See. Vielleicht muss das Blech wirklich erst viel teurer werden, bevor die Experten aufmerksam werden. Dann, wenn auch die „Hausmeinung“ in Richtung Silber dreht und man es haben muss, weil es richtig teuer geworden ist. Was heißt richtig teuer? Keine Ahnung. Aber man darf vermuten, dass Silber preislich noch einen ziemlichen Berg hoch muss. Vielleicht müssen aber erst die Zweifel in dieses Fiat-Geld steigen, bevor man aus dem Boot mit vielen Löchern umsteigt in etwas ohne Loch.

Ja, bitte machen Sie jetzt nicht den Fehler und rechnen sich reich! Sowohl das gelbe als auch das weiße Blech sind nur nette Transportvehikel von Kaufkraft aus dem einen in ein neues Geldsystem. Und machen wir uns nichts vor: Der Kampf gegen das Bargeld, die ausgelöschten Leitzinsen, Negativ-Zinsen, Gelddruckerei und die ganzen Rettungsprogramme sind kein Ausdruck von Stabilität sondern eher das Gegenteil davon. Das sind Krisen-Signale und keine Leuchtfeuer für Glück! 

Gold ist ja auch eine ganz eigenwillige Sache. Ich erspare Ihnen die Zahlen. Vielleicht reiche ich diese später nach. Über Gold wird ja einiges geschrieben. Meist nichts Gutes. In der Welt liest man von einem Fachmann von der Stiftung Finanztest, oder wie diese ehrwürdige, mit Bundesmitteln unterstütze Vereinigung heißt, dass man auf keinen Fall von seinem sicheren Geld in Gold wechseln sollte. Und während die Goldbugs Durchhalteparolen über ihr Metall verbreiten, versprühen die Fiatgeld-Bugs ihre Kampfparolen. Mal sehen, wer den intellektuellen Kampf letztlich gewinnen wird. 

Zurück zu unserer Überlegung: Wer im Mittelalter 100 Kilogramm Silber besaß, war ein gemachter Mann. Selbst im vorletzten und letzten Jahrhundert. Die Währungen kamen und gingen. Wenn sie verschwanden, waren Silber und auch Gold noch da. Dann begann ein „Bärenmarkt“ sagen die Fachleute und Lineal-Akrobaten. Mag sein. Ich bezweifle nur, dass sich unser „Geld“ in einem Bullenmarkt befand und befindet – also seine Kaufkraft steigt. Damit stehe ich ziemlich allein da, aber es ist mir auch egal. Abgerechnet wird später. Ach ja, rechnen Sie doch mal den Preis für eine Unze Silber in Euro aus, wenn es den Euro nicht mehr gibt, oder seine Kaufkraft unauffindbar geworden ist. Viel Spaß!

 

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Ein Kommentar auf "Was kostet die Welt? Oder 100 Kilo Silber?"

  1. samy sagt:

    Dumme Fragen? Wolle wir mal!

    Irgendwie müsste man hier noch die jährliche Fördermenge im Mittelalter berücksichtigen. Zum Ende des Mittelalters (15 Jahrhundert) waren es ca. 200 Tonnen jährlich.
    https://www.goldsilbershop.de/gold-silber-foerderung.html
    Wollen wir sagen, dass im Durchschnitt im Mittelalter (6-15 Jahrhundert) 100 Tonnen gefördert wurden? Wäre eine optimistische Schätzung. Gerade einmal etwas mehr als 0,5% der heutigen Förderung. Und wie viel Einwohner hatte Europa? Oder Deutschland? Oder Frankfurt? Was bedeutet dies für das Angebot an Silber pro Nase? Wollen wir sagen das es im Mittelalter ca. 10 Millionen Menschen im heiligen Reich römisch deutscher Nationen gab? Silber war damit pro Nase vergleichsweise knapper. http://www.heiliges-römisches-reich.de/bevoelkerung.html
    Gut für den mittelalterlichen Frankfurter mit seinen 100 kg. Und wie wirkten sich Pest, Kreuzzüge oder etwas später der 30-Jährige Krieg aus? Die Preise für ein Laib Brot dürften gestiegen sein, da die Produktivität der Volkswirtschaften schneller sank als die sinkende Nachfrage durch sterbende Frankfurter. Silber inflationierte. Schlecht für den Frankfurter!
    Wahrscheinlich wurde zu Zeiten der Feudalherrschaft auch sehr misstrauisch der Handel mit Silber reglementiert, da offizielles Zahlungsmittel. Damals dürften hier die „Kapitalverkehrskontrollen“ bei einem Grenzübergang gegriffen haben. Flöße zu viel Silber aus einer Volkswirtschaft ab (also damals jeder bunte Fleck auf der Landkarte des heiligen Reiches römisch deutscher Nationen http://www.heiliges-römisches-reich.de/HeiligesRoemischesReich1250.jpg) gab es Deflation. Gut für den Frankfurter, wenn er erst einmal auf 100 kg saß.

    Tja, und überhaupt … wieviele Kokosnüsse -oder alternativ Silber in Unzen- konnte eine mittelalterliche Schwalbe von Frankfurt nach Berlin (Non-Stop) … Papiergeld ist für für den grenzübergreifenden Zahlungsverkehr daher viel praktischer … https://www.youtube.com/watch?v=yttep8CFcrc

    🙂

    Samy

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