Was ist mit dem 21. Jahrhundert nur schiefgelaufen?

22. August 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Das 21. Jahrhundert war bislang ein echter Blindgänger – in praktisch jeder Hinsicht. Obwohl wir mehr neue Technologien haben als je zuvor… mehr Ärzte… mehr Forscher… mehr Patente… mehr Menschen, die die Dinge ernsthaft voranbringen möchten …

Und obwohl wir mehr „Impulse“ von der US-Notenbank (3,6 Billionen Dollar) bekommen als je zuvor in der Geschichte … sind die US-BIP-Wachstumsraten nur halb so hoch wie im letzten Jahrhundert. Und die Haushaltseinkommen sind gleichgeblieben, wenn man die Inflation berücksichtigt.

Bei einigen Berechnungen – die nicht-manipulierte Inflations-Zahlen verwenden – ist das Wachstum für das ganze 21. Jahrhundert sogar negativ. Inzwischen gibt es mehr Menschen, die hinter dem Tresen stehen oder kellnern … und weniger Menschen mit full-time Jobs, von denen sie auch leben können.

Die politische und gesellschaftliche Entwicklung sind ähnliche Blindgänger – einschließlich des längsten, verlustreichsten Krieges in der US-Geschichte … der größten Regierungs-Defizite … des vulgärsten öffentlichen Lebens … des geringsten persönlichen Freiraums … und, in unserer Heimatstadt Baltimore, einer Rekord-Mordrate.

Was ist schiefgelaufen? Hier eine Hypothese. Sie nennt drei Gründe, die alle drei durch ein einziges gemeinsames Element verbunden sind: der Zeit.

Elastisches Maßband

Erstens haben wir kein echtes Geld mehr. Wir haben einen “gefälschten” Dollar seit 1971, als Präsident Nixon die Goldbindung des Dollars aufhob. Diese gefälschten Dollars haben keine Verbindung mehr zur Zeit. Sie sind uneingeschränkt verfügbar und von der realen Welt abgekoppelt. Wie ein elastisches Maßband. Es gibt keine Möglichkeit, ihren Wert ehrlich oder genau zu messen. Also verschwenden Fehler Zeit und Ressourcen.

Einige Beispiele: Es entstanden viel zu große Einkaufszentren, weil sich Einzelhändler mit billigen Krediten vergrößerten, um Produkte zu verkaufen, die sich die Verbraucher nicht leisten konnten.

An der Wall Street nahmen Private-Equity-Gauner und Unternehmensinsider hohe Kredite zu extrem niedrigen Preisen auf… zahlten sich selbst hohe Boni … und verließen ihre Firmen, bevor sie pleitegingen (Sears… Payless).

Die Regierung ist nun für die nächsten zehn Jahre mit einem durchschnittlichen Defizit von einer Billion Dollar pro Jahr konfrontiert. Was mit echtem Geld nicht zu finanzieren gewesen wäre.

Zweitens haben wir zu viele Schulden.

Wenn man eine fast unendliche Menge an „Geld“ leihen kann … zu lächerlich niedrigen Preisen …, dann hat man am Ende viel mehr Schulden. Schulden sind eine Belastung, die die Vergangenheit der Zukunft auferlegt. Je höher die Belastung wird, umso schwerer ist es, vorwärts zu kommen.

Drittens verschwenden wir zu viel Zeit.

Nach 20 Jahren Internet – mit all den Trump-Tweets und Facebook-Pfeifen – sehen wir, dass es schädlich ist. Zumindest für das Wirtschaftswachstum. Der Normalbürger verbringt jetzt 5,6 Stunden pro Tag mit digitalen Medien. (Zusätzlich zu den fünf Stunden, die er vor dem Fernseher verbringt!)

Lernt er dort, wie er seine Produktivität steigert? Verbessert er seine Maurer-Fähigkeiten? Studiert er Altgriechisch oder verbessert seine Mathe-Kenntnisse? Nein, er ist auf einer Porno-Website. Oder bei einem politischen Hass-Post auf Twitter. Und kostbare Zeit vergeht.

Die ultimative Einschränkung

„Falschgeld“ bringt Menschen dazu, Zeit und Geld zu verschwenden. Die Politik der Zentralbank macht Sparen durch Senkung der Zinssätze unattraktiv… Anstatt für die Zukunft zu sparen, werden Ressourcen heute verbraucht. Diese Fehler summieren sich als Schulden… die die Menschen zwingen, mehr Zeit mit der Wiedergutmachung der Fehler der Vergangenheit zu verbringen.

