Was daraus wurde: Spekulanten oder Wassermangel? (Teil 2)

25. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Auch in China wachsen die Sorgen um die Versorgung der Bevölkerung. Die voranschreitende Versiegelung von Flächen und eine brachiale Industrialisierung mit allen ökologischen Nebenwirkungen führte zu wachsenden Abhängigkeiten…

Erze kann man über Jahre nach China schiffen und auf Halde liegen lassen, bis man sie benötigt. Mit Mais geht das nicht, so dass auch die Verträge mit ausländischen Farmern zwar von der Grundidee clever sind, im Notfall aber nichts bringen werden. Wenn weltweit das Getreide knapp wird, wird das Vertragsrecht sicher von der einen oder anderen Partei etwas lockerer gesehen.

Bei den Sojabohnen ist die Entwicklung von Erträgen und Verbrauch ebenso faszinierend wie erschreckend.

In nur 15 Jahren wurde aus einem Selbstversorger mit Sojabohnen ein Land, das rund 75% der benötigten Hülsenfrüchte aus dem Ausland einführen muss. Auch bei anderen Getreidearten ist China schon Nettoimporteur geworden oder ist auf dem besten Wege dahin. Wie weit lässt sich dieser Bogen spannen?

Derweil sind die Weizenlager weltweit nicht mehr so üppig gefüllt wie das noch vor einigen Jahren der Fall war. Die Annahme, die Preise stiegen einfach nur so aus Spaß, greift deutlich zu kurz. So schön an den nachwachsenden Rohstoffen die schlichte Tatsache ist, dass sie eben Jahr für Jahr nachwachsen, so schwierig ist eine dauerhafte Lagerung nennenswerter Mengen. Erze können – genügend Platz vorausgesetzt – quasi unbegrenzte Zeit vorgehalten werden ohne Qualitätseinbussen oder gar einen Totalverlust befürchten zu müssen. Bei Mais, Weizen, Reis und Co sieht das schon anders aus. Die aktuellen Lagerbestände umfassen in der globalen Betrachtung derzeit einen Vorrat von 60 Tagesrationen. Wie die Qualität dieser Reserven ist, und ob diese Zahl zu optimistisch ist, lässt sich schwer beurteilen. Sollte allerdings ein ernster Zugriff auf die Reserven erfolgen, so werden sich die Preise am Weltmarkt nicht auf Grund irgendwelcher Spekulanten bewegen, sondern schlicht weil es zu einem Kampf um knappe Ressourcen kommt.

Beim Anblick auf den oben dargestellten Chart möchten wir uns eine Dürre in den Hauptanbaugebieten in den USA oder auch eine gefährliche Pflanzenkrankheit nicht vorstellen. Schon ein einziges Jahr mit einer deutlich reduzierten Ernte würde für üble Verwerfungen sorgen – sowohl preislich als auch politisch.

Die wachsende weltweite Konkurrenz ist bei Agrargütern untrennbar mit den Anbauflächen verbunden. Das Endprodukt ist transportabel, der Acker ist es nicht. Als Argument, warum die künftige Versorgung der Weltbevölkerung unproblematisch sein sollte, ist die stetig steigende Rendite, also der Ertrag pro Hektar. Wir halten es für fraglich, ob sich eine historische Steigerung der Erträge einfach in die Zukunft übertragen lässt. Die Erträge beim Weizen sind laut UN Ernährungsbehörde zwischen 1992 und 2002 weltweit um jährlich 1,1% angestiegen. Positive Beiträge resultieren aus verbesserten Anbautechniken, Einsatz von Maschinen und einer Optimierung des Düngereinsatzes. Negative Faktoren sind unter anderem eine Verschlechterung der Bodenqualität… (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Was daraus wurde: Spekulanten oder Wassermangel? (Teil 2)"

  1. Zaubrberg sagt:

    Sehr gute Artikel liebe Bankhaus.
    Sie zeigen das es SO einfach gar nicht ist, wie uns anderswo vermittelt wird.
    Auf die Spekulanten wird drauf gehauen, dabei von den wahren Problemen abgelenkt.

    Schon die Aussage Nahrungsmittel seien teuer stimmt nicht wenn man inflationsbereinigt die Preise betrachtet.

  2. Zaubrberg sagt:

    Tatsächlich wird für die Fleischproduktion mehr Fläche benötigt.
    Aus 3kg Getreide (Weizen Gerste Soja) wird 1kg Schweinefleisch und aus 7kg Getreide 1kg Rindfleisch.
    Allerdings ist 1kg Fleisch schon gehaltvoller als 1kg Getreide, gleichsetzen kann man das nicht.
    Ausserdem gibt es Gebiete da wachsen nun mal weder Getreide noch Gemüse sondern nur Gras. Diese Nährstoffe können nur Tiere verwerten…

  3. Johannes sagt:

    Wie gewohnt, äusserst interessant und aufschlussreich.

    Vielen Dank, Bankhaus. 🙂

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