Was daraus wurde: Spekulanten oder Wassermangel? (Teil 1)

23. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Sind es „Spekulanten in London“, die für die Anstiege der Preise für Agrargüter sorgten? Oder sind wir allgemein zu viele Menschen und die Äcker und Zisternen ausgequetscht?

Die steigenden Preise an den Agrarmärkten stellen für viele Menschen auf dem Planeten eine existenzielle Bedrohung dar. So dürften viele, von westlichen Politkern gerne mit dem Siegel „Freiheitsbewegung“ versehene Unruhen, eine wichtige Ursache in der schwieriger und teurer werdenden Lebenshaltung haben.

Eines zeigen die Preise, die Menschen bekommen ernste Probleme durch die schwindende Größe und Qualität der weltweiten Ackerflächen. Diese müssen für die Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung ausreichen, während gleichzeitig hie und da die Scholle lieber zur Treibstoffproduktion genutzt wird. Bei einem Blick auf die Importquoten, die verschiedene Länder Nordafrikas aufweisen, darf sich durchaus Nachdenklichkeit einstellen. Zu berücksichtigen ist zudem der deutliche höhere Anteil an den gesamten regelmäßigen Ausgaben, die für Lebensmittel anfallen.

Während in vielen westlichen Ländern, der Ausgaben für Auto und Treibstoff bei weitem über den Ausgaben für Essen und Trinken liegt, geben in weiten Teilen des Planeten viele Menschen oft 75% ihrer Einnahmen oder mehr für Lebensmittel aus. Ein Anstieg der Preise schlägt rasch und hart auf die Lebenssituation der Menschen durch. Das kürzlich in den Fokus gerückte Ägypten schneidet diesbezüglich im direkten Vergleich noch relativ gut ab.

Sieht man einmal von der ohnehin oft brutalen Volatilität an den Rohstoff-Terminmärkten ab, so ist der Blick auf die längerfristigen Zeitreihen erschreckend. Im Grunde sieht es so aus, als hätten die Preise schlichtweg eine dekadenlange breite Seitwärtsphase signifikant nach oben verlassen. Führt man sich die Dauer der seitwärts laufenden Preise vor Augen, so dürfte sich hier eine Menge Potenzial aufgestaut haben.

Um es mit James Rogers zu sagen: „Agrarrohstoffe sind zu billig“. Dieser Satz wird gerne herangezogen, um den oft polternd daherkommenden Mann zu diskreditieren (was ihn freilich wenig stören dürfte). Dabei ist die Kernaussage nicht falsch. Rogers sieht die Dinge marktwirtschaftlich und weiß, dass es nicht ausreicht, wenn einige Idealisten mit viel Einsatz im Agrargewerbe arbeiten. Er weiß um die nötige finanzielle Attraktivität, die den entsprechenden Jobs abgeht. Klar, es ist wesentlich einfacher, für ein sechsstelliges Salär tagsüber im trockenen Hochhaus über Bloomberg ein paar Anleihen zu handeln, als sich um den Acker oder die Tiere kümmern zu müssen und so gerade eben über die Runden zu kommen.

Die fundamentale Lage deutet darauf hin, dass die Preise für Agrargüter nachfragebedingt angezogen haben. Eine absichtliche Schwächung der Währung ist in diesem Zusammenhang natürlich wenig hilfreich. Sondereffekte, wie der 40%ige Einbruch der russischen Ernte tragen zu einer Verschärfung des laufendenden Trends bei, was wiederum Investoren anzieht. Ein besonders kritischer Punkt ist die Wasserversorgung in den Anbaugebieten. Es ist nicht so, dass es dort, wo Getreide angebaut und benötigt wird, überhaupt kein Wasser gibt. Allerdings wird auf Grund des Druckes, mehr zu produzieren, die Wasserreserven deutlich schneller angezapft werden, als sie sich wieder auffüllen können. Von Nachhaltigkeit kann hier nicht einmal im Ansatz die Rede sein.

Eines der traurigsten Kapitel in dieser Geschichte ist der Ausbau des Baumwollanbaus an den Zuflüssen des Aralsees in Zentralasien. Durch den Ausbau der Bewirtschaftung und die Schaffung gigantischer Bewässerungsnetze gelang es zwar, die Produktion nach oben zu fahren. Den See hat es dabei aber erwischt, die ökologischen Folgen sind dramatisch. Für dieses Phänomen, Wasserquellen zu sehr zu beanspruchen, gibt es in der englischen Sprachwelt den Begriff overpumping… (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Was daraus wurde: Spekulanten oder Wassermangel? (Teil 1)"

  1. Skyjumper sagt:

    „S’ils n’ont plus de pain, qu’ils mangent de la brioche“

    „Wenn sie kein Brot haben sollen sie doch Kuchen essen“

    Sofern man nicht gerade Politiker in Europa ist, ist das Ende eigentlcih für jeden klar denkenden Menschen absehbar. Während bei uns über die spürbare Inflation bei Lebensmitteln nur mal leise geschimpft wird – wen kratzt es schon existenziel, wenn wir statt 10,5 % unserer gesamten Konsumausgaben dann mal 12, 15, oder auch 21 % unseres Haushaltseinkommens für Lebensmittel ausgeben müssen – sieht das in den Entwicklungsländern eben drastisch anders aus. Wenn sich 80% der Ausgaben für (Grund-)Nahrungsmittel dort verdoppelt kann sich selbst ein pisastudiengeschädigter ausrechnen, dass das nicht funktioniert.

    Wachstum ist gut, drum lasst uns frohlocken. Die Weltbevölkerung hat 7 Mrd. überschritten und wächst weiter. Und wenn sich erst einmal 2-3 Mrd. Menschen wegen Hunger in Bewegung gesetzt haben um wie die Heuschrecken über den selbst dann noch priviligierten Westen herzufallen ………. dann könnte es sein, dass nicht Gold und Silber, sondern Gewehrpatronen ein wahrhaft knappes Gut sein werden und ein echtes Spitzeninvestment.

    Viel Hoffnung dass das gut geht habe ich bei der Betrachtung der Knallköpfe in unseren Regierungen jedenfalls nicht, dass wir das noch abwenden werden. Aber – Wie die Wahl in Niedersachsen ja gerade wieder gezeigt hat: Wir sind hochzufrieden mit unseren etablierten Blockparteien und wollen gar nichts ändern.

  2. Lickneeson sagt:

    Trauriges, altes und anhaltendes Problem.

    Bilder und Berichte z.B. aus Äthiopien flimmern alljährlich über die TV-Schirme.Es ändert sich nichts.Neben Wassermangel uns Spekulation sind korrupte Regime in den Entwicklungs/Drittweltländern sicher die Hauptursache für den Stillstand.

    Anstatt Staatgelder oder Entwicklungshilfe in sinnvollen Agrar/Wasser- u. Bildungsprojekten zu bündeln werden Militärhaushalte aufgeblasen und die eigenen Taschen vollgestopft.Nebenbei foltert, vertreibt oder massakriert man die eigene Bevölkerung meist aus religiösen/ ethnischen Gründen und verweilt so im Mittelalter.

    Ich gehe auch davon aus, das sich weiterhin nichts zum Besseren verändern wird.Von Politikern, egal welcher Partei erwarte ich ebenso nichts, wenn man es nicht einmal schafft sich auf Klimagipfeln auf konkrete Ziele zu einigen und stattdessen hohle Schlussphrasen auftischt.

    Bitter.

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