Was den Goldpreis bewegen wird

28. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Manfred Gburek

Die Preise von Gold und Silber haben auf die vorläufige sogenannte „Euro-Rettung“ fast gar nicht reagiert. Das mag der eine oder andere Edelmetallfan bedauerlich finden, zumal die europäischen Aktienkurse unter Führung der Bankaktien wenigstens für einen Tag in die Höhe schossen und damit zu suggerieren schienen, nun sei alles bestens. Doch man kann die jüngste Entwicklung auch anders betrachten…

Stünde wirklich alles zum Besten, hätte der Goldpreis einbrechen müssen, weil Gold ja zu einem erheblichen Teil die Funktion als sicherer Hafen ausübt, die sich dann erübrigen würde. Von einem solchen Einbruch ist nichts zu sehen, insofern kann die mangelnde Preisreaktion sogar als positives Signal für die Edelmetalle gewertet werden – zumal Minenaktien, die Sie gerade jetzt unbedingt weiter halten sollten, große Kurssprünge nach oben vollziehen.

Die Beschlüsse von Brüssel sind „eine Mischung aus Verträgen, Wünschen und Absichtserklärungen“, habe ich in meiner Kolumne bei wiwo.de geschrieben. Schon einen Tag später hat das Bundesverfassungsgericht das Verfahren der deutschen Nothilfe zugunsten des Euro-Rettungsfonds für vorläufig nicht anwendbar erklärt. Die obersten Richter begründen ihren Beschluss im Wesentlichen mit den Entscheidungsrechten des Bundestages, die nicht von einem aus nur neun Personen bestehenden Sondergremium wahrgenommen werden dürfen.

Jetzt braucht man sich nur vorzustellen, was noch alles von griechischen, italienischen und sonstigen obersten Richtern oder Politikern im Euro-Raum entschieden werden könnte. Vor allem Italien dürfte da ein Wackelkandidat sein. Denn das dem Land verordnete Sparprogramm wird verschiedene parlamentarische und außerparlamentarische Gremien durchlaufen müssen. Dann wird sich zeigen, wie viel die Versprechen, die man Silvio Berlusconi in Brüssel abgerungen hat, wirklich wert sind.

Erst im Lauf der kommenden Monate dürfte bekannt werden, ob die Brüsseler Beschlüsse vertragsfest sind oder ob es in erster Linie um Wünsche und Absichtserklärungen geht. Viel hängt ausgerechnet von China ab. Und wer schon einmal erlebt hat, wie Chinesen verhandeln, wenn gravierende Entscheidungen zur Debatte stehen, weiß ihre taktische Zeitschinderei zu fürchten. Wer, wie in diesem Fall die Euro-Zone, als Bittsteller auftritt, muss sich auf schier endlose Verhandlungsrunden gefasst machen, die erst einmal keine befriedigenden Ergebnisse mit sich bringen. Deutsche Konzernbosse wie Heinrich Weiss vom Anlagenbauer SMS wissen ein Lied davon zu singen. Die chinesische Regierung wird jedenfalls in allem viel mehr Mitsprache einfordern, als die Europäer sich das zurzeit noch vorstellen – bis zum Vorschlag, gemeinsam mit dem Euro-Block gegen die Vorherrschaft des Dollars bei den Währungsreserven vorzugehen. Es wird also richtig spannend.

Zusätzliche Spannung ergibt sich daraus, dass in China „ein sehr fragwürdiger Untergrund-Darlehensmarkt“ entstanden ist, wie der mit seinem Büro in Hongkong residierende Anlageprofi Marc Faber zu berichten weiß: Kreditvermittler garantieren der Regierung 5 Prozent Rendite und kassieren von Bauherren, die für Banken nicht mehr kreditwürdig sind, 10 Prozent Zinsen. Dass so etwas schief gehen muss, haben die USA mit ihrer vor vier Jahren ausgebrochenen „Subprime“-Krise erlebt. Aber wann es in China so weit sein wird, lässt sich kaum vorhersagen. Jedenfalls stecken hohe spekulative Kredite nicht nur in chinesischen Metropolen, wo sie sich vielleicht gerade noch rechtfertigen lassen, sondern auch in unwirtlichen Satellitenstädten mit hohem Leerstand.

Da drängt sich die Frage auf: In welchem Umfang werden Chinesen, die sich verspekulieren, später ihr Gold verkaufen, um liquide zu bleiben? Oder anders gefragt: Wird die chinesische Zentralbank mithilfe der Regierung ihren Landsleuten das Gold zum dann gängigen Marktpreis abkaufen? Beide Fragen sind heute noch nicht zu beantworten. Allerdings werden die Chinesen auf jeden Fall ihre Affinität zum Gold beibehalten. Und solange der Realzins (Nominalzins abzüglich Inflationsrate) in China wegen der, realistisch gemessen, zweistelligen Inflationsrate negativ bleibt, wird sich daran nichts ändern. Nur sollten Sie in nächster Zeit Informationen aus und über China zunehmend beachten und am besten auch dorthin reisen, um sich zumindest einen groben Überblick über das Land zu verschaffen… (Seite 2)


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5 Kommentare auf "Was den Goldpreis bewegen wird"

  1. konnt_ja_keiner_ahnen sagt:

    Silber?

  2. Thomas sagt:

    Ha, Haha,
    Goldstandard?, und das als Überlegung von Gauweiler, und eine Bezugnahme von Herrn Gburek.
    „Dieses barbarische Relikt aus der Vergangenheit“ können wir doch nicht ernsthaft wieder einführen (oder irgendwann mal wollen). Denkt nur mal an unseren Wohlstand der durch das Fiat-System geschaffen wurde. Ohne das wären wir doch alle aufgeschmissen.

    Oh ja ich erinnere mich noch an Worte und Diskussionen, die ich über einen möglicherweise „neuen Goldstandard“ geführt hatte. Das Lustige ist nur, das dieses Thema „Goldstandard“ immer mehr an Fahrt gewinnt( und wahrscheinlich auch gewinnen wird).

    Wohl wissend das solch ein System nicht den Kern der Probleme erfasst, sondern allenfalls nur tangiert.

  3. Marcus sagt:

    Die Überlegungen von Gburek sind meistens ganz interessant und bringen immer 1-2 gute Gedanken. Heute – wenn es in China zum Immobilien Crash kommt ( und der kommt), wird ein Teil des Goldes der Chinesen verkauft. bei den grossen Mengen kann das dann richtig reinhauen. Da müssen wir alle aufpassen und uns rechtzeitig absichern.

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