Warum wir bekloppt werden. Und nicht schlauer

16. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Statistisch gesehen, ist aus den Deutschen, dem Volk der Dichter und Denker inzwischen ein Volk der Penner, Glotzer und Surfer geworden – nur statistisch gesehen. Statistik ist eine herrliche Sache. Viel Unsinn, viel Unterhaltung. Allein schon aus Gründen der Erheiterung lohnt sich jede Datenreihe. Passen Sie mal auf…

Bei Wikipedia steht, ein Tag hätte 24 Stunden. Ob das richtig ist? Wir wissen es nicht genau. Für Manchen mag das stimmen. Für die Meisten aber nicht. Wie oft hört man, ein Tag wäre viel zu kurz bzw. wie schnell die Zeit verginge. Viel zu schnell? Anhand der statistisch ermittelten Daten in Bezug auf Arbeit, Schlaf und Freizeit könnte man an dieser 24-Stunden-Theorie durchaus berechtigte Zweifel hegen.

Glotz Dich müde. Penn dann ein!

Der durchschnittliche tägliche TV-Konsum der Deutschen belief sich im letzten Jahr auf 221 Minuten, immerhin eine Minute weniger als 2012. Diese Minute hat die Welt nicht wirklich besser gemacht, vielleicht sogar im Gegenteil. An 365 Tagen sind das immerhin 80.665 Minuten, 1.344 Stunden oder 56 Tage. Das sind zwei komplette Monate vor der Glotze. Mit welchen Spätfolgen zu rechnen ist, konnte ich nicht ermitteln. Das liegt wahrscheinlich auch am permanenten gebrüllten „Bleiben Sie dran!“ und dem antrainierten Gefolgswillen der Konsumenten, allen Befehlen zu gehorchen.

Dazu kommen noch, wir sollten das nicht unterschätzen, statistische 492 Minuten Schlaf pro Tag, also 8,2 Stunden. Völlig überbewertet! Aufs Jahr hochgerechnet, sind das 3.000 Stunden bzw. 125 Tage oder 4,2 Monate, in denen man theoretisch die Wirtschaft ankurbeln kann oder den TV-Konsum, auch ein Wirtschaftsfaktor. Ach, Sie schlafen weniger? Selbst daran Schuld!

Und so liegen wir ein halbes Jahr vor der Glotze, schlafen oder tun beides gleichzeitig. Welchen Einfluss das auf Statistik hat, wir wissen es nicht, aber wir vertrauen der hedonischen Berechnugsmethode in Zeiten des Multitaskings.

Zu allem Übel muss die Arbeitszeit in die Überlegungen einfließen, was die Sache mit der Übersichtlichkeit schwierig macht. Immerhin haben die Deutschen im letzten Jahr 58 Milliarden Stunden gearbeitet, wobei sich das Arbeitsvolumen auf immer mehr Köpfe verteilt. Vollzeitbeschäftigte arbeiteten im Schnitt 1.640 Stunden, Teilzeitbeschäftigte 637 Stunden. Laut der Bild-Zeitung waren es im Jahr 2006 nur 1437 Arbeitsstunden, also 200 Stunden weniger.

Dabei steht 2014 im Zeichen des Fachkräftemangels und der Vollbeschäftigung. Nein? Was soll man schon tun, wenn man nicht schläft und nicht fernsieht? Auf offiziell 43 Millionen Beschäftigte verteilt, ergibt sich somit ein Arbeitspensum von sechs Stunden am Tag oder 360 Minuten. Ohne An – und Abfahrt.

Sollten Sie in einem Ballungszentrum wohnen, dann hat man oft nicht nur längere, sondern auch dauerhaftere An- und Abreisewege. Das fehlt natürlich an Zeit für TV, Schlafen und Internet. Dafür schnellen die Hörminuten für das Radio hoch. Statistisch gesehen hört jeder Bundesbürger 249 Minuten Radio. Ich weiß nicht wie man das aushält, aber es sind statistische Zahlen.

Dazu kommen noch 275 Minuten Internet. Hallo?

Radio (249 min) Fernsehen (221 min) Internet (275 min) Schlafen (492) und die Arbeit (ich habe die Zahlen auf einen Vollzeitbeschäftigten herunter gebrochen, also auf 360 Minuten) nehmen täglich 26,61 Stunden ein. Noch Fragen?

Ich wusste doch, dass ein Tag länger ist als 24 Stunden. Und dieses Rotieren der Sonne im 24-Stunden-Takt? Alles Manipulation!




 

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4 Kommentare auf "Warum wir bekloppt werden. Und nicht schlauer"

  1. bluestar sagt:

    Vollbeschäftigte des Volkes der Dichter und Denker arbeiten nur 6 Stunden am Tag ? Statistisch hätten wir demnach schon die 30-Stunden Woche.
    Jeder der länger arbeitet ist außerhalb der Norm und muss entweder auf wertvolles TV, Funk, Internet, Schlaf verzichten oder einfach den Tag noch etwas verlängern.

  2. M.Schmidt sagt:

    Wenn ich so in der Geschichte umschaue, war der Mensch in Summe niemals schlau, hat ständig an den Ästen gesägt auf denen er saß und warum sollte das heute anders sein? Somit hat er sogar dazugelernt, nämlich nix…..

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