Warum US-Aktien hoffnungslos überbewertet sind

20. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Heute wollen wir hier im Tagebuch mit einer kleinen Serie zur Überbewertung der US-Aktien weitermachen. Zunächst schreiben wir heute über Unternehmensgewinne. Wenn Sie, liebe Leser, keine Lust darauf haben sollten, das berühmte „Spiel des größeren Narren“ – sprich die Hoffnung zu kaufen, dass jemand da draußen bereit ist, irgendwann einen höheren Preis zu zahlen – zu spielen, gibt es unter dem Strich nur einen einzigen Grund, eine Aktie zu kaufen:

…nämlich der Gewinne wegen, der Unternehmensergebnisse wegen!

Als Aktionär partizipieren und profitieren Sie von den Gewinnen des Unternehmens. Alles andere erledigt sich dann von selbst. Denn wenn die Gewinne steigen, werden auch die Aktienkurse steigen.

Grundsätzlich haben Investoren dunkle, pessimistische Phasen, aber auch Zeiten, in denen sie voller Euphorie sind. Kurzfristig ändert sich jedenfalls das „Muliple“, das Investoren bereit sind, für jeden Dollar des Unternehmensgewinns zu zahlen.

Wenn die Anleger höhere künftige Gewinne erwarten, steigen tendenziell auch die Kurs-Gewinn-Verhältnisse. Wenn sie mit einem niedrigeren Ergebnis rechnen, fällt von der Tendenz her auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Lange Rede, kurzer Sinn. Am Ende entscheiden weder Hoffnung noch Verzweiflung, sondern nur die harten Fakten.

Nämlich die Gewinne.

Sie sind bereit, für eine Aktie einen Preis zu bezahlen. Sie erwarten, am Ende mehr Geld zurück zu bekommen. Langfristig steigen und fallen die Aktienmärkte – jedenfalls mehr oder weniger – parallel mit den Gewinnen.

Börse als Abstimmungsmaschine

Der milliardenschwere Investor Warren Buffett bezeichnete die Börse kurzfristig betrachtet als „Abstimmungsmaschine.“ Langfristig sei die Börse aber nichts anders als eine „Waage“.

Und unter dem Strich sind einzig und allein die Gewinne das, was die Investoren auf die Waagschale legen.

Yale-Ökonom Robert Shiller hat insofern ermittelt, dass Investoren im hisotrischen Schnitt beim breiten US-Aktienindex, dem S & P 500, durchschnittlich $ 15,65 für jeden Dollar der zugrunde liegenden Gewinne gezahlt haben. Aktuelll liegt das KGV des S&P 500 bei 25,4. Anleger sind also heute bereit, 60 Prozent mehr zu zahlen als das im historischen Schnitt der Fall war.

Ist das „zu hoch“?

Das so genannte Fed-Modell – das vergleicht, wie viel Investoren bereit sind, für Gewinne am Aktienmarkt zu zahlen und wie viel sie bereit sind, für Einkommen mit langfristigen Staatsanleihen zu zahlen – sagt aktuell, dass sich die Investoren keine großen Sorgen machen sollten.

Da die Zinssätze aktuell immer noch so niedrig sind, ist es sinnvoll und gerechtfertigt, dass die Aktien hoch bewertet sind. So jedenfalls das Fed-Modell. Aktuell zahlen Investoren ja $ 40 für jeden Dollar Einkommen aus einer Staatsanleihe mit langer Laufzeit. Angesichts dessen sollten sie sich keine großen Sorgen darüber machen, 25 Dollar pro Dollar Gewinn beim S & P 500 zu zahlen.

Ja, liebe Leser, das ist die Theorie.

Aber Staatsanleiherenditen sind niedrig, weil die Fed sie ja auf Diktat mit Macht nach unten gedrückt hat. Dies führt dazu, dass ohne eine Steigerung der Unternehmensgewinne Investoren bereit waren, für jeden Dollar Gewinn pro Aktie mehr zu zahlen. Letztlich sind die Preise das einzig verlässlich Maß dafür, was eine Aktie wert ist. Sie können sich jedoch ohne vorherige Ankündigung ändern.

Und wenn Investoren am Ende doch nachdenken und die Gewinne anders gewichten, werden sie wahrscheinlich nicht umhin kommen, mit dem Verkauf ihrer Aktienpakete zu beginnen.

Vor Jahren, als wir noch jung, naiv und intelligent waren, stellten wir unserem Buchhalter eine einfache Frage:

„Wie viel Geld haben wir letztes Jahr gemacht, was haben wir verdient?“

„Wie viel willst du verdienen?“ Das war die kurze und einfache Antwort unseres Buchhalters.

Kreative Buchhaltung

Damals, und heute wohl noch viel mehr, können die Buchhalter die Zahlen wie die amtlichen Statistiker der Regierung so hinbiegen, wie es gewünscht und gewollt ist.

