Warum zentrales Planen scheitert

15. März 2013 | Kategorie: Gäste, Kommentare, RottMeyer

von Bill Bonner Der Dow Jones hat also ein neues Rekordhoch erreicht. Der Goldpreis dümpelt so vor sich hin. Ich denke darüber nach, wie so viele intelligente Leute Dinge denken können, die nicht wahr sind. Krugman, Stiglitz, Friedman, Bernanke – die alle haben den Blick eines Einfaltspinsels, wenn es darum geht, wie die Welt funktioniert. Sie glauben, sie können die Zukunft manipulieren und besser machen. Nicht nur für sich selbst, sondern für alle. Woher stammt diese dumme Idee?

Die westliche Gedankenwelt nach der Renaissance wurde von der Logik des Aristoteles dominiert. Die war im Grunde ein Vorläufer des Positivismus – welcher angeblich auf objektiven Bedingungen und wissenschaftlicher Argumentation beruht. „Gebt mir die Fakten!“, sagt der Positivist, zuversichtlich. „Lassen Sie mich mein rationales Gehirn darauf anwenden. Ich werde dann eine Lösung finden!“

Das ist gut, wenn man den Eiffel-Turm bauen möchte, oder ein Abendessen für die Kirchengemeinde. Aber der Positivismus scheitert, wenn er bei Themen angewendet wird, welche weit darüber hinausgehen.

Das ist es, was Aristoteles gesagt hat. Er dachte, dass überhaupt nur kleine Gemeinschaften funktionieren können. Denn nur in kleinen Gemeinschaften können die Menschen mehr oder weniger dieselben Informationen und Interessen teilen. In einer großen Gemeinschaft gibt es nicht dieselbe direkte, persönliche Art. Deshalb ist es schwer für die Menschen, da auf dieselbe Weise zusammenzuarbeiten.

In großen Gemeinschaften hingegen nicht…

In einer großen Gemeinschaft weiß man nicht mehr, wer die Wurst hergestellt hat, oder was da reingesteckt worden ist. Man muss sich auf „Fakten“ verlassen, die nicht mehr durch direkte Beobachtung oder persönliche Bekanntschaft verifiziert werden können.

Stattdessen sind die Fakten der zentralen Planer normalerweise nicht mehr als statistische Pampe, Wunschdenken oder theoretisches Geplapper – wie Massenvernichtungswaffen, die Arbeitslosenquote und der Übermensch.

Zentrales Planen großen Maßstabs scheitert, weil die Fakten, auf denen es beruht, nicht verlässlich sind, und oft völliger Schwindel.

Und es scheitert, weil die Menschen es nicht wirklich wollen.

Eine versteckte Agenda

In einer kleinen Gemeinschaft sind die Planer und die Menschen so nah beieinander, dass sie dieselben Ziele haben können. In einer großen Gemeinschaft sind die zentralen Planer eine kleine Minderheit.

In einer großen Gemeinschaft haben die Planer normalerweise ihre eigene Agenda – oft eine versteckte. Sie mögen striktere Gesetze und mehr Verhaftungen fordern, während sie Gelder von der Gefängnis-Industrie erhalten. Sie mögen Medikamente gegen Krebs fördern – und von der Pharma-Industrie abhängen, welche ihnen Job-Angebote gibt. Sie mögen ein vereinigtes Europa fordern – und hoffen, dass sie selber an der Spitze stehen werden.

Aber obwohl zentrales Planen großen Maßstabs fast zahllose Möglichkeiten für Korruption bietet, ist es nicht dieses hässliche Schachern, was es zum Scheitern verurteilt. Stattdessen ist es die Tatsache, dass die Planer nicht wissen (oder es ist ihnen egal), was die Leute wirklich wollen…und sie haben nicht die notwendigen Informationen.

Wie wir schon gesehen haben, ist die gesamte „öffentliche Information“, welche die Zentralplaner nutzen, leer und oft irreführend. Aber das Problem ist oft einfacher als die Qualität der Information oder die Korruption, die damit einhergeht.

Wenn wir denken, was die Leute „wollen“, dann reden wir nicht wirklich über ihre bewussten, geäußerten Wünsche. Wir sprechen von dem, was sie möglicherweise bekommen können, wenn es ihnen ermöglicht wird.

Die Leute in der Hölle mögen Eiscreme haben wollen; sie bekommen diese nicht. Aber die Leute werden versuchen, was sie können, um mit dem zu arbeiten, was sie haben. Großflächiges zentrales Planen kann ihnen da nicht helfen. Teilweise deshalb, weil sie nicht wissen, wie die Verhältnisse in der privaten Hölle einzelner Menschen sind. Und zum Teil deshalb, weil sie keine Eiscreme haben.

Man könnte den Prozess des „so viel wie möglich bekommen von dem, wie man will“ als Fortschritt durch Evolution beschreiben, wohingegen „trial and error“ zu einem „dem besten, was wir tun können“ führt.

