Warum Griechenland im Euro bleiben wird…

9. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Was wäre ein Wochenrückblick in diesen Tagen ohne einen Ausflug nach Griechenland?! Da erdreistet sich die Linkspartei Syriza doch tatsächlich, die uneingeschränkte Führung in den Wahlprognosen zu übernehmen. Doch damit nicht genug…

Parteichef Tsipras ist auch noch abgebrüht genug, einen Austritt Griechenlands aus dem Euro als Drohkulisse an die Wand zu malen.

Alexis Tsipras weiß, mit welchen Pfunden er wuchern kann: Auf mehr als 50 Milliarden Euro summiert sich der direkte deutsche Anteil an den Rettungshilfen für Griechenland. Knapp 20 Milliarden kommen hinzu, wenn man die Forderungen der Europäischen Zentralbank berücksichtigt. Sollten die Griechen den Euro aufgeben und ihre Schulden nicht mehr bedienen, wäre ein Großteil des Geldes verloren. Vielleicht sogar die komplette Summe.

Doch dazu wird es nicht kommen.

In Wahrheit nämlich hat der geschmeidige Parteichef längst eine erstaunliche Wandlung vollzogen. Tönte Tsipras anfangs noch lauthals, die Kreditvereinbarung mit der Europäischen Zentralbank (EZB), dem Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission „in der Luft zu zerreißen“, so will er heute nur noch die schlimmsten „Ungerechtigkeiten“ beseitigen. Aus dem wilden Tiger wurde ein zahmes Kätzchen…

Deshalb ist natürlich sonnenklar, dass entgegen der polternden Rhetorik aus dem Berliner Regierungspalast hinter den Kulissen längst an einem Kompromiss gearbeitet wird, der es allen Beteiligten nach dem heranrollenden Syriza-Tsunami ermöglichen wird, das eigene Gesicht zu wahren – denn um nichts anderes geht es hier:

Nach ihrem mutmaßlichen Wahlsieg in zwei Wochen wird die neue Linksregierung in Athen einen Teil ihrer reformkritischen Forderungen zurücknehmen. Im Gegenzug werden den geplagten Griechen Teile ihrer Schulden erlassen. Vielleicht kommt es auch zu einer Tilgungsstreckung. Dann hätte Athen mehr Zeit, seine Schulden zu bedienen. So könnte das Land ein weiteres Mal von der EU „gerettet“ werden – und alle sind zufrieden.

Bloß die griechischen Wähler nicht, die bald erkennen werden, dass sie erneut belogen wurden. Doch wen kümmert das dann noch? Eben. Nach allem, was wir in den vergangenen Jahren beobachten mussten, wird es genau so kommen.

Denn wie sähe ein mögliches Alternativszenario aus? Sollte Griechenland tatsächlich den Euro abschaffen und die Drachme wieder einführen, wäre die naheliegendste Überlegung, dass sich das Land relativ zügig Russland und China annähern und der eurasischen Union beitreten würde.



Mit russischer Hilfe könnten die gigantischen Öl- und Gasvorkommen vor der griechischen Küste gefördert werden. Binnen weniger Jahre könnte Griechenland zu einer der prosperierendsten Regionen in Europa aufsteigen. Ein Alptraum, jedenfalls aus Sicht der größenwahnsinnigen Brüsseler Polittechnokraten.

Auch das eine oder andere international tätige Finanzhaus würde eine solche „Lösung“ vermutlich nicht gerne sehen. Schließlich lassen sich besagte Rohstoff-Vorkommen im Zuge weiterer Rettungspakete für die Griechen trefflich „privatisieren“…

DAS dürften die eigentliche Sorgen derjenigen Strategen sein, die einen Austritt Griechenlands aus der EU plötzlich für „verkraftbar“ halten. In Wahrheit werden diese grandiosen „Politgrößen“ daher alles tun, um einen „Grexit“ unter allen Umständen zu verhindern.

Sie, die Politiker, wären nämlich sauber blamiert, sollte Griechenland die gesamte Währungsunion ein weiteres Mal an der Nase herumführen. Nachdem das Land unter tätiger Mithilfe von Goldman Sachs schon bei der Aufnahme in den Euro geschummelt hatte, wird man es jetzt nicht „einfach so“ in die schuldenfreie Unabhängigkeit entlassen…

Hinzu kommt ein weiterer wesentlicher Punkt: Käme Griechenland mit einer neuen Währung entgegen der gruseligen Untergangsparolen, die derzeit überall verbreitet werden, nach einer zweifellos schwierigen Übergangsperiode besser zurecht, als gedacht, dann wäre eines so sicher wie das Amen in der Kirche:

Im Handumdrehen würde das Beispiel Schule machen. Bei nächster Gelegenheit würden andere krisengeschüttelte Euroländer wie Spanien, Italien oder Portugal den Griechen folgen und den Euro ebenfalls abschaffen.

Angela Merkel würden ihre eigenen Worte auf die Füße fallen: „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“. So tönte es noch vor wenigen Monaten gebetsmühlenartig aus dem Kanzleramt. Jetzt, wo das Scheitern der Gemeinschaftswährung Realität werden könnte, soll ein Austritt Griechenlands plötzlich „verkraftbar“ sein. Keine Rede mehr von der Alternativlosigkeit der Eurorettung.

Was für eine traurige Schmierenkomödie…

Dabei wäre es schon heute das Klügste, den Griechen den Abschied von der Gemeinschaftswährung so einfach wie möglich zu machen und sie in der turbulenten Übergangsphase bei der Einführung einer neuen Währung nach Kräften zu unterstützen. Natürlich auch finanziell und mit Hilfen der EU. Doch da unsere Politiker in den vergangenen Jahren nicht gerade durch weitblickende Entscheidungen aufgefallen sind, wird daraus nichts werden. Statt dessen regieren Eitelkeit, Großmannssucht und Profitgier.

Deshalb wird Griechenland auch nach den Wahlen vom 25. Januar 2015 im Euro bleiben. Und zwar so lange bis gar nichts mehr geht, weil Griechenland und all die anderen europäischen Krisenregionen vollständig ausgeblutet sind…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief


 

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