Unterdessen gibt das Internet den Menschen eine neue Möglichkeit, Zeit zu verschwenden. Zuhause. Bei der Arbeit. Menschen verbringen ihre kostbare Zeit mit Ablenkungen und Unterhaltung. Dadurch gibt es weniger Leute, die die eigentliche Arbeit machen, die für Fortschritt nötig ist – für die Zukunft zu sparen, zu investieren und zu arbeiten.

Zeit ist immer die ultimative Einschränkung. Sie können eine Ressource durch eine andere ersetzen. Sie können von Öl auf Solar wechseln … oder von Kupfer auf Aluminium. Aber Zeit können Sie nicht eintauschen. Es gibt nichts Vergleichbares.
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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Ein Kommentar auf "Was ist mit dem 21. Jahrhundert nur schiefgelaufen?"

  1. beko sagt:

    Falschgeld puscht auch die Gier des immer mehr „Habenwollens“, koste es, was es wolle. Und es steht nicht zu erwarten, dass Finanzmärkte künftig vom Minimalismus heimgesucht werden. Im Gegenteil, Kauf von Staatsanleihen, ABS-Papieren, EZB-Bilanzaufblähung … voraus! Im Verlauf der von der Lehmann-Pleite vor fast 10 Jahren ausgelösten Schockwellen habe ich mich öfters gefragt, ob und wie Investmentbanker beim Design cleverer (Un)Wertpapiere über ihr Handeln und die Konsequenzen für viele Anleger reflektieren, kurz: Wie ihre Denke ist. Da ich keinen dieser Banker persönlich kenne, habe ich das mal im folgenden imaginiert 😉

    DER BANKEN-CLOU

    Banker Goldi die Sorge drückte
    Als auf’s Portfolio er blickte:
    „Hypothekarkredite en masse! –
    Ausgereicht an boomenden Tagen,
    Ohne nach Bonität zu fragen!
    Kredite gab es für Kunz und Hinz,
    Die schon bald schuldig bleiben den Zins.
    Ein Plan muss her, der verhindert
    Dass Ausfall den Profit uns mindert!“
    Freitag Abends bei einem Glas Tee
    Hatte Goldi die geile Idee:
    Kredite füglich zu verbriefern,
    Damit flugs den Markt zu beliefern
    Und zwar unverzüglich und ganz flott,
    denn bald schon werden die Briefe Schrott.

    „Dies’ Handeln bringt uns dreifach Segen:
    Erstens sind wir los das Risiko,
    Denn dieses waltet dann anderswo.
    Auch ergattern wir mit dem Beginn
    ’nen leicht verdienten Zusatzgewinn.
    Und profitier’n noch auf jeden Fall
    Mit forschen Wetten auf Kursverfall.“

    Diese Idee stimmte Goldi heiter
    und lächelnd überlegte er weiter:
    „Der Coup ist clever vorzubereiten,
    Mit einem Top-Rating einzuleiten.
    Es muss Vertrauen generieren,
    Dass Käufer sich nicht lange zieren.
    Ein Rating, das die Märkte beseelt
    Und das Wesen des Deals gut verhehlt.“

    Selbstredend war dem Cleverle klar,
    Dass das nicht ohne Geschmäckle war.
    Doch Goldi gab hier nichts verloren
    Schließlich hat es sich sehr oft gezeigt
    Dass die honorigen Censoren
    Den Wünschen der Bank sehr zugeneigt.
    Das um so mehr wenn ganz offenbar
    Am delikaten Investgeschäft
    Auch für sie viel zu verdienen war.

    Nach letzter Prüfung seiner Gedanken
    Hat Goldi sich kichernd eingestanden
    Dass sein Projekt eigentlich nicht fein
    Ja, dass es geradezu gemein:
    „Bedenkt man es recht, so verkaufen wir
    Vage Versprechen auf teurem Papier!“

    Doch rasch hat Goldi die Grillen verjagt
    Damit sein Gewissen nicht länger plagt
    Und stört seines Strebens zwiefachen Sinn
    Nämlich Machtzuwachs und Surplus-Gewinn.

    Goldis Credo macht offenbar
    Dass er ein Feingeist ganz und gar:
    „Imperien, Reichtum und Wirtschaftskraft
    Werden nicht dadurch vorangebracht
    Dass sich die handelnden Eliten
    In puncto Tugend überbieten.
    Der Erfolg ist es, der die Macher adelt
    Flüchtige Moral wird selten getadelt.
    Auch die Politik zeigt allemal
    dass Wahrhaftigkeit nicht erste Wahl.“

    So quasi weltanschaulich gestärkt,
    Machte sich Goldi energisch ans Werk.
    Sein Plan gelang, gekauft wurde weltweit.
    Darob strahlte der Beau, sehr hell und breit.
    Beschwingt ließ er sich an jenen Tagen
    die Margenentwicklung wohl behagen.

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