Warum Papiergeld überbewertet ist

27. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Geld ist schon eine verrückte Sache. Vor allem ist es nicht das, wofür es gehalten wird: Wertvoll. Es hat nämlich keinen Wert, aber einen Preis. Wir fallen nur ständig darauf rein. Und das hat seinen Grund…

Was wird nicht alles getan, um an Geld heranzukommen? Mehrarbeit, Überstunden, Zweitjob, Diebstahl… Manche spielen sogar Lotto bei mäßigen Chancen, wirklich reich zu werden. Doch wenn man in den Besitz von Geld kommt, fangen die Probleme erst an – oder gehen weiter.

„Money makes the world go round“, heißt es so schön. Doch so rund läuft diese Geldwelt offenbar nicht mehr. Ohne Interventionen wären sie längst über die Klippe gefahren. So wird nur die Fallhöhe größer.

Es ist schon etwas dran, dass schlechtes Geld die Ursache für schlechte Wirtschaft und auch für eine schlechte Gesellschaft ist. Und wenn unser Papiergeld Kriege finanziert, dann lobe ich mir doch das barbarische Relikt, das Gold. Vielleicht wäre die Welt dann etwas friedlicher. 

Verdirbt Geld den Charakter? Dazu muss man erst mal einen haben. Sollten Sie daran zweifeln, fahren Sie mal eine Stunde in der S-Bahn oder beobachten die Leute im Park. Besser noch: Nageln Sie mal eine Euromünze auf dem Gehsteig fest und beobachten Sie dann das Geschehen hinter der Gardine. Geld macht verrückt. Und wenn nicht, dann zumindest abhängig wie Drogen.

Ein Geld, das durch ständig neue Geldeinheiten aus dem Nichts ständig verdünnt wird, taugt irgendwann nicht mehr für den Alltag und schon gar nicht als Speicher von geleisteter Arbeitskraft. Oder will man mir erzählen, dass Gelddruckerei die Lösung aller Probleme ist? Theoretisch müssten die US-Amerikaner, Engländer, Japaner und Europäer die glücklichsten Menschen der Welt sein. Sollten Sie daran zweifeln, schalten Sie mal für eine gewisse Zeit ein Nachrichtenradio ein oder besuchen Sie die Tafel in einer Großstadt.

In den letzten Jahren sind die weltweiten Geldmengen ständig gewachsen. Sind wir dadurch wohlhabender geworden? Wenn das so einfach wäre, müsste man nicht mehr arbeiten und sich anstrengen, um an Geldeinheiten zu kommen. Es wäre das Schlaraffenland, wo die gebratenen Hühnchen und Dönner durch die Luft fliegen. Doch wo ist das Problem? 

In der Finanzwelt gibt es eigentlich keinen Mangel an Geld. Und wenn dem so wäre, dann lässt sich dieser problemlos beseitigen. In Nullkommanix werden Milliarden, wenn es sein muss, auch Billionen erzeugt. Aber die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes lässt zu wünschen übrig. Statt sein Geld auszugeben, hortet man es lieber. Noch. Inzwischen ist der Anreiz zum Sparen auf ein fast schon unerträgliches Maß geschrumpft. Die Leute werden sich früher oder später vom Geld trennen bzw. es ausgeben. Nur für was?



Geld ist eine verrückte Sache. Man kann es als einen Lichtbogen verstehen, der nur dann „brennt“ wenn es Schuldner und Kreditgeber gibt. Über die Kreditvergabe entsteht das Geld. Allerdings ist die Qualität der Schuldner geschrumpft. An sie mehr zu verleihen, würde eigentlich einen höheren Zins bedeuten, da das Ausfallrisiko der potentiellen Pleitiers gestiegen ist. Durch die manipulativen Eingriffe der Zentralbanken lässt sich Risiko ohnehin nicht mehr messen. Der Zins als Risikomesser ist ausgeschaltet. Dann doch lieber gar keine Kredite vergeben, was blöd ist für die Geldmenge und auch für die Umlaufgeschwindigkeit. 

Das, was wir auf dem Konto haben, ist kein Geld, sondern nur so etwas wie Geld. Wir bezeichnen es so, wahrscheinlich, weil wir es nicht besser wissen oder auch nicht besser wissen sollen. Normalerweise wäre das Lehrstoff in der Schule. Wahrscheinlich aber ist keine Zeit für das Essentielle. Niemand bringt den Kleinen bei, was Geld ist. Auch nicht die potentiellen Weitergeber von Wissen im Elternhaus. Woher sollen die es auch wissen? Es reicht zu wissen, das das Geld aus der Wand kommt. Solange das so ist, bleibt alles gut.

