Warum Harakiri so ungesund ist…

5. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

„Gute Nachrichten sind gut für Aktien, und schlechte Nachrichten sind gut für Aktien.“ Treffender als Goldman Sachs kann man die aktuell herrschende Sorglosigkeit unter den fest an die Allmacht der Notenbanken (und damit dem Ende freier Märkte!) glaubenden Aktieninvestoren kaum beschreiben…

…trieben doch zuletzt gerade negative Konjunkturdaten – in der Hoffnung auf noch mehr kostenlose Notenbank-Liquidität – sowohl den Dow Jones als auch den Dax-Performanceindex auf neue Höchststände.

Dass die Notenbanken inzwischen das Geschehen an den Aktienmärkten fast vollständig dominieren, bewiesen einmal mehr die Kurskapriolen während der jüngsten Anhörung des „quantitative … eternity“-Notenbankers Bernanke vor dem US-Kongress. Erst löste seine Warnung vor den Gefahren eines zu frühen Ausstiegs aus dem aktuellen Anleihekaufprogramm der Fed angesichts der noch immer zu schwachen US-Konjunktur umgehend eine Aktienrallye aus, die nur etwas später mit seiner Andeutung, unter bestimmten Bedingungen eine Begrenzung der kostenlosen Liquidität beschließen zu können, in einem Abverkauf mündete.

Die weitaus wichtigeren Aussagen des einflussreichsten Notenbankers der Welt Bernanke aber, dass eine zu lange Periode von niedrigen Zinsen „die Finanzstabilität untergraben könne“, sich aber zugleich auch „keine risikofreie Exit-Strategie“ (!) mehr entdecken lässt, beweist, dass sich die Zauberlehrlinge aus den Notenbanken mit ihrer Nullzinspolitik und Billionen an frisch kreierter Liquidität in eine geldpolitische Sackgasse manövriert haben. Letztendlich sprechen wir an den Finanzmärkten ohnehin nur noch von einer Scheinstabilität, denn, so PIMCO-Gründer Gross, „we see bubbles everywhere!“

Angesichts des Dilemmas der Notenbanken ist es extrem unwahrscheinlich, dass Bernanke & Co. es wagen werden, die von ihnen selbst erzeugten Blasen mit einer Exit-Strategie – Liquiditätsbeschränkung oder Zinserhöhung – selbst zum Platzen zu bringen. Vielmehr muss man davon ausgehen, dass sich die Politik des Gelddruckens in den überschuldeten Wohlfahrtsstaaten dieser Welt tendenziell sogar noch beschleunigen wird, was jedoch die Zukunftsaussichten eines auf Vertrauen basierenden Kreditgeldsystems negativ beeinträchtigen dürfte. Schließlich werden immer mehr Menschen realisieren, dass Geld, das per Mouse-Klick erschaffen wird und obendrein keinen Preis (Zins) mehr hat, eben auch nichts mehr wert ist!

Dass die Gelddruckerkolonne die Kontrolle über die Folgen der Geld(druck)politik und den von ihnen erzeugten exponentiell wachsenden Schuldenfunktionen eines Tages verlieren wird, lässt der sich bereits heute in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt und vom „Dauer-quantitative easing“ wirtschaftlich geschwächten – Japan – mehr als nur erahnen!

Japanische Staatsanleihen vor Renditesprung_31.05.13 Kopie

Um die Überschuldungsprobleme der am höchsten verschuldeten Industrienation der Welt (238 % des BIP) zu überwinden, verkündete der Bank of Japan-Chef Kuroda einem Akt der Verzweiflung gleichend die Verdopplung (!) der Geldmenge bis Ende 2014… (Seite 2)

 

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