Aus Freude am Baden: Warum es am Strand so gefährlich sein kann

3. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Kolumne von Frank Meyer 

Sie mögen Klatsch? Ich auch. Vor allem im Urlaub, wenn man keine Ruhe findet. Nicht dass ich irgend etwas erfahren möchte, nein, es wird einem regelrecht aufgedrängt, wenn man am Strand von Mallorca das Geschrei der Nachbarn zu ertragen hat. Dabei gehe ich schon außerhalb der Strandzeiten schwimmen. Andere offenbar auch…

Kennen Sie das auch? Der erste Handstreich in den Urlaubsgebieten ist das morgendliche Belegen der Badeliege mit bunten Handtüchern. Deshalb meide ich diese Ballerburgen mit Buffet. Es schützt jedoch nicht davor, auch am Strand diese Leute zu treffen, während das arme Handtuch im Hotel einsam vor sich hin bleicht. Kaum ist es Mittag, ist man umlagert von lauten Menschen und ihren Geschichten. Meist erzählen sie nur von sich. Man kann nichts tun, außer sie meiden, wenn es geht.

Die mallorcinischen Strände, die Cala`s, sind recht schmal. Am Nachmittag sitzen die Badegäste dann fast aufeinander wie Fliegen auf Leberwurst. Doch es gibt schlimmere Dinge, wie die Gespräche der Handtuch-Nachbarn. Was man da alles zu hören bekommt…

Die Euros an der Strandbar, drei Stück davon für einen Kaffee, sind derzeit die einzige Verbindung für mich zum Finanzmarkt. Ich gestehe, ich habe in den letzten Tagen nichts mitbekommen, nur dass der DAX 25 Jahre alt geworden ist. Gold und Silber sind weiter gefallen. Öl will hoch. Die Temperaturen auch.

Etliche Zeitungen spülen dann doch einige Nachrichten bis an den Strand von Sa Punta. Manchmal wackelt der Leuchtturm deswegen. Ich habe aufgeschnappt, dass am Montag an der Börse ein DAX-Man oder irgend eine Gestalt durch den Börsensaal rannte. Der DAX feierte seinen 25. Geburtstag. Ich gebe alles nur vom Hörensagen wider, denn weder DAX noch DAXman interessieren mich. Irgend etwas scheint man gefeiert zu haben. Und irgend etwas scheint schief zu laufen. Der DAX sei gefallen, klagte der Nachbar. Aber das war mir egal und wollte auch nicht nachfragen.

Man kann so viel Spaß haben, wenn man den Finanzmärkten aus dem Weg geht. Deshalb machen das ja so viele Leute und haben offenbar ihre Gründe. Wie ist das Wetter in Deutschland? Was für eine Gackere darüber auf Mallorca bei 28 Grad.

Ein großes Thema scheint die neue Döner-Diät in der Bild zu sein, wovon man heute neben mir sprach. Und dass ein vermeintlicher Modemacher sich vermeintlich mit Kokain die Nase verstopft hat und deshalb an vermeintlichem Sauerstoffmangel im Hirn leidet. Ich schreibe „vermeintlich“, denn so genau weiß dass niemand. Es schien wichtig zu sein. In hohen Tönen wurde aus der BILD zitiert. Bis auf den Sport. Der Herrgott hörte mein Gebet. Das alles dauerte gefühlte drei Stunden, obwohl ich nach einer Stunde weg war. Auf den anderen Handtüchern versuchte man es mit der Erziehung der Kinder auf verbale Art…

Kennen Sie das auch? Immer wenn die Stimme von irgendjemandem an der Decke, in diesem Fall an den Wolken entlang kriecht, scheint Gefahr im Verzug zu sein. Und so erfuhr ich ungewollt das Wichtigste aus dem Mund einer Frau im offenbar zu heißen Sand, wobei der zu eng sitzende Badeanzug ihr Atmen behinderte. Neptun hätte große Freude, ihr die Tiefsee zu zeigen, hatte aber offenbar Furcht vor ihren hohen Tönen. An diesem Morgen war für ihn die Auswahl am Strand groß. Neulich wurde im Norden ein großer Hai gefangen. Er ähnelte sehr dieser Frau neben mir.

Eigentlich hatte ich nur die deutschen Wolken satt und mancher hätte den Eindruck bekommen können, ich wünschte mir schnellen Hautkrebs herbei. Die Nachbarin war da schon etwas weiter und viel erfolgreicher. Ihre Zunge war schon recht rot. Zu viel Sonne scheint auch ihrem Sprachzentrum Probleme zu bereiten. Wasser trinkend und Kekse essend, ließ sie unablässig mit ihrer hellen Stimme die gebauten Sandburgen der Kinder einstürzen wie nach einem Erdbeben. Ihre Tochter hieß Schackeline…

Urlaub hat doch etwas Herrliches. Man kann mal richtig abschalten, sogar den guten Geschmack. Es sich mal richtig gut gehen lassen, bevor man nach zwei Wochen wieder im Hamsterrad seine Runden dreht. Ich frage mich, warum der NSA nicht auch die mallorcinischen Strähne überwacht. Meines Erachtens liegen hier oft sehr viele Terroristen direkt neben mir.


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4 Kommentare auf "Aus Freude am Baden: Warum es am Strand so gefährlich sein kann"

  1. mikap sagt:

    Hallo Herr Meyer,
    danke für Ihren Bericht von der Insel.
    Ihre Eindrücke sind der Grund, warum wir uns wieder
    eine kleine Finca in der grünen Mitte gebucht haben.
    Dort gibt’s keine Handtuchschlachten und keine „gestrandeten
    Wale“ die sprechen können.
    Liebe Grüße
    Michael Kaps

  2. Bloody Mary sagt:

    Wenn Sie Massen penetranter Zeitgenossen fürchten, fahren Sie doch woanders hin, Herr Meyer. Jeder, der nach Malle fliegt, weiß, was ihn erwartet. Und Sie fahren ständig hin! Also scheinen Sie Ihren Aufenthalt unter den Fans des Privatfernsehens doch irgendwie zu genießen???!!! Wenn nicht, dann…

    mein Tipp: Fahren Sie an die Nordsee. Da sind wir gerade. Wir haben nicht in das schnöde gelbe Metall, sondern in ein Häuschen investiert. Die Luft ist unvergleichlich, die Strände weit und das Meer wunderbar sauber. Von Schackelines und deren Müttern keine Spur. Versprochen!

    • Frank Meyer sagt:

      Ich bin hier immer in der ruhigsten Ecke des Landes. Nix außer Wind… Aber zum Schwimmen muss ich nun mal an den Strand. Klar, ich überspitze wie immer etwas, aber in diesem Jahr ist es echt extrem. Das ist der Aufschwung!

  3. exc530 sagt:

    Lieber Frank,
    Die Wahrheit in köstliche Worte verpackt. Einmal mehr!
    Und einmal mehr Danke dafür!

    Gruß Felix

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