Was jetzt den Goldpreis bewegt

20. April 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Am Freitag fand ich auf der Internetseite faz.net einen Beitrag des technischen Analysten Wieland Staud von Staud Research mit dem Titel „Der Goldpreis wird weiter fallen“. Die Begründung: „Die Dynamik nach unten ist deutlich größer als die nach oben, richtig wichtige Unterstützungen wie die bei 1540 Dollar werden ohne viel Federlesen pulverisiert…

…und last, but not least zieht sich ein Aufwärtstrend nach dem anderen in die ewigen Jagdgründe zurück.“ Dazu das Fazit für die nächsten Monate: „Mein neues Kursziel lautet ab sofort auf Kurse zwischen 1160 Dollar und 990 Dollar.“

Falls Sie Gold besitzen, sollten Sie jetzt nicht in Angst und Schrecken verfallen, sondern erst die folgende Prognose desselben Autors in der November/Dezember-Ausgabe 2012 des Anlage-Magazins der Deutschen Bank lesen: „Der Goldchart ist im Sommer aus einem den Aufwärtstrend bestätigenden ‚Dreieck‘ ausgebrochen. Er wird diesen Weg fortrsetzen. Nach der Überwindung des erreichten Widerstands bei 1790 Dollar stehen Kurse um 1900 Dollar auf der Tagesordnung. Wahrscheinlich wird aber auch das noch nicht das Ende sein.“

Die extreme Bandbreite des Goldpreises zwischen der Prognose von 990 Dollar aus faz.net vom Freitag und 1900 Dollar aus dem Anlage-Magazin der Deutschen Bank nur wenige Monate zuvor verdeutlicht einmal mehr, wie problematisch die technische Analyse ist, wenn sie sich mit einem dafür untauglichen Objekt beschäftigt, wie in diesem Fall mit dem Gold. Dessen Preis dürfte vor einer Woche schlichtweg aufgrund einer Mischung aus massiven Gewinnmitnahmen, Stoploss-Aufträgen, Fehlspekulationen, Margin calls, Zwangsverkäufen und Manipulationen gefallen sein. Seine anschließende Erholung ist wohl in erster Linie auf Käufe von Schnäppchenjägern zurückzuführen.

Dass von denen die meisten aus Asien stammen, dafür gibt es viele Anhaltspunkte. Dazu hier nur so viel: Allein die chinesischen Goldeinfuhren über Hongkong beliefen sich 2012, also sogar schon lange vor dem jüngsten Preissturz, auf 835 Tonnen, wie einer von Jan Kneist für goldseiten.de zitierten Studie zu entnehmen ist. Zum Vergleich: Die offiziellen Goldreserven Chinas machen laut World Gold Council 1054 Tonnen aus, also gar nicht so viel mehr, die Goldreserven Japans liegen mit 765 Tonnen sogar unter den Hongkong-Einfuhren eines einzigen Jahres.

Was diese betrifft, kommt Kneist zu einem interessanten Fazit: „Rechnet man dazu noch die großen indischen Importe von 200 bis 300 Tonnen pro Quartal sowie einige Zentralbankkäufe, dann wird klar, dass allein damit fast die weltweite Minenproduktion absorbiert wird.“ Wobei die großen Edelmetallkonzerne – die meisten mittleren und kleinen sowieso – aufgrund des Goldpreisrückgangs in naher Zukunft noch weniger als bisher geneigt sein werden, neue Minen zu erschließen.

Lässt man das alles Revue passieren, drängen sich gleich mehrere Fragen auf: Wenn schon die hier erwähnten fundamentalen Faktoren so positiv sind, woher haben dann die Anti-Gold-Spekulanten zuletzt den Mut genommen, an nur zwei Tagen erfolgreich gegen das Edelmetall zu spekulieren? Inwiefern haben ihnen technische Faktoren, wie Stoploss-Aufträge und Zwangsverkäufe, dabei geholfen? Wer oder welche Institution hat diese verursacht? Wie viel Manipulation ist im Spiel? Haben große amerikanische Investmentbanken zugunsten des Dollars vaterländisch interveniert, indem sie beim Gold, das als Anti-Dollar gilt, genau zu einem für sie günstigen, durch negative Goldpreisprognosen mit beeinflussten Zeitpunkt short gegangen sind? Ist der Goldmarkt jetzt bereinigt, oder kommt es zu einer weiteren Verkaufswelle?

Erwarten Sie substanzielle Antworten auf die meisten von diesen Fragen erst in den kommenden Monaten. Manche Fragen werden sogar nie zu beantworten sein, weil zum Beispiel Investmentbanken viel zu abgezockt sind, um all ihre Geheimnisse preiszugeben, und weil das nachträgliche Verfolgen einer Unmenge von Kauf- und Verkaufsaufträgen während der heißen Phase des Preissturzes viel zu zeitaufwendig ist.

Was geradezu nach Aufklärung schreit, ist indes die Intervention der Investmentbank Merrill Lynch, einer Tochter der Bank of America, am Freitag vor einer Woche: Zur Eröffnung des Terminmarktes in New York mal eben 100 Tonnen Gold auf den Markt geworfen, das kann nur „unter besonderen Umständen“ zugegangen sein… (Seite 2)

 

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6 Kommentare auf "Was jetzt den Goldpreis bewegt"

  1. cubus53 sagt:

    Ich verstehe nicht viel von ETF, COT und Co, nur eines ist mir letzte Zeit klar geworden. Der Goldmarkt ist ein relativ kleiner Markt. Ein Experte hat das Handelsvolumen am Goldmarkt mit einer einzigen Aktie (z.B. BASF) gleich gesetzt. Da wird klar, dass sich Käufe / Verkäufe hebelartig auf den aktuellen Preis auswirken.