Eine „9“ kann schlicht ein wenig gedreht werden, so dass aus ihr eine „6“ wird. Aus einer „5“ wird eine „1“ gezaubert. Eine „3“ kann mit einer anderen „3“ zusammengeschweißt werden….und am Ende entsteht dann eine schöne neue „8“.

Alles was man haben muss, ist die Idee, wie man die Zahlen haben will. Zahlen lügen ja nicht. Aber wenn Sie nur hart genug auf sie einschlagen, erzählen sie Ihnen just jene Geschichte, die Sie hören möchten. In den letzten 17 Jahren wurde auf die Unternehmensgewinne von diversen Stellen aus eingehämmert. Auf die Umsätze wurde eingehämmert und auch auf die Kosten wurde eingeschlagen.

Laxere Bilanzierungsregeln

In den 1990er Jahren änderte die SEC (die Börsenregulierungsbehörde) die Regeln, so dass Unternehmen ihre Gewinne phantasievoller ausweisen konnten. Den Unternehmen wurde erlaubt, spezielle Posten, die sie als „besonders“ oder „nicht wiederkehrend“ bezeichnen, schlicht bei der Gewinermittlung nicht zu berücksichtigen. Dies lässt den Unternehmen erheblichen Spielraum, mit Hilfe dieser buchhalterischen Tricks ihre Gewinne zu erhöhen.

Einer seriösen Schätzung zufolge würde sage und schreibe die Hälfte der Gewinnzuwächse des 21. Jahrhunderts verschwinden, wenn die Gewinne mit den alten Regeln von vor 1999 ausgewiesen werden müssten.

Extrem teurer Aktienmarkt

Das würde dazu führen, dass unter dem Strich die Kurs-Gewinn-Verhältnisse noch höher wären. Basierend auf ehrlichen Gewinnen drüfte das wahre Kurs-Gewinn-Verhältnis beim S&P 500 eher bei 30 oder 40 liegen. Damit wäre der Aktienmarkt in wahrlich schwindelerregendem, verrücktem und katastrophal überbewertetem Territorium.

Nicht nur die Buchhalter der Unternhmen verzerren die Zahlen. Hinzu kommen ja noch die Verzerrungen durch unser Schein-Geldsystem. Wie alles andere auch sind die Unternehmensergebnisse durch das billige Kreditgeld der Fed massiv aufgehübscht.

Auto-Firmen, zum Beispiel, waren in der Lage, mit dem billigen Kreditgeld mehr Autos und Lastwagen zu verkaufen. Universitäten und Hochschulen nahmen die billigen Darlehen her, um die Schulden der Studenten massiv zu erhöhen. Die Ölindustrie nutzte die billige Darlehen, um mehr Bohrlöcher zu kaufen und mehr Öl zu pumpen. All diese Dinge fanden sich als zusätzlicher Umsatz und Gewinn in den Unternehmensberichten wieder.

Aktienrückkäufe nahmen zu

Billige Kredite bewegten auch Aktienkurse in direkter Weise nach oben. Unternehmen haben sich billiges Geld ausgeliehen, um ihre eigenen Aktien zurückzukaufen. Wenn Unternehmen ihre Aktien zurückkaufen, vernichten sie ja die gekauften Aktien. Damit verringert sich die Gesamtzahl der ausstehenden Aktien. Das Ergebnis pro Aktie wird dadurch künstlich nach oben gebracht, denn es sind ja nun weniger Aktien vorhanden. Die Aktienkurse steigen dann ohne dass es steigender Unternehmensgewinne bedarf.

Aber warten Sie einen kleinen Moment…

Trotz Ausgaben in Höhe von $ 2,5 Billionen für Aktienrückkäufe in den letzten drei Jahren …

… trotz riesiger neuer Impulse durch Kauf, Verkauf, Investieren und Spekulieren mit billigen Krediten …

… und trotz extremst kreativer Buchhaltung mit dem Entfernen von Milliarden von Dollar auf der Kostenseite per Mausklick

… ist unter dem Strich das Ergebnis je Aktie heute niedriger als im Jahr 2013!

Warum soll man in einem solchen Umfeld bereitwillig ein geschöntes KGV von 25 zahlen?
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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Ein Kommentar auf "Warum US-Aktien hoffnungslos überbewertet sind"

  1. markus45 sagt:

    Warum soll man in einem solchen Umfeld bereitwillig ein geschöntes KGV von 25 zahlen?
    Ich denke, weil eben einfach die Vermögenspreisinflation so hoch ist. Wenn die Vermögenspreisinflation bei 10% liegt, dann sieht doch alles viel besser aus. Erst recht, wenn die Inflation auf alltägliche Güter durchschlägt. Natürlich ist in einem solchen Umfeld die Gefahr hoch, dass eine signifikanter Anteil der Aktien langfristig gegen 0 rauschen wird, aber immerhin ist dann der Rest mit reellen Werten hinterlegt.

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