Genau genommen ist das, was wir als Geld bezeichnen, Baumwolle, getränkt mit bunter Farbe – aber eine wirklich schöne Sache, solange es als diese wahrgenommen wird. Zudem besteht der unbedingte Hang oder Zwang dazu, es zu besitzen, weil man ohne dieses Zeug nicht durchs Leben kommt. Doch wenn man erst einmal hinter das Geheimnis des „Geldes gekommen ist, dann wird die Sache viel einfacher und kalkulierbarer.

Unser heutiges Geld als Verrechnungs- – und Tauscheinheit funktioniert dank gesteigerter Propaganda tadellos. Trotzdem sollte man nicht zuviel von dieser Baumwolle besitzen, bzw. gespart haben – bzw. es ausgegeben haben, bevor sie ihren Wert (der keiner ist) eingebüßt hat.

Solange es aber einen kollektiv wahrgenommenen Wert besitzt, kann man dafür Dinge kaufen, die wertbeständiger sind als das, was man heute Geld nennt. Viele tauschen ihr Geld in Verbrauchsgegenstände. Dazu zählen übrigens auch Immobilien bzw. Beton-Gold. Dessen Glanz entpuppt sich nach zehn oder 20 Jahren eher dem Glanz von Beton als dem von Gold. Aber kommen Sie bitte nicht auf die Idee, das Geld aus dem Finanzsystem in etwas außerhalb des Finanzsystems wie Edelmetall zu tauschen. Die Zeitungen warnen ja eindrücklich. Das wäre ja un-demokratisch und später auch als terroristisch einzustufen. Nicht wahr?

Ja, es wird viel getan, um den Schein zu wahren. Vielleicht nennen wir Banknoten auch deshalb Geldscheine, ohne zu wissen, dass sie scheinen wie Geld, aber dieser Schein trügerisch ist. Solange man den Schein wahren kann, solange man all den Mist glaubt, funktioniert das auch. Ich bin aber gespannt, wann sich das „Geld“ entzaubert und die Flucht aus dieser Scheinwelt in die Welt der realen Werte vorankommt. Und was dann passiert. Wenn man das Geld verstanden hat, muss einem davor kaum bange sein.



 

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8 Kommentare auf "Warum Papiergeld überbewertet ist"

  1. Silberfuchs sagt:

    Hallo Herr Meyer, da hat sich aber der ein oder andere Fehler eingeschlichen. Ansonsten wie immer gut gelungen.

  2. bluestar sagt:

    „Verdirbt Geld den Charakter ?“
    Mit absoluter Sicherheit nicht, der Umgang offenbart nur den Charakter des jeweiligen Menschen sehr offen und anschaulich.
    Ansonsten passt aber dieses wertlose Scheingeld ganz gut in diese Welt der scheinbaren Werte.

    VG

  3. chriwi sagt:

    Mir ist nich ganz klar warum Geld keinen Wert haben sollte. Natürlich beruht Geld auf den Glauben, dass man sich zukünftig davon etwas kaufen kann. Dieser Glaube beruhigend sein und stellt in meinen Augen einen Wert dar. Es ist eine Frage was man als Wert definiert. Gold ist letztenendes auch nicht besser als gedrucktes Papier. Man kann es nicht essen und es hilft uns nicht beim Überleben. Dennoch wird ihm ein Wert beigemessen, weil wir es hübsch finden, oder so…

    • Skyjumper sagt:

      Fast richtig. Im Grundsatz stimmt es schon dass auch der Wert von Gold auf dem Glauben beruht dafür etwas zu bekommen, wenn man es tauschen will. Aber im Gegensatz zum Geld kann man das Gold eben nicht beliebig vermehren und den Glauben an die Werthaltigkeit damit unterminieren.

  4. gabriel sagt:

    Weniger Krankheiten aber auch Aussterben von kleineren Geschäften… wäre ja im Prinzip eher was für die großen Firmen und die erste Welt

  5. Avantgarde sagt:

    Das Problem ist nur: wir haben gar kein Papiergeldsystem sondern ein Kreditgeldsystem.

    Und genau deshalb sind all die Prognosen(und Folgeprognosen) der zu einer möglichen Hyperinflation auch seit Jahren falsch und wird auch falsch bleiben.
    Die paar Prozent Papiergeld, die es noch gibt sind Zentralbankgeld und m.E. in einer Krise sicherer als Kreditgeld welches durch Schuldner gedeckt wird.
    Auch der Dollar ist und wird nicht wie von einigen gerne seit Jahren behauptet untergehen – jedenfalls nicht solange die USA den Dollar als Leitwährung sichern können.

    Es beißt die Maus keinen Faden ab – der Zahlungsausfall und somit Deflation bleibt das Problem.

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