Was ist denn nun wirklich wahr?

12. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Es ist eigentlich nicht überraschend, wie sehr sich nun täglich die „Fakten“ um die Ereignisse in Köln an Silvester verändern. Die Medien wissen täglich neues, vor allem aber anderes zu berichten. So erinnere ich mich, dass es vor wenigen Tagen hieß, man habe bei der Kölner Polizei zusätzliche Kräfte bei der Bundespolizei angefordert, aber weit weniger erhalten als gewünscht. Heute hieß es seitens der Leitstelle der Polizei in NRW, man habe Zusatzkräfte angeboten, die seien aber nicht abgerufen worden. Wobei es einmal um Bundespolizei geht, zum anderen um die Landespolizei. Was genau nun Sache war, sprich wer wann wo und warum wie viele Polizisten gebraucht oder nicht gebraucht, bekommen oder nicht bekommen hat: Es bleibt höchst diffus. Und natürlich gilt das für die gesamte Problematik. Hat die Polizei vor Ort nun getan, was sie konnte? Oder sind Vorwürfe berechtigt? Und wer macht diese Vorwürfe eigentlich? Welche Rolle spielte der Kölner Polizeipräsident: War er ein Bauernopfer oder wirklich „schuld“? Hat man nun Informationen zurückgehalten, diese umformuliert oder haben es die Medien nicht verstanden, die Fakten klar strukturiert zusammenzutragen, auszuwerten und weiterzugeben?

Hier bleiben nicht einige Fragen offen. Wenn man es genau nimmt, bleiben alle Fragen offen. Doch dennoch entsteht ein Bild bei den Bürgern. Man bildet sich Meinungen … oder besser: Die Berichterstattung ist dergestalt, dass sich längst gefasste Ansichten verhärten. Wer schon immer gegen die Polizei geschimpft hat, hat nun weitere Argumente dafür. Wer Ausländer für alles Übel im Lande verantwortlich macht, sieht sich bestätigt. Und wer grundsätzlich gegen alle ist, die entweder die eine oder andere Meinung vertreten, hat ebenfalls neue Nahrung für seine Einstellung erhalten. Was bleibt ist ein Problem, das zu leicht in sinnfreien Debatten zerredet wird, während der Kölner Karneval immer näher rückt.

Was das mit der Börse zu tun hat? Alles! Wir wechseln einfach nur die Begriffe aus … und noch einmal von vorn:

Es ist eigentlich nicht überraschend, wie sehr sich nun täglich die „Fakten“ um den Kurseinbruch zu Jahresbeginn verändern. Die Medien wissen täglich neues, vor allem aber anderes zu berichten. So erinnere ich mich, dass vor wenigen Tagen noch Analysten gewarnt haben, in fallende Kurse hinein einzusteigen. Heute, bei einem ausnahmsweise steigenden DAX, hört man sofort wieder bullishe Stimmen, die von „buy on dips“ tönen. Was genau nun Sache ist, ob man also laut der Experten nun kaufen oder verkaufen soll: Es bleibt höchst diffus. Und natürlich gilt das für die gesamte Problematik. Kippen wir nun in eine Rezession oder bleibt das Wachstum erhalten? Ist China nun in Wahrheit schon am Rand einer Rezession oder kann man den dortigen Daten einigermaßen trauen? Wird uns, und wenn ja, von welcher Seite, etwas vorgemacht? Oder haben es die Medien nicht verstanden, die Fakten klar strukturiert zusammenzutragen, auszuwerten und weiterzugeben?

Hier bleiben nicht einige Fragen offen. Wenn man es genau nimmt, bleiben alle Fragen offen. Doch dennoch entsteht ein Bild bei den Anlegern. Man bildet sich Meinungen … oder besser: Die Berichterstattung ist dergestalt, dass sich längst gefasste Ansichten verhärten. Wer schon immer wusste, dass diese Hausse in einer Katstrophe enden würde, hat nun weitere Argumente dafür. Wer glaubt, dass Rücksetzer immer eine perfekte Einstiegschance sind, sieht sich bestätigt. Was bleibt ist ein Aktienmarkt, der von desorientierten Akteuren in immense Schwankungen versetzt wird, während der Verfalltermin an der Terminbörse (15.1.) ebenso wie die EZB-Sitzung (21.1.) immer näher rücken.

Es ist ein Problem unserer Zeit: Medien filtern Informationen. Und niemand kann erkennen, ob und was da nun gezielt oder auch ungewollt eingefärbt ist. Am Ende sehen und hören wir viel, erfahren aber herzlich wenig. Dennoch bilden wir uns Meinungen, die immer starrer werden, weil man immer und immer wieder seine Bestätigung bekommt. Wenn man hört, sieht und liest, was einem nicht ins Bild passt, schaltet man einfach um oder klickt eine andere Seite an: Da findet man dann schon, was man hören will.

Wir glauben, Bescheid zu wissen, weil wir nicht bemerken, dass uns ein Teil der Informationen fehlt. Es sieht alles schlüssig und komplett aus. Und nur, wer manchmal innehält und sich hinterfragt, bemerkt: Die Vielfalt der Informationen, die wir alle nicht überprüfen können, führt dazu, dass wir uns selbst manipulieren. Und das ist, gerade was den Aktienmarkt angeht, eine womöglich noch größere Gefahr als die in der Tat düsteren Rahmenbedingungen, denn die Konsequenz ist, dass Bullen nicht aussteigen, wo es eigentlich offensichtlich wäre .. dass Bären nicht eindecken, wo es dringend geboten wäre … und dass so wieder einmal die wichtigste Regel an der Börse über Bord geht, indem man Gewinne begrenzt und Verluste laufen lässt, statt andersherum.

Mit besten Grüßen
Ronald Gehrt – www.baden-boerse.de

 

Ein Kommentar auf "Was ist denn nun wirklich wahr?"

  1. Gallus sagt:

    Gratulation , Herr Gehrt !

    sie beschreiben perfekt NLP ( neurolinguistische Programmierung )

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