Das ist nicht perfekt. Nicht das Ende der Geschichte. Nur ein weiterer Schritt hin zu einer Zukunft, welche wir nicht vorab kennen... (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Warum zentrales Planen scheitert"

  1. chefkanzler sagt:

    Guten Tag,

    sehr guter Artikel,

    Sie unterstellen den Planern , dass sie zum Wohle der Menschen handeln, oder hab ich da was falsch verstanden…..

    Ich meine sie mögen die Ziele der Menschen nicht kennen, wohl aber ihre eigenen, es geht doch hier um offensichtliches Bevorteilen einer sich selbst ernannten Elite( zb in kommunistischen Systemen ), im Prinzip ehrlicher, weil sie nicht unter dem Deckmantel einer Scheindemokratie agieren..

    Gruss und Danke

  2. Futur sagt:

    Aristoteles hat, wie im Artikel korrekt beschrieben, das Fundament der europäischen/ westlichen Wissenschaften begründet: Die (Formale) Logik. Mithilfe der logischen Schlussweisen (Syllogismus) konnten Theorien bewiesen/
    verifiziert werden. ( Eine wahnsinnig tolle Geschichte ist übrigens, das die Schriften von Aristoteles nur im Orient, Bagdad überdauert haben, und von dort aus nach Europa kamen und rückübersetzt wurden).

    Auf der Logik basieren also sämtliche Teildisziplinen unserer Wissenschaften, auch die Ökonomie. Umso erstaunlicher ist es, dass sich kaum jemand in der Formalen Logik auskennt. Ich beschäftige mich aus sehr guten Gründen seit Jahrzehnten mit ihr: Weil nämlich dort „der Hase im Pfeffer liegt“!

    Denn die Logik kann nur in stabilen Bezugssystemen funktionieren, in der Komplexität versagt sie immer!
    DAS IST LEIDER NICHT BEKANNT! Der Wissenschaftstheoretiker Karl Popper hat diese Problematik als Erster beschrieben, aber wer versteht schon die Methodenlehre von ihm? Von den Ökonomen kenne ich keinen.

    Wenn eine Theorie mithilfe der induktiven, empirischen oder mathematischen Methode erstellt wird, dann bezieht sie sich schon per Definition auf Vergangenes. In einer komplexen Welt liegen die jeweiligen Veränderungen außerhalb der erstellten Theorie. Und wie können diese unbekannten Phänomene erkannt werden?

    Denken Sie mal nach!

    Ganz einfach! Ein Gebiet außerhalb der Theorie…Richtig! Sie können diese Veränderungen logischerweise nicht beweisen, denn dann wären sie ja ein Teil der Theorie und bekannt…aber man kann das Gebiet immer wieder abfragen, indem man die Theorie in einer komplexen, veränderlichen Welt widerlegt/ falsifiziert. Durch die ständige Falsifikation kann man dann die Theorie an die Komplexität anpassen.

    Nichts anderes wird mit den sogenannten randomisiert kontrollierten Studien bei komplexen Erkrankungen wie z.B. Krebs, Adipositas oder Demenz eingesetzt: Mit der obligaten Prüfgruppe als Falsifikation. Bei erfolgter Falsifizierung kann das Medikament verändert werden, und es geht Studie für Studie, oder Schritt für Schritt weiter!
    Aufgrund der Komplexität der Erkrankungen wird es aber niemals „das eine“ Medikament geben, der Weg geht eher in die personalisierte Therapie.

    Die Problematik der Logik in der Komplexität betrifft ALLE Wissenschaften. Die komplexe, dynamische Wirklichkeit ist der eigentliche Grund, warum eine Planwirtschaft nicht funktionieren kann. Zum Glück möchte man meinen, denn die Welt wäre ansonsten äußerst langweilig…

  3. Futur sagt:

    Wie beschrieben versagen die logischen Gesetze in der Komplexität. Z.B. das „Prinzip der Zweiwertigkeit“ – jede Aussage ist entweder richtig oder falsch – ist in einer komplexen Welt nicht mehr gültig.

    Es gibt als Beispiel in der Mathematik auch mehrere gültige Systeme: Ein rechtwinkliges Dreieck auf eine nicht lineare Welt, z.B. unsere Erdhalbkugel projiziert, kann mit dem bekannten „Satz von Pythagoras“ nicht berechnet werden. Außerdem wird das sogenannte Parallelenaxiom! ungültig. Trotzdem bleibt der „Satz von Pythagoras“ natürlich „wahr“. Er gilt halt nur im homogenen, stabilen Raum, also begrenzt.

    In der Physik gibt es z.B. das sogenannte Korrespondenzprinzip (Die neuere Theorie kommt zu den gleichen Ergebnissen wie die ältere) zwischen den sich eigentlich widersprechenden Gravitationstheorien von Newton und Einstein. Das Schwerkraftgesetz ist nur im dreidimensionalen Raum gültig, die Allgemeine Relativitätstheorie darüber hinaus auch im nicht linearen, vierdimensionalen Raum.

    Gegenüber dem eigentlich relativ stabilen Raum sind die Wirkungen der Komplexität auf die Märkte, gerade wegen der Globalisierung, als wesentlich größer und einflussreicher anzunehmen!

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