    Folgender Effekt kommt hinzu : früher wurde Gold nur physisch gehandelt. Das war schon fast so etwas wie eine Immobilie. Heute kann mit Gold long / short gehen. Der Goldpreis ist damit Hebelgeschäften unterworfen.

    Diesen „Zockereffekt“ kann man auch am Aktienmarkt beobachten. Heute ist es keine Seltenheit mehr, dass selbst Baldrian-Werte wie z.B. RWE heftigen Stosswellen ausgesetzt sind. Aber doch nur deshalb, weil sich die Zocker gerade die Nase blutig traden.

    Seitdem ich das verstanden habe, sind mir die kurzfristigen Bewegungen am Goldmarkt egal. Die Zocker sollen ruhig weiter zocken. Und wenn es die Shorties gerade wieder mal übertreiben, stocke ich seelenruhig meine Goldbestände auf.

    In diesem Sinne ein Dank an alle Zocker dieser Welt.

  2. neuheide sagt:

    Ich denke,das ein grossteil der in physischem Gold investierten Privatkäufer weder ahnung von Derivaten,ETF´s,COMEX etc. verstehen.

    Noch interresiert sie der manipulierte in Euro oder Dollar festgesetzte momentane Wert.
    Da sie…
    ob bei uns in China,Indien,Russland,oder dem Rest der Welt ausserhalb des us/israelisch/britischen Imperiums.
    Dem System nicht mehr Vertrauen.
    Sie setzen ihre Zukunft,ihre Altersvorsorge auf Edelmetalle der seit Jahrtausenden,ein Synonym auf Werthaltigkeit/Beständigkeit ist.

    Warum sollte sich da ein Goldesitzer Gedanken darüber machen,welchen Gegenwert er Aktuell in kollabierenden Währungen dafür bekommt?

    Wäre es nicht eher Aufgabe des Mainstreams,die Eigentümer von Kapitallebensversicherungen,Fondssparplänen…“Riestersparfüchsen“ darauf hinzuweisen.
    Das…deren Altersvorsorge im begriff ist sich in Luft aufzulösen?

    Das deren Ersparnisse wie eine bis zum bersten gemässtete Gans vor den Schlachtern der EU oder Bundestagsabnickern liegen?

    Der grösste Betrug/Raubzug der Geschichte,geht begleitet von einer beispiellos korrumpierten Medienberichterstattung einher.

  3. crunchy sagt:

    Schier kirre werden aktuell die Anleger, die etwas mehr als € 100.000,- auf dem Konto haben. Kleinanleger, die gemerkt haben, dass am Immobilienmarkt nichts mehr zu holen ist. Kleinunternehmer, die auf den Spruch: „Keine Sorge – Volksfürsorge“ mit Kapitallebensversicherungen gesetzt haben, die diese in Bankpapieren und Süd€Länderbonds, mangels Rendite in Deutschland, investiert haben.

    Es kommt, wie es kommen musste.

    Got Gold/Kleingold(Silber)?

    Aktuell gibt es eine Entwicklung, die das Ende ohne Schrecken verkürzen könnte: €-kritische Parteien. In DE macht sich da eine seriöse auf ins Wahlgetöse: Die Alternative für Deutschland. Ihr wird von den Gewählten vorgeworfen, dass das €-Ende eine sofortige Abrechnung für Deutschland bedeutete. Was sagt Egan-Jones dazu?
    So, oder so: 350 Milliarden €uro müssen ausgebucht werden. Nun frage ich mich welche €uro, wenn ich Gold und Silber habe?

    • FDominicus sagt:

      „Schier kirre werden aktuell die Anleger, die etwas mehr als € 100.000,- auf dem Konto haben. “

      Ich denke damit haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Wenn einem auf einmal droht etwas was Ihnen gehört, gehört morgen Betrügern ist das sicher zum „kirre“ werden…

      • Avantgarde sagt:

        🙂 Tja…

        So ist es halt wenn man sein Geld gerne in Island oder Zypern anlegt.

        Oder neuerdings auch in Lettland oder Estland zu Traumzinsen.
        Ob die beiden Länder selbst bei bestem Willen in der Lage wären für die Euroschulden einzustehen??

        Und selbst die Schweiz…
        Wackelt die UBS oder Credit Suisse möchte ich doch mal sehen wie dieses kleine Land das schaffen will.

        Mit 25% Verlust wäre man da vermutlich königlich bedient.
        🙂

        Wer sein Kreditgeld die letzten Monate aufgelöst und für ca. 1800 Dollar in Gold angelegt hatte dem fehlt nun ganz plötzlich ein Gegenwert von um die 20-25% – inclusive weiter drohender Verluste.
        Vorsicht also wenn man selbst vielleicht im Glashaus sitzt.
        Eine Simplifizierung der Dinge halte ich nicht für zulässig.


        Das verschwundene Kreditgeld gehört übrigens niemand anderem – es ist einfach schlicht weg.
        Es ist der Betrag den die Bewohner Zyperns jetzt nicht für die Vermögenden Russischen Oligarchen oder Britische Millionäre abarbeiten müssen.

  4. EuroTanic sagt:

    Mir persönlich ist es völlig wurscht, wo der Goldpreis in Euro oder Dollar oder sonstwo liegt. Eine Unze Gold ist und bleibt eine Unze Gold. Dito Silber. Wobei ich mit Silber noch industriell was anfangen kann. Mit einem goldenen Ring kann ich jede Frau beglücken. Die holde Weiblichkeit hatte wirtschaftsevolutionär schon immmer den richtigen Riecher. LOL

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